In der hier vorliegenden Hausarbeit soll ein Einblick gegeben werden über das Alltagsleben lesbischer Frauen zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur.
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema ist noch nicht weit fortgeschritten. Während es über manche Themen, besonders für die Zeit von 1933 bis 1945, zahlreiche Publikationen unterschiedlichster Verfasser gibt, sind zum Thema „Lesbische Frauen in der NS-Zeit“ nur wenige zu finden. Am intensivsten hat sich die Berliner Historikerin Claudia Schoppmann mit diesem Thema beschäftigt, so daß ich mich in dieser Hausarbeit vornehmlich auf ihre Veröffentlichungen stütze. Zunächst soll dargestellt werden, wie die nationalsozialistische Frauen- und Bevölkerungspolitik aussah und welchen Einfluß sie auf das Leben lesbischer
Frauen hatte. Ferner beschäftige ich mich mit der rechtlichen Grundlage und der Zerschlagung und Auflösung der Homosexuellenbewegung. Ich verweise auf die von Deutschland verschiedene Gesetzeslage in Österreich nach der Annexion 1938. Ausführlicher betrachte ich sowohl die Situation lesbischer
Frauen innerhalb der nationalsozialistischen Konzentrationslager als auch die autobiographischen und biographischen Zeitzeuginnenberichte.
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Inhaltsverzeichnis
Nationalsozialistische Frauenpolitik
Bevölkerungspolitik und weibliche Homosexualität
Strafverfolgung und weibliche Homosexualität
Die Auflösung der Homosexuellenbewegung und ihre Auswirkungen auf das alltägliche Leben lesbischer Frauen
Zeugnisse lesbischer Frauen im Konzentrationslager
Die juristische Situation in Österreich
Biographische und autobiographischen Zeitzeugenberichte
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Alltagsleben lesbischer Frauen während der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur (1933–1945). Ziel ist es, trotz einer schwierigen Quellenlage aufzuzeigen, wie sich die nationalsozialistische Frauen- und Bevölkerungspolitik sowie die Zerschlagung der Homosexuellenbewegung auf die Lebensrealität betroffener Frauen auswirkten.
- Analyse der nationalsozialistischen Frauenideologie und deren Auswirkungen auf kinderlose Frauen.
- Untersuchung der rechtlichen Grundlagen und der Verfolgungspraxis gegenüber homosexuellen Frauen.
- Dokumentation der Zerschlagung der homosexuellen Subkultur und Infrastruktur.
- Betrachtung der Situation lesbischer Frauen in Konzentrationslagern.
- Auswertung von biographischen Zeugnissen zur Rekonstruktion individueller Lebenswege.
Auszug aus dem Buch
Bevölkerungspolitik und weibliche Homosexualität
Natürlich waren lesbische Frauen von den oben genannten Maßnahmen gegen ledige und kinderlose Frauen besonders betroffen. Es kann also davon ausgegangen werden, daß es einige homosexuelle Frauen nach 1933 vorzogen, zu heiraten und sich dadurch vor Verdächtigungen zu schützen. Ein unauffälliger Lebenswandel wurde für die Frauen wichtiger, als er vorher war. Viele Frauen zogen es nach 1933 auch vor, ihr Äußeres zu verändern, wie z. B. die Haare länger wachsen zu lassen oder sich weiblicher zu kleiden.
Innerhalb der von lesbischen Frauen eingegangen Ehen war der Ehemann nicht immer von der wahren sexuellen Orientierung seiner Frau unterrichtet. Beliebt waren auch Josefsehen zwischen homosexuellen Männern und Frauen, da dadurch auch dem Mann die Möglichkeit gegeben wurde, einer Verfolgung zu entgehen.
Zusammenfassung der Kapitel
Nationalsozialistische Frauenpolitik: Dieses Kapitel beschreibt die ideologischen Vorstellungen der Nationalsozialisten zur Rolle der Frau, die vorrangig auf Ehe und Mutterschaft ausgerichtet war.
Bevölkerungspolitik und weibliche Homosexualität: Hier wird analysiert, wie sich der politische Druck auf Frauen auswirkte und warum viele den Weg in Schein-Ehen suchten.
Strafverfolgung und weibliche Homosexualität: Das Kapitel erläutert die Debatten um den § 175 StGB und warum weibliche Homosexualität offiziell nicht als Strafbestand übernommen wurde.
Die Auflösung der Homosexuellenbewegung und ihre Auswirkungen auf das alltägliche Leben lesbischer Frauen: Diese Sektion behandelt die Zerschlagung von Organisationen wie dem Institut für Sexualwissenschaft und die Überwachung homosexueller Treffpunkte.
Zeugnisse lesbischer Frauen im Konzentrationslager: Es werden die Haftbedingungen und die oft schwierige Kategorisierung homosexueller Frauen innerhalb der Lager thematisiert.
Die juristische Situation in Österreich: Hier werden die rechtlichen Unterschiede zum "Altreich" und die Verfolgungspraxis nach der Annexion 1938 beleuchtet.
Biographische und autobiographischen Zeitzeugenberichte: Das letzte Kapitel analysiert verschiedene Lebensgeschichten und deren wissenschaftliche Auswertungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, lesbische Frauen, Frauenbewegung, Bevölkerungspolitik, § 175 StGB, Konzentrationslager, Ravensbrück, Homosexuellenbewegung, Verfolgung, Alltag, Zeitzeugenberichte, Frauenkonzentrationslager, Diskriminierung, Schein-Ehe, Nationalsozialistische Frauenpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Lebenssituation lesbischer Frauen in der NS-Zeit und untersucht deren spezifische Betroffenheit durch die nationalsozialistische Diktatur.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Aspekte sind die nationalsozialistische Frauenpolitik, die Verfolgungspraxis, die Zerstörung der homosexuellen Infrastruktur sowie die Erlebnisse lesbischer Frauen in Konzentrationslagern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, trotz der begrenzten wissenschaftlichen Quellenlage einen Einblick in den Alltag lesbischer Frauen zu geben und aufzuzeigen, wie sie sich den politischen Anforderungen widersetzten oder anzupassen versuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung existierender historischer Veröffentlichungen, insbesondere von Claudia Schoppmann, sowie auf autobiographische Zeitzeuginnenberichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die rechtliche Situation, die Auflösung der homosexuellen Subkultur, die Bedingungen im KZ sowie individuelle Schicksale anhand ausgewählter Beispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nationalsozialismus, Verfolgung, lesbische Frauen, Konzentrationslager und gesellschaftliche Isolation charakterisiert.
Warum wurde weibliche Homosexualität im NS-Staat nicht explizit per Gesetz verfolgt?
Dies lag vor allem am patriarchalischen Weltbild, das weibliche Sexualität als passiv definierte und Frauen als bevölkerungspolitisch nutzbar ansah, weshalb die Gefahr durch Lesben als geringer eingeschätzt wurde.
Inwiefern unterschied sich die Situation lesbischer Frauen in Österreich?
In Österreich war Homosexualität zwischen Frauen bereits vor der Annexion 1938 durch den Paragraphen 129 Ib StGB strafbar, was auch nach dem "Anschluss" in dieser Hinsicht fortbestand.
- Quote paper
- Imke Bittner (Author), 2001, Zeit der Traurigkeit - lesbischer Alltag im Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2162