Hochbegabung. Probleme von hochbegabten Kindern und Jugendlichen im sozialen Umfeld. Integration in die Gesellschaft.


Zwischenprüfungsarbeit, 2004

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffserklärung

3. Merkmale Hochbegabter

4. Interessen und Motivation

5. Das soziale Umfeld und dessen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung Hochbegabter
5.1. Der Einfluss der Familie
5.2. Der Einfluss der Peer-Beziehungen und Freundschaften
5.2.1. Warum sind die Peer-Beziehungen im Jugendalter so wichtig und beeinflussend?
5.2.2. Was steht Hochbegabten bei engeren Beziehungen im Wege?
5.3. Der Einfluss der Schule

6. Die Gesellschaft und die Hochbegabung

7. Folgen für die betroffenen Kinder und Jugendlichen
7.2. Anpassung oder Isolation?
7.3. Abweichendes Denken und Verhalten: Warum versteht mich niemand?
7.4. Zweifel an Traditionen
7.5. Underachievement

8. Konsequenzen für die Förderung Hochbegabter und Schlussbetrachtung

9. Literatur

1. Einleitung

Seit Jahrhunderten schon haben talentierte und begabte Menschen großen Anteil am Erkenntnisstand und Fortschritt unserer Gesellschaften. Ihre Fähigkeiten überragten und überragen die des „durchschnittlichen Normalbürgers“ um einiges.

(...) anders, nicht im Schritt mit anderen, manipulatorisch, Angeber, die alles besser wissen, boshaft, hyperaktiv, eigensinnig, anderen gegenüber gefühllos, aggressiv, sonderbar, gesellschaftsfeindlich, eingebildet, impertinent und herausfordernd, rechthaberisch, respektlos, immer nur mit sich selbst beschäftigt, nicht bereit sich an herkömmliche Wege zu halten, undiszipliniert (...).[1]

Wie dieses Zitat schon zeigt, verursacht genau dieser hohe Grad an Wissen Fertigkeiten und Fähigkeiten, dass hochbegabte Menschen innerhalb unserer Gesellschaften missverstanden werden. Mangelnde Aufklärung über die Phänomenologie der Hochbegabung und deren Konsequenzen haben als Folge, dass dem Anspruch auf bestmögliche Förderung der Fähigkeiten aller Menschen nicht Rechnung getragen wird. Nur profunde Kenntnisse darüber können gewährleisten, dass unsere Gesellschaft lernt, mit der Hochbegabung gebührend umzugehen.

In der folgenden Arbeit werde ich mich genauer mit dem Thema der Hochbegabung beschäftigen und dabei hauptsächlich auf die Probleme und Schwierigkeiten der hochbegabten Kinder und Jugendlichen eingehen. Als Einstieg werde ich notwendigerweise den Begriff an sich, sowie dazugehörige Definitionen erklären müssen, da hierbei durch die verschiedene Literatur auch sehr verschiedene Erklärungen geliefert werden. Ich gehe dann über zu den allgemeinen Merkmalen jener Kinder und Jugendlichen und werde mich im Anschluss mit dem Einfluss des sozialen Umfeldes und den Konsequenzen für Hochbegabte auseinandersetzen.

Im Zusammenhang mit meiner zukünftigen Tätigkeit als Lehrer empfinde ich es als sehr hilfreich und notwendig, mich mit dem Phänomen der Hochbegabten auseinanderzusetzen. Um den weitreichenden Anforderungen an der Schule gerecht werden zu können, benötige ich unter anderem auch Kenntnisse zu diesem prekärem Thema. Ich hoffe, damit einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Lage und das Verständnis, welches Hochbegabten entgegengebracht werden muss, leisten zu können.

2. Begriffserklärung

Hochbegabung ist ein hypothetischer Konstruktbegriff, d. h. die Definitionen sind abhängig von den jeweiligen theoretischen Bezugsbasen. Weit gefasst könnte man Begabung als „das Insgesamt personaler (kognitiv, motorisch) und soziokultureller Lern- und Leistungsvoraussetzungen“[2] definieren. Hierbei ist die Begabungsentwicklung als „Interaktion interner Anlagefaktoren und externer Sozialisationsfaktoren zu verstehen“[3].

Eine allgemeine Definition des Konstrukts „Hochbegabung“ gibt K. K. Urban:

Hochbegabt ist, wer in der Lage ist oder in die Lage versetzt werden kann, sich für ein Informationsangebot – auch aus einer Sicht – hohen Niveaus zu interessieren, ihm zu folgen, es zu verarbeiten und zu nutzen.[4]

In der Begabungsforschung findet man unzählige Definitionen dieses Begriffes, welche einerseits historisch betrachtet differieren sowie auch hinsichtlich ihrer Ansätze. In der Vergangenheit wurden oftmals die Begriffe „Intelligenz“, „Kreativität“ und „Expertise“ mit dem Begriff der Hochbegabung synonymisch verwendet.[5] Dies deutet schon darauf hin, dass der Begriff keineswegs präzise zu definieren ist.

Es besteht also Klärungsbedarf, wo sich Hochbegabung zum Beispiel von der Begabung abgrenzt. Heutzutage finden wir in der psychologischen Forschung verschiedene Klassifikationen für die Hochbegabung, von denen drei im folgenden von mir kurz erklärt werden sollen.

- „Ex-post-facto-Definitionen“:

Erwachsene oder Kinder, die etwas Außergewöhnliches leisten, werden als hochbegabt bezeichnet.

- „IQ-Definition“

Personen, die einen Intelligenzquotienten von mehr als 130 haben, zählen zu den Hochbegabten.

- „Prozentsatzdefinition“

Ein bestimmter Prozentsatz der Bevölkerung wird als hochbegabt eingestuft. Dabei können Noten, Schulleistungstests sowie Intelligenztestwerte mit einbezogen werden.[6]

All diese Definitionen schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern gehen teilweise in einander über. Das Problem besteht darin, dass es noch keine allgemein anerkannte Definition für den Begriff gibt und sich deshalb die Forscher über die Begriffsdifferenzierung uneinig sind.[7]

Ein weiterer Gesichtspunkt der Unterscheidung durch die verschiedenen Forscher ist die Intelligenz. D. h. es gibt zum Einen die „intellektuelle Begabung“[8] und zum anderen die „nicht intellektuelle Begabung“[9]. Man kann sagen, dass „moderne Intelligenztheorien bereichsspezifische Konzeptionen“[10] bevorzugen. So unterscheidet Gardner demnach folgende „skill“ – spezifische intellektuelle Kompetenzen:

- sprachliche Intelligenz
- logisch-mathematische Intelligenz
- räumliche Intelligenz
- musikalische Intelligenz
- intrapersonale Intelligenz
- interpersonale Intelligenz.[11]

Heller legte sich darauf fest, Hochbegabung allgemein als „mehrdimensional“[12] zu betrachten und stuft es als „personale und soziale Voraussetzung für Leistungsexzellenz“[13] ein. Neben der intellektuellen Begabung, die zumeist im Vordergrund der Betrachtung von Intelligenzforschung und –förderung steht, gibt es noch vier weitere Begabungsfelder: den „kreativen, sozialen, musikalischen und [...] psychomotorischen Bereich“[14]. Diese Bereiche werden natürlich beeinflusst durch diverse Faktoren der Umwelt und der Individuen selbst. Auf diese möchte ich hier jedoch nicht näher eingehen.

Die Uneinigkeit über die Definitionen des Begriffes Hochbegabung hat dazu geführt, dass sich in der Vergangenheit mehrere Konzepte/Modelle entwickelt haben, die sich diesem Konstrukt annähern. Diese Modelle sollen darstellen, welche Umweltfaktoren die Begabungsentfaltung beeinflussen.

3. Merkmale Hochbegabter

- „Der Osterhase kann Eier legen. Er ist doch ein Säugetier!“ Björn, 3 Jahre[15]
- „Selbst das Licht braucht länger als ein Menschenleben, um ins nächste Sonnensystem zu kommen. Wenn es dort Menschen gäbe, würden wir sie nie treffen können!“ Thomy, 4 Jahre[16]

Schon im Säuglingsalter können sich erste Hinweise auf Hochbegabung zeigen, beispielsweise wenn der Säugling wenig schläft, lärmempfindlich und sehr sensibel reagiert. Auch wenn Kinder sich auffällig früh für Buchstaben und Zahlen interessieren, sich mit intellektuellen Problemen befassen und viele wissenschaftliche Fragen stellen, können dies Indikatoren für eine besondere Begabung sein. Es gibt allerdings kein typisches Verhalten, aus dem sich Hochbegabung ableiten ließe. Daher ist Hochbegabung selbst für Eltern oft schwer zu erkennen. Jedoch sollte man das Auftreten einiger Merkmale für Hochbegabung nicht immer überbewerten und in jedem Anzeichen eine Hochbegabung sehen.

Trotz der Unterschiede der einzelnen Individuen lassen sich in der Literatur doch immer wieder Hinweise auf charakteristische Gemeinsamkeiten besonders begabter Kinder finden, zumindest was den Bereich der intellektuellen, geistigen Leistung betrifft. Besonders begabte Kinder, die in ihrer frühen Kindheit und Vorschulzeit unter anregenden und fördernden Umweltbedingungen aufgewachsen sind, lassen sich in Bezug auf vorwiegend kognitiv bestimmte Merkmale zu Beginn der Schulzeit wie folgt beschreiben. In der Regel sind dies:

- ausgesprochen frühe komplexe und flüssige Sprache
- frühes Interesse an Buchstaben und Zahlen
- viele unterschiedliche Interessen
- hohe Auffassungsgabe, extrem hohe Denkgeschwindigkeit
- enorme Ausdauer und Konzentration beim Bearbeiten von Aufgaben
- divergentes Denken
- Sensibilität
- ausgeprägtes Explorationsverhalten
- Ideenreichtum, Phantasie und Kreativität
- gern unabhängig arbeitend
- leidenschaftliches Planen und Organisieren
- ausgeprägter Sinn für Humor
- Perfektionismus
- Beschäftigung mit „Erwachsenenthemen“
- hohes Moral- und Gerechtigkeitsbewusstsein.[17]

Die Abwesenheit eines oder mehrerer der zusammengetragenen Merkmale und Verhaltensweisen schließt aber nicht zwangsläufig aus, dass das Kind besonders begabt ist.[18] Es sind nur einige mögliche Indikatoren, die wiederholt beobachtet wurden.

Bei Kindern mit überdurchschnittlichen intellektuellen Fähigkeiten ist eine fragende, kritische Grundhaltung besonders oft anzutreffen.. Damit verbunden ist dann auch eine sehr selbstkritische Grundhaltung. Unter den Eindrücken mangelnder Anerkennung wird das Selbstbild hinterfragt und beginnt oft erheblich zu leiden. Daher gehört eine Stärkung des Selbstbewusstseins zu einer der nötigsten Maßnahmen für diese Kinder.[19]

4. Interessen und Motivation

Neben kognitiven und nicht-kognitiven Begabungsmerkmalen weisen hochbegabte Kinder und Jugendliche natürlich auch soziale Merkmale auf. Das bedeutet, sie legen ein bestimmtes Verhalten an den Tag, welches genau wie bei allen anderen Menschen, mehr oder minder von der Umwelt beeinflusst wird. Darüber hinaus haben sie natürlich auch die Fähigkeit, ihre Umwelt zu beeinflussen. Sie entwickeln im Laufe ihrer Entwicklung eigene Interessen.

Nun stellt sich die Frage: Haben hochbegabte Kinder dieselben Interessen wie die anderen Kinder ihres Alters? Gibt es Interessen, die hochbegabungsspezifisch sind?

Es heißt, intellektuell besonders befähigte Kinder haben häufig andere Interessen, einen verstärkten Wunsch nach Selbststeuerung, erhöhte emotionale oder soziale Sensibilität oder Wissensdurst in speziellen Fachgebieten. Solche Kinder zeigen einen ausgeprägten Explorationsdrang, sie wenden sich aktiv ihrer direkten Umwelt zu, handeln, untersuchen, experimentieren und entdecken. Sie legen eine immense Neugier und ein Erkenntnisstreben an den Tag und fordern, wenn nötig, Unterstützung und Rat an. Des weiteren beweisen sie eine erstaunliche Ausdauer bei der Beschäftigung mit ihren selbstgewählten Themen und Tätigkeiten und können sich dabei selbst motivieren. Sie sind dann mit ihrer ganzen Persönlichkeit dabei und haben Freude an ihrem Tun.[20]

Schiefele beschäftigte sich 1986 näher mit den Interessen der Hochbegabten und den daraus resultierenden Konsequenzen. Er definierte Interessen als „spezifische Personen-Gegenstands-Beziehungen, d. h. Orientierungen in Bezug auf verschiedene Bereiche, denen sich eine Person aus eigener Initiative zuwendet“[21].

Seiner Meinung nach ziehen Interessen die folgende Kette nach sich: Interessen verursachen, dass ein hochbegabter Mensch den Wunsch entwickelt, sich anzustrengen. Als Konsequenz seiner Anstrengung kommt es dann zu einem Leistungsverhalten, weil er erfolgreich ist. Wenn ein Interesse stark genug ist, dann befähigt es einen Menschen, diesem nachzugehen, ohne dabei die Meinungen und Wertvorstellungen seiner Umwelt zu beachten. Dennoch sind soziale Aspekte notwendig, um Interessen aufrecht zu erhalten und weiter zu entwickeln. Es bedarf also Anerkennung von außen und auch eines eigenen Gefühls der Selbstverwirklichung.[22]

[...]


[1] Manfred Tücke, Psychologie in der Schule – Psychologie für die Schule: Eine themenzentrierte Einführung in die pädagogische Psychologie für (zukünftige) Lehrer, Münster 1998, S. 136.

[2] Kurt A. Heller (Hrsg.), Hochbegabung im Kindes- und Jugendalter, Göttingen 1992, S. 19.

[3] Ebenda.

[4] H. Geuß, K. K. Urban, Hochbegabte Kinder, In: W. Wieczerkowski & H. zur Overeste (Hrsg.), Lehrbuch der Entwicklungspsychologie, Band 3, Düsseldorf 1982, S. 93.

[5] Vgl. Oxana L. Kovaltchouk, Hochbegabte Kinder und ihre Peer-Beziehungen, Regensburg 1998, S. 5.

[6] Vgl. Annette Tettenborn, Familien mit hochbegabten Kindern, Münster 1996, S. 1.

[7] Vgl. Kovaltchouk, S. 4.

[8] Vgl. Tettenborn, S. 2.

[9] Ebenda.

[10] Kovaltchouk, S. 5.

[11] Vgl. Kovaltchouk, S. 5-6.

[12] Heller, S. 18.

[13] Ebenda

[14] Ebenda, S. 20.

[15] http://www.tirol-php.highway.telekom.at

[16] Ebenda.

[17] Vgl. J. T. Webb, E. A. Meckstroth, S. S. Tolan, Hochbegabte Kinder, ihre Eltern, ihre Lehrer – Ein Ratgeber, Göttingen 1998, S. 60 und http://www.dghk.de/nordbayern/che_inh.htm

[18] Vgl. U. Schaarschmidt, Wie lässt sich intellektuelle Begabung im Vorschulalter erkennen? – Vorstellung eines diagnostischen Ansatzes. In: K. K. Urban (Hrsg.), Begabung entwickeln, erkennen und fördern, Hannover 1995, S. 126ff.

[19] http://www.dghk.de/nordbayern/che_inh.htm

[20] Ebenda.

[21] Heller, S. 245.

[22] Vgl. Heller, S. 245f.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Hochbegabung. Probleme von hochbegabten Kindern und Jugendlichen im sozialen Umfeld. Integration in die Gesellschaft.
Hochschule
Universität Potsdam  (Humanwissenschaftliches Institut)
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
28
Katalognummer
V21677
ISBN (eBook)
9783638252386
ISBN (Buch)
9783640126651
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit wurde im Rahmen der Zwischenprüfung für das Lehramt im Erzeihungswissenschaftlichen Bereich erstellt.
Schlagworte
Hochbegabung, Probleme, Kindern, Jugendlichen, Umfeld, Integration, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Nico Herzog (Autor), 2004, Hochbegabung. Probleme von hochbegabten Kindern und Jugendlichen im sozialen Umfeld. Integration in die Gesellschaft., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21677

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