Die Arbeit analysiert die Krise des schwedischen Wohlfahrtsstaats Anfang der 1990er Jahre.
Sie legt überzeugend dar, dass der zwischenzeitliche Kollaps des schwedischen Modells keinesfalls zum zwangsläufigen Ergebnis einer sinkenden Arbeitsmoral oder eines steigenden Globalisierungsdrucks geriet. Weder Opfer eines hemmungslosen Steuer- und Kapitalwettbewerbs, noch Ausdruck mangelnder Eigeninitiative, erkrankte der schwedische Wohlfahrtsstaat vielmehr im Zuge einer fehlgeleiteten neoliberal orientierten Politik der regierenden SAP.
Wie das mittlerweile wieder aufgeblühte schwedische Modell 15 Jahre nach der Krise deutlich macht, ist auch im globalisierten Kontext weiterhin ein Dritter Weg zwischen Liberalismus und Sozialismus möglich.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Schwedische Modell als spezifische Ausprägungsform des sozialdemokratischen Wohlfahrtsregimes
2.1 Das universalistisch- sozialdemokratische Wohlfahrtsregime
2.2 Das Schwedische Modell universalistischer Wohlfahrt
2.2.1 Die Institutionalisierung des Wohlfahrtsstaats und die Entwicklung der sozialpartnerschaftlichen Grundpfeiler des Schwedischen Modells
2.2.2 Das Rehn-Meidner Modell als prägendes makroökonomisches Steuerungselement des Schwedischen Modells
2.2.3 Die Entwicklung des Schwedischen Modells bis zum Anfang der 1980er Jahre
3. Die Auswirkungen globaler Strukturveränderungen auf die Handlungsspielräume des Schwedischen Modells
3.1 Intensivierte Handels- und Wettbewerbsbeziehungen
3.2 International forcierte Kapitalmobilität
3.3 Die Multinationalisierung der Unternehmen
3.4 Zwischenfazit
4. Die Politik der SAP im Vorfeld und während der Krise
5. Schlussfolgerung
5.1 Ursachen der Krise Anfang der 1990er Jahre
5.2 Perspektiven des universalistisch-sozialdemokratischen Modells
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Transformation des schwedischen Wohlfahrtsstaats unter dem Einfluss globaler Strukturveränderungen, insbesondere im Kontext der Wirtschaftskrise Anfang der 1990er Jahre. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern eine strukturelle Inkompatibilität zwischen dem traditionellen schwedischen Modell und den Anforderungen der Globalisierung besteht oder ob die Krise primär auf interne politische Fehlentscheidungen und konjunkturelle Entwicklungen zurückzuführen ist.
- Historische Entwicklung und normative Leitbilder des schwedischen Wohlfahrtsmodells
- Auswirkungen von Globalisierung und Kapitalmobilität auf nationale Handlungsspielräume
- Politik der Sozialdemokratischen Partei (SAP) und der Zusammenbruch zentraler Steuerungsinstrumente
- Analyse der Krise Anfang der 1990er Jahre und zukünftige Perspektiven des Wohlfahrtsstaats
Auszug aus dem Buch
3.2 International forcierte Kapitalmobilität
Im Gegensatz zu den nur leicht gestiegenen Exporten stellt der exponentielle Anstieg der Finanzkapitalflüsse - insbesondere nach dem Ende des Kalten Krieges - einen qualitativen Entwicklungssprung dar. Obgleich sich dieser bis Mitte der 1980er Jahre noch vergleichsweise moderat darstellte, wurden tragende Pfeiler des Rehn-Meidner-Modells bereits lange vor der beschlossenen Liberalisierung des schwedischen Kapitalmarkts 1986 unterminiert.
Die unter Federführung der USA forcierte Aufhebung internationaler Kapitalverkehrskontrollen, die Ausweitung des transnationalen "Offshore"- Dollar Markts, wie die in Folge der Ölkrise dauerhaft über die Wachstumsraten der OECD-Staaten gestiegenen Realzinsen, führten schon Ende der 1970er Jahre zu kaum kontrollierbaren internationalen Finanzströmen. Das Rehn-Meidner-Modell wurde in den 1950er Jahren jedoch noch unter der Prämisse geringer grenzüberschreitender Kapitalbewegungen formuliert. Nachdem der im Zusammenhang offener Gütermärkte thematisierte Wirkungsverlust keynesianischer Strategien nur periphere Auswirkungen auf das Modell hatte, wurde dieses nun durch offene Kapitalmärkte in seinen Grundfesten erschüttert.
Wie bereits in den Abschnitten 2.2 und 3.1 skizziert, stellen angebotsorientierte Maßnahmen die zentralen Elemente zur Erreichung der Rehn-Meidnerschen Zielsetzung forcierten Wachstums, Vollbeschäftigung und Preisstabilität dar. Der zu ihrer Verwirklichung praktizierte Policy-Mix beruht jedoch einerseits auf einer kapitalkostendämpfende Geldpolitik, andererseits auf einer restriktiven, Gewinne deckelnden Steuerpolitik. Wie im folgenden argumentiert wird, sind beide Politiken in offenen Finanzmärkten nicht mehr, oder nur noch sehr eingeschränkt, durchführbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Wahrnehmung der skandinavischen Wohlfahrtsstaaten als krisenresistente Modelle ein und skizziert die aufkommende Kritik am schwedischen Beispiel im Kontext der Globalisierung.
2. Das Schwedische Modell als spezifische Ausprägungsform des sozialdemokratischen Wohlfahrtsregimes: Das Kapitel erläutert das normative Leitbild des universalistischen Wohlfahrtsstaates und stellt die historische Entwicklung der schwedischen Institutionen sowie der makroökonomischen Steuerung durch das Rehn-Meidner-Modell dar.
3. Die Auswirkungen globaler Strukturveränderungen auf die Handlungsspielräume des Schwedischen Modells: Dieser Teil analysiert, wie zunehmende Handelsbeziehungen, internationale Kapitalmobilität und die Multinationalisierung von Unternehmen die nationalen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen unter Druck setzten.
4. Die Politik der SAP im Vorfeld und während der Krise: Hier wird die Reaktion der Regierung auf die wirtschaftliche Talfahrt beleuchtet, insbesondere der Bruch mit traditionellen Modellen durch eine neoliberal orientierte Politik und die Folgen für die Stabilität des Finanzsektors.
5. Schlussfolgerung: Das abschließende Kapitel fasst die Krisenursachen zusammen und bewertet die zukünftige Resilienz sowie die institutionellen Perspektiven des universalistisch-sozialdemokratischen Modells im 21. Jahrhundert.
Schlüsselwörter
Schwedisches Modell, Wohlfahrtsstaat, Sozialdemokratie, Rehn-Meidner-Modell, Globalisierung, Kapitalmobilität, Vollbeschäftigung, Strukturwandel, Wirtschafts- und Sozialpolitik, SAP, Korporatismus, Krisenmanagement, Arbeitsmarktpolitik, Wirtschaftskrise, Universalismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Stabilität und die spätere Krise des schwedischen Wohlfahrtsmodells unter dem Einfluss zunehmender wirtschaftlicher Globalisierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die neokorporatistischen Grundlagen des schwedischen Modells, die Auswirkungen von Kapitalmobilität auf nationale Politiken und die politische Reaktion der Sozialdemokratie auf die Wirtschaftskrise der 1990er Jahre.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob die Krise des schwedischen Modells durch eine grundsätzliche strukturelle Unverträglichkeit mit der Globalisierung bedingt war oder primär durch politisches Fehlmanagement verursacht wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politik- und wirtschaftswissenschaftliche Analyse, die theoretische Konzepte (wie die Esping-Andersen-Typologie) mit empirischen Beobachtungen der schwedischen Entwicklung verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Wirkungsmechanismen des Rehn-Meidner-Modells, die Erosion dieser Pfeiler durch globale Strukturveränderungen und die konkrete Krisenpolitik der Regierung ab den 1980er Jahren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie das Rehn-Meidner-Modell, Globalisierung, Wohlfahrtsregime, Strukturwandel und korporatistische Verhandlungsstrukturen stehen im Zentrum der Untersuchung.
Inwiefern hat die Multinationalisierung schwedischer Unternehmen das Modell beeinflusst?
Die Untersuchung zeigt, dass die Multinationalisierung die Machtbalance zwischen Arbeit und Kapital verschoben hat, was den Druck auf traditionelle korporatistische Strukturen und das Verhandlungssystem erhöhte.
Warum wird das Rehn-Meidner-Modell als zentral bezeichnet?
Das Modell wird als prägendes makroökonomisches Steuerungselement angesehen, da es das Ziel der Vollbeschäftigung mit Preisstabilität und moderatem Lohnwachstum durch eine spezifische arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitische Strategie verband.
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- Peter Goldschagg (Author), 2003, Schweden im Wandel - Grundlagen der Krise des sozialdemokratischen Wohlfahrtsmodells, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21694