Das Ziel der christlichen Hoffnung ist die Vollendung bei Gott, die beglückende Gottesgemeinschaft. In dieser Vollendung sind zwei wesentliche Momente zu unterscheiden: die individuelle Vollendung einerseits und die allgemeine Vollendung andererseits. Ausgangspunkt beider stellt die Auferstehung Christi dar, ohne die unsere Verkündigung leer und unser Glaube sinnlos wäre (vgl. 1 Kor 15,14). Durch sie hat Christus den Tod überwunden und uns das ewige Leben errungen.
Diese zentralen Glaubensinhalte sind in der Alten Kirche bereits im Apostolischen Glaubensbekenntnis, in dem die Kerninhalte unseres Glaubens zusammengefaßt sind, formuliert worden: die Auferstehung der Toten und das ewige Leben stehen am Schluß des Bekenntnisses und bilden dessen Höhepunkt. Sie sind auch heute hochaktuell und gehen den Christen im Kern seines Selbstverständnisses an.
Bis in die Gegenwart dauert die Diskussion um Themen wie das Leib-Seele-Verhältnis, die Auferstehung und des ewigen Leben an. Diese wissenschaftliche Arbeit möchte auf dem Hintergrund der historischen Entwicklungen einen Einblick in die Diskussion seit dem Vaticanum II geben und versuchen, Konsequenzen für eine heutige verantwortbare Rede und Praxis bezüglich des behandelten Themas aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Auferstehung und ewiges Leben: Zentrale Inhalte christlichen Glaubens
2. Zur Methode
3. Zur Zitierweise
1. Kapitel: Leib und Seele – Einheit oder Dualismus?
1. Allgemeine Einführung
1.1 Grundaussagen der Heiligen Schrift
1.1.1 Altes Testament
1.1.2 Neues Testament
1.2 Philosophische Implikationen
1.2.1 Der Leib-Seele-Dualismus bei Platon
1.2.2 Das materia-forma-Schema bei Aristoteles
1.2.3 Die Rezeption des Aristoteles durch Thomas von Aquin
1.3 Theologie- und dogmengeschichtliche Akzente
1.3.1 Platonische Nachwirkungen
a) Hugo von St. Viktor
b) Das Lateranense IV
1.3.2 Ansätze zur Überwindung des Leib-Seele-Dualismus
a) Das Viennense
b) Das Lateranense V
2. Neuere lehramtliche Aussagen
2.1 Das Vaticanum II
2.2 Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre zu einigen Fragen der Eschatologie
2.3 Johannes Paul II.: „Sollicitudo rei socialis“
2.4 Katechismus der Katholischen Kirche
3. Aktuelle Positionen
3.1 Psychologischer Seelenbegriff
3.2 Ablehnung eines physikalischen Leibverständnisses
3.3 Personales Leibverständnis
3.4 Die Seele als Ansprech- und Antwortorgan für Gottes Liebe
3.5 Die unsterbliche Treue Gottes als Unsterblichkeit der Seele
4. Zusammenfassung
4.1 Zurück zum biblischen Seelenbegriff
4.2 Überwindung des (neu-)platonischen Dualismus
4.3 Wandel im Verständnis der Unsterblichkeit der Seele
4.4 Der Mensch als „Du Gottes“
4.5 Systematisierung der heutigen Sicht
2. Kapitel: Die individuelle Vollendung des Menschen – Himmel, Gottesschau und ewiges Leben
1. Allgemeine Einführung
1.1 Grundaussagen der Heiligen Schrift
1.1.1 Altes Testament
a) Kosmologische Aspekte
b) Theologische Aspekte
c) Eine Lehre vom Zwischenzustand im Alten Testament?
1.1.2 Neues Testament
a) Das eschatologische Heil in Christus
b) Reich Gottes und ewiges Leben
c) Der Himmel als Zwischenzustand direkt im Tod?
1.2 Theologie- und dogmengeschichtliche Akzente
1.2.1 Vom „wartenden“ zum „geöffneten Himmel“
a) Bernhard von Clairvaux
b) Das Konzil von Lyon
1.2.2 Die unmittelbare Schau Gottes im Tod
a) Hugo von St. Viktor
b) Thomas von Aquin
c) Benedikt XII.: „Benedictus Deus“
1.2.3 Die Seligkeit als Liebesbeziehung
a) Bonaventura
b) Albertus Magnus
1.2.4 Der anthropozentrische Himmelsglaube im 18. und 19. Jahrhundert
2. Neuere lehramtliche Aussagen
2.1 Das Vaticanum II
a) Ewiges Leben nach dem Tod
b) Die Communio Sanctorum
c) Die Gottesschau
2.2 Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre zu einigen Fragen der Eschatologie
2.3 Katechismus der Katholischen Kirche
a) Postmortales Schicksal und selige Gottesschau
b) Der Himmel als Lebens- und Liebesgemeinschaft
3. Aktuelle Positionen
3.1 Joseph Ratzinger: Dimensionen des Himmels
a) Die christologische Dimension
b) Die ekklesiologische Dimension
c) Die anthropologische Dimension
d) Die kosmische Dimension
e) Die eschatologische Dimension
3.2 Medard Kehl: Interpretationen und Klarstellungen
a) Die ewige Ruhe?
b) Ein unendliches Weitergehen irdischer Annehmlichkeiten?
c) Selige Gottesschau?
d) Ein Himmel jenseits der irdischen Leidensgeschichte?
4. Zusammenfassung
4.1 „Öffnung“ und Vorverlegung des Himmels
4.2 Veränderungen im Verständnis des ewigen Lebens
4.3 Der Himmel als personale und kommunikative Wirklichkeit
4.4 Der christo- bzw. theozentrische Himmel
4.5 Systematisierung
3. Kapitel: Die allgemeine Vollendung der Schöpfung – Auferstehung der Toten und Wiederkunft Christi
1. Allgemeine Einführung
1.1 Grundaussagen der Heiligen Schrift
1.1.1 Altes Testament
a) Die Auferstehung der Toten
b) Neuer Himmel und neue Erde
1.1.2 Neues Testament
a) Die Auferstehung der Toten
b) Der Auferstehungsleib
c) Auferstehung in der Taufe
1.2 Theologie- und dogmengeschichtliche Akzente
1.2.1 Die 11. Synode von Toledo
1.2.2 Das 2. Konzil von Lyon
1.2.3 Pius XII.: „Munificentissimus Deus”
2. Neuere lehramtliche Aussagen
2.1 Das Vaticanum II
a) Die Wiederkunft Christi und die Auferstehung der Toten
b) Die Vollendung von Kirche und Schöpfung
c) Christus als das Ziel der Geschichte
d) Maria mit Leib und Seele im Himmel
2.2 Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre zu einigen Fragen der Eschatologie
2.3 Katechismus der Katholischen Kirche
a) Die Auferstehung der Toten
b) Die Aufnahme Marias mit Leib und Seele in den Himmel
c) Die Vollendung der Schöpfung
3. Aktuelle Positionen
3.1 Gisbert Greshake: „Auferstehung im Tod“
a) Der Ausgangspunkt: Das evolutive Weltbild
b) Sinngebende Transzendierung der Materie durch den Menschen
c) Der Übergang von der Evolution zur Geschichte
d) Die vollendete Zukunft der Geschichte
e) Die Auferstehung des Leibes
f) Die prozeßhafte Vollendung der Welt-Geschichte
g) Der Jüngste Tag
Exkurs: Der Holländische Katechismus
3.2 Joseph Ratzinger: Auferstehung am Jüngsten Tag
a) Die Unauflösbarkeit der Beziehung des Menschen zur Geschichte
b) Die Einbegreifung von Geist und Materie in der Vollendung der Schöpfung
c) Die Wiederkunft Christi
d) Der Auferstehungsleib
3.3 Anton Ziegenaus: Tod und Auferstehung Christi als Modell der allgemeinen Auferstehung
a) Die Realität der leiblichen Auferstehung Jesu
b) Die Auferstehung Christi „am dritten Tag“ und unsere Auferstehung
c) Die Parusie Christi und die Vollendung der Schöpfung
3.4 Hans Küng: Die Neuschöpfung des Menschen
a) Neuschöpfung und Verwandlung der Person
b) Die Vollendung in der allerletzten Wirklichkeit Gottes
c) Auferweckung und Gegenwart
d) Weltvollendung als Tat Gottes
e) Eine angemessene Rede von der Vollendung
4. Zusammenfassung
4.1 Die Entstehung des Auferstehungsglaubens
4.2 Die Beschaffenheit des Auferstehungsleibes
4.3 Die einzigartige Nähe Marias zu ihrem Sohn
4.4 Die Vollendung der Schöpfung bei der Auferstehung der Toten
4.5 Auferstehung am Jüngsten Tag und „Auferstehung im Tod“
4.6 Systematisierung
4. Kapitel: Auferstehung und ewiges Leben – Hochaktuelle zentrale Themen
1. Standpunkte
1.1 Ein Gott, der uns „mit Leib und Seele“ liebt
1.1.1 Keine Spiritualisierung des Glaubens
1.1.2 Seelsorge als „Leibsorge“
1.2 Das ewige Leben in Kommunikation und Dynamik
1.2.1 Neuschöpfung und Kontinuität
1.2.2 Die Vollendung aller in der Gemeinschaft der Heiligen
1.2.3 Das Dogma von der Assumptio Mariae
1.2.4 Keine intellektualistische Verkürzung
1.2.5 Keine Vertröstung auf das Jenseits
1.3 Die Vollendung von Mensch und Kosmos
1.3.1 Die Christozentrik des Vollendungsgeschehens
1.3.2 „Auferstehung im Tod“ oder am Jüngsten Tag?
1.3.3 Keine Absehbarkeit der Zukunft
2. Die Rede von der Ewigkeit
2.1 Unterscheidung von persönlichem und allgemeinem Ende
2.2 Begreifen und Ergriffensein
2.3 Jenseitsaussagen als Negativaussagen
2.4 Was können wir überhaupt sagen?
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht das Verständnis von Auferstehung und ewigem Leben in der katholischen Theologie seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Ziel ist es, die historische Entwicklung dieser eschatologischen Themen aufzuarbeiten, um fundierte Konsequenzen für eine gegenwärtig verantwortbare christliche Rede und Praxis bezüglich des Todes und der Vollendung aufzuzeigen.
- Leib-Seele-Verhältnis und dessen Bedeutung für die Eschatologie
- Individuelle Eschatologie: Himmel, Gottesschau und ewiges Leben
- Allgemeine Eschatologie: Auferstehung der Toten und Wiederkunft Christi
- Kritische Analyse aktueller theologischer Standpunkte (u.a. Ratzinger, Greshake, Küng)
- Lehramtliche Positionen nach dem Vaticanum II
Auszug aus dem Buch
Die unsterbliche Treue Gottes als Unsterblichkeit der Seele
Wird heutzutage von der Unsterblichkeit der Seele gesprochen, so wird sie wesentlich in der unsterblichen Treue Gottes zum Menschen begründet.
Der Mensch kann seine Befähigung, Dialogpartner Gottes zu sein, noch so sehr verdrängen und unterdrücken, er kann sie nicht zerstören und sich selbst als möglicher Gesprächspartner Gottes aufheben. Das Ja Gottes zu seinem Geschöpf Mensch ist absolut unbedingt und kann von nichts und niemandem außer Kraft gesetzt werden, auch nicht vom Tod. Gott bricht seinen Dialog mit dem Menschen niemals ab. Diese unsterbliche Treue Gottes ist der Garant menschlicher Unsterblichkeit.
Auf Seiten des Menschen ruft diese Treue ein freies und eigenständiges „Spiegelbild“ hervor, indem der Mensch selbst durch sie befähigt wird, ihr in Freiheit entsprechen zu können und mit seiner eigenen Gegenliebe zu antworten. Die Fähigkeit zur Gemeinschaft mit Gott übersteigt alle natürlichen Grenzen des Menschen und schließt notwendig auch die zwischenmenschliche Liebe bzw. Nächstenliebe sowie die Liebe zu allen Mitgeschöpfen mit ein.
Wie die unbegrenzte Treue Gottes zum Menschen, so macht auch die unbegrenzte Treue des Menschen zu Gott am Tod nicht halt. Die menschliche Seele vermag in der Kraft der erwiderten Treue zu ihrem Schöpfer den Tod zu überwinden und den Menschen der vollendeten himmlischen Gemeinschaft mit Gott, Christus und den anderen Vollendeten zuzuführen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die zentrale Bedeutung der Themen Auferstehung und ewiges Leben für den christlichen Glauben dargelegt und die methodische Vorgehensweise der Arbeit skizziert.
1. Kapitel: Leib und Seele – Einheit oder Dualismus?: Dieses Kapitel untersucht die anthropologischen Grundlagen, insbesondere das Leib-Seele-Verhältnis, und beleuchtet sowohl historische Modelle (Platon, Aristoteles, Thomas von Aquin) als auch lehramtliche und aktuelle Positionen.
2. Kapitel: Die individuelle Vollendung des Menschen – Himmel, Gottesschau und ewiges Leben: Fokus liegt hier auf der individuellen Eschatologie, wobei biblische, theologiegeschichtliche sowie moderne Positionen zum Himmel und zur Gottesschau analysiert werden.
3. Kapitel: Die allgemeine Vollendung der Schöpfung – Auferstehung der Toten und Wiederkunft Christi: Dieses Kapitel behandelt die allgemeine Eschatologie, insbesondere die Auferstehung der Toten und die Wiederkunft Christi, und diskutiert aktuelle Kontroversen wie die „Auferstehung im Tod“.
4. Kapitel: Auferstehung und ewiges Leben – Hochaktuelle zentrale Themen: Abschließend werden die erarbeiteten Ergebnisse zusammengeführt, um die Relevanz der Themen für die heutige Seelsorge und das christliche Selbstverständnis zu erörtern.
Schlüsselwörter
Auferstehung, ewiges Leben, Eschatologie, Leib-Seele-Verhältnis, Himmel, Gottesschau, Wiederkunft Christi, Vaticanum II, Personales Leibverständnis, Neuschöpfung, Dialogpartner Gottes, Unsterblichkeit, christozentrische Theologie, theozentrische Theologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Diplomarbeit?
Die Arbeit analysiert, wie sich das Verständnis von Auferstehung und ewigem Leben in der katholischen Theologie seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil entwickelt und verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören das Leib-Seele-Verhältnis, die individuelle Eschatologie (Himmel und Gottesschau) sowie die allgemeine Eschatologie (Auferstehung der Toten und Wiederkunft Christi).
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis einer fundierten Aufarbeitung der historischen und lehramtlichen Entwicklungen Konsequenzen für eine verantwortbare christliche Rede über Tod und Vollendung in der heutigen Zeit zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit folgt einer systematischen Analyse: Ausgehend von anthropologischen Grundlagen wird die individuelle und anschließend die allgemeine Eschatologie untersucht, gefolgt von einer Beurteilung aktueller Positionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in vier Kapitel, die das Leib-Seele-Verhältnis, die individuelle Vollendung, die allgemeine Vollendung der Schöpfung und eine abschließende Synthese hochaktueller Fragen behandeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Auferstehung, ewiges Leben, Eschatologie, Leib-Seele-Einheit, Gottesschau und die Dialogfähigkeit des Menschen als „Du Gottes“.
Wie bewertet der Autor die Kontroverse um die „Auferstehung im Tod“?
Der Autor zeigt sich kritisch gegenüber dem Modell der „Auferstehung im Tod“, da es die Vollendung des Menschen zu stark vom leiblichen, geschichtlichen Kontext loslösen könnte und die traditionelle Vorstellung der Auferstehung am Jüngsten Tag aus biblischer und lehramtlicher Sicht vorzieht.
Welche Rolle spielt das Zweite Vatikanische Konzil für die Arbeit?
Das Vaticanum II dient als markanter Bezugspunkt für die aktuelle theologische Diskussion, da es das Verständnis des Menschen als leib-seelische Einheit betont, auf das sich moderne theologische Ansätze beziehen.
- Quote paper
- Markus Tiefensee (Author), 2003, Das Verständnis von Auferstehung und ewigem Leben in der katholischen Diskussion seit dem Vaticanum II, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21737