Die Stellung des Allgemeinen Sozialen Dienstes (im Folgenden ASD genannt) innerhalb des deutschen Sozialsystems kann als zentral eingeschätzt werden. Innerhalb von Kreis und Kommune fasst er eine Reihe von behördlichen Angeboten zur Familienfürsorge zusammen (vgl. Kreft/Mielenz 1996, S.32). „Der ASD bildet auf der Kommunalen Ebene die Grundlage des Sozialsystems.“ (Textor 1994, S. 9) Der Begriff ASD umschreibt demnach eine institutionelle Gegebenheit einer Kommune, die verschiedenartige Hilfen für Menschen leisten soll und dabei „...annähernd gleiche Ausgangschancen für die Bevölkerung von Städten und Kreisen...“ (Schellhorn/Feldmann 1983, S.15) schafft.
Die Struktur der Allgemeinen Sozialen Dienste hat vielfältige Ausprägungsformen und variiert von Kommune zu Kommune. In welcher Weise die Organisation des ASD aufgebaut ist, hängt maßgeblich von der historischen Entwicklung der Gemeinde und von den Zielen und Standpunkten zur Sozialstruktur innerhalb der Kommune oder des Kreises ab.
„In der Praxis finden sich organisatorische Zuordnungen des ASD zum Jugendamt, zum Sozialamt oder zum Gesundheitsamt. Außerdem gibt es den ASD als selbständige Organisationseinheit.“ (Becker/Mulot/Wolf 1997, S. 843) Des weiteren existieren in den neuen Bundesländern auch Organisationsformen mit reduzierter Aufgabenzuweisung. So ist zum Beispiel mancherorts der ASD ausschließlich für ein Amt, das Sozialamt, das Jugendamt oder das Gesundheitsamt der Kommune tätig. In solchen Gemeinden sind somit 3 allgemeine soziale Dienste vorhanden (vgl. Becker/Mulot/Wolf 1997, S. 843).
Die vorliegende Arbeit will einen Überblick über die Strukturen, Historie, Ziele, Aufgaben, gesetzliche Grundlagen, Handlungsansätze und Arbeitsformen des Allgemeinen Sozialen Dienstes geben und zudem auch einige probleme aufzeigen, die immer wieder auftreten.
Inhaltsverzeichnis
1. Begriffbestimmung und Organisationsstruktur
2. Geschichtlicher Abriss
3. Notwendigkeit und Bedeutung des ASD
4. Zielgruppen und Problemlagen
5. Zentrale Aufgaben
6. Gesetzliche Grundlagen
7. Handlungsansätze, Merkmale und spezifische Arbeitsweisen
7.1. dezentrale Organisation / Dekonzentration
7.2. Gehstruktur / Zusammenlegung von Innen- und Außendienst
7.3. Ganzheitlichkeit / Allzuständigkeit
7.4. Generalismus
7.5. Alltags- und Lebensweltbezug
7.6. Prävention
7.7. Partizipation / Wunsch- und Wahlrecht der Bürger
7.8. Hilfe zur Selbsthilfe
7.9. Zusammenarbeit / Wirksamkeit / Effektivität
8. Arbeitsformen
8.1. Einzelfallarbeit
8.2. Gruppen- und Netzwerkorientierte Arbeit
8.3. Gemeinwesen- und Stadtteilarbeit
8.4. politische Arbeit und Öffentlichkeitsarbeit
9. Probleme
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit gibt einen umfassenden Überblick über den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD), seine historische Entwicklung, rechtliche Einbettung sowie seine zentralen Arbeitsweisen und aktuellen Herausforderungen innerhalb des deutschen Sozialsystems.
- Strukturelle Organisation und historische Genese des ASD
- Rechtliche Grundlagen und Aufgabenfelder des Dienstes
- Methodische Handlungsansätze wie Dezentralisierung und Ganzheitlichkeit
- Arbeitsformen der sozialen Praxis (Einzelfall-, Gruppen- und Gemeinwesenarbeit)
- Aktuelle Probleme und Belastungsgrenzen in der professionellen Umsetzung
Auszug aus dem Buch
7.3. Ganzheitlichkeit / Allzuständigkeit
„Ganzheitliche Hilfe bedeutet, dass der Sozialarbeiter unter Berücksichtigung der gesamten Bedarfslage des Betroffenen und unter Einbeziehung des Umfeldes tätig zu werden hat.“ (Schellhorn/Feldmann 1983, S.42) Das bedeutet also, dass die „...ganze komplexe Wirklichkeit des Klienten...“ (Textor 1994, S.52) berücksichtigt werden soll. Der ASD ist Kontakt- und Anlaufstelle für das behördliche Leistungssystem in der Kommune. Das meint, dass er zuständig für die Einleitung sowie Organisation weiterführender Hilfen ist. Dabei begrenzt sich die Zuständigkeit für die Hilfesuchenden auf einen Ansprechpartner, der „...ausgehend von der Anamnese und Diagnose über Beratung und Behandlung bis zur Entscheidung nach Möglichkeit...“ (Schellhorn/Feldmann 1983, S.42) in seiner Hand haben sollte. Diese allzuständige Arbeitsweise hat des weiteren den Vorteil, dass eine Vertrauensbasis geschaffen und mit den Ressourcen des Klienten effizient umgegangen wird (vgl. Kreft/Mielenz 1996, S.32).
Die ganzheitliche Problemsicht verhindert kurzschlüssige Bestimmungen, die durch Beobachten von Symptomen entstehen. Man sieht das Problem also im Gesamtkontext der Person, sein Umfeld und seine Beziehungen eingeschlossen. Ferner kommt es durch die ganzheitliche Arbeit des ASD zu weniger Problemen, wie Mehrfachzuständigkeiten, Doppeltätigkeiten, Zuständigkeitskonflikten, zusätzliche Verwaltungstätigkeiten, verzögerte Bearbeitungsabläufe, Personalmehrbedarf und Segmentierung von Lebensbereichen (vgl. Textor 1994, S. 11).
Die Ganzheitlichkeit des ASD beschränkt sich nicht nur auf die individuelle Lage des Klienten, sondern bezieht sich auch auf sozial-infrastrukturelle und kooperative Aspekte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begriffbestimmung und Organisationsstruktur: Das Kapitel definiert den ASD als zentralen, kommunalen Basisdienst und beschreibt die Variabilität seiner organisatorischen Anbindung.
2. Geschichtlicher Abriss: Es wird die Entwicklung von der caritativen Armenfürsorge über das Elbersfelder System bis hin zur modernen Einheitsfürsorge nachgezeichnet.
3. Notwendigkeit und Bedeutung des ASD: Hier werden soziologische Gründe für die Notwendigkeit des Dienstes, wie Individualisierung und Strukturwandel, erörtert.
4. Zielgruppen und Problemlagen: Dieses Kapitel erläutert die Vielfalt und Komplexität der Klientel und deren unterschiedliche soziale Bedarfslagen.
5. Zentrale Aufgaben: Der ASD wird als „Netz unterm sozialen Netz“ positioniert, wobei seine Schutz- und Beratungsfunktion hervorgehoben wird.
6. Gesetzliche Grundlagen: Die Arbeit des ASD wird durch verschiedene Gesetze wie GG, SGB, KJHG und BSHG legitimiert und rechtlich gerahmt.
7. Handlungsansätze, Merkmale und spezifische Arbeitsweisen: Es werden zentrale Prinzipien wie Dezentralität, Ganzheitlichkeit, Prävention und Hilfe zur Selbsthilfe detailliert vorgestellt.
8. Arbeitsformen: Dieses Kapitel differenziert zwischen Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit, Gemeinwesenarbeit sowie politischer Öffentlichkeitsarbeit.
9. Probleme: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über Personalmangel, strukturelle Defizite und die Spannungsfelder zwischen Hilfe und Kontrolle.
Schlüsselwörter
Allgemeiner Sozialer Dienst, ASD, Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Ganzheitlichkeit, Einzelfallhilfe, Gemeinwesenarbeit, Kommunalverwaltung, Gesetzliche Grundlagen, Hilfe zur Selbsthilfe, Prävention, Dezentralisierung, Psychosoziale Grundversorgung, Klientenbetreuung, Sozialstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Übersicht über den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) als Basisinstanz der sozialen Arbeit in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die historische Genese, die rechtliche Verankerung, die methodischen Arbeitsansätze und die organisatorischen Strukturen des ASD.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Rolle und Bedeutung des ASD innerhalb des kommunalen Sozialsystems sowie die Herausforderungen in der praktischen Umsetzung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse etablierter Fachliteratur zur Sozialarbeit und rechtlicher Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Gesetzesgrundlagen, spezifische Handlungsansätze (z.B. Dezentralität) und verschiedene Arbeitsformen wie die Einzelfallhilfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Zu den prägenden Begriffen zählen unter anderem „Allzuständigkeit“, „Soziale Arbeit“, „Ganzheitlichkeit“ und „Hilfe zur Selbsthilfe“.
Wie wird das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle beschrieben?
Der ASD agiert als Garant für Hilfe, muss aber gleichzeitig ein staatliches Wächteramt wahrnehmen, was zu einem schwierigen Machtgefüge zwischen Klient und Institution führt.
Welche strukturellen Probleme benennt die Autorin?
Es werden insbesondere der Personalmangel, unzureichende Zeitressourcen für Klienten und die zunehmende bürokratische Belastung als Hemmnisse für eine effektive soziale Arbeit identifiziert.
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- Anja Hartmann (Author), 2003, Der Allgemeine Soziale Dienst - Organisation und Arbeitsformen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21754