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Widerstand der Verfolgten: Die Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus

Title: Widerstand der Verfolgten: Die Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus

Research Paper (undergraduate) , 2002 , 43 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Kay Turchetto (Author)

Politics - Miscellaneous
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Deutscher Widerstand gegen den Nationalsozialismus wird auch heute noch in der Öffentlichkeit vor allem mit dem politischen Widerstand von Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und herausragenden Persönlichkeiten, wie z.B. Claus Schenk Graf von Stauffenberg in Verbindung gebracht. Doch neben diesen „festen Institutionen“ reihen sich immer mehr auch kleinere Gruppen von Menschen ein, die in den letzten Jahrzehnten im Schatten standen. Nachdem die Ereignisse um den 20. Juli 1944 und die Widerstände politischer Parteien nahezu vollkommen aufgearbeitet sind, beschäftigt sich die Forschung nun mit diesen „vergessenen Opfern“ des deutschen Widerstandes. Über Jahre hinweg blieben sie der Öffentlichkeit verborgen, weil sie kein Attentat auf Hitler planten und keine große Öffentlichkeitsarbeit über ihren Widerstand betrieben.
Die hier vorgelegte Studienarbeit beschäftigt sich mit solch einem „vergessenen Opfer“, welches uns heute vor allem von Haus-zu-Haus-Besuchen bekannt ist: den „Zeugen Jehovas“. Dieser kleinen Glaubensgemeinschaft mit heute weltweit etwa sechs Millionen Mitgliedern, von denen etwa 160.000 „Verkündiger“ in Deutschland leben, wurde bis in die letzten Jahre hin kaum Beachtung geschenkt, obwohl sie von den Nationalsozialisten ebenso systematisch und „mit unerbittlicher Härte bekämpft und verfolgt“ wurde, wie andere Gruppen.
Gründe scheinen wohl zu sein, dass die Zeugen Jehovas weder in das Bild der politisch Verfolgten, noch in das der rassistisch Verfolgten passen, dass sie im Allgemeinen zu den unteren Schichten der Bevölkerung gehörten und von keiner herausragenden Persönlichkeit geleitet wurden und dass das Fundament ihres Widerstandes der tiefe, unerschütterliche, religiöse Glaube an Gott war und nicht der geistige politische Kampf gegen die Nationalsozialisten. Zudem fehlt ein offenes Verständnis in der Auseinandersetzung mit dieser Glaubensgemeinschaft in der Öffentlichkeit, die durchweg mit dem Begriff der „Sekte“ im seinem negativen Sinne bezeichnet wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Die Internationale Bibelforscher-Vereinigung bis 1933

1. Gründung, Aufbau und Glaubenslehre

2. Die Bibelforscher in Deutschland

II. Die Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus

1. Widerstand im Alltag

2. Widerstand in Gefangenschaft

3. Kriegsdienstverweigerung

III. Resümee

Zielsetzung und Themen der Studienarbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Zeugen Jehovas als eine der „vergessenen Opfer“ des deutschen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Formen ihres Widerstandes, die tiefe religiöse Motivation hinter ihrer Verweigerungshaltung und die systematische Verfolgung durch den NS-Staat historisch aufzuarbeiten und kritisch zu bewerten.

  • Die Entwicklungsgeschichte der Glaubensgemeinschaft bis 1933.
  • Die ideologische Auseinandersetzung zwischen dem Nationalsozialismus und der Glaubenslehre der Zeugen Jehovas.
  • Formen des Widerstandes im Alltag und unter extremen Bedingungen der KZ-Gefangenschaft.
  • Die Problematik der geschlossenen Kriegsdienstverweigerung und deren staatliche Sanktionierung.

Auszug aus dem Buch

1. Widerstand im Alltag

Die Interessen der Glaubensgemeinschaft, ihre strenge „buchstabengetreuen“ Auslegung der Bibel, ihre religiöse Pflicht die Mitmenschen von ihrem Glauben zu überzeugen und ihre „Neutralitätsverpflichtung“ gegenüber dem politischen Leben, stießen auf den weltanschaulichen Totalitätsanspruch der Nationalsozialisten. So kamen die Zeugen Jehovas durch die Vereinnahmung des alltäglichen gesellschaftlichen Lebens durch die Nationalsozialisten in schwere Bedrängnis.

Solange sich die Zeugen Jehovas privat in kleinen Gruppen, meist mit Familienangehörige oder Nachbarn, zu Bibelstudien oder religiösen Feiern trafen, war die Gefahr entdeckt zu werden relativ gering. Gingen sie jedoch in die Öffentlichkeit, so war die Gefahr sehr viel höher verhaftet zu werden. Zwar hatten die Bibelforscher zu Beginn der Verbote vorübergehend die öffentliche Verkündung ihres Glaubens und ihre Missionierung eingeschränkt, aber sie fielen weiterhin durch die Verweigerung des „Hitler-Grußes“, des Fahneneids und der Beflaggung, sowie der Nichtteilnahme an Reichswahlen und Volksabstimmungen auf. Dieser Ungehorsam konnte allerdings im Gegensatz zur Verbreitung religiöser Schriften kaum gesetzlich bestraft werden, weil es schwierig war die staatsfeindliche Handlungen zu beweisen, spielten sie sich doch innerhalb der anonymen Gesellschaft ab. Das führte aber, abseits der Justiz, in vielen Fällen zu brutaler Schikane und zur einstweiligen Inschutzhaftnahme ins Konzentrationslager. In vielen Fällen kam es bei Verhören zu Folter und Misshandlungen der Zeugen Jehovas, obwohl sie aufgrund ihres Glaubens sofort geständig waren, soweit dadurch nicht andere Glaubensgeschwister in Gefahr gebracht wurden.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle der Zeugen Jehovas als bisher wenig beachtete Opfergruppe und definiert die zentralen Fragestellungen der Arbeit hinsichtlich ihres Widerstandes.

I. Die Internationale Bibelforscher-Vereinigung bis 1933: Dieses Kapitel zeichnet die Entstehung der Gemeinschaft, den Aufbau der Organisation unter Russell und Rutherford sowie die frühen Konflikte mit staatlichen und kirchlichen Stellen in Deutschland nach.

II. Die Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus: Der Hauptteil analysiert die systematische Unterdrückung der Gemeinschaft, die Motive für die Verfolgung sowie die spezifischen Widerstandsformen im Alltag, in der Haft und durch Kriegsdienstverweigerung.

III. Resümee: Das abschließende Kapitel bilanziert die Verfolgung und ordnet den Widerstand der Zeugen Jehovas als „Fundamentalopposition“ historisch ein.

Schlüsselwörter

Zeugen Jehovas, Nationalsozialismus, Bibelforscher, Widerstand, Verfolgung, Kriegsdienstverweigerung, Konzentrationslager, lila Winkel, Totalitätsanspruch, Glaubensgemeinschaft, NS-Staat, Ideologie, Martyrium, Neutralität, Gestapo.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Geschichte, den Glauben und das Schicksal der Zeugen Jehovas während der Zeit des Nationalsozialismus.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Entwicklungsgeschichte der Gemeinschaft, die ideologische Konfrontation mit dem NS-Regime und die verschiedenen Formen des Widerstands.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie und warum eine kleine Glaubensgemeinschaft trotz intensiver Verfolgung und ohne politisches Ziel einen so unnachgiebigen Widerstand leisten konnte.

Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?

Es handelt sich um eine historische Studienarbeit, die auf einer fundierten Auswertung zeitgenössischer Dokumente und fachwissenschaftlicher Literatur basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die systematische Verfolgung, die Auswirkungen des Verbots, den Widerstand im Alltag, die Situation in den Konzentrationslagern und die Konsequenzen der Kriegsdienstverweigerung.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte umfassen Zeugen Jehovas, Nationalsozialismus, Widerstand, Verfolgung und Kriegsdienstverweigerung.

Warum leisteten die Zeugen Jehovas so unbeugsam Widerstand?

Ihr Widerstand speiste sich aus ihrem unerschütterlichen religiösen Glauben an Gott und ihrer christlichen Überzeugung, die weltliche Autorität des Staates abzulehnen, wenn sie mit den göttlichen Geboten kollidierte.

Welche Rolle spielte der „lila Winkel“?

Der lila Winkel war das spezifische Kennzeichen in den Konzentrationslagern, mit dem die Zeugen Jehovas als religiös-weltanschauliche Häftlingsgruppe von anderen Gruppen unterschieden wurden.

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Details

Title
Widerstand der Verfolgten: Die Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
College
Justus-Liebig-University Giessen  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Grade
sehr gut
Author
Kay Turchetto (Author)
Publication Year
2002
Pages
43
Catalog Number
V21762
ISBN (eBook)
9783638253031
Language
German
Tags
Widerstand Verfolgten Zeugen Jehovas Nationalsozialismus Widerstand Nationalsozialismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kay Turchetto (Author), 2002, Widerstand der Verfolgten: Die Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21762
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