Der sudanesische Konflikt spielt sich als weltweit längster Bürgerkrieg im medialen Abseits ab.
Nur selten wird in den Medien das Gräuel dieses Krieges, den eine Regierung gegen die eigenen
Staatsbürger führt, beleuchtet. Seit seiner Unabhängigkeit im Jahre 1956 kennt der Sudan mehr
Kriegs- als Friedenszeiten. Die Einführung der islamischen Sharia als verbindliche
Gesetzesgrundlage auch für diejenigen, die nicht muslimischen Glaubens sind, und deren brutale
Durchsetzung, sowie die Verstrickung des Regimes in Khartum mit Osama Bin Laden und
seinen terroristischen Ambitionen sind nur ein Kennzeichen unter mehreren des sudanesischen
Problems. Seit den Anschlägen auf das World Trade Center im September 2001 und dem daraus
resultierenden, durch die USA initiierten sogenannten „Anti-Terror-Krieg“ ist der Sudan wieder
mehr ins internationale Blickfeld gerückt und entging wohl nur deshalb der Anti-Terror-
Offensive, weil Afghanistan und der Irak dem US-amerikanischen Interesse näher lagen und
liegen.
Diese Arbeit möchte einerseits zunächst die Entstehung des sudanesischen Konflikts aus der
Geschichte des Staates Sudans und seiner kolonialen Vorgeschichte erklären, um dann das
Phänomen des islamischen Fundamentalismus anhand des Beispieles Sudan zu beschreiben und
dessen internationale Bedeutung. Zuletzt werden Lösungsansätze des Konflikts eingebracht,
darunter auch Maßnahmen gegen den religiös motivierten Terrorismus, die nicht mit einer
simplen Kriegserklärung einhergehen. [...]
Gliederung und Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Allgemeine Daten
2.1 Die geographische Lage des Sudans
2.2 Bevölkerung und Kultur
2.3 Wirtschaft
3 Geschichte des Sudans
3.1 Vorkoloniale Geschichte
3.2 Kolonialzeit
3.2.1 Die turko-ägyptische Herrschaft
3.2.2 Der erste islamische Staat unter Mahdi
3.2.3 Das britisch-ägyptische Kondominium
3.2.4 Der Weg in die Unabhängigkeit
3.3 Der unabhängige Staat Sudan
3.3.1 Die Militärregierung Aboud und die Zeit bis 1969
3.3.2 Die Ära Nimeiri
3.3.3 Militärische Übergangsregierung und die Sadik-Mahdi-Regierung
3.3.4 Das Bashir-Regime und die 90er Jahre
4 Die Rolle Osama Bin Ladens im Sudan
4.1 Die Zeit im Sudan (1991-1996)
4.2 Die Vermittlung nach Afghanistan
5 Das Sudan-Problem im internationalen Kampf gegen den Terrorismus
5.1 Die Khartumer Anti-Terrorismus-Konferenz
5.2 Lösungsansätze für den Sudan-Konflikt – aktuelle Entwicklungen
5.3 Strategien gegen Terrorismus – Beispiel: Deutsche Friedenspolitik
6 Fazit
7 Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entstehung und die Hintergründe des sudanesischen Bürgerkriegs sowie das Phänomen des islamischen Fundamentalismus im Sudan, unter besonderer Berücksichtigung der internationalen Bedeutung und der Rolle Osama Bin Ladens im Kontext des US-amerikanischen „Anti-Terror-Kriegs“.
- Historische Analyse der sudanesischen Kolonialgeschichte und Staatsbildung
- Einfluss islamistischer Strömungen und Fundamentalismus auf die Innenpolitik
- Verflechtung des Regimes in Khartum mit dem internationalen Terrornetzwerk Al-Qaida
- Bewertung von Lösungsansätzen für den Sudan-Konflikt und Ansätze der Friedenspolitik
Auszug aus dem Buch
Die Rolle Osama Bin Ladens im Sudan
Von Osama Bin Laden wird angenommen, dass er der Führer der Islamischen Fundamentalisten und der sogenannten „Internationalen Koalition von Islamischen Radikalen“ ist. Al Quaida ist die Basis dieses Zusammenschlusses. Im Sudan gehört die NIF zu dieser Koalition. Bin Ladens Vermögen wird auf ca. 290 Millionen US$ geschätzt. In 80 Ländern dieser Welt hat Al Quaida Konten, in nur 20 wurden diese bisher eingefroren (Akok et al. 2002, S. 139 f.).
Osama Bin Laden wurde Anfang der 90er Jahre aus Saudi-Arabien ausgewiesen, weil er Widerstand gegen die Stationierung US-amerikanischer Streitkräfte geleistet hatte. 1991 flog er in den Sudan, wo er seit 1989 unter offiziellem Schutz des Regimes der NIF stand. Vom Sudan aus setzte er seine Aktivitäten gegen die USA und Saudi-Arabien fort. Das sudanesische Regime ermöglichte es ihm weltweit und ohne Einschränkungen zu agieren. Ihm wurden sudanesische Diplomatenpässe ausgestellt, mit denen er in zahlreiche Länder reiste um dort Kontakte zu knüpfen, Minister und Geheimdienste zu bestechen und Kapital für sein späteres Terrornetzwerk zu sammeln. Turabi gründete den weltweiten Islamistenverband „Poular Arabic and Islamic Conference“ (PAIC), der allein 1995 dreimal in Khartum zusammenkam mit Teilnehmern aus über 80 Ländern. Bin Laden konnte im armen Sudan innerhalb weniger Monate zahlreiche Anhänger mobilisieren und wies im Februar 1993 zum ersten Mal seine Anhänger an einen Terroranschlag gegen das World Trade Center in New York durchzuführen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung des langjährigen Bürgerkriegs im Sudan und die Einordnung in den internationalen „Anti-Terror-Krieg“ nach 2001.
2 Allgemeine Daten: Geographische, bevölkerungs- und wirtschaftsgeographische Einordnung des Landes.
3 Geschichte des Sudans: Analyse der prägenden Phasen von der Vorkolonialzeit über das Kondominium bis hin zu den verschiedenen Regimes nach der Unabhängigkeit.
4 Die Rolle Osama Bin Ladens im Sudan: Untersuchung der Aktivitäten Bin Ladens im Sudan und seiner internationalen terroristischen Vernetzung.
5 Das Sudan-Problem im internationalen Kampf gegen den Terrorismus: Darstellung der diplomatischen Versuche und Friedensbemühungen im Kontext der globalen Terrorismusbekämpfung.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der instabilen politischen Lage und der Aussichten auf eine friedliche Zukunft.
Schlüsselwörter
Sudan, Bürgerkrieg, Islamischer Fundamentalismus, NIF, Osama Bin Laden, Al-Qaida, Anti-Terror-Krieg, Kolonialgeschichte, Unabhängigkeit, Friedenspolitik, Nord-Süd-Konflikt, Sharia, Humanitäre Katastrophe, Geopolitik, Internationale Koalition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und den Hintergründen des sudanesischen Bürgerkriegs und der Rolle des Sudans im islamischen Fundamentalismus.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Geschichte der Staatsbildung, die Machtstrukturen in Khartum, der Einfluss Osama Bin Ladens sowie internationale Lösungsansätze für den Konflikt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die interne Konfliktgeschichte des Sudans mit der internationalen Bedrohung durch religiös motivierten Terrorismus in Verbindung zu setzen.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf eine politikgeographische Analyse unter Verwendung von Fachliteratur, historischen Daten und politischen Dokumenten.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse des Sudans, die Untersuchung der Verstrickungen mit islamistischen Netzwerken und die Darstellung aktueller friedenspolitischer Bemühungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sudan-Konflikt, Islamismus, Bin Laden, Anti-Terror-Politik und staatliche Instabilität geprägt.
Inwiefern beeinflusste die Lage in Afghanistan den Status Bin Ladens im Sudan?
Bin Laden verlagerte seine Aktivitäten 1996 in Richtung Afghanistan, nachdem der Druck der USA auf die Regierung in Khartum aufgrund seiner terroristischen Aktivitäten und der damit verbundenen Kritik stetig zunahm.
Welche Rolle spielt die Sharia in der sudanesischen Innenpolitik?
Die Einführung der Sharia diente verschiedenen Regierungen, insbesondere ab 1983, als Instrument zur religiösen Homogenisierung und zur Bekämpfung des Südens, was den Bürgerkrieg weiter verschärfte.
- Quote paper
- Konstantin Schmidt (Author), 2004, Krisenherd Sudan und der "Anti-Terror-Krieg", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21851