Flow-Erleben und Chatten

Die Ergebnisse, Analyse und Diskussion zur Frage: "Gibt es einen Flow beim Chatten?"


Forschungsarbeit, 2002

39 Seiten, Note: 1,0

A. Hecht, S./ Georg, S./ Günther (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Theoretischer Hintergrund und Fragestellung
II. a) Infokasten: Was ist Chatten
II. b)Hypothesen

III. Methode
III. a) Das Erhebungsinstrument
III. b) Erhebungsgröße
III. c) Pretest
III. d) Datenerfassung und Datenaufbereitung

IV. Ergebnisse

V. Diskussion
V. a) Hypothesenbewertung
V. b) Gesamtanalyse

VI. Literatur

Anhang

I. Einleitung

Motivation für die Erarbeitung und Untersuchung des folgenden Themas war der Lehrauftrag durch die Fakultät für Sozialwissenschaften an der Universität der Bundeswehr München. Im Fach „Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaftlicher Anteil“(EGA) ist für die Studenten der Staats- und Sozialwissenschaften ein Forschungsprojekt vorgesehen. Den Studenten soll hier die Möglichkeit gegeben werden ihre neuerworbenen Fähigkeiten in Statistik und „Empirische Sozial-Forschung“(ESF) anzuwenden.

Im Rahmen dieser Projekte sollen Forschungshypothesen aufgestellt und anhand von Fragebögen empirisch untersucht werden. Die Arbeitschritte, sowie die Ergebnisse wurden in Vorträgen und einer Posterpräsentation vor einem Plenum vorgestellt.

Hier liegt nun der Abschlussbericht vor. Dieser wird den gesamten Verlauf des Projektes darstellen.

Unter der Leitung von Frau Dr. Doris Lewalter hatte sich unsere Gruppe –Sebastian Georg, André Günther, Sebastian Hecht und Alexander Salatzkat – mit dem Thema „Flowerleben beim Chatten“ auseinander gesetzt. Da wir selbst oft chatteten, lag für uns der Entschluss nahe, eben dieses hinsichtlich des „Flows“ zu untersuchen. Ausgangspunkt unserer Untersuchung war dabei der subjektive Eindruck den wir selbst beim chatten hatten. Wir bemerkten bei uns deutliche Ausprägung (Gefühl für die Zeit geht verloren, Ich-losigkeit) des „Flows“, doch nur durch ein Untersuchung konnten wir den subjektiven Eindruck auch verifizieren.

II. Theoretischer Hintergrund und Fragestellung

Ausgangslage unserer Untersuchung, war der Bereich des sogenannten „Flowerlebens“ (Mihaly Csikszentmihalyi: Das Flow – Erlebnis: Jenseits von Angst und Langeweile: im Tun aufgehen, Klett-Cotta-Verlag 1985)

Chatten – Was ist das? Das „Chatten“ (engl. Sprechen, miteinander reden ugs. Plaudern) ist wohl eine der modernsten Kommunikationsformen unsere Zeit. Grundsätzlich kann jeder Chatten, und somit auch einen Flow bei selbigen erleben. Zum Chatten benötigt man nichts weiter, als einen Computer, einen Internetanschluss (mit Zugangssoftware) und einen Chat-room (engl. i.S. von Plauderstube). In diesem „Chat“ kann man selbst dann einen Namen (Nickname: engl. Kose/Ruf/Spitzname) wählen und anonym mit allen anderen Teilnehmern „reden“. In diesen „virtuellen Cafés“ hat jeder die Möglichkeit sich auszutauschen, unabhängig von Aussehen, Intellekt, Wohnort, Stand, Beruf, usw. Oft kommt es vor, dass man Freundschaften über Jahre hinweg schließt, ohne sich je gesehen oder gehört zu haben. Vermehrt hört man auch davon, dass Liebesbeziehungen auf Chatbekanntschaften beruhen. Chatten bietet also, über alle Grenzen hinweg, die Möglichkeit mit anderen Menschen zu kommunizieren.

Das „Flow – Erlebnis“ (engl. „fließen“; nachfolgend als FE abgekürzt) wurde erstmals als solches von M. Csikszentmihalyi bezeichnet (bzw. nannten die von ihm untersuchten Probanden das Gefühl selbst so). Er führte die Untersuchungen bei Kletterern, Schachspielern, Tänzern, Schauspielern, Komponisten und Basketballspielern durch. Jede dieser Gruppen zeigte während ihrer Handlungen meist fünf wesentliche Grundmerkmale auf.

Ein Flowerlebnis zeichnet sich durch die Verselbstständigung der Handlung aus, der Handelnde wirkt nicht mehr bewusst (im Sinne von steuernd) auf das Geschehen ein, die Tätigkeit selbst wird zu Erfüllung! Man vergisst sich in der Handlung, es kommt zur so genannten Ich-losigkeit. Die Tätigkeit ist die Hauptsache, meine gesamte Aufmerksamkeit richtet sich auf diese Handlung. Die Tätigkeit wird nicht aufgrund eines materiellen Gewinnstrebens angegangen, sondern aus Freude am Geschehen, „aus Spaß am Spiel“ (M. Csikszentmihalyi), die Tätigkeit unterliegt keinem „muss“ sondern mehr einem „wollen“. M. Csikszentmihalyi geht sogar soweit, dass fast jede Aufgabe jeglicher Art (jede Tätigkeit) so angegangen werden kann. Die „intrinsische Motivation“ kann ebenso auf das Lernen, Arbeiten und auf unbequeme Aufgaben jeglicher Art übertragen werden! Diese Merkmale bedingen einander und führen dann zum „erwünschten“ FE. Ebenso wie die meisten oben aufgeführten Aktivitäten nicht gewinnbringend sind, so verfolgt das Chatten, auch kein materialistisches Ziel. Die Entwicklung unseres Fragebogens (siehe Anhang) erforderte die Analyse von Faktoren, Diskussionen und die Erstellungen von Hypothesen. Das einzige Hilfsmittel das uns diesbezüglich zur Verfügung stand waren vergleichbare Fragebögen über das Flowerleben von M. Csikszentmihalyi, Rheinberg/UniPotsdam und Thomas P. Novak / D onna L. Hoffman von der Vanderbilt University. Wir konnten aber nicht auf einen bereits vorhandenen Fragebogen zurückgreifen, da sich keine dieser Studien speziell mit dem FE beim Chatten beschäftigte. Natürlich mussten wir darauf achten, dass unser eigener Test valide ist, ebenso übernahmen wir Formulierungen und Teile aus dem Fragebogen zum FE. Die völlige Neuerstellung eines Fragebogens war auf der anderen Seite sehr interessant.

II.b) Hypothesen:

Die Frage um die sich also alles drehte war: Welche Vorrausetzung - seien es nun äußere oder innere – benötigt man um beim Chatten ein FE zu haben? Wie kann man sie erfragen und wie sind sie zu bewerten? Das Damokles -Schwert der Unmöglichkeit eines FE beim Chatten hing über sämtlichen Überlegungen.

1. Da man zum Chatten seinen Computer beherrschen muss und auch die allgemeinen Funktionen und Sprache des Chattens kennen sollte, schien uns dies eine Grundvoraussetzung für das FE beim Chatten. Dies bedeutet im Einzelnen, dass man einigermaßen gut und schnell mit der Tastatur schreiben kann (denn ein Suchen einzelner Buchstaben erschwert sicherlich das FE), andererseits müssen auch Abkürzungen (wie *lol*, *g*, *bg*, usw.) bekannt sein und es ist wichtig mit den speziellen Funktionen dieses (von einem ausgewählten) Chat vertraut zu sein.
2. Wir gehen davon aus, dass die meisten Menschen für ein FE beim Chatten, dieses auch als Haupttätigkeit (d.h. ohne Ablenkungsquellen, wie TV, o.ä.) tun müssen. Vergleichbar mit sportlichen Aktivitäten, die ebenfalls die gesamte Aufmerksamkeit des Einzelnen beanspruchen.
3. Anders als im direkten Gespräch, wo man sich durchaus an öffentlichen Plätzen trifft, muss man beim Chatten in einer ruhigen und bekannten Umgebung sein. Der Arbeitsplatz etwa, wo das Chatten sicherlich nicht erlaubt ist, oder aber auch das unruhige familiäre Umfeld könne ein FE verhindern.
4. Der Chat mit seinen modernen Kommunikationsregeln („Nickname“, einfaches „in.- und outlog“) vereinfacht das FE, es gibt ihnen die Möglichkeit völlig zwanglos und „unkonventionell“ zu agieren. Anders als im direkten Gespräch, kann man einen Chat einfach ohne Gründe verlassen indem man sich ausloggt. Auch das fehlende direkte Gegenüber erlauben es viel schneller und unkomplizierter ein Gespräch anzufangen.
5. Jeder moderne Chat ist in eine Vielzahl von so genannten Rooms unterteilt, die jeder ein bestimmtes Thema beinhalten, wie z.B.: Star Wars, Wissenschaft, diverse Städtenamen. Die Anzahl der Themen ist groß und breit gefächert. Wir gehen deshalb davon aus, dass man sich bald auf einige oder sogar nur auf einen Room festlegt, der den persönlichen Interessen am ehesten entspricht.
6. Dieses Interesse kann natürlich zu einem Austausch zwischen den einzelnen Personen führen. Wobei man hier weder der Experte (hierbei besteht die Gefahr der Unterforderung), noch der Anfänger sein braucht. Es muss aber bedacht werden, dass zum Beispiel eine Art Lehrgespräch/Diskurs (zwischen einem „Experten“ und einem „Anfänger“) durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema auch zum FE führen kann.
7. Ausgehend von anderen Flow–Untersuchungen wissen wir, dass eine zwanghafte Zielstrebigkeit nicht zum FE führen kann. Deshalb wir auch jemand der in den Chat mit einer eingegrenzten Erwartung (unbedingt jmd. Treffen, unbedingt über ein Thema reden) in den Chat geht, nicht leicht zum FE kommt.
8. Vielen fällt es leichter mit bereits „bekannten“ Personen zu chatten, die anfänglichen Startschwierigkeiten und die Kennens-Lern-Phase sind damit schon überwunden. Hier stehen der Austausch der gemeinsamen Interessen und das Anknüpfen an alte „Gespräche“ direkt im Vordergrund. Also behaupten wir, dass „Chatfreundschaften“ das FE erheblich beeinflussen.
9. Wie oben beschrieben kommt es oftmals zu Erwartungshaltungen im Chat (im Sinne von Vorfreude, auf Verabredungen jeglicher Art). Diese sind grundsätzlich zweiseitig zu betrachten: Bei Eintritt der Erwartung ( man trifft sich zum Termin ) wird das FE erheblich gefördert . Das eigentliche Warten auf die Erfüllung der Hoffnung, verhindert ein offenes Einlassen auf den Chat und somit ein FE, wenn die Erwartung nicht erfüllt wird (aus welchem Grund auch immer).
10. Als Fazit lässt sich also folgendes feststellen: im Allgemeinen führt eine positive, „freundliche“ und offene Einstellung beim Chatten eher zum „Flow“, während ein zielstrebige und eher negative oder gar destruktive Einstellung das FE verhindert.

III. Methode

III.a) Das Erhebungsinstrument

Aufgrund der nicht überschaubaren und feststellbaren Größe der Chatter, fällt eine unmittelbar mündliche Befragung aus. Zumal es sich als ungeheuer schwierig darstellt, einerseits die Anonymität und anderseits die räumliche Distanz zu durchbrechen. Außerdem was liegt näher bei diesem Thema, das sich mit moderner Kommunikation befasst, als ebenfalls auf diese zurück zu greifen.

Die Befragung wird von uns durchgeführt. Wir möchten zum einen gerne die Übersicht über das Projekt behalten, zum anderen verfügen wir nicht über die finanziellen Ressourcen für eine größere Erhebung.

Der Fragebogen (siehe Anhang) wird von uns netzfähig, und auf einer Homepage zugänglich gemacht. Dieser wird dann ausgefüllt an uns zurückgeschickt. Der Fragebogen wird als „php-Datei“ verfasst und von uns programmiert. Wir erhoffen uns durch das „Drop&Send“ –System ein schnelles, einfaches und damit für uns zuverlässigeres Ergebnis. Das Ausfüllen in dieser Form hat zu dem den Vorteil, dass die E-Mails sofort verschickt werden müssen und dadurch der Aufwand für den Befragten minimiert wird und das zu erwartende Ergebnis einfach genauer.

Um die Hypothesen zu prüfen, entwarfen wir Fragen, die wir nach einem Auswahlverfahren zu einem Fragebogen zusammenstellten. Zu jeder Hypothese gehört also eine bestimmte Anzahl an Fragen. (In Klammern stehen die Abkürzung für das SPSS-Programm der Variablen)

Hypothese 1:

- Ich tippe recht zügig auf meiner Tastatur.
- Spezielle Funktionen meines Chats (wie Beförderungen, Handlungen)
sind mir bekannt.
- Abkürzungen wie *lol*, *bg*, *g* sind mir bekannt.

(Die Items wurden später zu der Variablen „Combeher“ zusammengefasst.)

Hypothese 2:

- Ich habe gerade Musik gehört/ TV geschaut, usw. („musitvge“)
- Ich bin von etwas (TV, Musik, usw.) abgelenkt wurden. („tvmusabg“)
- Das Chatten war gerade meine Haupttätigkeit? (“chathaup“)

Hypothese 3:

- Ich bin gerade: zu Hause( ) am Arbeitsplatz ( ) im Internet-Café ( ),

keins von dem, sondern… („Wobistdu“ und „sondern“)

- Ich bin gerade allein? („allein“)

Hypothese 4:

- Mir fällt die Kommunikation im Chat leichter, als im direkten/

persönlichem Gespräch.

- Ich finde im Chat kann man unkonventioneller und zwangloser

Gespräche führen, als im direkten Gespräch.

Diese beiden Items wurden zur Variable „chaleich“ zusammengefasst.

- Ich chatte um Menschen kennen zulernen, um „nett zu plaudern“. („nettplau“)
- Es ist für mich wichtig einen Nickname zu haben.
- Für mich ist es wichtig anonym zu bleiben.

Die beiden Items wurden zu der Variablen „anonym“ zusammengefasst.

Hypothese 5:

- Ich bin gezielt in einen bestimmten Chat gegangen. („gezchat“)
- Dort bin ich in einen bestimmten Themenroom (wie SciFi, Love, über40)gegangen. („bestroom“)

Hypothese 6:

- Ich interessiere mich für spezielle Themen und wollte im Chat mehr

darüber erfahren. („spezthem“)

- Ich bin in den Chat gegangen um Wissenswertes zu erfahren, oder weiter zu geben. („wisserge“)

- Ich kenne mich in diesem Thema recht gut aus. („themagut“)

[...]

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Flow-Erleben und Chatten
Untertitel
Die Ergebnisse, Analyse und Diskussion zur Frage: "Gibt es einen Flow beim Chatten?"
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg  (Institut für Psychologie und Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
EGA-Seminare
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
39
Katalognummer
V21853
ISBN (eBook)
9783638253710
ISBN (Buch)
9783638642255
Dateigröße
792 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Flowerleben beim Chatten. Die Arbeit wird durch eine empirische Erhebung verifiziert.
Schlagworte
Flow-Erleben, Chatten, EGA-Seminare
Arbeit zitieren
A. Hecht, S./ Georg, S./ Günther (Autor), 2002, Flow-Erleben und Chatten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21853

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