Was wollte Kerschensteiner für und mit der Berufs- und Arbeitsschule erreichen?


Seminararbeit, 2003

32 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Staatsbürgerliche Erziehung
2.1 Grundlagen der staatsbürgerlichen Erziehung
2.1.1 Annäherungen an den Begriff der staatsbürgerlichen Erziehung
2.1.2 Die äußeren Grundlagen der staatsbürgerlichen Erziehung
2.1.3 Die inneren Grundlagen der staatsbürgerlichen Erziehung
2.2 Die verschiedenen Erziehungseinrichtungen
2.2.1 Die schulischen Erziehungskräfte
2.2.2 Die außerschulischen Erziehungseinrichtungen
2.3 Das Ziel der staatsbürgerlichen Erziehung

3. Die Arbeitsschule
3.1 Der pädagogische Wert der Arbeit
3.2 Organisation und Aufbau der Arbeitsschule
3.3 Aufgaben der Arbeitsschule
3.4 Ziele der Arbeitsschule

4. Die Berufsschule
4.1 Stellenwert der Berufsbildung
4.2 Organisation und Aufbau der Fortbildungsschule bzw. der
Berufsschule
4.3 Aufgaben der Fortbildungsschule
4.4 Ziele der Fortbildungsschule

5. Die Wirkung Georg Kerschensteiners

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das deutsche Berufsbildungssystem ist von den beruflichen Ausbildungen anderer Länder sehr verschieden. Kennzeichnend für unser Ausbildungssystem ist, dass die Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule stattfindet, das duale System. Um die derzeitigen Diskussionen um die Berufsbildung zu verstehen muss man sich mit der Anfängen und der Entwicklungsgeschichte „unseres“ Systems beschäftigen. Nun stellt sich die Frage, warum sich unsere Berufsausbildung so entwickelt hat, wie wir sie heute vorfinden.

Ein Mensch, der gerade im Berufsschulwesen für entscheidende Veränderungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts gesorgt hat, ist Georg Kerschensteiner. Er gehört mit zu den Menschen, neben Eduard Spranger, Anna Siemsen und vielen anderen, die im Bereich der beruflichen Bildung viel geleistet haben und von dessen Veränderungen wir heute noch profitieren. Obwohl er von Hause aus kein Berufspädagoge war, sondern in seinem Leben sehr viel im politischen Bereich tätig war, hat er sich mit Schulorganisation, Charakterbildung und damit zusammenhängend der staatsbürgerlichen Erziehung beschäftigt. In seiner Anfangszeit als Gymnasiallehrer erkannte er schon den vorherrschenden Mangel am bestehenden Schulsystem, der Volksschule, der Fortbildungsschule, aber auch an den höheren Schulen. Ihm war es ein großes Anliegen diese Bildungseinrichtungen zu reformieren, wobei sein Hauptaugenmerk auf dem beruflichen Ausbildungsweg lag.

Mit der Frage: „Was wollte Kerschensteiner für und mit der Arbeitsschule und der Berufsschule erreichen?“ möchte ich klären, wie die Arbeitsschule und die Berufsschule im Sinne Kerschensteiners aussehen sollten und natürlich mit welchen Begründungen er eine Umstrukturierung des Schulsystems für notwendig und sinnvoll erachtet. Des Weiteren erscheint es mir von Bedeutung, was Georg Kerschensteiner bei den Schülern bewirken wollte.

In dieser Hausarbeit werde ich zur Klärung dieser Frage zunächst auf die staatsbürgerliche Erziehung eingehen, da sie ein zentrales Anliegen für die gesamte schulische Ausbildung bei Kerschensteiner war. Für seine Schrift: „Die staatsbürgerliche Erziehung der Jugend“ erhielt er 1901 den ersten Preis der Erfurter Akademie. Diese Schrift ist zugleich wohl eine der bekanntesten von ihm. Um seine weitere Tätigkeit im Bildungswesen zu verstehen, muss man sich mit seinen Theorien zur staatsbürgerlichen Erziehung beschäftigen, da auf ihnen die gesamte Schulorganisation aufbaut.

Der nächste Punkt ist die Arbeitsschule. Sie bildet die Grundlage für die darauf folgende berufliche Bildung, da in ihr die Grundsteine gelegt werden. Außerdem wird sie von jedem Kind besucht und ist somit für die Erziehung der Jugend von großer Bedeutung. Kerschensteiner erkannte, das die Umstrukturierung schon dort ansetzen müsse, um eine Basis zu schaffen für die spätere berufliche Ausbildung. Der pädagogische Wert der Arbeit ist auch sehr wichtig für das Verständnis von Kerschensteiners Bildungstheorien und seiner Vorstellung vom Menschen. Aus diesem Grund ist es notwendig zu klären, welchen Aufbau und welche Ziele die Arbeitsschule haben sollte.

Darauf folgend wird die Berufsschule im Sinne Kerschensteiners beleuchtet. Dabei ist es wichtig zu betrachten, welchen Stellenwert der Beruf bzw. die Berufsbildung für Kerschensteiner hat. Die Reformierung der damals bestehenden Fortbildungsschulen ist von großer Bedeutung für unser heutiges Berufsschulsystem. Dann werden die Ziele der Berufschule erläutert, die für Kerschensteiner nicht ausschließlich im Beruf liegen.

Der letzte Punkt den ich klären möchte ist, welche von seinen Ideen umgesetzt worden sind und heute noch existieren. Des Weiteren werde ich noch kurz auf die Kritik eingehen, die Kerschensteiner mit seinem Wirken und seinen Theorien erleben musste bzw. was in späterer Zeit über ihn geschrieben wurde.

2. Staatsbürgerliche Erziehung

2.1 Grundlagen der staatsbürgerlichen Erziehung

2.1.1 Annäherung an den Begriff der staatsbürgerlichen Erziehung

Sich dem Begriff der staatsbürgerlichen Erziehung anzunähern gestaltet sich schwierig, da es viele verschiedene Auffassungen gibt, schon jede Partei hat ihre Vorstellung vom höchsten Ziel der Erziehung. Aus diesem Grund scheint es erst einmal sinnvoll zu klären was staatsbürgerliche Erziehung im Sinne Kerschensteiners nicht ist.

Als erster Punkt ist zu nennen, dass staatsbürgerliche Erziehung nicht das Selbe ist, wie staatsbürgerliche Belehrung. Allerdings vermittelt die staatsbürgerliche Belehrung einige Kenntnisse, die für den Staatsbürger von Bedeutung sind, z. B. das Wissen über Rechte und Pflichten, die der einzelne Bürger im Staate hat, das Wissen über Aufgaben des Staates, Gesetzeswissen und Volkswirtschaftslehre. Dieses Wissen ist aber nur dann fruchtbar, wenn es in sittliche Handlungen umgesetzt wird, alleine die Kenntnis von diesen Dingen reicht nicht aus.

Staatsbürgerliche Erziehung ist auch nicht mit wirtschaftlicher oder technischer Erziehung gleichzusetzen. Bei dieser Erziehung kann man zwar einige wichtige Tugenden wie Gewissenhaftigkeit, Ehrlichkeit, Fleiß, Arbeitsfreude und Arbeitstüchtigkeit erwerben, aber die eigentlichen staatsbürgerlichen Tugenden wie Rücksichtnahme, Hingabesittlichkeit, moralische Tapferkeit und Verantwortlichkeit entwickeln sich nicht unbedingt aus Arbeitsfreude und Arbeitstüchtigkeit.

Politische Bildung besitzt derjenige, der über die Staatsidee Bescheid weiß und auch bereit ist seine individuellen Bedürfnisse dieser Idee unterzuordnen. Allerdings fehlt es vielen Bürgern an einem Bewusstsein über den Staatszweck und den Mitteln des Staates und sie lassen deswegen andere für sich denken und entscheiden. Die staatsbürgerliche Erziehung will allerdings an die Stelle des treuen Untertans einen denkenden Staatsbürger setzen.

Die soziale Erziehung ist auch nicht mit der staatsbürgerlichen Erziehung gleichzusetzen. Die Gesinnungen, die durch die soziale Erziehung vermittelt werden, wie Familiensinn, Standesgefühl und Gewerkschaftsgesinnungen können zwar zur staatsbürgerlichen Erziehung führen, aber nur dann, wenn es gelingt den Wert der sittlichen Staatsidee den anderen Werten überzuordnen, und dies dem Zögling zu vermitteln.

2.1.2 Die äußeren Grundlagen der staatsbürgerlichen Erziehung

Nicht jeder Mensch kann in gleichem Maße erzogen werden, verschiedene Dinge beeinflussen die „Erziehungsfähigkeit“ eines Menschen. Die Grundlagen, die für die staatsbürgerliche Erziehung von Bedeutung sind lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Die äußeren Grundlagen teilen sich nach Kerschensteiner in wirtschaftlich – soziale Zustände, politisch – soziale Zustände und den Bildungsstand der Massen auf. Die zweite Gruppe betrifft die inneren Grundlagen. Diese spalten sich auf in „die beiden Grundtriebe der Seele“[1], „das Verhältnis der intellektuellen Erziehung zur Willenserziehung“[2] und den psychologischen Wert den Arbeit in der Gesamterziehung einnimmt.

Zu den wirtschaftlich – sozialen Zuständen gehört als einer der wichtigsten Punkte die Arbeitszeit und der Arbeitslohn. Um erfolgreich erziehen zu können muss bei dem zu Erziehenden ein gewisses Bildungsbedürfnis vorhanden sein. Dieses Bedürfnis wird durch das Lohn – und Arbeitsverhältnis beeinflusst. Müssen Personen sehr lange arbeiten bei geringem Verdienst ist ihr Wunsch nach Bildung gering bis gar nicht vorhanden. Sind die Arbeitszeiten im Gegensatz dazu kurz bei höherem Verdienst ist die Bereitschaft zur Bildung größer. Aus diesen Beobachtungen folgt für die staatsbürgerliche Erziehung die Forderung, dass Arbeitszeiten verkürzt werden sollen, um Bildung überhaupt erst möglich zu machen. Auch Wohnverhältnisse können die Bildungsbestrebungen negativ beeinflussen. Eine überfüllte Wohnung oder große Schlafstellen verhindern die Entwicklung bestimmter Tugenden vor allem die Entwicklung häuslicher Tugenden, welche eine der Grundlagen der staatsbürgerlichen Tugenden sind. Ebenso kommt der Berufsarbeit eine hohe Bedeutung zu. Berufe, die die geistige und technische Geschicklichkeit des Arbeiters fordern, erleichtern die erzieherische Arbeit, wohingegen Berufe mit geringem geistigen Aufwand die erzieherischen Aufgaben sehr erschweren z. B. die Fabrikarbeit. Ein besonderes Problem stellen die Berufslosen und die ungelernten Arbeiter dar, da man sie mit Fortbildungsschulen schlecht bzw. gar nicht erreichen kann. Man sollte die Armut als wichtigen Faktor nicht vergessen. Beim täglichen Kampf ums Überleben bleibt die Erziehung der Kinder oft auf der Strecke, da die Ernährung Vorrang hat.

Ein Punkt der politisch - sozialen Zustände ist das Schulmonopol. Den Kindern sollte von klein auf ermöglicht werden, die Leiter der Schulbildung nach ihren Fähigkeiten zu erklimmen unabhängig von dem Einkommen der Eltern bzw. deren Stand in der Gesellschaft. Wenn jeder seine Chance sieht, die er mit eigener Kraft und eigenen Willen erreichen kann, kann Aussichtslosigkeit verhindert werden und somit die Bildungsbereitschaft erhöht werden. Das ständische Denken und der Ausschluss der unteren Stände durch die oberen behindert die staatsbürgerliche Erziehung.

Als letzten Grund der äußeren Grundlagen ist der Bildungsstand der Massen zu nennen. Um eine vernünftige Erziehung des Nachwuchses durchzusetzen, bedarf es der Unterstützung der Eltern und der Stände, diese Unterstützung zu erhalten ist allerdings schwierig. Vor allem die Erziehung der Mädchen wird vernachlässigt, die später in den häuslichen Beruf eintreten und hauptsächlich für die Erziehung der Kinder verantwortlich sind, und das obwohl die Familie eine wichtige Grundlage ist. Die Mädchen müssen nach Kerschensteiner auf ihren häuslichen Beruf vorbereitet werden.

2.1.3 Die inneren Grundlagen der staatsbürgerlichen Erziehung

Nicht jeder Mensch kann im gleichen Maße erzogen werden, es gibt etliche Dinge, die die ‚Erziehungsfähigkeit‘ beeinflussen. Der Mensch ist insbesondere durch zwei Triebe geprägt, den Egoismus und den Altruismus. Der Egoismus ist einer der stärksten Triebkräfte und in fast jeder Handlung von Bedeutung. Selbst dann, wenn die Menschen denken völlig selbstlos zu handeln steckt meist ein gewisser Egoismus dahinter z. B. die Suche nach Dankbarkeit oder Anerkennung. Dieser Trieb hat die Erhaltung der Art und insbesondere die Erhaltung des Selbst zum Ziel. Diesen Punkt muss jede Erziehung berücksichtigen. Der Altruismus äußert sich oft als spontane und instinktive Handlung im Gegensatz zum Egoismus der meist eine überlegte Handlung darstellt. Die Entwicklung dieses Triebes hängt stärker vom Vorstellungsleben ab, wohingegen der Egoismus in sich selbst begründet ist, sie wird von dem Wertbegriff des Menschen beeinflusst, wie er durch die Kultur vorgegeben wird. Jeder der beiden Triebe kann sich zum negativen entwickeln z. B. der egoistische zur Selbstsucht oder der altruistische zur Rührseligkeit. Im Leben des Menschen ist der egoistische Trieb zunächst der stärkere doch durch die Erziehung wächst die Erkenntnis, dass Handeln und dessen Motive dann wertvoll sind, wenn sie allgemeine Gültigkeit besitzen[3]. Bei jeder Erziehung muss darauf geachtet werden, dass beide Grundtriebe zur Vervollkommnung geführt werden sollen.

Arbeit hat einen großen Wert für die Erziehung. Sie wirkt aber nur dann erzieherisch, wenn der Mensch bei seiner Arbeit Freude empfindet. Freude und Interesse hängen somit eng zusammen, aus diesem Grund muss die Arbeit auch Interesse wecken. Jede Arbeit fordert und fördert, wenn man sie ernst nimmt, wichtige Grundlagen der staatsbürgerlichen Tugenden, wie Sorgfalt, Fleiß, Geduld und Aufmerksamkeit. Gerade bei der Arbeit muss die Erziehung ansetzen, da die meisten Bürger in einem Arbeitsverhältnis sind und darin ihre Zukunft sehen. Sie haben Interesse an ihrer Arbeit und wollen mit ihr weiter kommen. Aus diesen Gründen ist die Arbeit im Beruf eines der zweckmäßigsten Mittel zur staatsbürgerlichen Erziehung. Die Aufgabe liegt darin die Arbeitslust und die Tüchtigkeit zu fördern, um erzieherisch wirken zu können. Ohne Tüchtigkeit und Arbeitslust ist keine staatsbürgerliche Erziehung möglich.

2.2 Die verschiedenen Erziehungseinrichtungen

2.2.1 Die schulischen Erziehungskräfte

Kerschensteiner teilt die verschiedenen Erziehungseinrichtungen in schulische und außerschulische Erziehungskräfte. Für jeden der aus der Volksschule entlassen wird, braucht man öffentliche Erziehungseinrichtungen, die im Auftrag der staatsbürgerlichen Erziehung den Zögling weiter begleiten. Fast alle nachfolgenden Einrichtungen sind in ihren Grundzügen bereits vorhanden, doch müssten sie für die Aufgabe der staatsbürgerlichen Erziehung umgestaltet werden. Kerschensteiner empfiehlt fakultative Einrichtungen, die von freien Verbänden, Innungen, Bildungsvereinen oder auch Gewerkschaften geleitet werden. Diese Einrichtungen müssen direkt nach der Volksschule besucht werden und ebenso obligatorisch sein, des Weiteren sollen die freien gewerkschaftlichen Verbände mitarbeiten. Von großem Vorteil wäre, wenn sich die Meister der Erziehung annehmen würden, da der Lehrling zu ihnen eine besondere Beziehung aufgebaut hat, der Lehrling könnte so ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln. Eine schulische Erziehungseinrichtung ist die städtische Fortbildungsschule. Diese sollte nach verschiedenen Berufgruppen aufgebaut werden. Die Fortbildungsschule ist deshalb von Vorteil, weil sie bei den beruflichen und damit den egoistischen Interessen ansetzt und diese mit den Gesamtinteressen, also den altruistischen Trieben, verknüpft. Die staatsbürgerliche Einsicht sollte unterrichtet werden, allerdings frei von jeglicher Politik. Des Weiteren sollte auf die hygienische Erziehung geachtet werden. Eine besondere Bedeutung kommt den körperlichen Übungen zu. Das systematische Turnen schult hervorragend den Willen und außerdem fördert Turnen den Gemeinschaftssinn. Auch auf die Unterhaltung der Schüler sollte bei der Fortbildungsschule geachtet werden, um das Bedürfnis nach Spaß in die rechten Bahnen zu lenken. Unterhaltungsabende fördern den Gemeinschaftssinn z. B. durch Gesänge, auch die vaterländischen Gefühle gestärkt.

Bei der ländlichen Fortbildungsschule stellt sich das Problem, dass die Gemeinden nicht die ausreichenden Mittel haben um solche Schulen zu unterhalten. Außerdem fehlt es der ländlichen Bevölkerung an genügender Einsicht in wirtschaftlichen und politischen Belangen. Aufgrund des hohen Egoismus der Landbevölkerung sollte der Unterricht vor allem wirtschaftliche Fragen beinhalten und ein großer Teil des Unterrichts muss praktisch betrieben werden, um das Interesse der Bevölkerung zu treffen.

Sehr wichtig erscheint für Kerschensteiner der Ausbau der Fachschulen, die eine sehr gute Möglichkeit des Einflusses auf den Zögling bieten wenn sie ganztägig abgehalten werden und ihren Unterricht nicht nur auf berufliche Interessen spezialisieren.

Eine der besten Möglichkeiten für die staatsbürgerliche Erziehung sieht Kerschensteiner in den Lehrwerkstätten: „ Von den öffentlichen schulgemäßen Erziehungseinrichtungen müssen diese als die sicherste Pflegestätte staatsbürgerlicher Erziehung für die handarbeitende Bevölkerung bezeichnet werden“[4]. Durch die strenge Zucht und Gewöhnung werden alle staatsfeindlichen Einflüsse ferngehalten. Des Weiteren wird in den Lehrwerkstätten mit der körperlichen Ausbildung gleichzeitig die geistige gefördert.

Als weiteres wichtiges Instrument lässt sich der Werkstattunterricht nennen. In diesem lernen die Schüler gemeinsam Erfolg und Misserfolg kennen und die gemeinsame Arbeit bietet eine gute Grundlage für die staatsbürgerliche Belehrung.

Nach Kerschensteiner sollte man versuchen möglichst viele Wege zu finden um den Schülern eine autonome Erziehung zu ermöglichen. Es sollten Möglichkeiten der Selbstregierung an allen Schulen geschaffen werden, allerdings besteht das Problem, dass die Schulen für solche Tugenden noch nicht bei den Schülern vorhanden sind. Da alle Schulen ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Schülern hervorrufen könnte man Jungendvereine für die ehemaligen Schüler errichten, die die staatsbürgerliche und berufliche Erziehung über die Schulzeit hinaus fortsetzen. Sie könnten auch Unterhaltungsabende und Turnabende organisieren. Hat sich dieser Verein dann einen Namen gemacht könnte er als Stellenvermittler fungieren.

Als letzte Einrichtungen wären die Landeserziehungsheime und Landesschulheime zu nennen, die auch einen wichtigen Beitrag zur staatsbürgerlichen Erziehung leisten können.

[...]


[1] Kerschsteiner: Staatsbürgerliche Erziehung der deutschen Jugend, 1966, S. 23.

[2] Kerschsteiner: Staatsbürgerliche Erziehung der deutschen Jugend, 1966, S. 23.

[3] Vgl. Kerschsteiner: Staatsbürgerliche Erziehung der deutschen Jugend, 1966, S. 32f.

[4] Kerschsteiner: Staatsbürgerliche Erziehung der deutschen Jugend, 1966, S. 56.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Was wollte Kerschensteiner für und mit der Berufs- und Arbeitsschule erreichen?
Hochschule
Universität Trier  (Studienrichtung Weiterbildung/ Erwachsenenbildung)
Veranstaltung
Historische Zugänge zu beruflicher Bildung
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
32
Katalognummer
V21924
ISBN (eBook)
9783638254168
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kerschensteiner, Berufs-, Arbeitsschule, Historische, Zugänge, Bildung
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Sabine Alt (Autor), 2003, Was wollte Kerschensteiner für und mit der Berufs- und Arbeitsschule erreichen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21924

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