Jeden Tag nehmen wir bewusst oder unbewusst verschiedene Information von außen
auf, lehnen es aber genauso oft ab neue Nachrichten zu empfangen, ohne darüber
nachzudenken warum. Gewählt wird aus den Massenmedien jene Botschaft, die uns am
besten oder interessantesten erscheint, je nachdem mit was wir uns gerade beschäftigen,
welche Information wir suchen oder in welchem Umfeld wir uns befinden. Manchmal
suchen Menschen auch gezielt nach Berichten, wenn sie gerade über ein Thema mit
Kommunikationspartnern diskutiert haben. Auch die Medien selbst haben dabei
Einfluss auf den Konsumenten. Sie wirken unbewusst auf unsere Entscheidungen,
manipulieren unser Konsumverhalten und testen die Wirkung von neuen
Informationsverbreitungs-Strategien. Die Medienwirkungsforschung beschäftigt sich
mit diesem Phänomen des Medienkonsums und seinen Wirkungen beim Rezipienten. Es
wird besonders darauf geachtet, welche Informationsbedürfnisse die Menschen haben,
wie, wann und wo sie die Nachrichten aufnehmen und unter welchen Umständen sie
gezielt in den Massenmedien nach Aussagen suchen. Durch welche Informationskanäle
wird am meisten konsumiert und wie kann überhaupt eine Wirkung erzielt werden?
Diese Frage ist nicht nur für die Verbreitung von Werbung von hoher Bedeutung. Es
gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie und warum sich ein Konsument einem
Medium und einer bestimmten Nachricht zuwendet. Entscheidend ist, dass die Medien
sein Verhalten beeinflussen können. Je nachdem aus welchem Grund sich der Rezipient
einem Massenmedium zuwendet, erzielt die mediale Nachricht einen bestimmte Effekt
bei ihm. Diese Wirkung ist von Konsument zu Konsument verschieden. Eine Theorie in
der Kommunikationswissenschaft, die diesen Verhaltenshintergrund erklärt, ist die
„Theorie der kognitiven Dissonanz“ von Leon Festinger. Im Folgenden möchte ich
Professor Festingers Theorie nachvollziehbar erörtern. Ich werde seine Hypothesen und
Grundannahmen vorstellen, die Auswirkungen der Theorie darstellen, dabei auch sein
klassisches Experiment beschreiben, welches seine Forschung unterstützt hat und
schließlich die Bedeutung der Theorie für die Kommunikationsforschung, bzw. die
Medienwirkungsforschung verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Theorie der Kognitiven Dissonanz
2.1 Grundannahmen der Theorie
2.1.1 Irrelevanz
2.1.2 Konsonanz
2.1.3 Dissonanz
2.1.4 Dissonanzstärke
2.2 Dissonanzminderung
2.2.1 Dissonanzminderung nach Entscheidungen
2.2.2 Dissonanzminderung in anderen Situationen
2.2.3 Das Experiment von Festinger & Carlsmith
2.3 Kognitive Dissonanz in den Massenmedien
2.4 Selektive Wahrnehmung
2.4.1 Beispiel: Das Riley/Riley-Modell
2.4.2 Medienwirkung motiviert zu neuen Kommunikationsprozessen
3. Zusammenfassung und kritische Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz der „Theorie der kognitiven Dissonanz“ von Leon Festinger im Kontext der Kommunikations- und Medienwirkungsforschung und analysiert, wie Individuen durch Dissonanzreduktion ihr Mediennutzungsverhalten steuern.
- Grundlagen der Dissonanztheorie und ihre Entstehung
- Mechanismen der Dissonanzminderung im Alltag
- Das klassische 1$-20$-Experiment von Festinger & Carlsmith
- Selektive Wahrnehmung bei der Informationsaufnahme
- Einfluss kognitiver Strukturen auf Medienwirkungskanäle
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Das Experiment von Festinger und Carlsmith
Festinger und Carlsmith haben 1959 diese Wege der Dissonanzminderung, in dem 1$-20$ Experiment geprüft, das bis heute als „Eines der klassischen Experimente im Rahmen dissonanztheoretischer Forschung (...)“ 10 gilt.
Festinger und Carlsmith stellten folgende Forschungshypothese auf: „Je höher die Belohnung ist, desto geringer ist also die Dissonanz und folglich auch die Motivation, die Einstellung dem Verhalten anzupassen.“ 11. Sie wollten eine Versuchsperson dazu überreden, gegen Bezahlung eine andere Person von ihrer eigenen Meinung zu überzeugen, die sie jedoch selbst nicht vertritt. Unter Vorwand eines Experiments über das Verhalten von Menschen bei manueller Arbeit, wurden Versuchspersonen gebeten eine leichte, langweilige und ermüdende Aufgabe zu bewältigen. Danach kam die Versuchsperson zum Versuchsleiter, der das Experiment für beendet erklärte, in Wahrheit startete Festinger & Carlsmiths’ Experiment jedoch jetzt erst. Der Versuchsleiter erzählte der Versuchsperson, draußen warte eine zweite Gruppe von Personen, die am Experiment teilnehmen, aber nicht wüssten, dass dies ein Experiments über das Verhalten von Menschen bei manueller Arbeit sei. Diese soll er nun davon überzeugen, wie toll und spannend diese Arbeit ist. Leider sei der zweite Versuchsleiter, der dies tun sollte, nicht gekommen und so bietet er der Versuchsperson eine Bezahlung, jeweils entweder 1$ oder 20$, um diesen Job zu übernehmen. Damit musste die Versuchsperson jedoch gegen ihre eigenen Überzeugung handeln. Die meisten übernahmen die Aufgabe und erzählten der Person die draußen wartete, wie schön und interessant ihre soeben verrichtete Arbeit war. Später wurden die bezahlten Person noch einmal befragt, was sie denn nun wirklich persönlich von der Arbeit hielten. Festinger & Carlsmith erwarteten nun, eine Dissonanz zwischen den beiden Informationseinheiten. Sie gingen davon aus, dass die Probanden ihre persönliche Meinung ändern würden, um ihre Dissonanz zu reduzieren. Es wurde festgestellt, dass
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die tägliche Informationsaufnahme des Menschen und führt die Theorie der kognitiven Dissonanz als zentralen Erklärungsansatz für Medienwahl und Medienwirkung ein.
2. Die Theorie der Kognitiven Dissonanz: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen Grundannahmen über Gleichgewichtszustände im kognitiven System, definiert Dissonanzstärke und beschreibt Strategien zur Dissonanzminderung inklusive des berühmten Experiments von Festinger und Carlsmith.
3. Zusammenfassung und kritische Stellungnahme: Das abschließende Kapitel reflektiert die Anwendbarkeit des Modells auf die Medienwirkungsforschung und diskutiert kritisch die Rolle des sozialen Umfelds im Vergleich zu Festingers Fokus auf den isolierten Rezipienten.
Schlüsselwörter
Kognitive Dissonanz, Medienwirkungsforschung, Einstellungsänderung, Leon Festinger, Dissonanzminderung, Konsonanz, Selektive Wahrnehmung, Mediennutzung, Forced Compliance, Riley/Riley-Modell, Kognition, Informationsbedürfnisse, Sozialpsychologie, Konsistenztheorie, Rezipient
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die „Theorie der kognitiven Dissonanz“ von Leon Festinger und analysiert deren Bedeutung für den Bereich der Medienwirkungsforschung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Entstehung von Dissonanzgefühlen, Strategien der Dissonanzminderung sowie die selektive Informationsaufnahme in Massenmedien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachvollziehbar darzustellen, wie kognitive Dissonanzen bei Rezipienten entstehen und wie diese durch Verhaltens- oder Einstellungsänderungen aufgelöst werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung sozialpsychologischer Modelle und bezieht sich dabei auf klassische empirische Untersuchungen wie das 1$-20$-Experiment.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundbegriffe definiert, der Dissonanz-Prozess erläutert und die Übertragung dieser psychologischen Erkenntnisse auf medienkommunikative Prozesse diskutiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Kognitive Dissonanz, Konsonanz, Dissonanzminderung, Selektive Wahrnehmung und Medienwirkung.
Was ist das zentrale Ergebnis des 1$-20$-Experiments?
Es zeigte sich, dass eine geringe Belohnung eher zu einer tatsächlichen Einstellungsänderung führt als eine hohe Belohnung, da bei geringer Bezahlung eine stärkere Dissonanz entsteht, die aufgelöst werden muss.
Wie beeinflusst Dissonanz die selektive Wahrnehmung?
Menschen meiden aktiv Informationen, die ihre bestehende Dissonanz erhöhen könnten, und suchen gezielt nach Informationen, die ihr bisheriges Weltbild bestätigen.
Welche Kritik übt die Autorin an der Theorie von Festinger?
Die Autorin kritisiert, dass Festinger primär vom isolierten Rezipienten ausgeht, während die heutige Mediennutzung stark durch den Austausch in sozialen Netzen und Gruppeninteraktionen geprägt ist.
- Quote paper
- Nina Werner (Author), 2003, Theorie der Kognitiven Dissonanz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21941