Die Gehörlosenkultur und ihre Beziehung zur Musik stellt in Deutschland ein kaum beachtetes Gebiet dar. Musik und die Behinderung Gehörlosigkeit werden als unvereinbarer Gegensatz empfunden.
Die Frage die hierbei immer wieder in den Vordergrund tritt lautet: „Wie können hörbehinderte Menschen Musik wahrnehmen oder sogar selber musizieren?“.
Dieses Buch beinhaltet die Bereiche Aufbau des Ohres und den Hörvorgang, eine Definition von Gehörlosigkeit, verschiedene Ursachen für Hörbehinderungen, eine Erläuterung zum Begriff Musik, sowie ein Vergleich der hörenden und der gehörlosen Musikwahrnehmung.
Weiter werden die Ziele der rhythmisch musikalischen Förderung bei gehörlosen Menschen bearbeitet und anhand praktischer Beispiele das Musikerleben von gehörlosen Menschen dargestellt.
Ziel des Buches ist es, die vertraute hörende Musikwahrnehmung um den Bereich der fühlbaren Musik von gehörlosen Menschen zu erweitern, und somit das Wissen und Empfinden einer ganzheitlichen Musikwahrnehmung zu erreichen.
Weiterhin ist es das Ziel, der Gehörlosenkultur und ihrer Beziehung zur Musik mehr Beachtung zu schenken, damit dieses Thema in unserer Gesellschaft nicht mehr als unvereinbar empfunden wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Aufbau des Ohres und der Hörvorgang
3. Wo beginnt die Gehörlosigkeit?
3.1. International gültige Einteilung der Hörschäden
4. Ursachen für eine Hörbehinderung
4.1. Genetische Ursachen
4.2. Pränatale Ursachen
4.3. Perinatale Ursachen
4.4. Postnatale Ursachen
4.5. Umweltbedingte Ursachen
5. Kurze Erklärung zum Begriff Musik
6. Das Musikerleben von gehörlosen Menschen
6.1. Die Grundelemente der Musikwahrnehmung
6.2. Die hörende Musikwahrnehmung
6.3. Die gehörlose Musikwahrnehmung
6.4. Unterschiede und Gemeinsamkeiten
7. Ziele der rhythmisch-musikalischen Förderung bei gehörlosen Menschen
8. Wie erleben gehörlose Menschen Musik? -praktische Beispiele
8.1. Gehörlose und Tanz
8.2. Gebärdenlieder als rhythmischer „Gesang“
8.3. Musikerleben mit Instrumenten
9. Abschlussgedanken
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das Musikerleben gehörloser Menschen und zeigt auf, wie Musik als „Fühlmusik“ ganzheitlich wahrgenommen werden kann, um Barrieren zwischen der Gehörlosenkultur und der musikalischen Ausdrucksform abzubauen. Das primäre Ziel ist es, den Blickwinkel auf die musikalische Teilhabe gehörloser Menschen zu erweitern und Ansätze für eine rhythmisch-musikalische Förderung darzustellen.
- Grundlagen der Gehörlosigkeit und Hörvorgang
- Vergleich zwischen hörender und gehörloser Musikwahrnehmung
- Bedeutung der Vibrationsrezeption als ergänzender Sinn
- Ziele und Methoden der rhythmisch-musikalischen Förderung
- Praktische Beispiele für Musikerleben (Tanz, Instrumente, Gebärdenlieder)
Auszug aus dem Buch
6.3. Die gehörlose Musikwahrnehmung
Im vorherigen Punkt habe ich gerade „Hören“ einerseits als passiven, unbewussten Prozess des Signaltransports, und anderseits als bewusstes und aktives Zuhören, bzw. Hinhören beschrieben. Diese Einteilung gibt es auch bei den Gehörlosen. Der passive Prozess des Signaltransports wird bei Manuela Prause wie folgt dargestellt.
Aufgrund der meist geringen, jedoch vorhandenen, Resthörigkeit sind in etwa nur 10% aller hörbehinderten Menschen völlig Gehörlos. Etwa 90% der Hörbehinderten besitzen ein geringes Restgehör. Diese Hörreste sind, in zahlreichen Abstufungen, vor allem im tieferen Frequenzbereich angesiedelt. Da Musik (zwischen 30 und 4000 HZ) ein wesentlich umfangreicheres Frequenzspektrum umfasst als Sprache (zwischen 250-3000 Hz), eignet Musik sich besonders gut zum Ausfindig machen eventuell vorhandener Hörreste.
Weiterhin bietet die sogenannte Vibrationsrezeption allen gehörlosen Menschen, auch denen ohne eine Resthörigkeit, eine Zugangsmöglichkeit zu Musik. Musik ist niemals nur ein rein akustisches Ereignis, sondern sowohl in der Hörenden als auch in der gehörlosen Musikwahrnehmung, immer mit Vibrationen verbunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Musikwahrnehmung trotz Gehörlosigkeit und Darlegung der persönlichen Motivation der Autorin.
2. Der Aufbau des Ohres und der Hörvorgang: Anatomische Erläuterung der Gehörfunktionen und des Prozesses der Schallumwandlung.
3. Wo beginnt die Gehörlosigkeit?: Differenzierung zwischen verschiedenen Schweregraden von Hörschädigungen inklusive einer international gültigen Einteilung.
4. Ursachen für eine Hörbehinderung: Überblick über genetische, pränatale, perinatale, postnatale und umweltbedingte Faktoren.
5. Kurze Erklärung zum Begriff Musik: Definition von Musik als organisierte Klangfolge in kulturellem Kontext.
6. Das Musikerleben von gehörlosen Menschen: Analyse und Vergleich der Musikwahrnehmung zwischen hörenden und gehörlosen Menschen unter Berücksichtigung von Vibrationen.
7. Ziele der rhythmisch-musikalischen Förderung bei gehörlosen Menschen: Darstellung pädagogischer Ziele zur Förderung von Körperwahrnehmung und Ausdrucksfähigkeit.
8. Wie erleben gehörlose Menschen Musik? -praktische Beispiele: Aufzeigen praktischer Ansätze durch Tanz, Gebärdenlieder und den Einsatz von Instrumenten.
9. Abschlussgedanken: Reflexion über die Zielsetzung der Arbeit und Plädoyer für ein verändertes Verständnis der Gehörlosenkultur.
Schlüsselwörter
Musik, Gehörlosigkeit, Schwerhörigkeit, Musikwahrnehmung, Fühlmusik, Vibrationsrezeption, Rhythmus, Gebärdenlieder, Instrumente, Hörbehinderung, ganzheitliche Wahrnehmung, Sozialpädagogik, Musikerziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert, wie gehörlose Menschen Musik wahrnehmen und erleben können, indem der Fokus von der rein akustischen Wahrnehmung auf die „Fühlmusik“ und die Ganzheitlichkeit des Erlebens verschoben wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Anatomie des Gehörs, den Ursachen von Hörbehinderungen, dem Vergleich der Musikwahrnehmung bei Hörenden und Gehörlosen sowie der praktischen rhythmisch-musikalischen Förderung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das Verständnis für die Gehörlosenkultur zu schärfen und aufzuzeigen, dass Musik auch ohne Hörvermögen durch Vibrationen und körperliche Resonanz erfahrbar und gestalterisch nutzbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Fundierung durch Fachliteratur in Kombination mit praktischen Erfahrungen aus der Hospitation in Schulen für Hörgeschädigte und eigenen Projekten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die physiologischen Grundlagen des Hörens, die Definitionen von Hörschäden, die Mechanismen der Vibrationsrezeption und stellt konkrete Beispiele wie Gebärdenlieder und den Einsatz von Holz-Instrumenten vor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Musikwahrnehmung, Vibrationsrezeption, Gehörlosigkeit, ganzheitliche Wahrnehmung und rhythmisch-musikalische Förderung definiert.
Warum spielt das Material „Holz“ eine besondere Rolle im Musikerleben von Gehörlosen?
Holz ist ein idealer Schallwellenträger, da es Schwingungen aufgrund seiner Dichte besser leitet und über längere Zeiträume erhält als Luft, wodurch Gehörlose Vibrationen direkter spüren können.
Was unterscheidet das „Singen“ von Gehörlosen vom klassischen Gesang?
Da die Stimmbildung oft nicht ausreichend entwickelt ist, „singen“ gehörlose Menschen primär mit den Händen durch Gebärdenlieder sowie mittels Mimik und Gestik des gesamten Körpers.
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- Tanja Berlin (Author), 2003, Ein Ohr für die Musik trotz Gehörlosigkeit. Die Gehörlosenkultur und ihre Beziehung zur Musik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21942