Thomas Hobbes geht in seiner Theorie von einem Naturzustand aus, in dem der
Mensch lebt. Im Naturzustand herrscht das Naturrecht, was bedeutet, dass die
Menschen die Freiheit haben, alles zu tun, was sie wollen. Jeder hat das Recht auf
alles1. Für Hobbes ist dieser anarchische Naturzustand ein Kriegszustand. Es
herrscht Krieg „eines jeden gegen jeden“2. Das bedeutet zwar nicht unbedingt Krieg
im Sinne von andauernden Kampfhandlungen, es handelt sich dabei eher um einen
Zustand von Unsicherheit und gegenseitigem Misstrauen3. Hobbes nennt
verschiedene Gründe dafür. Zum einen bestimmt die Furcht des Menschen vor dem
Tod sein Leben und ist gleichzeitig die Ursache für dessen Selbsterhaltungstrieb4. Da
sich der Mensch im Naturzustand aber nicht sicher fühlen kann, muss er ständig
wachsam sein und sich verteidigen, oder besser noch vorbeugen. Das bedeutet,
dass er versucht, alle zu unterwerfen, die ihn gefährden könnten. Andererseits sieht
Hobbes die Menschen auch als Machtmaximierer an, die von Natur aus nach
Ansehen, Würde und Macht streben. Diese Machtgier führt aber wiederum zu Krieg,
da sich die Menschen, auch wenn sie mit ihrem Lebensraum und Besitz zufrieden sind, nicht sicher fühlen können. Sie müssen, um ihr Überleben zu sichern,
gewaltbereit sein und präventiv ihre Macht vergrößern, um nicht unterworfen oder
gar getötet zu werden. Ein dritter Grund, der im Naturzustand zum Krieg aller gegen
aller führt, ist die Güterknappheit. Diese erzeugt Konflikte und die Menschen stehen
in Konkurrenz zueinander, jeder ist auf seinen eigenen Vorteil bedacht und versucht
sein Ziel mit allen Mitteln zu erreichen5.
In dieser Hausarbeit werde ich mich näher damit beschäftigen, wie die Menschen
den Naturzustand durch einen Vertragsabschluss überwinden, wie dieser Vertrag
legitimiert wird und somit ein Staat geschaffen wird. Des weiteren werde ich auf die
Herrschaft in diesem Staat, den Souverän mit seinen Rechten und Pflichten,
eingehen, sowie die Rechte der Untertanen beziehungsweise der Bürger dieses
Staates betrachten.
1 Vgl. Hobbes, Thomas: Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates,
hrsg. von Iring Fetscher, Neuwied/Berlin, 1966, S. 99
2 ebd., S. 96
3 ebd.
4 Vgl. Blum, Wilhelm/Rupp, Michael/Gawlina, Manfred: Politische Philosophen, hrsg. von Bayerische
Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit, 3. neu erw. Aufl., München, 1997, S.113
5 Vgl. Hobbes, Thomas: a.a.O., S. 94f.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Notwendigkeit eines Vertrags
2.1 Der Vertragsabschluss und die Entstehung eines Staates
2.2 Der Vertrag – ein Herrschafts- oder Gesellschaftsvertrag?
3. Der Souverän
3.1 Die Pflichten des Souveräns
3.2 Die Rechte des Souveräns
4. Die Freiheiten der Bürger
5. Kritik an Hobbes` Leviathan
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Theorie von Thomas Hobbes, mit einem Fokus auf der Überwindung des Naturzustands durch Vertragsschluss, der Legitimation staatlicher Souveränität sowie dem Spannungsverhältnis zwischen der absoluten Macht des Souveräns und den verbleibenden Freiheiten der Bürger.
- Analyse des Hobbesschen Naturzustands als Kriegszustand
- Untersuchung der Entstehung des Staates durch den Gesellschaftsvertrag
- Definition der Rechte und Pflichten des Souveräns
- Diskussion der individuellen Freiheitsräume innerhalb eines absolutistischen Systems
- Kritische Auseinandersetzung mit der Totalitäts- und Unrealismus-Kritik an Hobbes
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Vertragsabschluss und die Entstehung eines Staates
Dieser Vertrag ist künstlich, weil er gegen die Natur des Menschen gerichtet ist, die durch Furcht vor dem Tod, Machtstreben und Konkurrenzdenken gekennzeichnet ist. Vertragspartner ist jeder einzelne Mensch. Wie der Naturzustand ein Kriegszustand eines jeden gegen jeden war, so muss als Konsequenz daraus nun auch der Vertrag zwischen den einzelnen Individuen abgeschlossen werden. Dies geschieht durch den freien Willen der Menschen. Dabei ist es allerdings irrelevant, ob man für oder gegen den Vertragsabschluss ist, die Mehrheit entscheidet. Um einen dauerhaften Frieden zu gewährleisten, schließt zunächst jeder einzelne mit jedem einen Vertrag und verzichtet auf sein Recht auf alles, wenn es die anderen auch tun. In einem zweiten Schritt überträgt jeder Mensch seine Rechte auf Selbstbestimmung auf eine Obrigkeit und autorisiert diese, ihn zu regieren:
„Ich autorisiere diesen Menschen oder diese Versammlung von Menschen und übertrage ihnen mein Recht, mich zu regieren, unter der Bedingung, daß Du ihnen ebenso dein Recht überträgst und alle ihre Handlungen autorisierst.“
Diese Obrigkeit, der Souverän, ist kein Vertragspartner, da sie durch den Vertrag erst entstanden ist. Der Souverän ist ein unabhängiger Dritter, der die Rechte, Macht und Stärke aller Menschen in sich vereint. Der Wille des Souveräns gilt als der Wille aller, da sie ihn autorisiert haben. Er ist die Menge aller in einer Person. Thomas Hobbes vergleicht den künstlich geschaffenen Souverän, der den ebenso künstlichen Staat verkörpert, mit dem biblischen „Leviathan“, als Symbol für eine riesige, unbeschränkte und unteilbare Macht, und mit einem „sterblichen Gott“, der nur dem „unsterblichen Gott“ untersteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den Ausgangspunkt der Hobbesschen Theorie, den anarchischen Naturzustand, und definiert das Ziel der Arbeit, den Prozess der Staatsgründung und die Rolle des Souveräns zu beleuchten.
2. Die Notwendigkeit eines Vertrags: Dieses Kapitel begründet die Notwendigkeit einer Zwangsgewalt zur Überwindung der Konflikte im Naturzustand, da vernunftbegabte Menschen erkennen, dass nur ein Vertrag dauerhaften Frieden sichern kann.
2.1 Der Vertragsabschluss und die Entstehung eines Staates: Der Abschnitt beschreibt den künstlichen Akt der Vertragschließung durch den freien Willen der Individuen und die daraus resultierende Autorisierung eines Souveräns als unbeschränkte Machtinstanz.
2.2 Der Vertrag – ein Herrschafts- oder Gesellschaftsvertrag?: Es wird diskutiert, ob es sich bei dem Vertrag eher um einen Gesellschafts- oder Herrschaftsvertrag handelt, wobei der Autor den Vertrag als Begünstigungsvertrag einstuft, der sowohl Ordnung als auch Gesellschaft schafft.
3. Der Souverän: Das Kapitel thematisiert die absolute Macht des Souveräns, der keine Gewaltenteilung kennt und in dem Exekutive, Legislative und Judikative vereint sind.
3.1 Die Pflichten des Souveräns: Die zentralen Pflichten des Souveräns liegen in der Gewährleistung von Sicherheit, der Erhaltung des inneren und äußeren Friedens sowie der Sorge für das Wohl des Volkes.
3.2 Die Rechte des Souveräns: Hier werden die umfassenden Rechte des Souveräns dargelegt, darunter das Machtmonopol, die Gesetzgebungskompetenz, die Zensur von Meinungen sowie das Oberkommando über die Armee.
4. Die Freiheiten der Bürger: Trotz der absoluten Unterordnung unter den Souverän werden die verbleibenden Freiheiten der Bürger definiert, wie etwa das Recht auf Selbstverteidigung und die Handlungsfreiheit in nicht gesetzlich geregelten privaten Bereichen.
5. Kritik an Hobbes` Leviathan: Das abschließende Kapitel setzt sich mit der Kritik anderer Denker auseinander, die Hobbes' Entwurf als totalitär einstufen, und stellt dem Hobbessche Rechtfertigung gegenüber, die Sicherheit als höchstes Gut priorisiert.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Leviathan, Naturzustand, Vertragstheorie, Souveränität, absoluter Gehorsam, Gesellschaftsvertrag, Herrschaftsvertrag, Staatsphilosophie, Sicherheit, politisches Machtmonopol, Freiheit der Bürger, Gewaltenteilung, Rechtsphilosophie, Kriegszustand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die politische Theorie von Thomas Hobbes, insbesondere die logische Ableitung eines absolutistischen Staates aus der Dynamik eines anarchischen Naturzustands.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Hausarbeit?
Die zentralen Felder umfassen den Vertragsschluss zur Staatsgründung, die absolute Souveränität, die Pflichten und Rechte des Souveräns sowie die begrenzten Freiheitsspielräume der Bürger.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, den Prozess der Überwindung des Naturzustands durch den Vertrag zu erläutern und aufzuzeigen, wie ein solcher Vertrag legitimiert wird und welche Konsequenzen dies für die Machtverteilung und die Rechte der Untertanen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es handelt sich um eine politiktheoretische Analyse, die auf einer fundierten Literaturrecherche und der exegesischen Betrachtung des „Leviathan“ von Thomas Hobbes basiert.
Welche Aspekte stehen im Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt die Notwendigkeit staatlicher Ordnung, die Konstitution des Souveräns als „sterblichen Gott“, die explizite Auflistung seiner Kompetenzen sowie eine Differenzierung zwischen absoluter Macht und verbliebenen Freiheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Naturzustand, Souveränität, Vertragstheorie, absolute Gewalt, Sicherheit, Krieg aller gegen alle und der Leviathan.
Wie unterscheidet Hobbes zwischen dem „politischen“ und dem „natürlichen“ Staat?
Der „politische“ (oder künstliche) Staat entsteht durch bewusste Einsetzung mittels Vertragsabschluss, während der „natürliche“ (oder despotische) Staat durch Aneignung bzw. Gewalt erworben wird.
Wie begründet Hobbes, dass Bürger den Souverän nicht anklagen dürfen?
Hobbes argumentiert, dass die Bürger den Souverän autorisiert haben, in ihrem Namen zu handeln. Da die Handlungen des Souveräns somit als Handlungen der Bürger selbst gelten, wäre eine Anklage gleichbedeutend mit einer Selbstanklage, was logisch unmöglich ist.
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- Monika Nath (Autor:in), 2003, Thomas Hobbes- Vertragstheorie, Souveränität und die Freiheiten der Bürger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21977