Sprache ist eine nur Menschen vorbehaltene Ausdrucksform, die sich von allen anderen Verständigungsmöglichkeiten (Tiersprachen, künstliche Programmiersprachen, etc.) durch ihre Kreativität und Fähigkeit zur begrifflicher Abstraktion unterscheidet. Sie dient dem Austausch von Gedanken, Vorstellungen und Informationen. Sie ermöglicht das Erfassen und Verstehen der Welt und die Herausbildung der individuellen Identität, so wie die Aufnahme und Mitteilung wichtiger Erfahrungen.
Der Erwerb einer zweiten, fremden Sprache hat insofern für den Menschen große Bedeutung, als sie dadurch die Möglichkeit haben, ihre Erfahrungen mit unbekannter Kultur und Menschen zu machen und ihre eigene Lebensqualität verbessern können. Der Erwerb der Fremdsprache kann in unterschiedlichen Lebensabschnitten stattfinden (Kindesalter, Heranwachsende, Erwachsene, Senioren).
Forschungsgeschichtlich hat man sowohl biologische als auch sozialpsychologische Argumente in der Auseinandersetzung mit Fremdsprachenlernen in unterschiedlichen Altersstufen eingebracht. In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit dem Erwerb einer Fremdsprache durch Lerner im unterschiedlichen Alter mit besonderer Berücksichtigung der Senioren befassen.
Nach dem Überblick über die Forschungslage und die Hypothesen der Fremdsprachenlerntheorie werde ich auf die Situation des Sprachunterrichts für ältere Erwachsene näher eingehen. Ich versuche, einige praktische Hinweise für den Verlauf der Unterrichtsstunde zu geben. Anschließend befasse ich mich, anhand eines Interviews mit einem Lehrer, mit der Lage des Fremdsprachenunterrichts für Senioren an der hannoverschen Volkshochschule.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Theoretische Grundlagen
1. Die wichtigsten Hypothesen der Fremdsprachenlerntheorie
1. 1. Die Adoleszenz- Maximum- Hypothese
1. 2. Die Monitor Theorie
1. 3. Die neueren Fremdsprachenlerntheorien
2. Rolle der anderen Faktoren beim Fremdsprachenerwerb im Kindes- und Erwachsenenalter
II. Praktische Beispiele für den Unterricht mit Fremdsprachenlernern im höheren Erwachsenenalter
1. Didaktik und Methodik des Unterrichts für ältere Fremdsprachenlerner
2. Situation des Unterrichts mit älteren Erwachsenen in Hannover anhand eines Interviews
Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Erwerb von Fremdsprachen durch Lerner in unterschiedlichen Lebensphasen, wobei ein besonderer Fokus auf der Gruppe der Senioren liegt. Ziel ist es, den theoretischen Forschungsstand zu beleuchten, die spezifischen Rahmenbedingungen des Fremdsprachenunterrichts für ältere Lernende zu analysieren und praktische methodische Handlungsempfehlungen für Lehrende abzuleiten.
- Biologische und sozialpsychologische Grundlagen des Fremdsprachenlernens
- Kritische Analyse der Adoleszenz-Maximum-Hypothese und der Monitor-Theorie
- Einflussfaktoren wie Motivation, Einstellung und Lernstile
- Didaktische Prinzipien für den altershomogenen Sprachunterricht
- Praxisbeispiele aus der Erwachsenenbildung an der Volkshochschule
Auszug aus dem Buch
2. Didaktik und Methodik des Unterrichts für ältere Fremdsprachenlerner
Seit den sechziger Jahren sind ältere Erwachsene im Alter zwischen 60 und 80 Jahren in Deutschland eine bedeutende Zielgruppe des Fremdsprachenunterrichts geworden. Sie nehmen zahlreich an Volkshochschulen und an Universitäten (Seniorenstudium) an dem Fremdsprachenangeboten teil. Dieses Phänomen ist stark mit der demografischen Entwicklung in Deutschland verbunden, aber auch mit der allgemeinen Tendenz zur Mobilität und Flexibilität in allen Lebensbereichen.
Die Motivation der älteren Menschen unterscheidet sich stark von der Motivation der jüngeren Lerner. Die älteren Lerner lernen heute eine Fremdsprache entweder aus beruflichen oder persönlichen Gründen. Sie können durch Besuch eines Sprachkurses ihre früher erworbene, aber im Laufe des Lebens verlernte Fremdsprachenkenntnisse auffrischen, soziale Kontakte knüpfen. Sie können sich dadurch ihre Wünsche, wie Reisen oder Bücher in einer fremden Sprache lesen, erfüllen.
Im folgenden möchte ich die methodischen Prinzipien des Fremdsprachenunterrichts mit älteren Erwachsenen darstellen. Der Kurs für ältere Lerner soll altershomogen sein und in regelmäßigen Abständen über einen längeren Zeitraum stattfinden. Es ist damit verbunden, daß sie sich nach vielen Jahren wieder in der Schülerrolle befinden, was zu Unsicherheit und Lernblockaden aus Versagensangst führen kann. Eine altershomogene Gruppe wirkt beruhigend, weil sich aus der Sicht der Lerner alle auf dem gleichen psychischen und biologischen Leistungsniveau befinden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Bedeutung des Fremdsprachenerwerbs in verschiedenen Lebensabschnitten und Zielsetzung der Arbeit.
I. Theoretische Grundlagen: Überblick über wesentliche Theorien wie die Adoleszenz-Maximum-Hypothese und die Monitor-Theorie zur Erklärung von Altersunterschieden beim Lernen.
1. Die wichtigsten Hypothesen der Fremdsprachenlerntheorie: Detaillierte Darstellung der wissenschaftlichen Diskussion zum Spracherwerb in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter.
1. 1. Die Adoleszenz- Maximum- Hypothese: Diskussion der biologischen Grenze der Lernfähigkeit durch den Prozess der Lateralisierung im Gehirn.
1. 2. Die Monitor Theorie: Erläuterung von Stephen Krashens Theorie, die Alter als einen affektiven Faktor in den Kontext von Spracherwerb und -lernen stellt.
1. 3. Die neueren Fremdsprachenlerntheorien: Vorstellung weiterer Ansätze, die den biologischen Faktor der Gehirnvernetzung und die unterschiedlichen Erwerbsfähigkeiten thematisieren.
2. Rolle der anderen Faktoren beim Fremdsprachenerwerb im Kindes- und Erwachsenenalter: Analyse von Motivation, Emotionen, Muttersprachkenntnissen und individuellen Lernstilen.
II. Praktische Beispiele für den Unterricht mit Fremdsprachenlernern im höheren Erwachsenenalter: Fokus auf didaktische Strategien für die Arbeit mit Senioren.
1. Didaktik und Methodik des Unterrichts für ältere Fremdsprachenlerner: Vorstellung methodischer Prinzipien wie altershomogene Gruppen und ein partnerschaftliches Lernverhältnis.
2. Situation des Unterrichts mit älteren Erwachsenen in Hannover anhand eines Interviews: Qualitative Untersuchung der Praxis an der Volkshochschule Hannover durch ein Experteninterview.
Schlüsselwörter
Fremdsprachenerwerb, Erwachsenenalter, Senioren, Didaktik, Methodik, Adoleszenz-Maximum-Hypothese, Monitor-Theorie, Motivation, Volkshochschule, Spracherwerb, Lernstile, Unterrichtsgestaltung, Sprachproduktion, Fremdsprachenunterricht, Biographischer Ansatz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den Fremdsprachenerwerb über verschiedene Lebensphasen hinweg, mit einem speziellen Fokus auf die didaktischen und methodischen Anforderungen bei Senioren.
Welche zentralen Themenbereiche werden behandelt?
Themen sind die biologischen und psychologischen Theorien zum Spracherwerb, der Einfluss von Motivation und Lernstilen sowie praktische Empfehlungen für den Sprachunterricht mit älteren Erwachsenen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den theoretischen Kenntnisstand über das Lernen im Alter mit praktischen Ansätzen für den Fremdsprachenunterricht an Volkshochschulen zu verknüpfen.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu fremdsprachendidaktischen Theorien und einer qualitativen Fallstudie in Form eines Experteninterviews.
Welche inhaltlichen Aspekte dominieren den Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert die Relevanz der Altersfaktoren im Lernprozess und leitet daraus konkrete didaktische Prinzipien ab, wie etwa den biographischen Ansatz.
Welche Schlüsselbegriffe sind zentral für die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fremdsprachenerwerb, affektiver Filter, altershomogene Gruppen, Lernstile und die Rolle der Motivation.
Warum spielt das Alter eine Rolle für den Spracherwerb laut Lenneberg?
Lenneberg postulierte, dass die Pubertät eine biologische Grenze darstellt, nach der der akzentfreie Erwerb einer Fremdsprache aufgrund des Abschlusses der Lateralisierung deutlich schwieriger wird.
Wie unterscheiden sich die Motive älterer Lerner?
Ältere Lerner motivieren sich häufig durch den Wunsch, kognitiv fit zu bleiben, soziale Kontakte zu knüpfen oder Kenntnisse für private Interessen wie Reisen und kulturellen Austausch aufzufrischen.
Welche Bedeutung hat der Lehrerwechsel in Seniorenkursen?
Ein Lehrerwechsel führt bei älteren Lernern oft zu Unsicherheit, Frustration und Widerstand, da sie weniger flexibel auf Veränderungen reagieren als jüngere Zielgruppen.
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- Bozena Esskali (Author), 2000, Fremdsprachenlernen im höheren Erwachsenenalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22049