Die USA und Chile in den frühen 70er Jahren: Der amerikanische Einfluss auf den Sturz Allendes


Hausarbeit, 2003

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen

3. Historischer Abriß
3.1. Chile
3.2. USA
3.3. Die zwischenstaatlichen Beziehungen USA - Chile

4. Realismus
4.1. Die amerikanische Außenpolitik unter Nixon

5. Ursachen des Sturzes
5.1. Innen
5.1.1. Politisch
5.1.2. Wirtschaftlich
5.2. Außen
5.2.1. Politisch
5.2.2. Wirtschaftlich
5.3. USA
5.3.1. Politisch
5.3.2. Wirtschaftlich

6. Schlussbetrachtung

7. Quellen
7.1. Literatur
7.2. Zeitschriften
7.3. Internetquellen

1. Einleitung

Man muss heutzutage nur eine Zeitung aufschlagen um viele Vorwürfe gegen die Außen- und Sicherheitspolitik der USA zu hören. Ob es dabei um die wirtschaftliche Ausbeutung von Entwicklungsländern, um die Details des Krieges gegen den Terror, die Kündigung der ABM-Vertäge oder um die Ablehnung des Internationalen Gerichtshofes geht ist eigentlich zweitrangig. Der einhellige Unterton der anti-amerikanischen Kritik wirft den USA Egoismus, Arroganz und Weltmachtsstreben vor. Vor allem die ideologische Komponente der amerikanischen Außenpolitik wird in den europäischen Medien heftig diskutiert: Die schwarz-weiß-Malerei im Kampf gegen den Terror wird genauso angeprangert wie amerikanischer Kulturimperialismus. In solchen Diskussionen kommen sehr oft historische Zusammenhänge zur Sprache um das außen- und sicherheitspolitische Verhalten in einen Kontext einzuordnen, wie zum Beispiel der Krieg gegen Vietnam oder verschiedene Interventionen militärischer oder wirtschaftlicher Art, die mit der Wahrung der amerikanischen Interessen in sicherheitspolitischer Hinsicht begründet wurden (beispielsweise der Golfkrieg).

Besonders emotionsgeladen –auch und gerade heute noch – gestaltet sich die Debatte um Chile. Der Sturz des sozialistischen Präsidenten Salvador Allende durch General Augusto Pinochet am 11. September 1973 ist nach wie vor ein Streitpunkt der verschiedenen Lager. Die Allende-Sympathisanten sehen in dem demokratisch gewählten und sehr charismatischen Allende einen Kämpfer für soziale Gerechtigkeit und seinen Sturz durch die terroristische Militärdiktatur als Ergebnis einer massiven Einmischung der USA aus purem Eigennutz und übertriebenen Sicherheitsbedürfnis. Pinochet-Anhänger sehen in Allende einen von Moskau und Havanna unterstützten Kommunisten der nur mit 30% der Wählerstimmen einen Sozialismus installierte. Darüber hinaus folgten rücksichtslose Enteignungen vieler internationaler und chilenischer Unternehmen. Die USA konnten es, so heißt es, im Interesse der nationalen Sicherheit nicht verantworten, einen sozialistischen Staat im amerikanischen „Hinterhof“ zuzulassen, der womöglich anderen lateinamerikanischen Ländern als Vorbild dient und im Zusammenhang des Kalten Krieges eine potentielle Bedrohung darstellte.

In dieser Arbeit möchte ich den Sturz der Regierung Allende genauer auf den Einfluss der USA untersuchen. Der von der Theorie des Realismus geprägte amerikanische Präsident Nixon und sein außenpolitischer Berater Kissinger und die entsprechenden Maßnahmen gegen die Installation beziehungsweise die Sabotage des sozialistischen Regimes in Chile, die gleich nach der Wahl Allendes im Jahr 1970 begannen. Entsprechend möchte ich die Politik der USA immer vor dem Hintergrund des Kalten Krieges betrachten, der zu dieser Zeit die größte Bedrohung Amerikas und der ganzen Welt darstellte. Des weiteren gilt es festzustellen, ob der Putsch in Chile auch ohne Hilfestellung der USA stattgefunden hätte. Meine Hypothese lautet, dass der Sturz der Regierung Allende durch den amerikanischen Einfluss bedingt war. Also die Untersuchung, ob die Aktivitäten der USA nicht nur eine notwendige, sondern eine hinreichende Bedingung für den Sturz Salvador Allendes darstellten. Dies gilt es in dieser Arbeit zu prüfen.

Zu Beginn der Arbeit werde ich auf die damalige Situationen der beiden Länder, Chile und den USA eingehen und ihre zwischenstaatlichen Beziehungen darstellen. Dann stelle ich die realistische Theorie der internationalen Beziehungen vor und stelle den Bezug zur Außenpolitik der USA unter Präsident Nixon her. Anschließend folgt eine Analyse der Ursachen des Sturzes von Allende 1973. Besonders ausführlich soll hier der Einfluss der USA Gegenstand der Untersuchung sein bevor ich im Schlussteil die Ergebnisse meiner Ausführungen zusammenfassen will.

2. Definitionen

Einfluss der USA:

Der Einfluss der USA auf Chile ist ein weit gefasster Begriff. Wenn ich in dieser Arbeit von „Einfluss“ rede, meine ich damit einen bewussten Einfluss, der offensichtlich ohne Zweifel zur Sabotage des Regimes eingesetzt wird. Diese bewussten Maßnahmen können wirtschaftlicher Art sein (entweder seitens der USA direkt oder durch andere Staaten, die von den USA entsprechend genötigt wurden) oder (außen-)politischer Art. Der Begriff der Interventionen trifft auf meine Definition auch zu, wobei eine Intervention in meinen Augen eher eine (welt-)öffentliche Angelegenheit ist. In diesem Fall ist wohl eher von verdeckten Interventionen zu reden.

„Intervention bedeutet die Einmischung von Staaten bzw. internationalen Organisationen in Angelegenheiten, die der alleinigen Kompetenz des Nationalstaates unterliegen.“ (Woyke, Handwörterbuch Internationale Politik, S. 218). „Declaration of Principles of International Law concerning Friendly Relations and Cooperation among States in accordance with the Charter of the United Nations” als Annex zur Resolution 2 625 (XXV) am 24.10.1970: “Jeder Staat hat ein unveräußerliches Recht, sein politisches, wirtschaftliches, soziales und kulturelles System ohne irgendeine Form der Einmischung von Seiten eines anderen Staates zu wählen.” (Woyke, Handwörterbuch Internationale Politik, S. 220). Der amerikanische Einfluss auf Chile, so wie ich ihn definiere, verstößt gegen diese Aussage.

3. Historischer Abriss

Eine kurze auszugsweise Übersicht bezüglich der wichtigsten Daten wie sie das Magazin „Der Spiegel“ als Ergänzung zu einer Reportage über Chile aufführt:

04. September 1970 Der Arzt Salvador Allende gewinnt im vierten Anlauf als Kandidat der Unidad Popular (UP), einer Koalition aus Sozialisten, Kommunisten, Liberalen und christdemokratischen Dissidenten, die Präsidentschaftswahlen.

03. November 1970 Allende wird der erste frei gewählte marxistische Präsident. Chile soll nach und nach in eine „Republik der Arbeiterklasse“ umgewandelt werden. Seit September beteiligt sich die CIA, in direktem Auftrag des amerikanischen Präsidenten Nixon, an Planungen zu einem Militärputsch.

1971: Der Bergbau wird verstaatlicht

1972: Durch Aufkauf der Aktienmehrheit gelingt es, die meisten Privatbanken zu kontrollieren. Über 1500 Großfarmen werden enteignet und in Kooperativen umgewandelt. Infolge von landesweiten Streiks, insbesondere der Transportunternehmer, kommt es zu Versorgungsengpässen. Allende nimmt Angehörige des Militärs ins Kabinett auf.

1973: Die UP erringt bei den Parlamentswahlen leichte Gewinne. Ende August ernennt Allende Augusto Pinochet zum Chef des Heeres.

11. September 1973: Eine Militärjunta unter Führung Pinochets putscht gegen die Regierung. Während des Sturms auf den Präsidentenpalast bringt sich Allende um.

1989: Nach 16 Jahren endet Pinochets Diktatur. An die 3200 Chilenen wurden in dieser Zeit aus politischen Motiven ermordet.

(Matussek, Der andere 11. September)

3.1. Chile

Das Chile vor Pinochet wird in der Literatur oft als die älteste und stabilste Demokratie Südamerikas bezeichnet. Nach der völkerrechtlichen Unabhängigkeit 1818 festigten sich – trotz der typischen lateinamerikanischen Oligarchie – schon funktionsfähige demokratische Institutionen. Durch die neue Mittelschicht, eine zunehmend selbstbewußter auftretende Arbeiterschaft und die ökonomische Krise nach dem 1. Weltkrieg büßte die traditionell so mächtige Oligarchie viel von ihrem politischen Einfluss und ihren Privilegien ein.

Das Parteiensystem war durch eine starke soziale Polarisierung gekennzeichnet und organisierte die Wählerschaft entlang von Klassenlinien. Während die Parteien der Rechten grob gesehen die Interessen der Agraroligarchie und der Industriellen vertraten, repräsentierte das Zentrum hauptsächlich die Mittelschichten. Die Linksparteien hatten ihre soziale Basis wesentlich im Minen- und Industrieproletariat. Durch diese Zuordung entsteht faktisch eine 3-Teilung der Bevölkerung was die politische Zuordenbarkeit angeht. Entsprechend lassen sich die doch auffällig starken Schwankungen der Wahlergebnisse der folgenden Jahre erklären, die – politisch gesehen – ständig von links nach rechts und wieder zurück pendeln.

Das Wahlrecht erfuhr eine beständige Ausweitung, die 1970 zu den ersten freien, gleichen und geheimen Wahlen führte (37% , also die gesamte erwachsene Bevölkerung war wahlberechtigt) (Imbusch, Unternehmer und Politik in Chile). Chile hatte traditionell ein ausgesprochen ausgedehntes soziales Netz und ein fortschrittliches Gesundheitssystem.

Die ökonomische Situation war von starken Abhängigkeitsstrukturen geprägt, die ihre Ursache in der kolonialen Einbindung in den Weltmarkt hatte. Vor allem die reichen Bodenschätze, allen voran das chilenische Kupfer, waren immer große politische Diskussionsthemen. Vor dem 1. Weltkrieg waren viele wesentlichen Wirtschatszweige fast ausschließlich in britischen Händen. Nach dem 1. Weltkrieg übernahmen die Amerikaner diese Rolle von den Briten. Der chilenische Staat beschränkte sich auf eine Exportsteuer, die bis zu 30% am BIP ausmachte. Dies verdeutlicht die starke ökonomische Abhängigkeit Chiles von seinen Rohstoffexporten. (Imbusch, Unternehmer und Politik in Chile)

Auch die Landfrage war immer wieder Gegenstand politischer Diskussionen, eine Umverteilung des Großgrundbesitzes mittels Agrareformen von wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Notwendigkeit. Die Substitution der ausgedehnten Konsumgüter- und Lebensmittelimporte durch eine Stärkung der chilenischen Industrie und Landwirtschaft war von vorrangiger Bedeutung, um eine zu große Abhängigkeit von Preisschwankungen des Weltmarktes zu vermeiden.

Obwohl diese wirtschaftspolitischen Themen eher sozialistisch anmuten, waren sie so essentiell für Chile dass auch der liberale Alessandri und der Christdemokrat Frei in den 60er Jahren als Präsidenten entsprechende Reformversuche machten.

3.2. USA

In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts befinden sich die USA mit der UdSSR im Prozess des Kräftemessens um die Vormachtsstellung in der Welt. Der Kalte Krieg ist noch im Gange. „Die Geschichte des Kalten Krieges ist das eindrucksvollste Beispiel der ideologischen Konfrontation zweier Staaten, der USA und der UdSSR, die einander bis an den Rand der gemeinsamen Weltzerstörung drängten, um zu beweisen, dass die eigene Gesellschafts-, Herrschafts-, und Hegemonialordnung nicht nur unendlich besser sei als die des Gegners, nicht nur deren absolutes Gegenteil, nicht nur tödlich bedroht von ihm, sondern allein geeignet zu seiner Abwehr und deshalb lebensnotwendig für die Zukunft des Menschengeschlechts.“ (Woyke, Handwörterbuch Internationale Politik, S. 148).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die USA und Chile in den frühen 70er Jahren: Der amerikanische Einfluss auf den Sturz Allendes
Hochschule
Universität Konstanz  (Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaft)
Veranstaltung
Übung zur Vorlesung Entwicklungstheorien
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
22
Katalognummer
V22070
ISBN (eBook)
9783638255059
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chile, Jahren, Einfluss, Sturz, Allendes, Vorlesung, Entwicklungstheorien
Arbeit zitieren
Katrin Kornmann (Autor), 2003, Die USA und Chile in den frühen 70er Jahren: Der amerikanische Einfluss auf den Sturz Allendes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22070

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die USA und Chile in den frühen 70er Jahren: Der amerikanische Einfluss auf den Sturz Allendes



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden