In dieser Arbeit wird semi-empirisch untersucht, ob eine Mehrwertsteuerharmonisierung in der Europäischen Union vollständig durchgeführt werden sollte, oder ob das bisher unter den Mitgliedstaaten Vereinbarte für einen gemeinsamen Wirtschaftsraum ausreicht. Mit einem geeigneten Fragebogen wurden dabei europäische Regierungen, Parteien und Experten zum Thema Mehrwertsteuerharmonisierung befragt und die Ergebnisse im zweiten Teil dieser Arbeit ausgewertet. Um einen besseren Einstieg in die Thematik zu gewährleisten, werden im folgenden ersten Teil zunächst einige Begrifflichkeiten definiert und ein historischer Einblick in die Entwicklung des Mehrwertsteuersystems und der bisherigen Harmonisierungsdebatte gegeben.
Inhaltsverzeichnis
Teil 1 - Theoretischer Teil
1.1 Einleitung
1.2 Definition der Mehrwertsteuer
1.2.1 Geschichtliche Entwicklung des deutschen Mehrwertsteuersystems
1.2.2 Aufkommen wichtiger Steuern in Deutschland
1.3 Umsatzsteuer innerhalb der Europäischen Union
1.3.1 Innergemeinschaftlicher Erwerb
1.3.2 Kontrollfunktionen
1.3.3 Mehrwertsteuersätze 1996
1.3.4 Einnahmenstruktur zur Finanzierung des EU-Haushaltes
Teil 2 - Semiempirische Untersuchung
2.1. Vorgehensweise
2.2. Ergebnisse
2.2.1 DIW
2.2.2 Bundessteuerberaterkammer
2.2.3 Bundesverband der Deutschen Industrie
2.2.4 F.D.P. Bundestagsfraktion
2.2.5 Vertretung der Europäischen Kommission in der Bundesrepublik Deutschland
2.2.6 Bund der Steuerzahler
2.2.7 DATEV
2.2.8 persönliche Gespräche
2.3. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht semi-empirisch, ob eine vollständige Harmonisierung der Mehrwertsteuer innerhalb der Europäischen Union erstrebenswert ist oder ob das bestehende System für einen funktionierenden gemeinsamen Wirtschaftsraum ausreicht. Hierfür werden Expertenmeinungen von Regierungen, Parteien und Institutionen analysiert, um den Status quo und zukünftige Perspektiven der Mehrwertsteuerpolitik zu beleuchten.
- Grundlagen und historische Entwicklung des Mehrwertsteuersystems
- Die Rolle der Umsatzsteuer innerhalb der EU und des EU-Haushalts
- Empirische Erhebung zur Harmonisierung bei Experten und Entscheidungsträgern
- Bewertung von Vereinfachung, Standortneutralität und Steuerwettbewerb
- Zukunftsperspektiven im Kontext der europäischen Einigung und Währungsunion
Auszug aus dem Buch
1.2.1 Geschichtliche Entwicklung des deutschen Mehrwertsteuersystems
Bereits im Altertum war eine Besteuerung des Warenverkehrs in einer Gesellschaft durchaus üblich. So kannten bereits die Römer eine allgemeine Steuererhebung (teloneum: Zölle, Gebühren). Im 12. und 13. Jahrhundert haben sich dann aus diesen allgemeinen Abgaben die Umsatz- oder Pfundzölle entwickelt, die bereits Steuercharakter hatten und in direktem Zusammenhang mit einem Produkt gesehen wurden. Diese Pfundzölle zerfielen dann ab dem 15. Jahrhundert in getrennte Produktsteuern unterschiedlicher Höhe (Akzisen) und verschwanden dann bis zum 19. Jahrhundert vollständig. Als erster deutscher Stadtstaat erhob Bremen von 1863 bis 1884 erneut Akzisen und nannte diese Abgaben „Umsatzsteuer“.
Der Umsatzsteuergedanke wurde dann im ersten Weltkrieg erneut aufgegriffen. So führte das Deutsche Reich 1916 im Rahmen des Reichsstempelgesetzes einen Warenumsatzstempel als Steuer auf Warenlieferungen und von 1918 an das System der Allphasen-Bruttoumsatzsteuer (Umsatzsteuergesetz) ein.
Das Umsatzsteuergesetz blieb bis Ende 1967 gültig und wurde dann durch das System der Mehrwertsteuer mit Vorsteuerabzug ersetzt. Der ursprüngliche Steuersatz von 0,5% stieg 1935 auf 2%, 1946 auf 3% und 1951 auf 4%.
Zusammenfassung der Kapitel
Teil 1 - Theoretischer Teil: Vermittlung der Begrifflichkeiten und des historischen Kontexts des Mehrwertsteuersystems sowie dessen Bedeutung für den EU-Haushalt.
1.1 Einleitung: Darstellung des Untersuchungsgegenstands und der methodischen Herangehensweise an die semi-empirische Analyse.
1.2 Definition der Mehrwertsteuer: Erläuterung der Wirkungsweise der Mehrwertsteuer als indirekte Verbrauchssteuer und deren praktische Anwendung durch den Vorsteuerabzug.
1.2.1 Geschichtliche Entwicklung des deutschen Mehrwertsteuersystems: Rückblick auf die Entwicklung von antiken Zöllen bis hin zur modernen Mehrwertsteuer mit Vorsteuerabzug in Deutschland.
1.2.2 Aufkommen wichtiger Steuern in Deutschland: Statistische Einordnung der Mehrwertsteuer in das deutsche Steueraufkommen und deren Ertragskompetenz.
1.3 Umsatzsteuer innerhalb der Europäischen Union: Analyse der Besteuerungsmodelle im binationalen Handel und der Rolle der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.
1.3.1 Innergemeinschaftlicher Erwerb: Definition und Abgrenzung der Tatbestände für den innergemeinschaftlichen Erwerb von Gegenständen und Dienstleistungen.
1.3.2 Kontrollfunktionen: Darstellung der Mechanismen zur Überwachung des binationalen Handels innerhalb des gemeinsamen Marktes.
1.3.3 Mehrwertsteuersätze 1996: Überblick über die zum Zeitpunkt der Untersuchung geltenden Mehrwertsteuersätze in verschiedenen Ländern.
1.3.4 Einnahmenstruktur zur Finanzierung des EU-Haushaltes: Erklärung des Eigenmittelsystems der EU und der Rolle der Mehrwertsteuer als Einnahmequelle.
Teil 2 - Semiempirische Untersuchung: Auswertung der Befragung von Institutionen und Experten zur Zukunft der Harmonisierung.
2.1. Vorgehensweise: Beschreibung des standardisierten Fragebogens und der Auswahl der befragten Entscheidungsträger.
2.2. Ergebnisse: Detaillierte Darstellung der Rückmeldungen einzelner Institutionen und Experten zur Harmonisierungsproblematik.
2.2.1 DIW: Einschätzung des DIW zur Notwendigkeit einer raschen Harmonisierung der Mehrwertsteuersätze.
2.2.2 Bundessteuerberaterkammer: Positionierung zur Vereinfachung und Gleichbehandlung von Umsätzen im europäischen Binnenmarkt.
2.2.3 Bundesverband der Deutschen Industrie: Kritik am Status quo und Forderung nach rascher Umsetzung des Ursprungslandprinzips.
2.2.4 F.D.P. Bundestagsfraktion: Einschätzung zur Notwendigkeit einheitlicher Umsatzsteuersätze für den Binnenmarkt.
2.2.5 Vertretung der Europäischen Kommission in der Bundesrepublik Deutschland: Darstellung der Strategie der Kommission zur Modernisierung und Harmonisierung.
2.2.6 Bund der Steuerzahler: Bedenken gegen eine steuerliche Harmonisierung aufgrund möglicher negativer Folgen für den Steuerzahler.
2.2.7 DATEV: Präsentation der Ergebnisse einer Befragung von Steuerberatern zur Umsatzsteuerübergangsregelung.
2.2.8 persönliche Gespräche: Zusammenfassung der Expertenmeinungen von Prof. Gabisch, Prof. Lang und Prof. Walter.
2.3. Zusammenfassung: Synthese der Untersuchungsergebnisse und abschließende Bewertung der Harmonisierungsperspektiven.
Schlüsselwörter
Mehrwertsteuer, Europäische Union, Harmonisierung, Steuerrecht, Binnenmarkt, Ursprungslandprinzip, Bestimmungslandprinzip, Vorsteuerabzug, Umsatzsteuer, Steuerwettbewerb, Eigenmittelsystem, Fiskalpolitik, indirekte Steuern, Steueraufkommen, EU-Haushalt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Harmonisierung der nationalen Mehrwertsteuersysteme innerhalb der Europäischen Union und prüft, ob eine Angleichung angesichts der Anforderungen des Binnenmarktes sinnvoll und realistisch ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Mehrwertsteuer, die Bedeutung der indirekten Besteuerung für den EU-Haushalt sowie die unterschiedlichen Positionen von Wirtschaftsverbänden, Parteien und Forschungsinstituten zur steuerlichen Harmonisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht semi-empirisch, ob eine vollständige Harmonisierung der Mehrwertsteuer in der Europäischen Union durchgeführt werden sollte, oder ob das bestehende Übergangssystem für den gemeinsamen Wirtschaftsraum ausreicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine semi-empirische Methode angewandt, bei der ein standardisierter Fragebogen an europäische Regierungen, politische Parteien und Experten verschickt wurde, ergänzt durch persönliche Experteninterviews.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil, der Definitionen und steuerrechtliche Grundlagen liefert, und einen semi-empirischen Teil, der die erhobenen Stellungnahmen der verschiedenen befragten Akteure und Institutionen analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen Mehrwertsteuer, Harmonisierung, Europäische Union, Steuerwettbewerb, Binnenmarkt, Ursprungslandprinzip und Eigenmittelsystem.
Welche Rolle spielt das Ursprungslandprinzip in der Debatte?
Das Ursprungslandprinzip wird von vielen Wirtschaftsvertretern als Zielzustand gefordert, da es Wettbewerbsverzerrungen abbauen und den Binnenmarkt effizienter gestalten würde, während die praktische Umsetzung jedoch komplex bleibt.
Wie bewerten die befragten Steuerberater die aktuelle Übergangsregelung?
Die DATEV-Umfrage unter Steuerberatern zeigt, dass das derzeitige System als hochkompliziert und rechtsunsicher empfunden wird, wobei ein Großteil der Befragten eine deutlich stärkere Vereinheitlichung und Vereinfachung fordert.
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- Klaus Rammert, Dr. (Author), 1997, Mehrwertsteuersysteme in der EU, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22117