Der Bewährungsmythos in der Lebenspraxis des Christentums und innerhalb des Islams, sorgt seit Generationen für Kontroversen. An hand der, von Oevermann abgefassten Theorienbildung und anderer, einschlägiger Literatur, erschafft die Arbeit einen anschaulichen Überblick zum Bewährungsmythos innerhalb der beiden Religionen. Tiefe Einblicke in die, von Bewährung und paradiesischer Erfüllung geprägten, Bewährungsprozesse, erschaffen einen kritischen Blick auf Religion und Umsetzung, bis hin zu einer echten Auseinandersetzung mit dem Leben nach dem Tod. Soziologisch wird dabei vor allem auf die Theorie der Bewährung und deren Auswirkungen auf die beiden religiös beeinflussten Gesellschafts- und Glaubensgruppen, eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Religion- Begriffsdefinition
2. Grundlagen der Religion
2.1 Grundlagen des Christentum
2.2 Grundlagen des Islam
3. Die Lebenspraxis als Bewährung
3.1 Oevermanns allgemeines Strukturmodell von Religiosität- Lebenspraxis als Einheit von Entscheidungszwang und Begründungsverpflichtung
4. Darlegung am Paradigma der Religion
4.1 Der Schöpfungsmythos- Symbol für Entscheidungszwang
4.2 Der Bewährungsmythos- Symbol für Begründungsverpflichtung
5. Zwei Modi des Bewährungsmythos: Erlösung vs. Offenbarung
5.1 Erlösungsreligion- Zurücknahme der Schuld
5.2 Offenbarungsreligion- Kodifizierung von Verhalten
6. Folgen für die Religion
6.1 Modernisierungseinstellungen in Islam und Christentum
6.2 Fundamentalismen in Islam und Christentum
7. Fazit der Arbeit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht auf Basis des Oevermannschen Strukturmodells von Religiosität, wie sich die Konzepte von Entscheidungszwang und Begründungsverpflichtung in der Lebenspraxis von Christen und Muslimen widerspiegeln, wobei ein besonderer Fokus auf dem Vergleich von Erlösungs- und Offenbarungsreligion liegt.
- Theoretische Fundierung von Religiosität als Lebenspraxis nach Ulrich Oevermann.
- Vergleich von Christentum und Islam im Hinblick auf Bewährungsdynamiken.
- Analyse des Schöpfungs- und Bewährungsmythos als Symbole für religiöse Anforderungen.
- Untersuchung von Modernisierungseinstellungen und Fundamentalismus in beiden Religionen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Oevermanns allgemeines Strukturmodell von Religiosität- Lebenspraxis als Einheit von Entscheidungszwang und Begründungsverpflichtung
Oevermann betrachtet das Modell von Religion als „eine Struktur des menschlichen Lebens, die kulturspezifisch unterschiedlich in Erscheinung tritt“.(vgl. Oevermann, 1995 S.2) Er sieht Religion als eine „Praxisform par execellence“ an, da in ihr die zentrale Frage „nach dem Sinn des Lebens“ thematisiert wird. (vgl. Oevermann, 1996 S.29) Oevermann geht davon aus, dass jedem Menschen das „Bedürfnis“ nach der „Sinngebung seines Lebens“ unterstellt werden kann. (vgl. Oevermann, 1996 S.30) Der Mensch stellt sich der dreifaltigen Frage: Woher komme ich?; Wohin gehe ich?; Wer bin ich?. (vgl. Oevermann, 1995 S.4)
Er weist jedoch gleichsam darauf hin, dass der „Bedürfnisansatz“ wie auch der „Erlebnisansatz“ aufgegeben werden muss, um einen allgemeinen „Strukturzusammenhang“ aus den „Konstitutionsbedingungen der Praxis“ zu entwickeln. (vgl. Oevermann, 1996 S.31) Er stellt sich ein Modell von Religiosität vor, welches nicht von der Frage nach dem Sinn des Lebens ausgeht, sondern welches die „Struktureigenschaften“ und „Konstitutionsbedingungen“ der Lebenspraxis bestimmt und somit eine solche Praxis nicht als „gegeben voraussetzt“. (vgl. Oevermann, 1996 S.31) Der Mensch muss die Endlichkeit seines irdischen Lebens anerkennen. Die „Kategorie der Endlichkeit“ ergibt sich aus dem „Übergang von Natur zu Kultur“. (vgl. Oevermann, 1996 S.31)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Lebenspraxis und Definition des Religionsbegriffs.
2. Grundlagen der Religion: Darstellung der religiösen Fundamente und zentralen Glaubensgrundsätze von Christentum und Islam.
3. Die Lebenspraxis als Bewährung: Theoretische Auseinandersetzung mit Oevermanns Strukturmodell und der Kategorie der Endlichkeit.
4. Darlegung am Paradigma der Religion: Interpretation von Schöpfungs- und Bewährungsmythos als Symbole für religiöse Handlungszwänge.
5. Zwei Modi des Bewährungsmythos: Erlösung vs. Offenbarung: Gegenüberstellung der unterschiedlichen Ansätze zur Bewältigung von Schuld und Verhalten.
6. Folgen für die Religion: Untersuchung von Auswirkungen auf Modernisierungsprozesse und die Entstehung von Fundamentalismus.
7. Fazit der Arbeit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass sich jeder Gläubige ungeachtet der Religion täglich in seiner Lebenspraxis bewähren muss.
Schlüsselwörter
Religion, Lebenspraxis, Oevermann, Bewährungsmythos, Entscheidungszwang, Begründungsverpflichtung, Christentum, Islam, Schöpfungsmythos, Erlösung, Offenbarung, Fundamentalismus, Moderne, Endlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Religionen die tägliche Lebensführung ihrer Anhänger strukturieren, insbesondere unter dem Aspekt des Oevermannschen Konzepts der „Bewährung“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem soziologischen Modell von Religiosität, dem Vergleich zwischen christlicher Erlösungs- und islamischer Offenbarungslogik sowie der Frage nach Modernisierung und Fundamentalismus.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Es soll untersucht werden, wie sich die unterschiedlichen religiösen Systeme des Christentums und des Islams auf die Art und Weise auswirken, wie Menschen Entscheidungen in ihrem Alltag begründen und bewältigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die primär auf der soziologischen Theoriebildung von Ulrich Oevermann basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert das Oevermannsche Strukturmodell, die Funktion von Mythen als Symbole für religiöse Verpflichtungen und die Auswirkungen dieser Strukturen auf den religiösen Alltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Lebenspraxis, Bewährungsdynamik, Entscheidungszwang, Erlösungsreligion und Offenbarungsreligion.
Wie unterscheidet sich die Bewährung im Christentum von der im Islam?
Während das Christentum durch die Erlöserfigur Jesu eine Entlastung hinsichtlich der Erbsünde bietet, ist die Bewährung im Islam stärker durch die strikte, gesetzliche Befolgung der koranischen Gebote geprägt.
Warum wird Fundamentalismus in beiden Religionen thematisiert?
Fundamentalismus wird hier als extreme Ausprägung religiöser Praxis analysiert, die oft als Reaktion auf Modernisierungstendenzen und den Wunsch nach Wahrung tradierter religiöser Identitäten entsteht.
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- Daniela Brunn (Author), 2004, Bewährung in der Lebenspraxis innerhalb des Christentums und des Islam - Oevermannsche Theoriebildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22122