Musiktherapie hat mittlerweile einen festen Platz in den Psychiatrischen Kliniken eingenommen. Doch die Auffassungen über Musiktherapie sind sehr verschieden und reichen über die Heilkraft der Musik im Sinne einer „Musikapotheke“ bis hin zu Beurteilung als Modeerscheinung. Seit wann versucht man Krankheiten, besonders die der Seele mit Musik zu Heilen? Wie hat sich Musiktherapie in die Psychiatrie integriert und welche Stellung nimmt sie dort gegenwärtig ein? Aufbauend auf welchen Annahmen und mit welchen Methoden arbeiteten und arbeiten die „Musiktherapeuten“ der Vergangenheit und der Gegenwart. Wie werden psychiatrische Krankheitsbilder aus musiktherapeutischer Sicht beurteilt und wie wird Musiktherapie bei diesen Krankheiten angewandt? Wie effektiv ist Musiktherapie?
Ich versuche im Rahmen dieser Diplomarbeit auf diese Fragen Antworten zu finden, unter anderem mit dem Ziel, dem eigenen Interesse für diesen Bereich Rechnung zu tragen. Es soll dabei ein Bild im Sinne einer Einführung in die doch sehr vielfältige psychiatrische Musiktherapie entstehen, in welchem man auf die oben gestellte Fragen einige Antworten finden kann. So versuche ich in der vorliegenden Arbeit ausgehend von einem geschichtlichen Überblick, die Stellung der Musiktherapie in der Psychiatrie im ersten Teil darzustellen.
Im weiteren werden Formen musiktherapeutischen Vorgehens, sowie einige musiktherapeutische Methoden beschrieben. Hierbei liegt der Schwerpunkt hauptsächlich auf psychotherapeutisch orientierte Musiktherapie, in Bezug auf psychisch erkrankte Menschen. Die Problematik, Musiktherapie in der Psychiatrie darzustellen liegt in der unübersichtlichen Fülle der musiktherapeutischen Literatur, welche sich nicht auf eine gemeinsame, differenzierte Basis bezieht.
Obwohl viele Untersuchungen, Erfahrungen und Beobachtungen existieren, gibt es immer noch kein einheitliches wissenschaftlich fundiertes Methodensystem. So stehen die Methoden der Musiktherapeuten oft ohne einen gemeinsamen Bezugspunkt isoliert da. Dies erschwert einen allgemeinen Überblick in der Literatur. Aus diesem Grund kann das Ziel dieser Arbeit nicht eine komplette Darstellung musiktherapeutischer Realität in psychiatrischen Kliniken sein. Trotzdem möchte ich versuchen ein Bild, einen Ausschnitt über die Musiktherapie in der Psychiatrie, anhand einer Literaturrecherche aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
VORWORT 5
GESCHICHTLICHE ÜBERBLICK 7
GESCHICHTE DER MUSIKTHERAPIE 7
DIE GESCHICHTE DER PSYCHIATRIE 13
DIE GESCHICHTE DER MUSIKTHERAPIE IN DER PSYCHIATRIE 17
STELLUNG DER MUSIKTHERAPIE IN DER PSYCHIATRIE 20
AUFGABEN UND RAHMENBEDINGUNGEN DER PSYCHIATRIE 20
AUFGABEN DER PSYCHIATRIE 20
RAHMENBEDINGUNGEN IN DER PSYCHIATRIE 21
MUSIKTHERAPEUTISCHE BEHANDLUNGSFORMEN IN DER PSYCHIATRIE 23
DIE PSYCHOTHERAPEUTISCHE MUSIKTHERAPIE 23
DIE SOZIOTHERAPEUTISCHE MUSIKTHERAPIE 25
„BESCHÄFTIGENDE“ MUSIKTHERAPIE 25
DIE ARBEITSSITUATION DER MUSIKTHERAPEUTEN IN DER PSYCHIATRIE 26
MUSIKTHERAPIE BEI AUSGEWÄHLTEN KRANKHEITSBILDER 30
MUSIKTHERAPIE BEI SCHIZOPHRENEN PSYCHOSEN 31
SYMPTOME UND VERLAUF SCHIZOPHRENER PSYCHOSEN 31
ERKLÄRUNGSANSÄTZE ZUR ENTSTEHUNG VON PSYCHOSEN. 34
psychoanalytischer erklärungsansatz für die entstehung von schizophrenen psychosen 34
Kommunikationstheoretische ErklärungsAnsätze für die entstehung von psychosen 37
MUSIKTHERAPEUTISCHE METHODEN BEI DER PSYCHOSEBEHANDLUNG 39
Rezeptive Musiktherapie bei der behandlung von Schizophrenen Psychosen 41
Instrumentalimprovisation bei der Behandlung von Schizophrenen Psychosen 42
Bewegung und Tanz bei der Behandlung von Psychosen 46
EINIGE UNTERSUCHUNGEN ZUR WIRKSAMKEIT DER MUSIKTHERAPIE BEI SCHIZOPHRENEN48
MUSIKTHERAPIE BEI DEPRESSIONEN 50
DAS KRANKHEITSBILD DER DEPRESSION 51
FORMEN UND ENTSTEHUNG VON DEPRESSIONEN 52
Die Reaktive Depression 52
Die depressive Entwicklung 53
Die neurotische Depression 53
Die Endogene Depression. 57
MUSIKTHERAPEUTISCHE METHODEN BEI DER BEHANDLUNG DEPRESSIVER 57
Rezeptive Musiktherapie (Entspannungsübung) bei depressionen 60
Instrumentalspiel bei Depressionen 60
Singen mit Depressiven 61
Regulative musiktherapie (RMT) bei Depressionen (nach schwabe) 62
Integrative Musiktherapie bei depressiven Zuständen (nach Isabelle Frohne-Hagemann) 64
EINIGE UNTERSUCHUNGEN ZUR WIRKSAMKEIT DER MUSIKTHERAPIE BEI DEPRESSIONEN 69
MUSIKTHERAPIE IN DER GERONTOPSYCHIATRIE 71
KRANKHEITSBILDER IN DER GERONTOPSYCHIATRIE 71
Demenz 72
Altersdepression 73
EINORDNUNG DER MUSIKTHERAPIE IN DER GERONTOPSYCHIATRIE 74
Einordnungsbeispiele 74
Einordnungen nach Darstellung der Musiktherapeutischen Innhalte 76
MUSIKTHERAPEUTISCHE METHODEN IN DER GERONTOPSYCHIATRIE 78
Aktive / schöpferische musiktherapie in der gerontopsychiatrie 78
Musikalisches gedächtnistraining in der gerontopsychiatrie 80
Trauerarbeit mit Musik in der gerontopsychiatrie 80
Integrative Musiktherapie in der gerontopsychiatrie 83
Musik hören (rezeptive Musiktherapie) in der gerontopsychiatrie 84
Singen in der Gerontopsychiatrie 85
Spielen auf elementaren Instrumenten in der Gerontopsychiatrie 87
Tänzerische GruppenMusiktherapie in der gerontopsychiatrie 89
EINIGE UNTERSUCHUNGEN ZUR WIRKSAMKEIT DER MUSIKTHERAPIE IN DER GERIATRIE 90
SCHLUßWORT 94
Zielsetzung & Themen
Diese Diplomarbeit untersucht die Rolle, Wirksamkeit und Integration der Musiktherapie innerhalb psychiatrischer Kliniken. Ziel ist es, ein differenziertes Bild der vielfältigen Ansätze zu zeichnen, die musiktherapeutischen Möglichkeiten bei spezifischen Krankheitsbildern (Psychosen, Depressionen, gerontopsychiatrische Erkrankungen) aufzuzeigen und den aktuellen Forschungsstand zu reflektieren.
- Historische Entwicklung der Musiktherapie und Psychiatrie
- Stellung und Arbeitsbedingungen von Musiktherapeuten im psychiatrischen Klinikalltag
- Musiktherapeutische Ansätze bei Schizophrenie und Depressionen
- Spezifische Interventionsformen in der Gerontopsychiatrie
- Reflexion zur Wirksamkeit der Musiktherapie durch Literaturrecherche
Auszug aus dem Buch
Die soziotherapeutische Musiktherapie
Bei der soziotherapeutischen Musiktherapie werden die frühkindlichen Beziehungsmuster als Auslöser späterer Störungen oder Verhaltensfehler nicht anerkannt. Diese Form der Musiktherapie wird wie eine Verhaltenstherapie symptombezogen angewandt. Das Hauptinteresse wird auf die Beziehungen und die Umwelt der Klienten gerichtet. Darum wendet sich diese Therapie über die Gruppe an das Individuum. Sie ist lerntheoretisch fundiert und geht davon aus, daß menschliche Verhaltensweisen in Lernprozessen erworben werden. Fehlverhalten kann durch Erlernen neuer, erwünschter Verhaltensweisen korrigiert werden.
Das Ziel dieser Therapieform ist, Möglichkeiten der Verhaltensselektion zu schaffen, so daß positive Verhaltensweisen gefördert und unterstützt, die Störverhaltensweisen aber nicht beachtet werden. Die so gefestigten neuen Verhaltensweisen sollen in ähnlichen Situationen außerhalb der Therapie übertragen werden. Der Therapeut hat eine verhältnismäßig große Macht über den Klienten, denn er bestimmt letztlich, welche Verhaltensweisen erwünscht sind.
Nachteile dieser Therapie können die verschiedenen Anpassungsformen im Rahmen der Therapie sein, welche letztendlich eine Verhaltensänderung herbeiführen. Ihre Gültigkeit bleibt außerhalb der therapeutischen Situation aber zweifelhaft.
Zusammenfassung der Kapitel
VORWORT: Der Autor erläutert seine Motivation und Zielsetzung, einen geschichtlichen Überblick und eine Einführung in die vielfältige psychiatrische Musiktherapie zu geben.
GESCHICHTLICHE ÜBERBLICK: Darstellung der Entwicklung der Musik als Heilmittel von den Naturvölkern über die Antike bis hin zur modernen Musiktherapie und Psychiatrie.
STELLUNG DER MUSIKTHERAPIE IN DER PSYCHIATRIE: Analyse der Rahmenbedingungen, Hierarchien und Herausforderungen, denen Musiktherapeuten in psychiatrischen Kliniken begegnen.
MUSIKTHERAPIE BEI AUSGEWÄHLTEN KRANKHEITSBILDER: Untersuchung spezifischer musiktherapeutischer Methoden bei schizophrenen Psychosen, Depressionen und in der Gerontopsychiatrie.
SCHLUßWORT: Fazit der Arbeit mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit einer fundierten Ausbildung und der weiteren wissenschaftlichen Anerkennung der Musiktherapie.
Schlüsselwörter
Musiktherapie, Psychiatrie, Schizophrenie, Depression, Gerontopsychiatrie, Psychotherapie, Soziotherapeutische Musiktherapie, Instrumentalimprovisation, Rezeptive Musiktherapie, Klinische Praxis, Patientenversorgung, Rehabilitative Verfahren, Methodik, Wirksamkeitsforschung, Literaturrecherche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Stellenwert und die Anwendungsmöglichkeiten der Musiktherapie im stationären psychiatrischen Bereich.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die historische Genese, die Rahmenbedingungen der Arbeit im Kliniksystem sowie spezifische Behandlungsansätze für psychotische und depressive Störungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine Bestandsaufnahme der psychiatrischen Musiktherapie sowie die systematische Aufbereitung musiktherapeutischer Methoden anhand der Literaturrecherche.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und einer theoretischen Analyse bestehender musiktherapeutischer Konzepte und Studien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Musiktherapie in der Psychiatrie sowie die konkrete Anwendung bei verschiedenen Krankheitsbildern wie Schizophrenie, Depression und Demenz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Musiktherapie, Psychiatrie, klinische Intervention, methodische Differenzierung und Wirksamkeitsnachweis geprägt.
Wie unterscheidet sich die soziotherapeutische von der psychotherapeutischen Musiktherapie?
Während die psychotherapeutische Musiktherapie oft auf psychoanalytischen Übertragungsprozessen basiert, ist die soziotherapeutische Variante lerntheoretisch fundiert und primär symptom- sowie verhaltensorientiert.
Welche Bedeutung hat das "gemeinsame Anwesendsein" bei der Behandlung von Psychosen?
Dieses Konzept ermöglicht Patienten den Aufbau einer ersten therapeutischen Beziehung ohne den Druck einer expliziten Interaktion, was bei Menschen mit extremen Rückzugstendenzen den Grundkonflikt umgehen hilft.
- Quote paper
- Attila Steinbach (Author), 1999, Musiktherapie in der psychiatrischen Klinik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22130