Organisation und Management von Reitschulbetrieben


Zwischenprüfungsarbeit, 2001

56 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Organisationsstrukturen
2.1 Organisation des Reitsports
2.2 Rechtsformen
2.2.1 Einzelunternehmung
2.2.2 Der Verein
2.2.3 Weitere Formen
2.3 Verkehrslage
2.3.1 Äußere Verkehrslage
2.3.2 Innere Verkehrslage

3 Potentialfaktoren
3.1 Bebaute und unbebaute Grundstücke
3.1.1 Grundstücke
3.1.2 Gebäude
3.2 Maschinen und Betriebsausstattung
3.3 Pferde
3.4 Humanfaktoren

4 Organisation und Management
4.1 Planung
4.1.1 Allgemeine Planung
4.1.2 Futtermittelbeschaffung
4.1.3 Unterrichtskoordination
4.2 Betriebliches Rechnungswesen
4.3 Marketing

5 Zusammenfassung

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Sport nimmt eine zunehmend wichtigere Stellung in unserer Gesellschaft ein. Ein sehr beliebter Sport ist der Reitsport. Er ist sehr verbreitet und wird von nahezu jeder Gesellschaftsschicht betrieben. Früher wurde das Pferd zuerst für die Jagd, dann für den Transport und das Militär genutzt, ehe es auch als Freizeitpartner Einzug in unsere Gesellschaft hielt. Zunächst war es nur den oberen Schichten vorbehalten zu reiten. Es stellte ein Prestige dar. Dieser Aspekt ist mehr und mehr in den Hintergrund gerückt. Heutzutage steht der Spaß an der Ausübung des Sport mit dem Partner Pferd an erster Stelle. Dies erfolgt z.T. auch leistungsorientiert. In dem Rahmen wie sich Reitschulen verbreiteten, fanden auch immer mehr Turniere statt. Heute steht jedem, der diesen Sport betreibt eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung sich mit dem Pferd zu betätigen, ob nun als Freizeitreiter oder Turnierreiter. Reitschulen haben die Aufgabe Interessierte an den Sport heranzuführen und auszubilden. Hierbei wird der Reiter nicht nur im Reiten, sondern auch im Umgang mit dem Pferd ausgebildet. Ca. 2,4 Mio. Reiter gibt es bereits in Deutschland, davon sind in 6918 Vereinen 746.259 Reiter organisiert. Ca. 1,5 Mio. Menschen würden gerne reiten1. Hierbei wird deutlich, daß noch ein großes Potential für Reitschulen vorhanden ist.

Bei der Leitung vo n Reitschulbetrieben sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Dabei besteht die Schwierigkeit darin, komplexe Systeme zu koordinieren. Die Hausarbeit beschäftigt sich mit diesem Thema. Hierbei werden die wichtigsten Punkte der Organisation und des Management einer Reitschule erläutert.

Zunächst erfolgt eine Einordnung von Reitschulen in die Organisationsstrukturen des Dachverbandes der Reiterei. Organisationsstrukturen stellen auch die Standortwahl und die rechtlichen Struktur dar. Hierbei werden verschiedene Unternehmensformen dargestellt, die dementsprechend auch eine unterschiedliche Haftung und Finanzierung aufweisen. Dies alles sind Voraussetzungen für den Betrieb.

Im folgenden Kapitel wird die Mittelverwendung dargestellt. In diesem Zusammenhang stellen die dort genannten Potentialfaktoren die wichtigsten und größten Posten der Verwendungsseite dar. Hiermit kann der Betrieb unabhängig von der Standortposition und der Rechtsform wirtschaften.

Zum Schluß wird noch auf die Koordination eines solche n Unternehmens eingegangen. Diesbezüglich habe ich die wichtigsten Punkte, die innerhalb eines solchen Betriebes zu regeln sind, herausgegriffen: Die Futtermittelbeschaffung, die Unterrichtskoordination, das Rechnungswesen und die Vermarktung. Da eine Reitschule ein Dienstleistungsbetrieb ist, halte ich diese Vorgehensweise für sinnvoll, da mit den gegebenen Grundvoraussetzungen (Kapitel 2) und den vorhandenen Potentialfaktoren (Kapitel 3) der Betrieb sinnvoll wirtschaften muß. Die Organisation und das Mana gement (Kapitel 4) leistet dieses und verbindet Voraussetzungen und Mittelverwendung so miteinander, daß durch wirtschaftliches Arbeiten eine gesicherte Existenz langfristig erhalten werden kann.

2 Organisationsstrukturen

In diesem Kapitel wird die Struktur eines Reitbetriebes sowie die, die sie umgibt, dargestellt.

Die Reitschule gliedert sich in die Strukturen der Verbände und Organisationen ein. Der rechtliche Rahmen eines Betriebes stellt eine betriebliche Struktur dar. Mit der Standortwahl entsteht die Betriebsstruktur, die nach außen und innen auf die Umwelt wirkt.

2.1 Organisation des Reitsports

Der Reitsport hat ebenso wie viele andere Sportverbände eine eigene Organisation, in der sich all diejenigen zusammenschließen, die etwas mit Pferden und Reiten zu tun haben.

Die Weltdachorganisation ist die Fédération Equestre Internationale (FEI) mit Sitz in Bern. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN - Fédération Equestre Nationale) ist der nationale Spitzenfachverband für den Reit- und Fahrsport in Deutschland mit Sitz in Warendorf2. Die Aufgaben der FN sind sehr vielfältig. Sie vertritt die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber Behörden und nationalen und internationalen Organisationen. Sie übernimmt auch spezielle Aufgaben, wie beispielsweise die Herausgabe der für die Leistungsprüfungen vorgeschriebene Ordnung (LPO), Aufstellung und Betreuung des Kaders, die Entsendung von Fachleuten in Ausschüsse und Fachbeiräte oder die Koordination der Arbeit der Zuchtverbände3.

Die FN untergliedert sich in drei große Abteilungen, die Abteilungen Sport, Zucht und Persönliche Mitglieder. Diesen sind wiederum verschiedene Organisationen und Vereinigungen angeschlossen. So z.B. schließt sich der Abteilung Sport der Deutsche Reiter- und Fahrerverband e.V. (DRFV) und die 17 Landesreitverbände an. Den Landesreitverbänden wiederum sind z.B. die Reitvereine angeschlossen. Dem DRFV wiederum haben sich auch die Berufsreiter mit ihrer berufsständischen Vertretung, den Berufsreiterverband (BRV), angeschlossen.

Ganz oben stehen das Präsidium (Exekutive), der Gesamtvorstand (Kontrolle) und die Mitgliederversammlung (Legislative), die die FN leiten. Auf der Betriebsebene wiederum sind die drei Abteilungen und innerhalb der Abteilung Sport das DOKR (Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei) anzutreffen, die auf ihrer Delegiertenversammlung die Delegierten für den Verbandrat wählen4.

Folgende Abbildung stellt die Organisationsstruktur dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Organisation des Reitsports und der Landeszucht5

2.2 Rechtsformen

Es gibt die Möglichkeit einen Reitschulbetrieb in verschiedenen Rechtformen zu organisieren. Mit wenigen Ausnahmen sind es in der Praxis die Einzelunternehmung und zum überwiegenden Teil der Verein. Nur sie werden im folgenden deshalb näher erläutert. Andere Formen wie z.B. die BGB-Gesellschaft finden in geringen Umfang aber zunehmend mehr Verwendung. Sie werden hier nur kurz genannt.

2.2.1 Einzelunternehmung

Bei einer Einzelwirtschaft ist der Betriebsinhaber der „Alleinentscheider“. Ihm obliegt es den Betrieb zu leiten. Sein Ziel ist es mit dem Unternehmen Gewinne zu erwirtschaften. Sämtliche Gewinne gehen in sein Eigenkapital über, dafür trägt er das volle Verlust- und unbeschränkte Haftungsrisiko mit seinem gesamten Geschäfts- und Privatvermögen. Die Rechtsgrundlage hierzu finden sich im HGB und BGB6.

Steuerlich gesehen kann der Betriebinhaber je nach Umfang als Gewerbebetrieb oder landwirtschaftlicher Betrieb besteuert werden. Als landwirtschaftlicher Betrieb besteuert wird, wer hauptsächlich Erträge aus Landwirtschaft hat, d.h. der Reitbetrieb darf nur ein untergeordneter Betriebszweig sein. Reicht die vorhandene Fläche nicht mehr um die Pferde zu ernähren oder wird vom Inhaber Reitunterricht angeboten7, gilt der Betrieb als Gewerbebetrieb.

Landwirtschaftliche Betriebe werden steuervergünstigt8. Deshalb wird nur durch eine Kombination mit einem freiberuflichen Reitlehrer der landwirtschaftliche Betrieb steuervergünstigt bleiben und es möglich sein, Reitunterricht zu erteilen. Der Reitlehrer hat dann Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit oder aus Gewerbebetrieb9. Beim landwirtschaftliche Betrieb gelten die Einnahmen der Vermietung/Verpachtung weiterhin als Erträge aus Land- und Forstwirtschaft10.

Die notwendigen finanziellen Mittel zieht die Einzelwirtschaft aus den Unternehmenseinnahmen, wie z.B. Erlöse aus Pension, Unterricht, Ausbildung, Anlagennutzung und eventuell Pferdevermietung sowie weiteren Einnahmen aus Bewirtung und Kapitalerträgen usw.. Dies nennt man Selbstfinanzierung (Nichtentnahme erzielter Gewinne).

Das zur Betriebführung notwendige Kapital besteht größtenteils aus dem Eigenkapital des Einzelunternehmers, aber durchaus auch aus Kreditmitteln (Fremdkapital).

In seltenen Fällen kann der Inhaber staatliche Fördermaßnahmen, z.B. vom Kreissportbund in Anspruch nehmen. Bei Finanzierungen von Gebäuden und Anlagen (Umbau oder Neubau) sind staatliche Fordermaßnahmen von Bund/Länder über spezielle Kreditprogramme möglich, z.B. über die Landwirtschaftliche Rentenbank, Agrarinvestitionsprogramme (AFP) oder als Sonderkreditprogramme für den Sportstättenbau. Die Förderung erfolgt hier durch Zuschüsse und Zinsverbilligungen. Die Programme und Zuschüsse weichen aber von Bundesland zu Bundesland stark ab11.

2.2.2 Der Verein

Der Verein ist eine auf Dauer angelegte Personenvereinigung, die vom Wechsel der Mitglieder unabhängig ist und einen eigenen Namen führt12. Der Verein (im Reitsport fast ausschließlich nur ideelle) ist eine juristische Person, die Rechtfähigkeit durch Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht erhält. Der Vorstand, der durch die Mitgliederversammlung gewählt wird, leitet den Verein. Das Ziel des Vereines besteht in der Förderung der Mitglieder.

Die Rechtsgrundlagen für Vereine stehen im BGB § 21ff. Der Verein haftet für Schäden, die ein Vorstandsmitglied oder ein anderer verfassungsmäßig berufener Vertreter des Vereines durch eine schädigende Handlung einem Dritten gegenüber zufügt, sofern es im Zusammenhang mit dem ihm übertragenen Verrichtungen steht, mit dem Vereinsvermögen13.

Ein Verein ist, wenn er die Bedingungen für Gemeinnützigkeit erfüllt, im ideellen Bereich/Vermögensverwaltung von allen Steuern außer der Lohnsteuer und der Umsatzsteuer befreit. Das heißt in diesem Bereich unterliegt der Vereine keinerlei Ertrags- und Umsatzsteuern. Dies gilt auch für den Zweckbetrieb, z.B. jährlich stattfindendes Reitturnier. Hier jedoch fällt eine ermäßigter Umsatzsteuersatz an. Hingegen wird alles was innerhalb des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebes liegt, mit der vollen Umsatzsteuer besteuert, so z.B. das Reiterstübchen (Ausnahmen vorhanden). Für die beiden letzt genannten Bereiche gilt eine Grenze von 60.000 DM pro Jahr, bis zu der keine Körperschafts- sowie Gewerbesteuer anfällt. Aus diesen starken steuerlichen Gründen versuchen die Vereine die Auflagen für Gemeinnützigkeit einzuhalten und innerhalb der gesetzlichen Grenzen zu wirtschaften14.

Der Verein finanziert sich zum größten Teil aus den Mitgliedbeiträgen, Spenden und (staatlichen) Zuschüssen, aber auch aus der Vermögensverwaltung (z.B. Anlagenvermietung). Weiterhin fließen noch finanzielle Mittel aus dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zu, welches z.B. Einnahmen aus dem Reiterstübchen oder auch der Pension sein können15. Für die Kapitalbeschaffung bei größeren Ausgaben kann der Verein außer dem Eigenkapital auch Fremdkapital aus Kreditmitteln in Anspruch nehmen.

2.2.3 Weitere Formen

Weiterhin treten gerade in letzter Zeit in diesem Bereich neuere Formen, wie z.B. die BGB-Gesellschaft, die Partnerschaft (Kooperation), die Betriebsaufspaltung oder sogar die GmbH auf. Sie alle wollen damit hauptsächlich zwei Ziele verfolgen: zum einen die Senkung der Steuerlast und zum zweiten Arbeitsteilung. Hierbei gibt es sehr viele Varianten und Einzelausformungen, die sich kaum noch überblicken lassen. Sie sind auf die jeweiligen Bedürfnisse des Einzelfalles abgestimmt16. Das heißt, hierbei wird nach Maßgabe der Wünsche des Einzelnen betreffend Haftung, Finanzierung, Steuern usw. entschieden. Eine optimale Form läßt sich allgemein so nicht darstellen, sondern ist von vielen verschiedenen Faktoren des Einzelfalles, wie z.B. der Betriebsgröße, abhängig und beeinflußt so auch die Wahl der Rechtsform.

2.3 Verkehrslage

Eine Reitschule ist ein Dienstleistungsbetrieb, der sein Produkt, die Qualifizierung und das Training von Reiter und Pferd17, möglichst gewinnbringend vermarkten oder im Sinne der Vereinsmitglieder optimal gestalten möchte. Ein entscheidender Aspekt hierfür stellt die innere und äußere Verkehrslage dar18. Bei einem Umbau sind die äußeren Gegebenheiten vorgeben. Hier kann aktiv nur bei der Auswahl des (Rest-)Hofes bzw. des Umbaues eingewirkt werden. Hat man jedoch die nötigen Voraussetzungen zum Neubau, sind noch eine weitere Vielzahl von Faktoren zu berücksichtigen.

2.3.1 Äußere Verkehrslage

Bei der Planung sollte die Marksituation als erstes betrachtet werden, denn ein solcher Betrieb kann nur dauerhaft bestehen, wenn die Nachfrage auf lange Sicht vorhanden sein wird. Eine Ist-Analyse liefert die nötigen Informationen, wie z.B. Nachfrage und bestehendes Angebot. Hier zeigt sich ob das gewünschte Angebot mit der tatsächlichen Nachfrage übereinstimmt19. Eventuell sind Planveränderungen vorzunehmen, wie z.B. Angebot im konventionellen Bereich (Warmstall, meist Einzelaufstallung für Sportpferde) statt im alternativen Bereich (Kaltstall, meist Gruppenaufstallung für Freizeitbereich: Isländer, Westernpferde etc.).

Zur äußeren Verkehrslage zählt weiterhin die Infrastruktur und das Wegeverhältnis zu Kunden und Lieferanten. Hier ist eine gute Erreichbarkeit für Zulieferer (Landwarenhandel, Futtermitteltransporteur, Vermarktungsanlagen), Kunden (Reitschüler, Pferdebesitzer, Besucher) und weiteren Personen (Hufschmied, Tierarzt etc.) von Vorteil20. Dem entgegen steht der Wunsch der Kunden zur Naturnähe, welches sich nicht unbedingt mit kurzen Wegen für Kunden und Lieferanten vereinbaren läßt. Ein ausgedehntes Reitwegenetz sowie großzügige Weiden stößt auf die Zufriedenheit der Kunden. Dies ist jedoch nicht in Städten möglich, allenfalls in Randlagen21.

Für die Futtermittelselbsterzeugender ist auch die Lage der bewirtschafteten Flächen zueinander bzw. zum Hof entscheidend. So wäre eine (voll)arrondierte Lage erstrebenswert. Dies ist jedoch z.B. in Realteilungsgebieten selten möglich. Liegen die Flächen weit auseinander (Streulage) ist der Zeitbedarf für die Wege sehr hoch.

Klimatische Verhältnisse sind heutzutage nicht mehr entscheidende Größen, da durch Reithallen und wetterfeste Außenplätze Trainingseinheiten auch bei ungünstigen Wetterverhältnissen gewährleistet sind22. Bei einem Neubau sollte noch darauf geachtet werden, daß feuchte Mulden gemieden werden, da es dadurch es zu einer starken Insektenplage, mangelnden Abtransport von Schadgasen und zur Kesselwirkung von Temperaturen im Sommer kommen kann. Auch die Hauptwindrichtung sowie Störzonen sollten beim Neu-/Umbau mit berücksichtigt werden23.

Eine einheitliche gute Standortposition läßt nicht bestimmen. Die Gegebenheiten kann man nur sinnvoll ausnutzen. Jedoch erscheint eine Reitschule in Stadtrandnähe oder in Vororten aufgrund der Nähe zur Natur und zum Kunden oder Lieferer sinnvoll24. Schlechtere Standorte müssen durch zusätzliche Aufwendungen (größeres Angebot, niedrige Preise, bessere Dienstleistungen) ihre Nachteile kompensieren25.

2.3.2 Innere Verkehrslage

Entscheidend für ein erfolgreiches Management ist ebenso die innere Verkehrslage, d.h. die Lage, Anordnung und Nutzung von Betriebsflächen. Anstrebenswert sind kurze Wege zwischen den einzelnen Funktionsbereichen ohne die nötigen Sicherheitsmaßstäbe und den nötigen Platzbedarf, z.B. für die Maschinen und das Drehen oder Aneinadervorbeiführen der Pferde, einzuschränken. Bei pferdehaltenden Betrieben sollte die mittlere Betriebsflächenentfernung (Gebäude und Weiden, Entfernung aller Betriebsflächen zum Hof dividiert durch Anzahl) unter 500m liegen26.

Die Betriebsgröße und der finanzielle Background sind restriktive Elemente bei der Planung. Da der Platzverbrauch auch von den vorgegebenen Gesetzen und Richtlinien bzw. Verordnungen abhängig ist, gibt es auch hier keine Ideallösung, sondern nur eine von Fall- zu-Fall-Lösung.

Die Reithalle sollte generell aus arbeitwirtschaftlicher Sicht nahe am Stall liegen. Für die Reiter von größerer Bedeutung ist die Möglichkeit bei schlechtem Wetter trockenen Fußes in die Reithalle zu gelangen. Hier bietet sich Möglichkeit einer überdachten Schleuse, die beispielsweise gleichzeitig als Putzgasse verwendet werden kann, oder eines direkten Zuganges zur Halle27. Die Reithalle sollte wenn möglich noch Platz für eine Unterbringung von Hindernissen, eine Tribüne und eventuell ein Reiterstübchen bieten. Für sämtliche Reitanlagen empfiehlt sich eine Beregnungsanlage, um damit die Beregnung per Hand zu vermeiden und den Arbeitkräfteeinsatz zu verringern28.

Weiterhin sollten im Stall eine Sattelkammer und sanitäre Anlagen sowie weitere Plätze, wie z.B. Waschplatz, Solarium etc., so untergebracht sein daß es kurze Wege sind, sie also zentral liegen. Folgende Abbildung gibt einige Beispiele.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Beispiele für die Anordnung von überdachten Reitanlagen29

Bei der Stallplanung ist für kleinere Betriebe eine einreihige bei größeren eine zwei- oder mehrreihige Aufstallung empfehlenswert30. Da bei Reitschulen Einzelboxen bevorzugt werden, ist hier ein größerer Aufwand hinsichtlich Fütterung und Misten zu erwarten. Vereinfacht werden kann dies durch maschinelle Entmistung, wenn dafür die baulichen Gegebenheiten (herausschiebbare Boxenwände u.ä.) vorhanden sind.

Aus arbeitswirtschaftlicher Sicht sollten der Lagerung von Futter und Einstreu größere Bedeutung zukommen, da hier ein großer Anteil des Arbeitszeitbedarfs (wegen der Handarbeit) liegt. Die Miste sollte bei Entmistung mit der Hand relativ nah und gut erreichbar am Stall liegen, aber aus hygienischen Gründen nicht zu nah. Erfolgt die Entmistung maschinell, kann sie weiter weg und etwas verborgener liegen31.

Bei der Futterlagerung muß beachtet das ein Pferd Kraft-, Rauh- und eventuell Spezialfuttermittel benötigt. Für das Kraft- und Spezialfutter empfiehlt es sich eine Futterkammer mit einzuplanen die in der Nähe der Stallgasse liegt und groß genug ist Futtermittel in ausreichend großer Menge und weitere Geräte, wie z.B. Futterwagen und Quetsche zu lagern. Hier können auch Silos von Vorteil sein, da eine Beschickung und die Entnahme durch einer sich darunter befindlichen Quetsche problemlos erfolgt32. Auch eine deckenlastige Lagerung ist geeignet.

Bei der Rauhfutterlagerung gibt es ebenfalls verschiedenen Lagerungsmöglichkeiten. Werden Kleinballen verwendet kann die Lagerung deckenlastig oder in einer Abschleppung nahe des Stalles erfolgen. Großballen hingegen können wegen des hohen Gewichtes nur erdlastig, d.h. in einer Abschleppung oder mit einer Plane abgedeckt auf einer befestigten Bodenplatte, gelagert werden. Kleinballen erfordern einen höheren Arbeitsaufwand beim Stapeln. Bei einer deckenlastigen Lagerung liegen aber die Vorteile in der Dämmung und dem nicht vorhandenen Mehrbedarf an Grundstücksflächen. Bei einer erdlastigen Lagerung ist der Anteil an Tot- oder Leerräumen geringer33.

Bei der Planung sollten die Gebäudeeingänge und die Wege so breit sein, daß eine maschinelles Befahren problemlos möglich ist. Dies ist insbesondere für die Zulieferer und abtransportierenden Fahrzeuge von Bedeutung.

Ideal ist ebenso, wenn die Besucherwege sich mit den innerbetrieblichen Wegen nicht kreuzen und die gesamte Anlage einen Zentrum hat, von der aus alle Funktionsbereiche problemlos erreicht werden können34.

[...]


1 Vgl. Deutsche Reiterliche Vereinigung (DRV) (1999), S. 15.

2Vgl. Specht, D. (1992), S. 264.

3 Vgl. Burandt, E./Schulte, D. (1989), S. 253ff.

4Vgl. Burand, E./Schulte, D. (1989), S. 252ff.

5 Vgl. Burand, E./Schulte, D. (1989), S. 256.

6Vgl. Bitz, M. et al. (Hrsg.) (1989), S. 139.

7Urteil des BFH vom 16.07.1987 VR 22/78.

8Vgl. Köhne, M./Wesche, R. (1995), S. 230f.

9Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit sind bei Erteilung von Reitunterricht gegeben, Einnahmen aus Gewerbebetrieb, wenn er eigene Pferde für den Reitunterricht einsetzt. Zur Abgrenzung vgl. § 15 und 18 je Abs. 1 Nr. 1 EStG und § 1 Abs. 1 GewStDV.

10 Vgl. Köhne, M./Wesche, R. (1995), S. 78f.

11Vgl. Schulze, A. (2001), S. 35.

12Brockhaus (1994), S. 154.

13 Vgl. Westerkamp, G. (1996), S. 326.

14Vgl. Wagner, H.D. (1989), S. 24.

15Vgl. Reisloh, R. (1989), S. 148ff.

16 Vgl. Kern, D. (2001), S. 92.

17Vgl. Heinemann, K. (1995), S. 30.

18Vgl. Burandt, E. (1989), S. 17.

19Vgl. DRV (1999), S. 18.

20 Vgl. Schwitte, W./Möhlenbruch, G./Botttermann, H.(1991), S. 314.

21Vgl. DRV (1999), S. 28.

22Vgl. Schwitte, W./Möhlenbruch, G./Botttermann, H.(1991), S. 315f.

23Vgl. Fink, G. W. (1992), S. 229ff.

24Vgl. Burandt, E. (1989), S. 18.

25 Vgl. Schwitte, W./Möhlenbruch, G./Botttermann, H.(1991), S. 341.

26Vgl. Schwitte, W./Möhlenbruch, G./Botttermann, H.(1991), S. 311f.

27Vgl. Schwitte, W./Möhlenbruch, G./Botttermann, H.(1991), S. 321.

28 Vgl. DRV (1999), S. 114f.

29Vgl. DRV (1999), S. 35.

30Vgl. Schwitte, W./Möhlenbruch, G./Botttermann, H.(1991), S. 321.

31 Vgl. Schwitte, W./Möhlenbruch, G./Botttermann, H.(1991), S. 321.

32Vgl. DRV (1999), S. 87f.

33Vgl. Schwitte, W./Möhlenbruch, G./Botttermann, H.(1991), S. 321.

34 Vgl. Schwitte, W./Möhlenbruch, G./Botttermann, H.(1991), S. 312.

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Organisation und Management von Reitschulbetrieben
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Institut für Sportwissenschaften)
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
56
Katalognummer
V22132
ISBN (eBook)
9783638255561
Dateigröße
1196 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Organisation, Management, Reitschulbetrieben
Arbeit zitieren
Dipl.-Kffr, M.A. Romy Voss (Autor:in), 2001, Organisation und Management von Reitschulbetrieben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22132

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