Deutschlands Integration in die Weltwirtschaft von 1945 bis 1958


Hausarbeit, 2003
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausgangslage
2.1 Wirtschaftliche Situation Deutschlands nach 1945
2.2 weltwirtschaftliche Situation nach 1945
2.3 Überlegungen der Alliierten

3. Ablauf der Integration
3.1 Dollar-Klausel
3.2 Währungsreform
3.3. Marshallplan
3.4 Relativierung der Bedeutung von Währungsreform, Marshall-Plan und Dollar-Klausel
3.5 Exportorientierung und Korea-Boom
3.6 Internationale Vertragseinbindungen und soziale Gerechtigkeit
3.7 D-Mark-Konvertibilität

4. Zusammenfassung

Literaturliste

1. Einleitung

Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Bundesrepublik Deutschland ist noch nicht gegründet worden. Die Alliierten Streitkräfte USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich teilen das Deutsche Reich in vier Besatzungszone auf.[1] Oberstes Regierungsorgan der Militärverwaltung wird der Alliierte Kontrollrat.

In dieser Arbeit will ich untersuchen, wie die Wirtschaft Deutschlands nach dem Ende des Weltkrieges 1945 wieder in die Weltwirtschaft integriert wurde, aus welchen Gründen das geschah und mit welchen Mitteln. Begonnen wird 1945, weil hier die Wirtschaft nach dem Regimewechsel von der Kriegsproduktion Abschied nahm und sich auf neue Produktionsbereiche umstellen bzw. alte wieder aufnehmen musste. Es wird kurz die wirtschaftliche Lage Deutschlands und anderer Staaten beleuchtet und aus welchen Überlegungen heraus die Alliierten eine Wiedereingliederung Deutschlands forcieren wollten. Die einzelnen Mittel der Wiedereingliederung wie die Währungsreform, der Marshallplan etc. mit ihren Zielen und Wirkungen werden dargelegt.

Die Untersuchung endet mit der Vereinbarung über die volle DM-Konvertibilität vom 29.12.1958. Mit diesem Schritt wurde eines der letzten Hindernisse auf dem Weg zu einer vollen Integration in die Weltwirtschaft beseitigt und Deutschland formal währungspolitisch gleichgestellt.

Die sowjetische Wirtschaftszone bzw. später die DDR wurde nicht einbezogen, da durch die Planwirtschaft in der DDR und den Handelsrestriktionen der westlichen Länder gegenüber dem Ostblock eine gemeinsame Wirtschaftspolitik nicht einfach möglich war, oft von politischen Überlegungen überlagert und deshalb eine gesonderte Arbeit erfordern würde.

2. Ausgangslage

2.1 Wirtschaftliche Situation Deutschlands nach 1945

Während der NS-Diktatur war es zu einer Erhöhung der Geldmenge gekommen, um damit die hohen Kriegsausgaben zu decken. Durch einen gleichzeitigen Preisstopp kam es zu einer zurückgestauten Inflation. Weil dieser Preisstopp nach 1945 von den Alliierten aufrecht erhalten wurde, lohnte sich für die Unternehmer ein Verkauf zu offiziellen Preisen nicht (Buchheim 1991:61). Die Produktivität Deutschlands war deshalb gering. Entweder wurden nur Rohstoffe gehortet, um nach einer Währungsreform sofort mit der Produktion beginnen zu können oder es fand ein Aufbau hoher Fertigwarenlager statt (ebenda:62).

Die Teilung Deutschlands in verschiedene Zonen hatte auch wirtschaftliche Auswirkungen. Während die sowjetische Zone besonders unter der fehlenden Industrie zu leiden hatte, war die Bevölkerung in der britischen und us-amerikanischen Zone auf Nahrungsgüterimporte angewiesen, weil die innerdeutschen Agrarzufuhren ausfielen (Erdmann 1990:165). Schätzungen gehen davon aus, dass durch Kriegszerstörungen die Industriekapazität auf den Stand von 1936 reduziert worden sei. Allerdings hatten sich die Bombenangriffe weniger gegen Industrieanlagen als gegen Eisenbahnen, Brücken und Wohnsiedlungen gerichtet, wodurch zwar auch die Funktionsfähigkeit der Wirtschaft beeinträchtigt wurde, die Kapazitäten aber erhalten blieben (ebenda:166).

2.2 Weltwirtschaftliche Situation nach 1945

Nicht nur das Deutsche Reich und die Alliierten Streitkräfte hatten während des Krieges hohe Ausgaben, auch die meisten anderen europäischen Länder sowie weitere am Krieg beteiligte Staaten mussten erhöhte Lasten tragen. Für Europa war bedeutend, dass Deutschland vor dem Krieg einer der wichtigsten Im- und Exporteure war, dessen Warenbewegungen nach Kriegsende vom Kontrollrat stark kontrolliert und limitiert wurden.

Frankreich und Großbritannien als ehemalige Großmächte mussten diesen Status an die USA abgeben, die sich deren "Abhängigkeit" durch Lieferungen von Kriegsmaterial erkauft hatten (Niehuss, Lindner 1998:18). Die USA selbst litten bei weitem nicht so stark unter den Folgen des Krieges wie zum Beispiel Frankreich und Großbritannien. Sie hatten weniger Menschenopfer zu beklagen und die Wirtschaft verzeichnete während des Krieges keine Einbußen. Stattdessen gab es eine Überproduktion, die durch die Wiedereingliederung der heimkehrenden Soldaten nur verstärkt wurde (Erdmann 1990:260).

Der us-amerikanische Außenminister George Marshall erkannte mit Blick auf Europa, dass "die sichtbare Verwüstung wohl weniger gravierend ist als die Tatsache, dass das gesamte Gefüge der europäischen Wirtschaft zerrissen wurde" (Bunzenthal 1997:9). Ähnlich äußerte sich der ehemalige us-amerikanische Präsident Hoover 1947: "Die Wirtschaft ganz Europas ist durch Austausch von Rohstoffen und Fabrikaten mit der deutschen Wirtschaft verflochten. Die Produktivität Europas kann nicht wiederhergestellt werden, ohne dass ein gesundes Deutschland zu dieser Produktivität beiträgt" (Benz 1998:14).

2.3 Überlegungen der Alliierten

Die USA sahen ein, dass ein wirtschaftlich schwaches Europa die Ziele der USA – dauerhafter Frieden in Europa, Wohlfahrt und Sicherheit der USA – behindern würde (Hardach 1991:67). Es bestand in den Augen der USA die Gefahr, dass hungernde Deutsche sich eher dem Kommunismus zuwenden würden als wirtschaftlich Abgesicherte. Die Abgrenzung der sowjetischen Besatzungszone schien diese Angst real werden zu lassen.

Außerdem waren die Besatzungsmächte gezwungen, Nahrungsmittelimporte zu finanzieren, um keine Hungerskatastrophe aufkommen zu lassen.

Großbritannien fürchtete sich vor den ökonomischen Lasten, die es in Deutschland tragen müsse, wenn das Land sich nicht selbst bewirtschaften könne. Gleiches befürchtete auch die USA (Benz 1998:14-15). Wirtschaftsvertreter der USA wollten ihre Waren wieder in Europa verkaufen, aber die dortigen Länder hatten gar keine Dollars, um sie bezahlen zu können. So fragte die us-amerikanische National Planning Association schon 1944 in einer Studie: "Wie können andere Nationen mit Dollars ausgerüstet werden, um amerikanische Ware zu kaufen, um für amerikanische Kapitalinvestitionen zu bezahlen?" (Erdmann 1990:261).

Abhilfe schafften die Dollar-Klausel, die Währungsreform und der Marshall-Plan.

3. Ablauf der Integration

3.1 Dollar-Klausel

Der Kontrollrat verabschiedete im September 1945 Regelungen für den deutschen Ex- und Import, die folgendes besagten: Importe seien auf den nötigsten Bedarf zu beschränken, Exporte müssten von den Empfängerländern in Dollar[2] bezahlt werden, wobei sich die Höhe der Bezahlung nach festgelegten Preisen zu richten habe und die Erlöse der Exporte dienten zuerst zur Finanzierung der Importe (Buchheim 1990:1). Diese Regelungen wurden bald als "Dollarklausel" bezeichnet.

[...]


[1] Ausgenommen ist das Saarland, welches einen gewissen Autonomiestatus erhält, aber in wirtschaftlicher Hinsicht an Frankreich gebunden sein soll (Müller 1996: 450).

[2] Offiziell lautete die Sprachregelung "...oder anderer vom Kontrollrat akzeptierter Währung", aber in der Praxis wurde diese Möglichkeit nicht genutzt (Buchheim 1990:1)

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Deutschlands Integration in die Weltwirtschaft von 1945 bis 1958
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut (OSI))
Veranstaltung
Das Wirtschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V22153
ISBN (eBook)
9783638255738
ISBN (Buch)
9783640202966
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutschlands, Integration, Weltwirtschaft, Wirtschaftssystem, Bundesrepublik, Deutschland
Arbeit zitieren
Dipl. pol. Robert Kneschke (Autor), 2003, Deutschlands Integration in die Weltwirtschaft von 1945 bis 1958, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22153

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