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Franz Kafka: Das Urteil - Vergleich einer werkimmanenten mit einer hermeneutischen Interpretation

Title: Franz Kafka: Das Urteil - Vergleich einer werkimmanenten mit einer hermeneutischen Interpretation

Seminar Paper , 2004 , 12 Pages

Autor:in: Angelina Kalden (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Kafkas „Urteil“ ist häufig und schon auf vielerlei Weise interpretiert worden. Das mag einerseits daran liegen, dass die Geschichte als Durchbruch zu Kafkas unverwechselbarem Stil betrachtet wird, der geradezu zu verschiedenen Deutungsansätzen einlädt. Andererseits wirkt die Geschichte bis zu dem Gespräch zwischen Vater und Sohn sehr klar und deutlich. Sie entzieht sich dem Leser abrupt, wodurch man überrascht wird und anfängt, sich Gedanken über den dahinter stehenden Sinn oder die Aussage dieser Geschichte zu machen.
Diese Arbeit beabsichtigt, zwei verschiedene Herangehensweisen der Interpretation, die hermeneutische und die werkimmanente, anhand der Arbeiten von Jürgen Demmer „Franz Kafka – Dichter der Selbstreflexion“ und Helmut Richter „Das Urteil“ darzustellen und miteinander zu vergleichen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Eine hermeneutische Interpretation

3 Eine werkimmanente Interpretation

4 Abschlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, zwei unterschiedliche literaturwissenschaftliche Herangehensweisen – die hermeneutische und die werkimmanente Interpretation – anhand von Franz Kafkas Erzählung "Das Urteil" darzustellen und vergleichend gegenüberzustellen, um ein tieferes Verständnis für die Dichtung und Kafkas Lebenswirklichkeit zu erlangen.

  • Kafkas "Das Urteil" als Ausdruck innerer Lebenskonflikte und Selbstreflexion
  • Die hermeneutische Analyse basierend auf biografischen Hintergründen (Jürgen Demmer)
  • Die werkimmanente Betrachtung der Familiendynamik und des persönlichen Versagens (Helmut Richter)
  • Vergleich der Interpretationsansätze zur Entschlüsselung von Kafkas Schreibweise
  • Die psychologische Dimension des Vater-Sohn-Verhältnisses und der Schuldfrage

Auszug aus dem Buch

3 Eine werkimmanente Interpretation

Helmut Richter geht in seiner Interpretation „Das Urteil“ hinsichtlich des Gesprächs zwischen Georg und seinem Vater zunächst darauf ein, dass die beiden sich entfremdet haben, weil Georg schon mehrere Monate nicht im Zimmer seines Vaters war. Nach ihm macht der Vater mit der Frage „Hast du wirklich diesen Freund in Petersburg?“ (Kafka, 2001: 14), auf die Georg verlegen antwortet: „Lassen wir meine Freunde sein. Tausend Freunde ersetzen mir nicht meinen Vater.“ (Kafka, 2001: 14) seinem Sohn klar, dass er nach seinem Verhalten dem Freund gegenüber nicht mehr die Berechtigung hat, diesen seinen Freund zu nennen. Darüber hinaus wird ihm klar, dass er seinen Vater vernachlässigt hat, wofür er sich schämt und weswegen er vom Thema ablenken möchte. Die Feststellung des Vaters „Du hat keinen Freund in Petersburg.“ (Kafka, 2001: 15) deutet Richter, indem er annimmt, dass der Vater Georg für einen Menschen hält, der keine Freunde haben kann. Die Tatsache, dass er den Vater umsorgen möchte, spricht für sein schlechtes Gewissen.

Richter betrachtet dies als einen verzweifelten Versuch, sich vor der folgenden Auseinandersetzung zu retten. Als der Vater ihm vorwirft, den Freund betrogen zu haben, wird Georg nach Richter sein eigenes Versagen klar, weil er dem Freund nicht geholfen hat, womit er sich schuldig gemacht hat. Er kann sich nicht verteidigen, weil er die Berechtigung der Vorwürfe nicht leugnen kann. Er erkennt, dass der Vater in seinem Rückzug nach dem Tod der Mutter alles genau beobachtet hat und ruft „Komödiant!“ (Kafka, 2001: 18) aus, woraufhin er sofort den Schaden erkennt, sich in die Zunge beißt und einknickt, womit er nach Richter die Schwäche seiner Position zugibt und bestätigt, dass er sich falsch verhalten hat. Georg weiß, dass sein Widerstand verzweifelt ist, weil er, indem er zum Vater kam, die Verlobungsanzeige an den Freund mitzuteilen, sich selbst seiner Vergangenheit schuldig sprach, was die Genugtuung des Vaters beweist.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Vielschichtigkeit von Kafkas Erzählstil und skizziert das Vorhaben, zwei methodisch unterschiedliche Interpretationsansätze zu vergleichen.

2 Eine hermeneutische Interpretation: Dieses Kapitel beleuchtet den biografischen Kontext der Erzählung und interpretiert Georg Bendemanns Schicksal als Reflexion von Kafkas eigenem Ringen zwischen Heirat, Schreiben und dem Vater-Konflikt.

3 Eine werkimmanente Interpretation: Hier steht die Binnenstruktur des Textes im Fokus, wobei das Gespräch zwischen Vater und Sohn als Tribunal interpretiert wird, das Georgs Schuld und persönliches Versagen offenlegt.

4 Abschlussbetrachtungen: Die Autorin resümiert, dass beide Interpretationsansätze ihre Berechtigung haben, wobei sie die hermeneutische Herangehensweise aufgrund der engen Verbindung zu Kafkas Lebensumständen als besonders aufschlussreich hervorhebt.

Schlüsselwörter

Franz Kafka, Das Urteil, werkimmanente Interpretation, hermeneutische Interpretation, Vater-Sohn-Konflikt, literarische Analyse, Georg Bendemann, Schuld, Selbstmord, Biografik, Jürgen Demmer, Helmut Richter, Schreiben, Selbstständigkeit, Lebenswirklichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Seminararbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Kafkas Erzählung "Das Urteil" und stellt zwei spezifische methodische Zugänge – die hermeneutische und die werkimmanente Interpretation – einander gegenüber.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die psychologischen Aspekte des Vater-Sohn-Verhältnisses, die Thematik von Schuld und Versagen sowie die Verbindung zwischen Kafkas Biografie und seinem literarischen Werk.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, durch den Vergleich der Arbeiten von Jürgen Demmer und Helmut Richter ein tieferes Verständnis für die Intention und Bedeutung von "Das Urteil" zu gewinnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um einen literaturwissenschaftlichen Methodenvergleich, bei dem bestehende Forschungspositionen (Demmer und Richter) analysiert und bewertet werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine hermeneutische Analyse, die Bezüge zu Kafkas Briefen und Tagebüchern herstellt, und eine werkimmanente Analyse, die den Text als in sich geschlossenes Tribunal betrachtet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen gehören Kafka, Interpretation, Vater-Sohn-Konflikt, Schuld, literarische Analyse sowie die Namen der untersuchten Literaturwissenschaftler.

Warum spielt der "Brief an den Vater" eine so wichtige Rolle in der Analyse?

Der Brief dient als biografischer Schlüssel, um Parallelen zwischen Kafkas realem Leben und der Fiktion in "Das Urteil" aufzuzeigen, insbesondere hinsichtlich der Konkurrenz zum Vater.

Welche Bedeutung kommt dem "Sturz in den Fluss" laut der Untersuchung zu?

Der Selbstmord wird nicht als bloße Tat, sondern als zwanghaftes "Naturereignis" gedeutet, das als logische Konsequenz aus dem Schuld- und Abhängigkeitsverhältnis zwischen Sohn und Vater resultiert.

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Details

Title
Franz Kafka: Das Urteil - Vergleich einer werkimmanenten mit einer hermeneutischen Interpretation
College
Technical University of Berlin  (Geisteswissenschaften)
Course
PS
Author
Angelina Kalden (Author)
Publication Year
2004
Pages
12
Catalog Number
V22161
ISBN (eBook)
9783638255806
ISBN (Book)
9783638759588
Language
German
Tags
Franz Kafka Urteil Vergleich Interpretation Thema Das Urteil
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Angelina Kalden (Author), 2004, Franz Kafka: Das Urteil - Vergleich einer werkimmanenten mit einer hermeneutischen Interpretation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22161
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