"Die Traumzensur" und "Die Symbolik im Traum" bei Sigmund Freud


Referat (Ausarbeitung), 1997
13 Seiten, Note: mit Erfolg bestanden, unbenotet

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

EINLEITUNG

I. Erläuterung der Vorlesung "Die Traumzensur"

II. Erläuterung der Vorlesung "Die Symbolik im Traum"

III. Literatur

Einleitung

Da die Schilderungen der beiden folgenden Kapitel „Traumzensur“ und „Symbolik im Traum“ aus den „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse“ eine lediglich partielle Darstellung eines komplexen Themenbereiches – dem der „Traumdeutung“ Freuds – bieten, sind noch ein paar Worte zur Einleitung notwendig, die ihre Einordnung erleichtern sollen.

Die wohl entscheidende Entdeckung Freuds ist die Existenz eines „verdrängten Unbewussten“. Nicht nur für den Traum, sondern auch für die „Technik des Witzes“, dem Versprecher (Freud’sche Fehlleistung) und das Vergessen von Wörtern, dem Freud mit der „freien Assoziation“ auf die Schliche zu kommen versuchte, stellt diese Entdeckung die Grundlage dar. Was ist nun der Inhalt des verdrängten Unbewussten?

„Hauptsächlich die vergessene Frühzeit des Lebens, die Leidenschaften und Beziehungskatastrophen der frühen Kindheit, aber auch die Art und Weise, wie in dieser vorsprachlichen Periode gedacht und gefühlt wird, nämlich in der dramatischen, symbolisch-szenischen Bild- und Handlungssprache und in den immer wieder heftig aufgelösten Zuordnungen von Eigenseelischem und Fremdseelischem (Projektionen, Introjektionen und Spaltungen, Idealisierungen)“[1].

Welche Bedeutung hat diese Kenntnis für den Traum? Freud misst dem Traum bei, dass dieser in seiner Hauptfunktion verdrängte, infantile Wünsche – die im Unbewussten vorhanden sind – erfüllt, um eine Störung des Schlafes zu verhindern. Damit kommt dem Traum eine biologische Notwendigkeit zu, die heute sogar nach den experimentellen Erkenntnissen der „Traumforschung“ bewiesen werden kann. Hatte man zu Zeiten Freuds noch Zweifel daran, dass der Traum in irgendeiner Weise für das Verständnis der Seelentätigkeit des Menschen relevant sei, ist man seit der Entdeckung des REM-Schlafes (Radid eye movement) anderer Meinung, denn auch danach stellt der Traum

„sozusagen ein Sicherheitsventil in Bezug auf Störungen durch verdrängte Wünsche dar. Dies lässt sich z. B. auch durch die Ergebnisse des experimentellen Schlafentzugs bestätigen. Bei diesem Versuch schläft die Versuchsperson, während das EEG (Hirnstrombild) abgeleitet wird. Sie wird jedes Mal geweckt, wenn das EEG und andere Anzeichen einen Traum zu erkennen geben. Dadurch wird die Versuchsperson ihres REM-Schlafes beraubt, was nach einigen Nächten zu vorübergehenden psychischen Störungen führt“[2].

Aus der Tatsache des Wachens und Schlafens ergibt sich, dass der Mensch sozusagen in „zwei Welten“ lebt, die beide für ihn eine existentielle Notwendigkeit darstellen. Freud unterscheidet daher analog zwei Funktionsweisen des psychischen Apparates, die in wechselseitiger Beziehung zueinander stehen: eine unbewusste Seelentätigkeit (Primärvorgang) und eine vorbewusst-bewusste Seelentätigkeit (Sekundärvorgang). Diese beiden Funktionsweisen bilden die Basis im Prozess der Traumbildung. Die unbewusste Seelentätigkeit liefert den manifesten Trauminhalt, der den „eigentlichen Traum“ darstellt, so wie er im Wachbewusstsein erinnert wird. Die vorbewusst-bewusste Seelentätigkeit produziert die latenten Traumgedanken, die auch das Traummaterial liefern. Ihnen liegen Tagesreste (unerfüllte „Alltagswünsche“ des Vortages), Kindheitserinnerungen (unerfüllte infantile Wünsche) und Körperempfindungen (während des Schlafes) zugrunde. Diese Traumgedanken werden in der (unbewussten) Traumarbeit umgewandelt, man kann sogar sagen komprimiert, denn dies geschieht durch vier (Abwehr-)Mechanismen: Verdichtung, Verschiebung, Rücksicht auf Darstellbarkeit und sekundäre Bearbeitung. Aus dieser Traumarbeit resultiert der manifeste Traum. Dieser wiederum muss in der Analyse durch die Traumdeutung bewusst gemacht werden, wenn man verstehen will, welche „Wirklichkeit“ sich hinter ihm verbirgt. Das – mit anderen Worten – „Bilderrätsel“, wie Freud an mancher Stelle schreibt, muss entschlüsselt werden. Dies geschieht zum einen durch „freies Assoziieren“, so wie bei der Analyse beim Vergessen von Wörtern, als auch zum anderen durch das Übersetzen von Symbolen, die im Traum auftauchen und deren Bedeutung man kennen muss. Somit erscheinen uns also die Traumgedanken als eine Übertragung des Trauminhaltes und umgekehrt. Wir haben es im Traumbildungsprozess mit quasi „zwei verschiedenen Sprachen“ zu tun, die man jeweils, je nachdem, ob man eine Traumdeutung oder die Traumarbeit vornimmt, übersetzen muss.

I. Erläuterung der Vorlesung „Die Traumzensur“

Um im folgenden den Inhalt zur Vorlesung „Die Traumzensur“ zu schildern, muss ich näher auf die Prozesse der Traumarbeit eingehen. Wie schon erläutert, werden in ihr die latenten Traumgedanken in (manifeste) Bilder umgewandelt, weshalb Freud auch sagt:

„Die Träume sind Beseitigungen schlafstörender (psychischer) Reize auf dem Wege der halluzinierten Befriedigung“[3] ; d. h., mittels des „unbewussten“ Denkens wird eine scheinbare (halluzinatorische) Wahrnehmung erzeugt, die einen oder mehrere Wünsche erfüllt (befriedigt). In der Traumdeutung heißt es weiter dazu:

„Gerade die Wunscherfüllung hat uns bereits zu einer Scheidung der Träume in zwei Gruppen veranlasst. Wir haben Träume gefunden, die sich offen als Wunscherfüllung gaben; andere deren Wunscherfüllung unkenntlich, oft mit allen Mitteln versteckt war. In den letzteren erkannten wir die Leistungen der Traumzensur“[4].

Die ersteren Träume der offenen Wunscherfüllung bezeichnet Freud als Träume von infantilem Typus, weil Kinder meistens klare, unentstellte Träume haben; auch Erwachsene können derartige Träume produzieren; diese haben den Vorteil, dass sie auf Anhieb verständlich sind. Doch die meisten Träume sind einer Entstellung anheim gefallen und müssen daher aufgeklärt werden. Diese Entstellung, die Freud als das Werk der Traumarbeit bezeichnet, soll nun näher erklärt werden. Anhand eines Traumbeispieles schildert er die Entstehung der Traumentstellung, was diese bewirkt und wie sie es bewirkt. Der Trauminhalt in diesem Beispiel beschreibt verkleidet die

„Erfüllung einer patriotischen Pflicht (der Träumenden, Anm. des Verf.) , ihre Person zur Befriedigung der Liebesbedürfnisse des Militärs, Offiziere wie Mannschaft, zur Verfügung zu stellen“[5],

wobei unbewusst ein libidinöser Wunsch(-trieb) erfüllt wird. An drei Stellen wird darin jedoch das Eingeständnis dieses wahren Wunsches durch ein uneindeutiges Gemurmel unterbrochen. In diesem Gemurmel äußert sich die Zensur. Insofern trägt die Zensur zu einem reibungslosen Ablauf des Schlafes bei, denn würde sich der „wahre“ Wunsch (in dem Fall ein libidinöser Trieb) auch im Traum direkt äußern, erwachte die Träumende vermutlich, von Angstgefühlen begleitet.

Die Zensur zeigt sich generell in drei verschiedenen Typen:

Zunächst, indem sie entweder vollständige Lücken an der Stelle im manifesten Traum erzeugt, an der sich ein verdrängter infantiler Wunsch zeigen will oder

„wo ein Traumelement besonders schwach, unbestimmt und zweifelhaft unter anderen, deutlicher ausgebildeten erinnert wird“[6];

zweitens kommt die Zensur zur Geltung

„durch die Produktion von Abschwächungen, Annäherungen (und) Anspielungen an Stelle des Eigentlichen“[7]

und schließlich durch die Verschiebung von verdrängten Wünschen, indem sie von deren eigentlicher Bedeutung gelöst und auf ein anderes Traumelement geschoben werden.

An dieser Stelle könnte die Unklarheit aufkommen, inwiefern denn nun verdrängte infantile Wünsche im Traum erfüllt werden, wenn sie doch letztendlich nicht „eindeutig“, sondern entstellt geträumt werden; aber gerade das ist ja das Werk der Traumarbeit und die Funktion des Traumes, so wie Freud dies erklärt, denn

„so gilt in seinem Kompromissmodell des manifesten Trauminhalts dieser Inhalt als Kompromiss zwischen dem verdrängten (verbotenen) Wunsch und der Zensur der Vernunft, die dessen Ausdruck im Traum verzerrt“[8].

Im weiteren Verlauf wendet sich Freud nach den Wirkungen der Dynamik der Traumzensur zu. Hierbei ist der Begriff des Widerstandes entscheidend. Dieser äußert sich im Augenblick der Deutungsarbeit (Analyse) in der Form, dass er versucht, die Entstellung aufrechtzuerhalten; d. h. die Traumzensur wirkt nicht nur in der Traumarbeit, indem sie die verdrängten Wünsche entstellt, sondern sie wirkt auch mit dem Zwecke wiederum der Verdrängung (Widerstand) bei der Deutungsarbeit. Die Auflösung dieses Problems kann dann nur – dem Grade des Widerstandes entsprechend – durch lange Assoziationsketten bis hin zum eigentlichen Traumelement, dem Stellvertreter des verdrängten Wunsches zurückverfolgt werden.

Des weiteren stellt sich die Frage, gegen welche tief(er)gründigen Wunschregungen sich denn die Zensur richtet.

„Vor allem sind diese zensurierten und im Traum zu einem entstellten Ausdruck gelangten Wünsche Äußerungen eines schranken- und rücksichtslosen Egoismus“[9],

die sich nach Freud zurückführen lassen auf die

„immer regen, sozusagen unsterblichen Wünsche unseres Unbewussten, welche an die Titanen der Sage erinnern, auf denen seit Urzeiten die schweren Gebirgsmassen lasten, die einst von den siegreichen Göttern auf sie gewälzt wurden und die unter den Zuckungen ihrer Glieder noch jetzt von Zeit zu Zeit erbeben; – diese in der Verdrängung befindlichen Wünsche, sage ich (Freud, Anm. des Verf.) , sind aber selbst infantiler Herkunft“[10].

[...]


[1] Freud, Sigmund: Schriften über Träume und Traumdeutungen; Fischer Taschenbuch Verlag; Frankfurt/M.; 1995; S. 9

[2] Mentzos, Stavros: Neurotische Konfliktverarbeitung; Fischer Taschenbuch Verlag; Frankfurt/M.; 1984; S. 68

[3] Freud, Sigmund: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse; Fischer Taschenbuch Verlag; Frankfurt/M.; 1991; S.130

[4] Freud. Sigmund: Die Traumdeutung; Fischer Taschenbuch Verlag; Frankfurt/M.; 1991; S. 541

[5] Freud, Sigmund: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse; a. a. O.; S.132

[6] ebd.; S. 133

[7] ebd.; S. 133

[8] Grünbaum, Adolf: Die Grundlagen der Psychoanalyse – eine philosophische Kritik; Reclam; Stuttgart; 1988; S. 373f

[9] Freud, Sigmund: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse; a. a. O.; S. 136

[10] Freud, Sigmund: Die Traumdeutung; a. a. O.; S. 543f

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
"Die Traumzensur" und "Die Symbolik im Traum" bei Sigmund Freud
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
"Kulturanthropologie bei Sigmund Freud"
Note
mit Erfolg bestanden, unbenotet
Autor
Jahr
1997
Seiten
13
Katalognummer
V22205
ISBN (eBook)
9783638256131
ISBN (Buch)
9783638939041
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Traumzensur, Symbolik, Traum, Sigmund, Freud, Kulturanthropologie
Arbeit zitieren
M. A. Frank Findeiß (Autor), 1997, "Die Traumzensur" und "Die Symbolik im Traum" bei Sigmund Freud, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22205

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