[...] Mittlerweile ist die Sexualerziehung in allen Bundesländern als Teil des Erziehungsauftrages der Schule anerkannt. Dabei machten die einzelnen Bundesländer jeweils eigene Festlegungen hinsichtlich der schulischen Sexualerziehung bzw. entwickelten eigene Schulgesetze und Richtlinien zur Sexualerziehung und gestalteten ihre Lehrpläne dementsprechend, wobei das Unterrichtsfach Biologie neben den Unterrichtsfächern Religion, Sozialkunde, Deutsch und Kunst eine wesentlich bedeutende Stellung einnimmt. Welche verschieden Sichtweisen hinsichtlich der schulischen Sexualerziehung im Biologieunterricht wir heute in den einzelnen Bundesländern vorfinden, und welche Art von schulischer Sexualerziehung im Biologieunterricht in unserer pluralistischen Gesellschaft von Nöten bzw. angemessen als auch sinnvoll wäre, möchte ich anhand dieser Arbeit aufzeigen. Demzufolge werde ich von sechs verschiedenen Bundesländern (Baden Württemberg, Berlin, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz) die Biologielehrpläne der Klassenstufen 5 bis 10 als auch deren jeweiligen Unterrichtsmethoden im einzelnen analysieren, miteinander vergleichen und diese im Hinblick auf eine aus meiner Sicht heutige sinnvollen Sexualerziehung überprüfen. Bevor ich jedoch auf die Analyse und auf den Vergleich der Lehrpläne und Methoden der einzelnen Bundesländer eingehe, möchte ich in Punkt 2 dieser Arbeit zunächst die Begriffe “Sexualität“ und “Sexualerziehung“ genauer definieren und in Punkt 3 die anfängliche Problematik der Sexualerziehung im Biologieunterricht nach 1968 darstellen. Daraufhin werde ich meine persönlichen Überlegungen hinsichtlich einer aus meiner Sicht sinnvollen Sexualerziehung in Punkt 4 vorstellen, wobei ich hier allerdings nur die für die Analyse bzw. für den Vergleich der Bundesländer wesentlichen Aspekte aufführe. Meiner Meinung nach bilden diese vier Punkte eine Basis dieser Arbeit, um die anschließende Analyse bzw. den anschließenden Vergleich der jeweiligen Bundesländer auf deren Sexualerziehung in Punkt 5 vornehmen und entsprechend bewerten zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Ziel dieser Arbeit
2. Zu den Begriffen „Sexualität“ und „Sexualerziehung“
2.1. Zum Begriff “Sexualität“
2.2. Zum Begriff “Sexualerziehung“
3. Zur anfänglichen Problematik der schulischen Sexualerziehung
4. Überlegungen hinsichtlich einer sinnvollen Sexualerziehung
4.1. Meine persönliche Einstellung zur Sexualerziehung
4.2. Zu den Themenschwerpunkten und Unterrichtsinhalten
4.3. Zur Methodik
5. Analyse und Vergleich der Lehrplaninhalte und Methoden einzelner Bundesländer
5.1. Die Lehrplaninhalte und Methoden im Einzelnen
5.1.1. Baden Württemberg
5.1.2. Berlin
5.1.3. Hamburg
5.1.4. Hessen
5.1.5. Nordrhein-Westfalen
5.1.6. Rheinland-Pfalz
5.2. Zusammenfassende Übersicht
5.3. Vergleichende Aus- und Bewertung
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, den aktuellen Stand der schulischen Sexualerziehung im Biologieunterricht anhand eines Vergleichs der Lehrpläne von sechs deutschen Bundesländern (Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz) zu untersuchen. Dabei wird analysiert, inwieweit die jeweiligen Konzepte den Anforderungen einer ganzheitlichen Sexualerziehung gerecht werden, welche neben biologischen Fakten auch emotionale, soziale und ethische Aspekte berücksichtigt.
- Analyse und Vergleich biologischer Lehrplaninhalte zur Sexualerziehung in sechs Bundesländern.
- Gegenüberstellung von rein informatorisch-kognitiver Sexualkunde und ganzheitlich-emanzipatorischen Konzepten.
- Bewertung von Unterrichtsmethoden hinsichtlich Schüler-, Erfahrungs- und Problemorientierung.
- Untersuchung der Relevanz für den Erziehungsauftrag der Schule in einer pluralistischen Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
1. Ziel dieser Arbeit
Bevor ich auf das Ziel dieser Arbeit genauer eingehe, möchte ich im Folgenden einen kurzen geschichtlichen Rückblick hinsichtlich der Sexualerziehung geben.
Bis in das 17.Jahrhundert wurde die Kindheit nicht als eigenständige Phase des Lebens erkannt und ihr daher keine besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Kinder nahmen an der Erwachsenenwelt und zum Teil an ihrer Sexualität teil und wuchsen beiläufig in das geschlechtliche Leben hinein.
In der Epoche der Aufklärung ab Ende des 17.Jahrhunderts, in der sich das Bürgertums entwickelte und das industrielle Zeitalter mit neuen Leistungsanforderungen begann, wurde die unschuldige Kindheit entdeckt, die Notwendigkeit der Erziehung gesehen sowie auch bald die Gefährdung durch die Sexualität, wodurch somit ein Klima der Leibfeindlichkeit entstand.
Etwas verallgemeinernd lässt sich sagen, dass vom 18.Jahrundert bis in das 20.Jahrhundert hinein hinsichtlich der Sexualität bzw. Sexualerziehung die Unterweisung der Kinder in Verschleierungen und im Vorenthalten von Wissen als auch die Unterweisung der Jugend im Vermitteln von Halbwahrheiten bestand.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ziel dieser Arbeit: Einführung in die Thematik durch einen historischen Rückblick und Darlegung der Forschungsabsicht.
2. Zu den Begriffen „Sexualität“ und „Sexualerziehung“: Definition und theoretische Einordnung der zentralen Begriffe unter Berücksichtigung verschiedener pädagogischer Konzepte.
3. Zur anfänglichen Problematik der schulischen Sexualerziehung: Darstellung der historischen Herausforderungen und der KMK-Empfehlungen von 1968.
4. Überlegungen hinsichtlich einer sinnvollen Sexualerziehung: Erläuterung des emanzipatorischen Konzepts und der notwendigen methodischen Ansätze für eine ganzheitliche Bildung.
5. Analyse und Vergleich der Lehrplaninhalte und Methoden einzelner Bundesländer: Detaillierte Untersuchung und Gegenüberstellung der Biologie-Lehrpläne von sechs Bundesländern sowie Bewertung ihrer Umsetzung.
6. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung und Reflexion über die Bedeutung einer modernen Sexualpädagogik im Schulalltag.
Schlüsselwörter
Sexualerziehung, Sexualität, Biologieunterricht, Lehrpläne, Emanzipatorisches Konzept, ganzheitliches Lernen, Sexualkunde, Kinder- und Jugendsexualität, Pubertät, Sexualpädagogik, Bundesländervergleich, Unterrichtsmethoden, Wertevermittlung, Sozialisation, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie schulische Sexualerziehung innerhalb des Biologieunterrichts in sechs verschiedenen Bundesländern konzeptionell umgesetzt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Lehrplaninhalte, didaktische Methoden zur Vermittlung sexualbezogener Themen sowie die Berücksichtigung von Schülerinteressen und sozialen Aspekten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu bewerten, ob die untersuchten Lehrpläne eine ganzheitliche Sexualerziehung ermöglichen, die über rein biologische Fakten hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse von offiziellen Lehrplänen, ergänzt durch die Evaluation von unterrichtsmethodischen Konzepten in Bezug auf wissenschaftliche Standards.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, eine methodische Grundlegung sowie den detaillierten Vergleich der Lehrpläne inklusive tabellarischer Auswertungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Sexualerziehung, emanzipatorisches Konzept, ganzheitliches Lernen, Bundesländervergleich und biologische Sexualkunde.
Wie unterscheidet sich die Bewertung zwischen den Bundesländern?
Die Arbeit zeigt, dass Bundesländer wie Hamburg oder Hessen ein breiteres Spektrum an sozialen und emanzipatorischen Themen abdecken als andere, die sich stärker auf rein biologische Aspekte konzentrieren.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor im Hinblick auf den modernen Unterricht?
Der Autor plädiert für eine Lehrperson, die nicht nur fachlich versiert ist, sondern auch ein positives Verhältnis zur eigenen Sexualität besitzt, um einen offenen Dialog in der Klasse zu fördern.
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- Nicole Ruge (Author), 2003, SEXUALERZIEHUNG IM BIOLOGIEUNTERRICHT - Eine Analyse und ein Vergleich der Lehrplaninhalte und Methoden sechs verschiedener Bundesländer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22253