Produktionsintegrierter Umweltschutz: Mit weniger mehr erreichen?


Seminararbeit, 2003

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Produktionsintegrierter Umweltschutz: Belastungen und Gefahren für die Umwelt im Vorfeld vermeiden.

2. Was ist produktionsintegrierter Umweltschutz? –Definition und Abgrenzungen
2.1. Abgrenzung des produktionsintegrierten Umweltschutzes zum additiven Umweltschutz
2.2. Abgrenzung des produktionsintegrierten Umweltschutzes zum produkt- und prozessintegrierten Umweltschutz

3. Produktionsintegrierter Umweltschutz in der Praxis:
- Realisierungsansätze und Beurteilung
3.1. Praxisbeispiele für den Einsatz von produktionsintegriertem Umweltschutz
3.2. Effizienzbetrachtung: produktionsintegrierter Umweltschutz vs. additiver Umweltschutz

4. Die betriebswirtschaftliche Bedeutung des produktionsintegriertem Umwelt-schutzes auf die Risikosituation und die Rentabilität eines Unternehmens
4.1. Der Einfluss von Umweltaspekten auf Unternehmensrisiken
4.2. Der Einfluss des produktionsintegrierten Umweltschutzes auf die Unternehmensrisiken
4.3. Investitionen in produktionsintegrierten Umweltschutz und mögliche Auswirkungen auf die Rentabilität eines Unternehmens

5. Produktionsintegrierter Umweltschutz: Mit weniger mehr erreichen? – Zukunft, oder schon Wirklichkeit?
5.1. Rahmenbedingungen und Hemmnisse für den produktionsintegrierten Umweltschutz
5.2. Ausblick

6. Abbildungsverzeichnis.

7. Literaturverzeichnis

1. Produktionsintegrierter Umweltschutz: Belastungen und Gefahren für die Umwelt im Vorfeld vermeiden.

Die Lebens- und Konsumgewohnheiten, vor allem die der entwickelten Industrie-ländern, bringt eine Fülle unterschiedlicher Umweltbelastungen mit sich. In all den Lebensphasen, die Konsum- und Investitionsgüter durchlaufen, fallen in verschiedener Form Umweltbelastungen an. Mit der Komplexität und der Vielzahl von Schadstoffen, Gefahren und Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Umweltmedien, wurden medial orientierte oder schadstoffbezogene Auflagen und Maßnahmen des betrieblichen Umweltschutzes ebenfalls immer komplexer. Auflagen zur Verminderung oder Beseitigung von Emissionen führen oft zu enormen Kosten in der Produktion, und damit zu regem Widerstand der Wirtschaft.

Ziel dieser Arbeit ist, den Ansatz des Produktionsorientierten Umweltschutzes (im folgenden: Pius) darzustellen, und aufzuzeigen, in wieweit damit der scheinbar natürliche und unüberwindbare Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie entschärft, oder partiell sogar aufgelöst werden kann. Zu Beginn soll der Leser die Bedeutung und die Abgrenzung von Pius, und dessen Stärken und Schwächen im Vergleich zu anderen Maßnahmen des Umweltschutzes aus Unternehmenssicht kennen lernen. Daraufhin soll aufgezeigt werden, unter welchen Bedingungen sich Unternehmen für Pius anstelle anderer Maßnahmen entscheiden, und welche Voraussetzungen zu einer stärkeren Anwendung von Maßnahmen des produktionsintegrierten Umweltschutzes führen.

2. Was ist produktionsorientierter Umweltschutz? - Definition und Abgrenzungen

2.1 Abgrenzung des produktionsintegrierten Umweltschutzes zum additiven Umweltschutz

Grundsätzlich sind zwei Ansätze zur Verringerung von Schadstoffen bei der Produktion zu unterscheiden: nachgeschaltete (additive) Maßnahmen und integrierte Maßnahmen des Umweltschutzes (Vgl. Abb. 1). „Unter den Begriff der additiven Umweltschutzes fasst man alle Anlagen, Aggregate und Maßnahmen zusammen (end-of-pipe Maßnahmen: Anm. d. Verf.), die man existierenden Anlagen nachschaltet, um die Abgabe von Produktionsrückständen in die Umwelt zu verhindern oder zu reduzieren bzw. um die Rückstände in eine weniger umweltgefährdende Form zu überführen.“[1]

Abbildung 1: Betriebliche Umweltschutzmaßnahmen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Spiecker [Pius] 16.

Dagegen verbirgt sich hinter Pius „eine spezifische Konzeption, bei der Emissionen nicht erst am Ende eines Produktionsprozesses etwa mit Hilfe von Abfall- oder Abwasserbehandlungsanlagen abgefangen und umgewandelt, sondern bereits in der Produktion durch technisch-organisatorische Änderungen vermieden bzw. zumindest vermindert werden.“[2] Theoretisch unterscheiden sich die beiden Konzepte somit grundsätzlich in ihrer Ausrichtung. Während die Entstehung von Umweltbelastungen durch Emissionen und Produktionsrückstände beim additiven Umweltschutz als gegeben hingenommen wird, und das Augenmerk auf deren Weiterbehandlung, Umwandlung oder Entsorgung gerichtet ist, wird mittels Pius versucht, diese erst gar nicht entstehen zu lassen[3]. Der Produktionsintegrierte Umweltschutz selbst ist jedoch auch nur ein Teil der Gesamtheit aller integrierten Maßnahmen des Umweltschutzes. Es wird unterschieden zwischen produktintegriertem, prozessintegriertem und produktionsintegriertem und Umweltschutz, wobei die Grenzen verschwimmen und eher von theoretischer als von praktischer Relevanz sind.

2.2 Die Abgrenzung von produktintegrierten Umweltschutzes zum produkt- und prozessintegrierten Umweltschutz

Mit Hilfe des produktintegrierten Umweltschutzes sollen alle Umweltbelastungen entlang des gesamten Produktlebenswegs (von der Wiege bis zur Bahre) minimiert werden. „Die Grenzen der Betrachtung liegen auf der einen Seite bei der Gewinnung der für das Produkt notwendigen Rohstoffe und auf der anderen Seite der Eingliederung des Produktes als Abfall in die Umwelt.“[4] Kriterien hierbei sind z.B. Reduzierung des Ressourcenverbrauchs, der Emissionen und des Energieverbrauchs, Verwendung nachwachsender Rohstoffe und Recyclate, Langlebigkeit, Reparaturfähigkeit und Demontierfähigkeit.[5] Gegenstand des produktintegrierten Umweltschutzes sind somit alle Umweltaspekte, die im Zusammenhang mit dem Produkt über dessen gesamten Lebenszyklus hinweg entstehen.

Den Bezugsrahmen des produktionsintegrierten Umweltschutzes (Pius) stellen die Grenzen des Betriebes oder einzelne Betriebsteile dar[6]. Ziel ist dabei, die Umweltbelastung und Umweltinanspruchnahme des Betriebes bei der Herstellung von Produkten zu reduzieren. Dabei sollen die Umweltbelastungen durch eine effizientere Nutzung von Material und Energie, durch Rückgewinnung von Hilfs- und Betriebsstoffen und durch eine Vielzahl weiterer, in die Produktionsanlagen integrierte Technologien verringert werden.

Die Systemgrenze des prozessorientierten Umweltschutzes dagegen ist der einzelne Herstellungsprozess oder der organisatorische Prozess innerhalb eines Betriebes. Einzelne Anlagen bzw. Apparate stehen hierbei im Zentrum der Betrachtung. Der prozessintegrierte Umweltschutz ist insofern sowohl dem produkt- als auch dem produktionsintegrierten Umweltschutz zuzuordnen, als dass er die Modifikationen des Produktionsprozesses mit einschließt, egal ob sie Veränderungen des Produktes selbst mit sich ziehen oder nicht[7]. Diese Definition ist jedoch nur theoretischer Natur. Von Bedeutung kann der prozessorientiert Umweltschutz wieder werden, sobald überbetriebliche Produktionsprozesse betrachtet werden.[8]

Die Diskrepanz zwischen theoretischem Anspruch an Genauigkeit und praktischer Durchführbarkeit kommt bei dem Versuch zum Vorschein, das Recycling einzuordnen. Soll das Recycling von Stoffen zu produktionsintegrierten Maßnahmen hinzu zählen, wenn sie nicht in der selben Anlage wiederverwendet werden? Bedeutet Pius streng die Verminderung und Vermeidung von Emissionen von vorne herein (produktintegriert), bei der Produktion innerhalb der Betriebsgrenzen (produktionsintegriert) oder nur innerhalb einer Anlage (prozessintegriert)? Die Abgrenzung ist in der Praxis schlichtweg unmöglich und ebenso unnötig. Griem löst dieses Problem auf, indem er zwischen Pius i.e.S. und Pius i.w.S. unterscheidet. Pius i.e.S. beinhaltet danach nur „Maßnahmen, die dazu geeignet sind, bereits an der Quelle, d.h. am Material- und bzw. Stoffeinsatz und Energieeinsatz, mögliche Umweltbelastungen/ -inanspruchnahmen zu vermeiden oder zu vermindern.“[9] Dagegen umfasst die Definition von Pius i.w.S. auch das primäre Recycling (Verwertung von Abfallstoffen innerhalb der betrieblichen Produktionsgrenzen), jedoch nicht das sekundäre Recycling (Verwertung von Abfallstoffen außerhalb der betrieblichen Produktionsgrenzen), welches nicht mehr der Systembegrenzung von Pius auf den Betrieb/ die Produktionsstätte entspricht. Unter Pius i.w.S. werden somit alle genannten Maßnahmen zur Vermeidung von Belastungen oder zur Schließung von RHB- Kreisläufen innerhalb der Betriebsgrenzen zusammengefasst. Mit dieser praktikablen Aufteilung kann den unterschiedlichen Anforderungen von Wissenschaft und Praxis Rechnung getragen werden. Im folgenden wird unter Pius, sofern nicht auf eine andere Betrachtung hingewiesen wird, Pius i.w.S. verstanden.

Ein besonders wichtiger Aspekt bei allen integrierten Betrachtungsweisen ist der medienübergreifende Ansatz[10]. Durch das frühzeitige Einbeziehen von Umweltaspekten schon in der Produktentwicklung, Produktionsplanung, Distribution und eben auch der Produktionsverfahren und -technologien sollen mögliche Umweltbelastungen möglichst in ihrer Gesamtheit vermieden oder verringert werden, und somit die Gefahr der Problemverschiebung von einem Umweltmedium (z.B. Luft) zum anderen (z.B. Boden) verhindert werden.

3. Produktionsintegrierter Umweltschutz in der Praxis: - Realisierungsansätze und Beurteilung

3.1 Praxisbeispiel für den Einsatz von produktionsintegriertem Umweltschutz

Pius- Maßnahmen können in der Praxis unterschiedlichster Natur sein. So vielfältig die Zahl von Produkten und Produktionsverfahren sind, so vielfältig können auch Maßnahmen des produktionsintegrierten Umweltschutzes sein. Sie lassen sich in den meisten Fällen jedoch in die Rubriken Einsatz anderer Stoffe, Modifikation von Verfahrensschritten, Modifikation des Produktionsverfahrens (z.B. Erhöhung der Material- und Energieeffizienz), Kreislaufführung von Einsatzstoffen und Wasser, Nutzung entstandener Abwärme und das primäre Recycling einordnen[11]. Eine weitere theoretische Gliederung bzw. Versuche der weiteren Differenzierung sind sowohl aus wissenschaftlicher als auch praktischer Sicht als nicht sinnvoll zu erachten, da sie der Vielfalt und dem übergreifenden Charakter der meisten Pius- Maßnahmen nicht gerecht werden können. Darum wird in dieser Arbeit auf die weitere theoretische Differenzierung verzichtet, und anhand von praktischen Beispielen versucht, einen Überblick über Pius- Maßnahmen zu geben.

Die häufigste Pius- Maßnahme ist das Schließen von Wasserkreisläufen. So können in vielen Betrieben mit Hilfe von Wiederaufbereitungstechnologien, insbesondere moderner Membrantechnik, große Mengen an Frischwasser eingespart werden. Ein Unternehmen in der Textilbranche konnte durch Einsatz solcher Wiederaufbereitungs-anlagen in der Textilwäscherei seinen jährlichen Frischwasserverbrauch um 12.000 Kubikmeter (Einsparung: 36.000€/Jahr), und seinen Erdgasverbrauch zur Wasser-erwärmung um jährlich 490 MWH (Einsparung: 17.000 €/Jahr) reduzieren[12].

[...]


[1] Griem [Produktionsintegrierter Umweltschutz] 33.

[2] Haasis/Müller/Winter (Hrsg.) [Pius und Eigenverantwortung der Unternehmen] 11.

[3] Vgl. Griem [Produktionsintegrierter Umweltschutz] 31.

[4] Griem [Produktionsintegrierter Umweltschutz] 36.

[5] Vgl. Effizienz-Agentur NRW [Umweltgerechte Produktgestaltung] 7.

[6] Vgl. Spiecker [Pius] 21.

[7] Vgl. Griem [Produktionsintegrierter Umweltschutz] 39 ff.

[8] Vgl. Schneidewinkel/Seuring [Pius in Wertschöpfungsketten] 58 ff.

[9] Spiecker [Pius] 25.

[10] Vgl. Spiecker [Optimierung] 32.

[11] Vgl. Griem [Produktionsintegrierter Umweltschutz] 40.

[12] Vgl. o.V. [Textilindustrie] 8f.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Produktionsintegrierter Umweltschutz: Mit weniger mehr erreichen?
Hochschule
Universität Hohenheim  (Institut für Betriebswirtschaftslehre, Lehrstuhl Umweltmanagement)
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V22307
ISBN (eBook)
9783638256902
Dateigröße
804 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Produktionsintegrierter, Umweltschutz
Arbeit zitieren
Andreas Niederle (Autor), 2003, Produktionsintegrierter Umweltschutz: Mit weniger mehr erreichen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22307

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