Das Altenproblem der PKV - Darstellung sowie bisherige und aktuelle Lösungsansätze


Seminararbeit, 2003

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1. PROBLEMSTELLUNG

2. DAS ALTENPROBLEM DER PRIVATEN KRANKENVERSICHERUNG
2.1. Definition des Altenproblems
2.2. Gründe für das Altenproblem
2.2.1. Einordnung der Gründe für das Altenproblem
2.2.2. Demographische Gründe für das Altenproblem
2.2.3. Monetäre Gründe für das Altenproblem
2.2.3.1. Der medizinische Fortschritt
2.2.3.2. Der Wegfall der Stornogewinne
2.2.3.3. Weitere monetäre Gründe
2.3 Eine mathematische Erfassung des Altenproblems

3. REALISIERTE MAßNAHMEN ZUR BEKÄMPFUNG DES ALTENPROBLEMS
3.1. Frühere Maßnahmen zur Bekämpfung des Altenproblems
3.2. Maßnahmen auf Basis des § 12a VAG
3.3. Maßnahmen auf Basis des § 178f VVG
3.4. Sonstige Maßnahmen

4. AUSBLICK AUF ZUKÜNFTIGE MÖGLICHKEITEN

ANHANG

LITERATURVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Prämien- und Schadensverlauf nach Art der Lebensversicherung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Problemstellung

Im Zeitraum von 1991 bis 1998 sind die Prämien bei Neuvertragsabschlüssen der privaten Krankenversicherung in der Bundesrepublik Deutschland für einen 33-jährigen Versicherungsnehmer im Durchschnitt um circa 8 v.H. jährlich gestiegen, die der gesetzlichen Krankenkasse hingegen nur um circa 5 v.H.1. Wenn wir diese Werte für ältere Versicherungsnehmer ermitteln würden, wäre, aus noch näher zu untersuchenden Gründen, ein wesentlich stärkerer Anstieg der Prämien in der privaten Krankenversicherung zu erwarten.

Ziel dieser Arbeit ist es nun herauszuarbeiten, welche Effekte für diese übermäßige Prämienentwicklung im Alter verantwortlich sind, welche Wirkungen sie entfalten und was gegen diese Entwicklung unternommen wurde und noch unternommen werden kann.

In Kapitel 2 wird zunächst dargestellt, was das so genannte Altenproblem der privaten Krankenversicherung überhaupt ist. Im Anschluss daran werden die einzelnen Faktoren, die dieses Problem beeinflussen, dargestellt und analysiert. Abschließend erfolgt kurz eine mathematische Erfassung des Gesamtkomplexes der Beitragsanstiege im Alter. In Kapitel 3 wird die Frage geklärt, welche Maßnahmen zur Bekämpfung des Altenproblems der privaten Krankenversicherung bereits ergriffen wurden. Hier kristallisieren sich zwei Hauptaspekte heraus. Zum einen die Regelungen des § 12a VAG, welche unter anderem stärkere Zuführungen in die Alterungsrückstellungen vorsehen und zum anderen die des § 178f VVG, welche als Lösungsmöglichkeit für die Versicherten einen Wechsel in bestimmte andere Tarife bietet, in denen diese Problematik weniger stark zum Ausdruck kommt.

Im abschließenden Kapitel wird ein kurzer Ausblick auf noch mögliche Maßnahmen geboten, welche zur weiteren Lösung dieses Problems beitragen können. Dies sind hauptsächlich Kostendämpfungsmaßnahmen im Gesundheitsbereich und die Kombination von Kranken- und Rentenversicherungen, wie sie derzeit schon vereinzelt zu finden sind.

2. Das Altenproblem der privaten Krankenversicherung

2.1. Definition des Altenproblems

Da in der privaten Krankenversicherung die Prämien maßgeblich durch das Äquivalenzprinzip determiniert sind, ist das individuelle Risiko Grundlage jeder Beitragskalkulation.

Ziel der Beitragskalkulation ist es, eine Kongruenz zwischen erwarteten Einnahmen und Ausgaben für Schäden eines jeden Versicherten im Versicherungsverlauf zu erzielen2. Es kann somit von einer risikoadäquaten Prämie gesprochen werden. Da die Prämienkalkulation für jeden Versicherten zum Zeitpunkt des Eintritts in die private Krankenversicherung erfolgt, muss der zukünftige Schadensverlauf, beziehungsweise der Barwert der zukünftigen Auszahlungen, bereits zu diesem Zeitpunkt bekannt sein, um eine exakte Kalkulation durchführen zu können3.

Dadurch bedingt, dass in der privaten Krankenversicherung die Beitragsberechnung nach Art der Lebensversicherung erfolgt, sind die Prämien im Zeitablauf konstant. Dies führt dazu, dass ein junger Versicherungsnehmer anfangs wesentlich höhere Prämien zahlt, als er Leistungen aus dem System der privaten Krankenversicherung entnimmt. Ein Großteil der Differenz zwischen Prämien und Leistungszahlungen der Anfangsperioden wird den Alterungsrückstellungen zugeführt. Diese haben den Zweck, Kapital für spätere Zeitpunkte anzusparen4, in denen die Leistungszahlungen größer sind als die Prämien5. Den Alterungsrückstellungen werden nun entsprechend den Regelungen des VAG jährlich bestimmte Beträge zugeführt6.

Kommt es nun, aus noch näher zu untersuchenden Gründen, zu einer Veränderung der real eintretenden Schäden im Vergleich zur kalkulierten Schadenserwartung7, entsprechen im Versicherungsverlauf die Risikoprämien nicht mehr dem Barwert der Auszahlungen. Dies führt nun dazu, dass das Versicherungsunternehmen, ab einem bestimmten Ausmaß der Divergenz8, seine Beiträge auf Basis der neuen Schadenserwartungswerte anpassen muss9. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Nachkalkulation und somit einer Prämiensteigerung nimmt im Zeitablauf zu. Besonders problematisch wirkt sich diese Entwicklung auf die Prämien der Rentner und Pensionäre aus. Da zum einen deren Einkommen aus Rente, beziehungsweise aus Pensionsleistungen, tendenziell niedriger sind als das zur Verfügung stehende Einkommen von Erwerbstätigen, jedoch die Beiträge der privaten Krankenversicherung durch die Neukalkulation steigen. Zu erwähnen ist noch, dass die Renten tendenziell weniger stark ansteigen, als die Prämien in der PKV Das andere Problem liegt darin begründet, dass ältere Versicherungsnehmer bei einem Wechsel der Versicherung die angesparten Alterungsrückstellungen nicht mitnehmen können10, sie sich jedoch mittlerweile in einem risikoträchtigeren Alter befinden, als in jungen Jahren. Diese beiden Gründe würden zu einer extrem hohen Prämie führen.

Es festzustellen ist auch, dass das Änderungsrisiko11 in der privaten Krankenversicherung mit steigendem Alter zunimmt. Prinzipiell ist das Altenproblem unabhängig von der Form der privaten Krankenversicherung, jedoch wirkt es sich bei einer Krankheitskostenvollversicherung durch den hohen Versicherungsumfang wesentlich stärker aus als bei Teilversicherungen. Eine Lösung dieses Problems könnte ein Wechsel in die gesetzliche Krankenkasse sein, dies ist aber nahezu unmöglich12.

2.2. Gründe für das Altenproblem

2.2.1. Einordnung der Gründe für das Altenproblem

Die Ursachen für das Zunehmen des Altenproblems in der privaten Krankenversicherung sind mannigfaltig. Sie sind im Wesentlichen in zwei Hauptgruppen einzuteilen. Zum einen begünstigen demographische Faktoren das Altenproblem. Die so oft angeführte Überalterung unserer Gesellschaft macht auch vor der privaten Krankenversicherung keinen Halt. Die Zahl der jungen Versicherten, welche in einem geringeren Umfang Leistungen beanspruchen, nimmt ab, die Zahl der älteren Versicherten hingegen nimmt zu. Dieses Problem trifft die umlagefinanzierte gesetzliche Krankenversicherung zwar wesentlich härter13, jedoch hat dies auch starke Auswirkungen auf die private Krankenversicherung.

Zum anderen führen monetäre Gründe zur Ausgabensteigerung14, insbesondere bei älteren Versicherungsnehmern. Gerade in diesem Bereich gibt es eine Vielzahl von Gründen, die die Kompensationsmöglichkeiten der initial kalkulierten Prämien übersteigen. Unter diesem Punkt fallen auch politische beziehungsweise rechtliche Aspekte, die auf monetäre Faktoren wirken.

2.2.2. Demographische Gründe für das Altenproblem

Durch eine Vielzahl von Faktoren steigt die Lebenserwartung der Bundesbürger stetig an. Dies ist an zwei wesentlichen Aspekten festzustellen. Einerseits eine stetig zurückgehende Säuglings- und Kindersterblichkeit, andererseits ein Ansteigen der Lebenserwartung ältere Menschen. Ein 60-jähriger Mann hat im Vergleich zum Jahr 1970, im

Jahr 1998 eine von 15,3 Jahren auf 18,9 Jahren gestiegene fernere Lebenserwartung. Für 2050 wird diese sogar auf 21,6 Jahre prognostiziert, bei den Frauen sieht dies ähnlich aus15. Insbesondere die Steigerung der fernen Lebenserwartung basiert zu einem Großteil auf dem medizintechnischen Fortschritt, auf den in Kapitel 2.2.3. detaillierter eingegangen wird. Von diesem Anstieg der Lebenserwartung geht eine zentrale Wirkung auf die private Krankenversicherung aus, es steigt die Versicherungsdauer an, die Gesundheitskosten steigen mit jedem Lebensjahr sogar überproportional an.

Da, wie bereits erwähnt, die Prämienkalkulation in der privaten Krankenversicherung beim Eintritt des Versicherungsnehmers in die Krankenkasse erfolgt, basiert die Kalkulation auf den zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Daten. Ändert sich nun im Nachhinein die Lebenserwartung der Versicherungsnehmer dahingehend, dass sie verlängert wird, führt dies dazu, dass die Alterungsrückstellungen zu niedrig bemessen waren16, da die Sterbewahrscheinlichkeit je Lebensjahr, im Vergleich zu früheren Zeiten, gesunken ist. Somit ist die Gesamtversicherungsdauer länger, als zum Zeitpunkt der Prämienkalkulation prognostiziert und es fallen insgesamt höhere Ausgaben für das Versicherungsunternehmen an. Schlussendlich muss eine Nachkalkulation der Beiträge auf Basis der aktuellen Sterbetafeln erfolgen, was zu einem Ansteigen der Beiträge führt.

Problematisch wirkt sich aus, dass durch das nun höhere durchschnittlich erreichbare Alter, das Risiko an bestimmten Krankheiten zu erkranken zunimmt. Insbesondere steigt das Risiko so genannter chronisch degenerativer Erkrankungen, welche zum Großteil auf altersbedingten Verschleiß zurückzuführen sind und meist keine wirkliche Therapiemöglichkeit der Grunderkrankung bieten. Beispielhaft sind hier Krankheiten wie chronische Gelenkerkrankungen oder auch bestimmte Arten der Typ II Diabetes, auch als „Altersdiabetes“ bezeichnet, zu nennen17. Da eine Vielzahl dieser Krankheiten einer langwierigen Behandlung bedarf, sind die Ausgaben für diese Krankheiten sehr hoch anzusetzen. Bei der Gruppe der erfolgreich therapierbaren Erkrankungen ist ein, im Vergleich zu jüngeren Patienten, auffallend längerer Heilungsverlauf zu beobachten. Aus diesem längeren Heilungsverlauf, welcher sich unter anderem in einem verlängerten Krankenhausaufenthalt widerspiegelt, resultieren schließlich ebenfalls höhere Kosten. Man kann davon ausgehen, dass mit der steigenden Lebenserwartung die daraus bedingten Kosten überproportional ansteigen18,19.

Abschließend ist noch auf einen eher psychologischen Nebenaspekt des älter werden hinzuweisen. Ältere Menschen konsumieren teilweise aus Gründen, welche weniger im Bereich von gesundheitlichen Problemen zu suchen sind, medizinische Leistungen. Sei es aus Gründen sozialer Kontaktpflege, zum Beispiel bei ihrem Hausarzt oder einfach nur um beschäftigt zu sein, wie es bei einer Krankengymnastik oder Massagebehandlung der Fall sein kann20. Hauptaspekt hierbei dürfte jedenfalls die zunehmende Isolation älterer Menschen sein21.

2.2.3. Monetäre Gründe für das Altenproblem

2.2.3.1. Der medizinische Fortschritt

Als ein Hauptaspekt, der zur Steigerung der Ausgaben der Krankenversicherungen führt, kann der medizinische Fortschritt gesehen werden.

Ein genereller Trend in der Medizin ist, dass seit langem ein Wandel von der primär manuellen Diagnostik hin zur „Apparatemedizin“ vollzogen wird22. Ebenso werden die Therapie und auch die Prophylaxe mittlerweile verstärkt durch medizintechnische Geräte unterstützt. Es ist festzuhalten, dass mittlerweile durch moderne Medizintechnik eine Vielzahl von Krankheiten diagnostiziert und therapiert werden kann, welches ohne die Geräte nicht möglich gewesen wäre.

Von diesen Entwicklungen gehen nun zwei monetäre Wirkungen aus. Zum einen wird die Behandlungszeit der entsprechenden Krankheiten gesenkt, was zu Einsparungen führt, zum anderen müssen jedoch die Kosten für Entwicklung und Produktion der jeweiligen Geräte anteilig durch die Versicherer getragen werden23. Neben den Ausgaben für Medizinprodukte kommen als anderer großer Kostenfaktor die Ausgaben für Arzneimittel hinzu. Hier bedingt die Entwicklung und Zulassung neuer Arzneimittel ebenfalls immense Kosten, die schlussendlich über die Arzneimittelpreise an die Krankenkassen überwälzt werden24. Hinzu kommt, dass durch diese medizinischen Verbesserungen bedingt, die Lebenserwartung der Versicherten steigt25, was wiederum als demographischer Faktor auf das Altersproblem mit einwirkt26. Bedingt dadurch, dass das Leistungspektrum der privaten Krankenversicherung umfassender ist27 und von Seiten der Mediziner der Mediziner höhere Gebühren verlangt werden können als bei der gesetzlichen Krankenversicherung, wird diese tendenziell stärker von den Ausgabensteigerungen getroffen werden28.

Eng mit dem vorgenannten Komplex sind die Steigerungen der Personalkosten verbunden. Auch wenn ein Teil der medizinischen Leistungen durch medizintechnische Gerätschaften vollzogen wird, so hat das Gesundheitswesen nach wie vor eine enorme Personalintensität. Die allgemeine Steigerung des Lebenshaltungsniveaus führt somit indirekt auch zu Steigerungen des Lohnniveaus der Beschäftigten im Gesundheitswesen29. Diese gestiegenen Personalkosten werden letztendlich zu einem Grossteil durch die Krankenversicherer getragen.

2.2.3.2. Der Wegfall der Stornogewinne

Ein anderer wesentlicher Aspekt, der die Kalkulationen der Krankenkassen beeinflusst, ist der bereits kurz erwähnte Umstand, dass ein Wechsel von der privaten Krankenversicherung in die gesetzliche Krankenversicherung mittlerweile nahezu unmöglich ist. Heute kann die Entscheidung zum Wechsel der gesetzlichen in die private Krankenversicherung weitgehend als „Einbahnstraßenentscheidung“ gesehen werden, da seit 1977 die Rückkehrmöglichkeiten verstärkt unmöglich gemacht wurden30. Diese Entwicklung hat mit dem Gesundheitsreformgesetz von 1989 wohl ihren Höhepunkt erreicht. Seit diesem Zeitpunkt ist es Rentnern, seit 2000 sogar teilweise für über 55-jährige, nicht mehr möglich in eine gesetzliche Krankenkasse zurückzukehren31. Das Problem für die private Krankenversicherung beruht nun darin, dass bei einem Wechsel eines privatversicherten Versicherungsnehmers in die gesetzliche Krankenkasse die bereits angesparten Alterungsrückstellungen nicht mitgenommen werden können. Somit verfällt diese individuelle Rückstellung zu Gunsten der Gemeinschaft und bedingt quasi einen Ertrag für die Gesamtheit der Versicherten der jeweiligen privaten Krankenkasse32 und führt somit zur Ermäßigung der Beiträge33. Da die Möglichkeiten zur Stornierung zunehmend eingeschränkt werden34, fällt somit auch die Möglichkeit für die Versicherer weg, von diesen Stornogewinnen zu profitieren. Bei der zu Beginn des Versicherungsverhältnisses getätigten Beitragskalkulation wurden jedoch teilweise die bis dato noch häufiger anfallenden Stornogewinne mit einbezogen. Nachträglich wurde somit mit einer zu hohen Stornowahrscheinlichkeit kalkuliert. Dies führt dazu, dass eine Nachkalkulation der

Beiträge erfolgen muss. Von dieser Nachkalkulation ist zwar die gesamte Versicherungsgemeinschaft betroffen, jedoch trifft es die älteren Versicherungsnehmer absolut gesehen stärker, da diese einer kürzeren Restversicherungsdauer unterliegen und mittlerweile ein wesentlich risikoträchtigeres Alter als bei Eintritt in der Versicherung haben35. Es ist jedoch an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass eine Portabilisierung der Alterungsrückstellungen nicht zwangsläufig zu Beitragsermäßigungen führt und teilweise auch zu Marktinstabilitäten führen kann36. Gegen eine Beitragsermäßigung spricht, dass sämtliche Stornogewinne entfallen würden und somit das Restkollektiv belastet wird

2.2.3.3. Weitere monetäre Gründe

Neben den beiden oben genannten Gruppen gibt es noch einige allgemeine Problematiken, welche als potentielle Änderungsrisiken starken Einfluss auf die Krankenversicherungen haben.

Als wesentlicher Einflussfaktor sei hier die Inflation zu erwähnen37. Diese wirkt unterschiedlich stark auf sämtliche Sektoren der Volkswirtschaft und somit auch auf den Gesundheitssektor. In der privaten Krankenversicherung bewirkt dies nun eine reale Abwertung der Alterungsrückstellungen38. Isoliert betrachtet stellt die allgemeine Preissteigerung kein Problem für die privaten Krankenversicherer dar, solange sie unter einem noch zu untersuchenden Wert liegt. Steigt jedoch die Inflation über diesen kritischen Wert an oder kommen noch weitere Einflussfaktoren auf die Ausgabenstruktur der Versicherer, wie zum Beispiel die oben genannten Aspekte, hinzu, so trägt die Inflation auch einen Teil zur Vergrößerung des Altenproblems bei.

Der Teil der Versicherungsprämie, welcher die Alterungsrückstellung bildet, wird von dem Versicherungsunternehmen mit einem bestimmten Zinssatz verzinst, dieser Zins ist der Rechnungszins. Er beträgt derzeit gemäß § 4 KalV maximal 3,5 v.H.39 Normalerweise erzielen die Versicherungsunternehmen eine Gesamtverzinsung ihrer Anlage von mehr als 3,5 v.H. Laut dem Verband der Privaten Krankenversicherer lag 1998 die Nettoverzinsung im Schnitt bei 7,83 v.H40. Die Differenz von Gesamtverzinsung und den Rechnungszinsen nennt man Überzins41. Der Überzins ist wiederum in der Lage, die Inflation zu kompensieren. Steigt jedoch die Inflation über diesen Zins, ist lediglich eine partielle Kompensation möglich42. Als problematisch kann es sich erweisen, wenn auf dem Kapitalanlagemarkt eine niedrigere Verzinsung erreicht werden kann als kalkuliert43. Neben diesen Hauptaspekten gibt es noch zahlreiche kleinere Faktoren, die ebenfalls dazu beitragen, diese Problematik in der privaten Krankenversicherung zu steigern. Beispielhaft soll hier kurz auf einen weiteren Aspekt eingegangen werden. Zum Teil versucht die Ärzteschaft ihre Einnahmeverluste, die aus einer restriktiveren Ausgabenstruktur der gesetzlichen Krankenkassen her rühren, über höhere Honorare bei privat versicherten Patienten zu kompensieren44. Dies führt somit zu Ausgabensteigerungen bei den privaten Krankenkassen.

2.3 Eine mathematische Erfassung des Altenproblems

An dieser Stelle soll anhand einer kurzen Formel aufgezeigt werden, an welchen Stellen die vorgenannten Einflussfaktoren auf die Beitragskalkulation wirken können. Als Grundlage der Beitragskalkulation gilt, dass der Barwert der erwarteten Schäden (S), die aus dem Versicherungsverhältnis resultieren, identisch mit den Alterungsrückstellungen (FA) und dem erwarteten Barwert der Prämien (P) sein müssen. Sonstigen Einnahmen, wie zum Beispiel die Stornogewinne, werden vernachlässigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nun liegt ein Problem darin, das die Schadenshöhe für den kompletten Versicherungsverlauf zum Zeitpunkt der Beitragskalkulation nicht exakt bekannt ist und somit geschätzt werden muss. Aufgrund dieser Schätzung basieren die Prämien und somit auch die Alterungsrückstellung.

Durch Veränderung bestimmter Parameter, kann es nun zu einer nachträglichen Abweichung des Barwertes der Schäden im Vergleich zur Kalkulationssituation kommen. Somit ist die auf Prognosen beruhende anfängliche Rechnung nachträglich als fehlerhaft anzusehen.

Haupteinflussfaktor der Altenproblematik ist die Kostenseite. Auch eine Veränderung der sonstigen Einnahmen, zum Beispiel durch Wegfall der Stornogewinne, wäre denkbar. Durch die oben genannten Gründe steigt die Höhe der neuen kumulierten Gesamtschäden (Sneu) an. Dies führt zu der Notwendigkeit, entweder die Prämien zu ändern oder die Alterungsrückstellungen nachträglich zu erhöhen beziehungsweise stärker zu verzinsen.

[...]


1 Vgl. Helmich, C., Ausgabenentwicklung, 1999, S. 103.

2 Vgl. Timmer, H. G. (Hrsg.), Krankenversicherung, 1990, S. 27.

3 Vgl. Bastiani, A., Krankenversicherung, 1995, S. 15 f.

4 Zur Verdeutlichung siehe Anhang I, S. V.

5 Vgl. Scheepker,D., Wettbewerbsregeln, 1996, S. 70.

6 Zu den genauen Regelungen siehe Kapital 3.1.2.

7 Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Änderungsrisiko als Teilkomponente des versicherungstechnischen Risikos.

8 Näheres dazu in: Schmid-Grotjohann, W., Änderungsrisiko, 1995, S. 82 f. und Bohn, K., Mathematik, 1980, S. 94 f.

9 Vgl. Helmich, C., Ausgabenentwicklung, 1999, S. 59 f.

10 Zu den Ausnahmen siehe Kapitel 3.3.

11 Näheres zum Wesen des Änderungsrisikos siehe: Farny, D., Versicherungsbetriebslehre, 2000, S. 90 f.

12 Dazu unter anderem: Vgl. Bastiani, A., Krankenversicherung, 1995, S. 23.

13 Vgl. Schmidt-Meier, A./Beenken, M., Krankenversicherungssystem, 2002, S. 11.

14 Von 1960 bis 1984 stiegen diese Ausgaben der privaten Krankenversicherung von rund 0,9 Mrd. DM auf 9,9 Mrd. DM an. Vgl. Frommknecht, H., Krankenversicherungssystem, 1990 ,S. 21.

15 Vgl. Beske, F. (Hrsg.), Gesundheitswesen, 2003, S. 24 f.

16 Vgl. o.V., Altersbeiträgen, 1997, S. 43.

17 Vgl. Schmid-Grotjohann, W., Änderungsrisiko, 1995, S. 65.

18 Vgl. Wasem, J., Ausgabenanstiege, 1997, S. 86.

19 Siehe dazu das Datenmaterial aus: o.V., Arzneimittelausgaben, 1983, S. 32 ff.

20 Vgl. Greisler, P., VW, 1996, S. 878.

21 Vgl. Zimbardo, P. G., Psychologie, 1992, S. 95.

22 Vgl. Frommknecht, H., Krankenversicherungssystem, 1990, S. 22.

23 Vgl. Schröder, K., VW, 2003, S. 331.

24 Vgl. Beske, F. (Hrsg.), Gesundheitswesen, 2003, S. 27 f.

25 Hier sei exemplarisch auf die Einführung der Dialysetherapie bei Niereninsuffizienz beziehungsweise bei Nierenversagen hingewiesen. Ein Unterlassen dieser Therapie würde zu einer erheblichen Verminderung der Lebenserwartung der betroffenen Patienten führen.

26 Hierzu siehe detailliert Kapital 2.2.2.

27 Abgesehen von den Standardtarifen

28 Dazu mehr in: Helmich, C., Ausgabenentwicklung, 1999, S. 55.

29 Vgl. Rendgen, K., Krankenversicherung, 2002, S. 66.

30 Vgl. o.V., Altersbeiträgen, 1997, S. 44.

31 Vgl. Rendgen, K., Krankenversicherung, 2002, S. 67.

32 Vgl. Scheepker, D., Wettbewerbsregeln, 1996, S. 43 und Timmer, H. G. (Hrsg.), Krankenversicherung, 1990, S. 50.

33 Vgl. Bohn, K., Mathematik, 1980, S. 36.

34 Teilweise um den Exodus der gesetzlichen Krankenkasse zu vermeiden.

35 Vgl. o.V., Altersbeiträgen, 1997, S. 42 f.

36 Dazu detailliert: Zieschang, B., VW, 2001, S. 1045 f.

37 Vgl. Farny, D., Versicherungsbetriebslehre, 2000, S. 92.

38 Vgl. Rohweder, J. P., Krankenversicherung, 1995, S. 174.

39 Vgl. Kaetzler, O./Riedel, O., Krankenversicherung, 1998, S. 3.

40 Vgl. Rendgen, K., Krankenversicherung, 2002, S. 68.

41 Vgl. Farny, D., Versicherungsbetriebslehre, 2000, S 787 f.

42 Siehe Anhang II, S. VI.

43 Siehe dazu aktuell: Pauly, C., Spiegel, 2003, S. 108 f.

44 Vgl. Greisler, P., VW, 1998, S. 883 und Beske, F. (Hrsg.), Gesundheitswesen, 2003, S. 114.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Das Altenproblem der PKV - Darstellung sowie bisherige und aktuelle Lösungsansätze
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Professur für Risikomanagement und Versicherungswirtschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
26
Katalognummer
V22318
ISBN (eBook)
9783638256964
ISBN (Buch)
9783638647304
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Altenproblem, Darstellung, Lösungsansätze
Arbeit zitieren
Dennis Koob (Autor), 2003, Das Altenproblem der PKV - Darstellung sowie bisherige und aktuelle Lösungsansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22318

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