Stabilisierungspolitik: Wachstum und Ungleichheit


Seminararbeit, 2004

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ungleichheit der Einkommensverteilung
2.1 Die Lorenzkurve
2.2 Ursachen für die Ungleichheit der Einkommensverteilung

3. Das Zwei Sektoren Modell und die Kuznets-Kurve
3.1 Empirische Relevanz des Ansatzes von Kuznets

4. Auswirkungen der Ungleichheit der Einkommensverteilung auf das Wirtschaftswachstum
4.1 Das Modell von Alesina und Rodrik (1994)
4.2 Auswirkung von Ungleichheit und Umverteilung auf die Effizienz des Einsatzes von Ressourcen
4.3 Der Ansatz von Barro (1999)

5. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Lorenzkurve

Abb. 2: Die Kuznets-Kurve

1. Einleitung

Bis Mitte der achtziger Jahre wurde das wirtschaftliche Wachstum einer Volkswirtschaft durch exogen vorgegebene Einflussgrößen erklärt. Mit dem Einzug der modernen endogenen Wachstumstheorie wurde diese veraltete Sichtweise überholt. Es wird nunmehr versucht, das Wirtschaftswachstum durch endogene Mechanismen zu erklären und Zusammenhänge zwischen möglichen Einflussgrößen zu durchleuchten.

Hierbei steht unter anderen die Frage im Mittelpunkt, wie sich die Ungleichheit der Einkommensverteilung innerhalb einer Volkswirtschaft auf das Wirtschaftswachstum auswirken kann. Darüber hinaus interessant ist, ob und wie die Politik durch Umverteilungsmaßnahmen Einfluss auf die Einkommensungleichheit und somit auf das Investitionsverhalten der Menschen und das Wirtschaftswachstum ausüben kann.

Zum Versuch, diese Fragen zu beantworten, ist diese Arbeit wie folgt gegliedert:

Zunächst werden in Kapitel zwei einige grundlegenden Informationen zur Begrifflichkeit und zur Ermittlung von Ungleichheiten der Einkommensverteilung gegeben, bevor ich die Lorenzkurve, an der das Ausmaß der Ungleichheit verdeutlicht werden kann, darstelle. Anschließend erörtere ich einige mögliche Ursachen für die Existenz von Einkommensungleichheiten.

Kapitel drei behandelt den wichtigen Beitrag von Kuznets aus dem Jahre 1955, der die Veränderung der Ungleichheit im Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung zum Thema hat, sowie seine empirische Relevanz für heutige Forschungen. Im vierten Kapitel werde ich drei verschiedene Ansätze zur Klärung des Zusammenhangs zwischen Ungleichheit, Umverteilung und Wachstum vorstellen, die alle aus den neunziger Jahren stammen und somit hohe Aktualität besitzen. Mit einigen Schlussbemerkungen in Kapitel fünf schließe ich die Arbeit dann ab.

2. Ungleichheit der Einkommensverteilung

Die Einkommensverteilung, die uns über die Streuung der Haushaltseinkommen innerhalb einer Volkswirtschaft informiert, weist in den verschiedenen Nationen unterschiedliche Ungleichheiten auf.

Der Ansatz von Kuznets aus dem Jahre 1955, auf den ich in Kapitel drei dieser Arbeit detaillierter eingehen werde, unterstellt Relation zwischen der Höhe des Volkseinkommens und der Ungleichheit der Einkommensverteilung, die sich in der bekannten Kuznets-Kurve als inverses „U“ darstellt. Das heißt, mit steigendem Volkseinkommen verstärkt sich die Ungleichheit zunächst, doch kehrt sich dieser Effekt um, sobald das Volkseinkommen ein bestimmtes Niveau erreicht[1]. Die Einkommensverteilung in sehr armen Ländern müsste nach Meinung Reders (1986) sehr gleich sein, da sich das Einkommen nicht auf bestimmte Gruppen konzentrieren kann, wenn das Volkseinkommen ohnehin nur knapp über dem Subsistenzniveau liegt.

Zur Ermittlung ihrer Streuung werden die Einkommen innerhalb einer jeweiligen Volkswirtschaft in fünf Klassen (Quintile) sowie die obersten fünf Prozent der Spitzenverdiener eingeteilt. Je weiter man in der Einkommenspyramide nach oben gelangt, desto weniger „Mitglieder“ hat die jeweilige Einkommensstufe. Würde man z.B. für die USA eine Einkommenspyramide aus Bauklötzen bauen, wobei jede Schicht für 500 $ Einkommen stünde, läge ihre Spitze weit über dem Gipfel des Mount Everest. Die meisten Menschen würden sich jedoch in einer Höhe von etwa ein bis zwei Metern befinden[2].

Die Ungleichheit der Einkommensverteilung kann demnach sehr hoch sein, zwischen einzelnen Ländern stark schwanken. Im späteren Verlauf dieser Arbeit werden wir betrachten, wie diese Ungleichheit das Wirtschaftswachstum beeinflussen kann. Zuvor möchte ich jedoch kurz eine mögliche Darstellung des Ausmaßes der Ungleichheit der Einkommensverteilung sowie mögliche Ursachen hierfür vorstellen.

2.1 Die Lorenzkurve

Anhand der Lorenzkurve lässt sich das Ausmaß der Ungleichheit zeigen. Sie wird häufig in der Analyse von Einkommens- und Vermögensungleichheiten angewandt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Lorenzkurve (eigene Darstellung in Anlehnung an Samuelson/Nordhaus (1998), S.426)

Die Abbildung 1 zeigt eine beispielhafte Darstellung der Lorenzkurve. Die gestrichelte, diagonale Linie stellt die absolute Gleichheit dar. Bei absoluter Gleichheit gäbe es keinerlei Unterschiede zwischen den fünf Einkommensgruppen, das heißt auf jede Gruppe fiele exakt ein Fünftel des Gesamteinkommens. Die unterste Kurve des Diagramms, die rechtwinklige, gestrichelte Linie, steht für die absolute Ungleichheit, die bestehen würde, falls das gesamte Volkseinkommen auf einen Menschen entfallen würde. Die tatsächliche Einkommensverteilung liegt immer zwischen diesen beiden hypothetischen Extremfällen. Sie wird durch die durchgezogene Kurve dargestellt. Der schraffierte Bereich zeigt die Abweichung der tatsächlichen Einkommensverteilung von der absoluten Gleichheit und gibt ein Maß für die Einkommensungleichheit an.

Ein häufig zu findendes quantitatives Maß für diese Ungleichheit ist der Gini-Koeffizient, der dem zweifachen des oben genannten schraffierten Bereiches entspricht[3].

2.2 Ursachen für die Ungleichheit der Einkommensverteilung

Bei der Suche nach den Quellen der Einkommensungleichheiten empfiehlt es sich, sich auf die Einkommen aus Erwerbsarbeit und Vermögen zu konzentrieren, da zum einen das Arbeitseinkommen 80 Prozent des gesamten Faktoreinkommens ausmacht und zum anderen auch dem Vermögen, das in Marktwirtschaften noch weit ungleicher verteilt ist als das Arbeitseinkommen, eine wesentliche Rolle in diesem Zusammenhang zukommt.

Zu den Faktoren, die Ungleichheit des Einkommens aus Erwerbsarbeit produzieren, gehören unter anderen die individuellen Fähigkeiten und Kenntnisse der Menschen, die extrem unterschiedlich sein können. Diese können Einkommensunterschiede jedoch nur sehr begrenzt erklären, da sie nur sehr schwer bzw. gar nicht messbar sind. Weiterhin variiert das Einkommen sicherlich durch die Arbeitsintensität. Nicht alle Menschen arbeiten gleich hart, wodurch eine wirtschaftliche Chancengleichheit bedeutungslos ist. Auch die ausgeübten Berufe tragen zu der Ungleichheit bei, da sie sehr unterschiedlich entlohnt werden. Hierbei kann das Einkommen aufgrund der erforderlichen Ausbildungsdauer oder spezieller Fähigkeiten, die Vorbedingungen für einen Beruf sein können, variieren. Bei Berufen, die gefährlich oder unangenehm sind, kann es zu Nachfrageüberhängen seitens der Arbeitgeber kommen, die die Löhne in die Höhe treiben. Ein weiterer Aspekt sind Diskriminierung und Ausschluss von Minderheitengruppen von bestimmten Berufen, die Angehörigen dieser Gruppen den Weg zu höherem Einkommen versperren. Schließlich kann auch das soziale Umfeld von Kindern während des Heranwachsens einen positiven oder negativen Effekt auf deren späteres Einkommen haben.

Die Ungleichheit der Einkommen aus Vermögen wird in erster Linie durch drei Ursachen determiniert: dem Sparverhalten, dem Unternehmertum und den Erbschaften. Sehr stark vermögende Menschen beziehen ihre Einkünfte in aller Regel aus ihrem Vermögen, während dies nicht vermögenden Menschen unmöglich ist. Durch reines Sparverhalten ist es einem Menschen, der seinen Lebensunterhalt und ggf. den seiner Familie durch seine Erwerbstätigkeit sichern muss, nur sehr begrenzt möglich, ein großes Vermögen anzusparen. Im Hinblick auf die Entstehung von Vermögen kommen dem Unternehmertum, zu dem Risikobereitschaft und der Aufbau gewinnträchtiger Unternehmen gehören und der Erbschaft, die für eine Konzentration von Vermögen in wenige Hände auslöst, die größte Bedeutung zu[4].

3. Das Zwei Sektoren Modell und die Kuznets-Kurve

Bereits 1955 schuf Simon Kuznets einen wichtigen Ansatz zur Untersuchung des Zusammenhangs von ungleicher Einkommensverteilung und Wirtschaftswachstum. Hierbei wird jedoch die Ungleichheit nicht als Determinante für das Wirtschaftswachstum, sondern als Konsequenz dessen betrachtet. Der Ansatz impliziert, dass die Ungleichheit der Einkommensverteilung im Verlauf des Entwicklungsprozesses zunächst zu- und dann wieder abnimmt.

Wie der Name schon andeutet, werden in diesem Modell zwei Sektoren betrachtet: der Agrarsektor und der urbane Industriesektor. Das Pro-Kopf-Einkommen soll im urbanen Industriesektor während des gesamten Wachstumsprozesses höher sein, als das im Agrarsektor. Darüber hinaus ist die Einkommensungleichheit im urbanen Sektor ebenfalls höher. Es wird somit eine bestehende Ungleichheit sowohl innerhalb des urbanen Sektors als auch zwischen den Sektoren vorausgesetzt. Durch eine Migration der Bevölkerung in den urbanen Sektor kommt es zu wirtschaftlichem Wachstum. Bei konstanten Löhnen der Arbeitnehmer, aber überproportionalen Gewinnen der Kapitalisten steigt die Ungleichheit der Einkommensverteilung. Dieser Effekt kehrt sich bei Übersteigen eines bestimmten Wertes um[5]. was wie folgt zu erklären ist: Durch das steigende Wachstum im industriellen Sektor wird das Arbeitsangebot knapper und die Löhne steigen. Dadurch sinken die Gewinne der Kapitalisten und das Einkommen der Arbeitnehmer steigt. Die Ungleichheit nimmt ab. Zudem kann man davon ausgehen, dass im Zuge der zunehmenden Urbanisierung die kapital- und einkommensschwachen Gruppen an politischem Einfluss gewinnen und Parteien wählen, die eine Einkommensumverteilung versprechen. Diese Umverteilung führt ebenfalls zu einer Abnahme der Ungleichheit[6]. Abb. 2 verdeutlicht die inverse u-förmige Relation zwischen Ungleichheit und Volkseinkommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Die Kuznets-Kurve (eigene Darstellung)

3.1 Empirische Relevanz des Ansatzes von Kuznets

Die Hypothese von Kuznets konnte bis heute nicht empirisch eindeutig belegt werden. Obgleich bereits in vielen Arbeiten versucht wurde, ihre Allgemeingültigkeit zu belegen, bleibt sie umstritten, da die Studien diesbezüglich zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen[7]. Die Existenz einer universal gültigen Kuznets-Kurve ist schon durch die Tatsache zweifelhaft, dass regionale länderspezifische Eigenarten, wie historische und politische Gegebenheiten dir Entwicklung der Ungleichheit stark beeinflussen können. Dennoch ist der von Kuznets gegebene Denkansatz immer wieder verfolgt worden, was seine wissenschaftliche Relevanz beweist.

Ein Beispiel für die vielfältige Anwendung der Kuzntes-Kurve ist die Arbeit von Harbaugh und Levinson aus dem Jahre 2000. Hier wurde versucht, einen empirischen Beweis für die Gültigkeit der Kuznets-Kurve zur Darstellung der Beziehung zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Umweltverschmutzung zu liefern. Ähnlich der klassischen Kuznets-Hypothese wird in diesem Modell unterstellt, dass die Umweltverschmutzung im wirtschaftlichen Entwicklungsprozess zunächst ansteigt, dieser Effekt sich aber nach Überschreiten eines Schwellenwertes umkehrt, die Umweltverschmutzung also geringer wird. Dargestellt wird dieser Verlauf durch die so genannte „environmental Kuznets curve“[8]. Harbaugh und Levinson kommen in ihrer Arbeit zu dem Ergebnis, dass die Gültigkeit des Ansatzes von Kuznet für die Umweltverschmutzung sowohl möglich, als auch plausibel ist, jedoch auch nach ihrer Erhebung nicht eindeutig zu beweisen ist. Jedoch ist auch die Nicht-Existenz einer invers u-förmig verlaufenden Relation zwischen Wirtschaftswachstum und Umweltverschmutzung nicht eindeutig nachgewiesen.

Die Existenz der Kuznets-Kurve konnte wiederum, wenn überhaupt, nur schwach gestützt werden[9]. Einzig Barro (1999) kommt in seiner Arbeit zu dem Ergebnis, dass die Kuznets-Kurve als eine klare empirische Regelmäßigkeit hervorgeht[10].

[...]


[1] Vgl. Kuznets (1955), S. 18.

[2] Vgl. Samuelson / Nordhaus (1998), S. 424 f..

[3] Vgl. Samuelson / Nordhaus (1998), S. 426.

[4] Vgl. Samuelson / Nordhaus (1998), S.432 ff..

[5] Vgl. Kuznets (1955) S. 12 ff..

[6] Vgl. auch Greiner / Hanusch (2000), S. 40

[7] Vgl. Greiner / Hanusch (2000), S. 40

[8] Vgl. Harbaugh / Levinson (2000), S. 1

[9] Vgl. Harbaugh / Levinson (2000), S. 11 f..

[10] Vgl. Barro (1999), S. 32.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Stabilisierungspolitik: Wachstum und Ungleichheit
Hochschule
Universität Bielefeld  (Lehrstuhl für Volkswirtschaftspolitik, Universität Bielefeld, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Seminar zur Stabilisierungspolitik
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V22331
ISBN (eBook)
9783638257015
ISBN (Buch)
9783656058793
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stabilisierungspolitik, Wachstum, Ungleichheit, Seminar, Stabilisierungspolitik
Arbeit zitieren
Kay Schneider (Autor), 2004, Stabilisierungspolitik: Wachstum und Ungleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22331

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