Die bereits aus dem Jahre 1979 stammende Aussage, dass immaterielle
Güter die „ewigen Sorgenkinder des Bilanzrechts“1 sind, besitzt nach
wie vor Gültigkeit. Diese Aussage ist heute sogar auf die internationale
Rechnungslegung auszudehnen. So stellt der Ansatz von immateriellen
Gütern eines der bedeutendsten und zugleich umstrittensten
Bilanzierungs-probleme bei der internationalen Harmonisierung der
Rechnungslegung dar.
Mit der vorliegenden Arbeit werden die Ansatzgrundsätze und
Ansatzvorschriften von immateriellen Gütern in Deutschland und nach
IASC rechtsvergleichend analysiert.
Nimmt man einen Vergleich der Rechnungslegung vor, ist es durchaus
möglich, 150 – 200 aber auch mehr Unterschiede zwischen der
Rechnungslegung nach IAS einerseits und nach dem HGB andererseits zu
zeigen. Ohne eine gleichzeitige ausführliche Darstellung der
Rechnungslegung nach IAS und HGB hat es wenig Sinn, detailliert die
Unterschiede aufzuzeigen. Deshalb beschränkt sich diese Arbeit auf die
wesentlichen Unterschiede.
In einem ersten Schritt werden die Definitionen und Klassifikationen der
Investitionen in immateriellen Vermögensgegenstände aufgezeigt.
Dann im nächsten Schritt werden jeweils getrennt für die zwei betrachteten
Rechnungslegungssysteme die Ansatzgrundsätze und Ansatzvorschriften
für immaterielle Güter untersucht. Da sich die Rechnungslegungssysteme
grundlegend voneinander unterscheiden, wird dann eine
Zusammenfassung der Unterschiede dargestellt.
Am Ende dieser Arbeit wird aus den ermittelten Unterschieden eine
Zusammenfassung und ein Ausblick abgeleitet.
Inhaltsverzeichnis
A. Einführung
B. Investitionen in immateriellen Vermögensgegenstände
I. Begriff der Investition
II. Arten der Investition
1. Objektbezogene Investitionen
2. Wirkungsbezogene Investitionen
3. Sonstige Investitionen
III. Investitionen in immateriellen Vermögensgegenstände
C. Immaterielle Güter in der internationalen Rechnungsauslegung
I. Internationaler Kapitalmarkt und internationale Rechnungslegung
1. Systeme internationaler Rechnungslegung
2. Unterschiedliche Philosophien von deutscher und internationaler Rechnungslegung
III. Immaterielle Vermögensgegenstände im IAS
1. Einführung
2. Entwicklung
3. Begriff
4. Ansatz
5. Bewertung im Zugangsjahr
6. Bewertung in den Folgejahren
a) Bevorzugte Methode (benchmark treatment)
b) Zulässige Alternative (allowed alternative treatment)
7. Abschreibungen
8. Zuschreibungen
a) Bevorzugte Methode
b) Zulässige Methode
9. Abgänge
10. Angaben
IV. Immaterielle Vermögensgegenstände im HGB
1. Begriff
2. Ausweis
3. Ansatz und Bewertung
4. Selbstgeschaffene immaterielle Vermögensgegenstände
5. Geschäfts- oder Firmenwert
6. Sonderposten: Aufwendungen für die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebs
7. Aufwendungen für die Gründung des Unternehmens und für die Beschaffung des Eigenkapitals
8. Sonstiges
9. Angaben
V. Zusammenfassung
D. Schlusswort und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert die Unterschiede in den Ansatzgrundsätzen und Bewertungsvorschriften für immaterielle Vermögensgegenstände im deutschen HGB sowie unter dem internationalen IASC-Standard, um den Herausforderungen der internationalen Harmonisierung der Rechnungslegung zu begegnen.
- Investitionsbegriffe und deren betriebswirtschaftliche Bedeutung
- Klassifizierung immaterieller Vermögensgegenstände
- Rechtsvergleich zwischen deutschem HGB und internationalem IAS-System
- Bilanzierungspraxis für immaterielle Güter inklusive Erst- und Folgebewertung
- Implikationen für deutsche Unternehmen im internationalen Kapitalmarktumfeld
Auszug aus dem Buch
3. Begriff
Nach IAS 38 ist ein immaterieller Vermögensgegenstand ein identifizierbar, nicht monetärer Asset ohne physische Form, der zu Zwecken der Produktion, der Vermietung oder der Verwaltung gehalten wird. Das Merkmal „Identifizierbarkeit“ wird als das zentrale Kriterium für die Klassifikation als „intangible assets“ gesehen.
Immaterielle Vermögensgegenstände können durch Rechte oder nicht durch Rechte identifizierbar sein. Um festzustellen, ob letztere identifizierbar sind, bedarf es einer Prüfung verschiedenen Faktoren durch das Unternehmen, um den aus dem immateriellen Wert fließenden Nutzen feststellen zu können. Ein Schlüsselfaktor ist dabei die Möglichkeit, ob das Unternehmen durch die Schaffung eines Rechts über den immateriellen Vermögensgegenstand getrennt verfügen kann, d.h. ob er separierbar ist. Ein Vermögensgegenstand ist separierbar, wenn das Unternehmen den spezifischen zukünftigen wirtschaftlichen Nutzen aus dem Vermögensgegenstand vermieten, verkaufen, tauschen oder verteilen kann, ohne gleichzeitig auch über den zukünftigen Nutzen zu verfügen, der aus anderen Ressourcen der gleichen ertragbringenden Aktivität fließt.
Ausgaben für immaterielle Werte, wie Werbekampagnen und die Schaffung von Markenzeichen werden nicht zu den „intangibles assets“ gezählt, da hierfür keine gesetzlichen Rechte bestehen und sie nicht separat extern verwertet werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik immaterieller Güter im Bilanzrecht und erläutert die rechtsvergleichende Zielsetzung der Arbeit zwischen IAS und HGB.
B. Investitionen in immateriellen Vermögensgegenstände: Dieses Kapitel definiert betriebswirtschaftliche Investitionsbegriffe und kategorisiert verschiedene Investitionsarten, mit besonderem Fokus auf immaterielle Investitionen.
C. Immaterielle Güter in der internationalen Rechnungsauslegung: Der Abschnitt diskutiert die Notwendigkeit internationaler Rechnungslegungsstandards vor dem Hintergrund globalisierter Kapitalmärkte und stellt die unterschiedlichen Philosophien von HGB und IAS gegenüber.
D. Schlusswort und Ausblick: Das Schlusswort zieht eine Bilanz zur Etablierung der IAS in der deutschen Wirtschaft und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Rechnungslegung harmonisiert durch europäische Verordnungen.
Schlüsselwörter
Bilanzierung, Immaterielle Vermögensgegenstände, IAS, HGB, Investition, Rechnungslegung, Bewertung, Erstbewertung, Folgebewertung, Abschreibung, Zuschreibung, Harmonisierung, Kapitalmarkt, Firmenwert, Gläubigerschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die rechtsvergleichende Analyse der Bilanzierung immaterieller Vermögensgegenstände nach deutschem HGB und den internationalen IAS-Standards.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen Investitionsbegriffe, die Klassifizierung immaterieller Güter, der internationale Kapitalmarktkontext sowie die konkreten Ansatz- und Bewertungsvorschriften für immaterielle Werte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Rechnungslegungssystemen aufzuzeigen und die Auswirkungen auf die bilanzielle Praxis für Unternehmen zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wendet eine rechtsvergleichende Analyse an, indem sie die Definitionen, Klassifikationen und Bilanzierungsvorschriften der beiden betrachteten Systeme systematisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Investitionsbegriffen, die theoretischen Grundlagen der internationalen Rechnungslegung und eine detaillierte Gegenüberstellung der Bilanzierungspraktiken für immaterielle Güter in IAS und HGB.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Bilanzierung, Immaterielle Vermögensgegenstände, IAS, HGB, Investition, Rechnungslegung, Bewertung und internationale Harmonisierung.
Warum spielt das „Vorsichtsprinzip“ eine so große Rolle für den HGB-Vergleich?
Das Vorsichtsprinzip ist ein Eckpfeiler der deutschen Rechnungslegung, der die Bildung stiller Reserven und den Gläubigerschutz betont, was oft zu einer bewussten Unterbewertung des Anlagevermögens führt, anders als bei den investorenorientierten IAS.
Welche Rolle spielt die „Identifizierbarkeit“ bei immateriellen Vermögensgegenständen?
Nach IAS 38 ist die Identifizierbarkeit das zentrale Kriterium, um festzustellen, ob ein immaterieller Wert als Asset aktiviert werden darf; nur wenn ein Gut separierbar oder durch Rechte geschützt ist, kann ein zukünftiger Nutzen für das Unternehmen verlässlich zugerechnet werden.
- Quote paper
- Danijela Stevanovic (Author), 2003, Investitionen in immateriellen Vermögensgegenständen und deren Behandlung im IAS System, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22399