[...] Schon zu
diesem Zeitpunkt betonte er die ausserordentliche Rolle, die der Film bei der Verwirklichung
der ideologischen und politischen Ziele der Nationalsozialisten zu spielen hätte:
“Von allen Künsten ist für uns der Film die wichtigste.”(Leiser, S. 16). Aus diesem Grund
wurden Film und Filmindustrie im Dritten Reich auch allumfassend im Dienste der Nazi-Propaganda
instrumentalisiert.
Diese Arbeit soll einen Einblick in das Propagandasystem im filmischen Bereich unter
Goebbels geben und aufzeigen, wie unter dessen Leitung die deutsche Filmindustrie nach und
nach verstaatlicht wurde. Inwiefern wussten Goebbels und sein Stab, die propagandistischen
Ziele der Partei und Adolf Hitlers unter das Volk zu bringen und dieses letztlich zu aktivieren
und mobilisieren.
Besonders zwei Filmprodukte des Dritten Reiches werden allgemein als Beispiele der
deutschen Propagandamaschinerie oft erwähnt und analysiert. Beiden ist gemein, dass sie zur
Zeit ihrer Entstehung und Veröffentlichung als Dokumentarfilme deklariert wurden. Triumph
des Willens von Leni Riefenstahl gilt einerseits als künstlerisches Meisterwerk und
andererseits als gefährlicher Propagandafilm. Obwohl dieser Film nicht unter Goebbels`
sondern unter Hitler`s Anweisung entstand und somit kein typisches Produkt aus dem
Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) ist, ist er eines der
wichtigsten “Dokumente” aus seiner Zeit, welcher nicht nur hinsichtlich seiner Ästhetik
sondern auch im Hinblick auf seine propapandistische Wirkung betrachtenswert ist. Der
zweite Film, der in dieser Arbeit im Bezug auf seine dokumentarischen und propagandistischen
Elemente untersucht werden soll ist Der ewige Jude von Dr. Fritz Hippler. Dieser Film
ist Ausdruck der erfolgreichen Hetzkampagne der Nationalsozialisten gegen die Juden und
zeigt Propaganda in ihrer erschreckendsten Ausprägung.
Die folgenden Abschnitte sollen folgende Fragen beantworten: Wie sahen Prinzipien und
System der (Film)Propaganda im Dritten Reich aus? Was ist ein Propaga nda- bzw.
Dokumentarfilm? Ist Triumph des Willens ein Dokumentar- oder ein Propagandafilm? Warum
ist Der ewige Jude definitiv ein Propagandafilm und keinesfalls ein Dokumentarfilm?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Filmpropaganda im Dritten Reich
3. Definitionen
3.1 Propagandafilm
3.2 Dokumentarfilm
4. Triumph des Willens – Propaganda- oder Dokumentarfilm
4.1 Allgemeine Hintergründe zum Film
4.2 Struktur des Films
4.3 Analyse
5. Der ewige Jude – Hetzpropaganda
5.1 Allgemeine Informationen zum Film
5.2 Analyse
6. Fazit
7. Literatur
8. Medienverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Films als zentrales Propagandainstrument im Nationalsozialismus unter der Ägide von Joseph Goebbels und analysiert, wie zwei ausgewählte Filme – Triumph des Willens und Der ewige Jude – durch ihre filmische Gestaltung und inhaltliche Manipulation die ideologischen Ziele des Regimes unterstützten.
- Struktur und Organisation des Propagandaministeriums im Filmbereich
- Die Verstaatlichung und Gleichschaltung der deutschen Filmindustrie
- Unterscheidung zwischen Dokumentarfilm und Propagandafilm
- Analyse der Ästhetik und Wirkung der Filme Triumph des Willens und Der ewige Jude
- Die manipulative Funktion filmischer Mittel zur Meinungsbildung
Auszug aus dem Buch
4.3 Analyse
Die Analyse von drei herausragenden Sequenzen des Filmes soll zeigen, warum Triumph des Willens weder eindeutig als Dokumentar- noch als Propagandafilm eingeordnet werden kann. Die Eröffnung des Filmes beginnt mit schwerer Orchestermusik im wagnerischen Stil. Das erste Bild, das man sieht, ist der Reichsadler, der über dem Titel eingespielt wird. Dann folgt der Eingangstext, der besagt, dass es sich um ein „Dokument vom Reichsparteitag 1934“ handelt. Ensprechend den folgenden Textteilen ist die Stimmung der Musik: Die Teile „20 Jahre nach dem Ausbruch des Weltkrieges“ und „10 Jahre nach dem Anfang des deutschen Leidens“ werden begleitet von dramatischer, trauernder und besorgter musikalischer Stimmung. Nachfolgend wird die Stimmung allerdings optimistisch, triumphierend und aufsteigend, „19 Monate nach dem Beginn der deutschen Wiedergeburt“. Da die Musik und vor allem ihre Wirkung schon in den ersten Sekunden des Filmes eine klar erkennbare Rolle spielen, nämlich die der emotionalen Einstimmung, kann man schon hier von der propagandistischen Nutzung dieses Mittels sprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung des Films für die nationalsozialistische Ideologie dar und führt die zentrale Fragestellung zur Einordnung von Triumph des Willens und Der ewige Jude ein.
2. Filmpropaganda im Dritten Reich: Dieses Kapitel beschreibt den Aufbau des Propagandaministeriums, die Gleichschaltung der Filmindustrie und die staatliche Kontrolle durch die Reichsfilmkammer.
3. Definitionen: Hier werden die Begriffe Propagandafilm und Dokumentarfilm theoretisch hergeleitet und ihre methodischen Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der Zielsetzung beleuchtet.
4. Triumph des Willens – Propaganda- oder Dokumentarfilm: Das Kapitel untersucht die Entstehungsgeschichte, den filmischen Aufbau und die Wirkung von Riefenstahls Werk, wobei die Ambivalenz zwischen Dokumentation und Inszenierung analysiert wird.
5. Der ewige Jude – Hetzpropaganda: Die Analyse dieses Films zeigt auf, wie durch die manipulative Verwendung von Bildmaterial und antisemitische Rhetorik ein Propagandastück geschaffen wurde, das der ideologischen Vorbereitung des Holocaust diente.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Rolle des Films als effizientes Propagandamittel zusammen und betont die Notwendigkeit, sich kritisch mit historischen Filmen auseinanderzusetzen, um heutige mediale Gefahren zu erkennen.
Schlüsselwörter
Propaganda, Nationalsozialismus, Joseph Goebbels, Filmindustrie, Gleichschaltung, Triumph des Willens, Der ewige Jude, Leni Riefenstahl, Antisemitismus, Dokumentarfilm, Manipulation, Reichspropagandaministerium, Ideologie, Massenmedien, Filmanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Einsatz des Mediums Film als Propagandainstrument im nationalsozialistischen Deutschland unter Joseph Goebbels.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Organisation der Filmindustrie, der begrifflichen Abgrenzung von Propaganda- und Dokumentarfilm sowie der Analyse konkreter Filmbeispiele.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch filmische Mittel, Musik und Schnitttechniken die Wahrnehmung der Bevölkerung im Sinne der NS-Ideologie gezielt manipuliert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Filmanalyse, die durch eine historische Betrachtung der Rahmenbedingungen (Gleichschaltung) gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition von Propaganda und Dokumentation sowie eine detaillierte Sequenzanalyse der Filme Triumph des Willens und Der ewige Jude.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Filmpropaganda, Gleichschaltung, Manipulation, nationalsozialistische Ideologie und die Filmanalyse der genannten Propagandastücke.
Warum wird Triumph des Willens als ambivalent eingestuft?
Der Film wird als ambivalent betrachtet, da er einerseits als historisches Dokument von Parteitagen gilt, andererseits aber durch bewusste filmische Inszenierung und emotionale Überhöhung als Propagandawerk fungiert.
Wie unterscheidet sich die Zielsetzung bei Der ewige Jude?
Im Gegensatz zu Triumph des Willens ist Der ewige Jude ein explizites Hetzwerk, das darauf ausgerichtet war, antisemitische Stereotype visuell zu legitimieren und die Bevölkerung zur Akzeptanz von Verfolgung zu bewegen.
- Quote paper
- Julia Schubert (Author), 2004, Filmpropaganda im Dritten Reich - "Triumpf des Willens" und "Der ewige Jude", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22450