...und als solches ungezogen, frech und hemmungslos.
Das Bild der Marianne, die zum Sinnbild Frankreichs geworden ist, ist geprägt von der Französischen Revolution. Die klassische Darstellung zeigt sie als starke Anführerin, die französische Flagge mit den Farben der Trikolore hoch emporgestreckt. Dieses Bild ist bezeichnenderweise schemenhaft im Logo der Zeitschrift wiederzufinden. Während sie anfangs das republikanisch-demokratische Frankreich symbolisierte, repräsentiert sie heute Frankreich als Land. Und seit 1997 repräsentiert sie das gleichnamige Politmagazin Marianne, das sich als in der politischen Mitte angesiedelt bezeichnet, durchaus kämpferisch ist wie das Vorbild, nichts und niemanden ungeschoren läßt, und sich durch beißende Kritik und Sarkasmus auszeichnet. Doch mehr dazu später.
Inhaltsverzeichnis
1. Marianne - das Nesthäkchen unter den französischen Politmagazinen
2. Technische Daten
3. Inhaltsanalyse
3.1. Statistik
3.2. Thematische Betrachtung
3.2.1. Fußball/WM/Hooligans
3.2.2. Bundestagswahl und deutsche Politiker
3.2.3. Die europäische Währungsunion
3.2.4. Deutsch-französische Beziehungen
4. Marianne in den Augen von Galtung und Ruge
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Deutschlandbild im französischen Politmagazin Marianne im Zeitraum von Januar bis Oktober 1998, um den redaktionellen Tenor, die thematische Gewichtung und den Einfluss von Stereotypen in der Berichterstattung zu analysieren.
- Analyse der redaktionellen Struktur und des Selbstverständnisses des Magazins Marianne.
- Statistische Auswertung der Deutschland-Berichterstattung nach Umfang, Ressort und Darstellungsform.
- Thematische Untersuchung zentraler Schwerpunkte wie Fußball-WM, Bundestagswahl und europäische Währungsunion.
- Überprüfung der redaktionellen Haltung anhand der Nachrichtenwerttheorie nach Galtung und Ruge.
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Fußball/WM/Hooligans
Zum Thema Fußball und WM waren unter den 233 Artikeln acht zu finden. Titel waren z.B. La Passion selon saint Matthäus oder Quand le Bayern de Munich espionne ses joueurs. Die Haltung Frankreichs zum deutschen Fußball wurde sehr deutlich in der vierseitigen Reportage von Claude Askolovitch Et si on gagnait la coupe du monde. Sehr selbstironisch beschreibt er zunächst das Schicksal der französischen Mannschaft:
"Quand a eu lieu la première Coupe du monde? En 1930, en Uruguay. L'Uruguay gagne. Deuxième Coupe du monde, en Italie, en 1934. L'Italie gagne. Troisième édition, en France, en 1938. La France ne gagne pas, éliminée en quart de finale. Ainsi commence notre histoire du foot."
(Wann hat die erste WM stattgefunden? 1930 in Uruguay. Uruguay gewinnt. Zweite WM 1934 in Italien. Italien gewinnt. Dritte Runde 1938 in Frankreich. Frankreich gewinnt nicht, ausgeschieden im Viertelfinale. So beginnt die Geschichte des französischen Fußball.)
Der französische Nationalstolz ist verletzt, was dem Autor sogleich Gelegenheit zu einer Rechtfertigung gibt: La France "rata deux fois le titre mondial, par la faute de l'Allemagne." (Zweimal verpaßte Frankreich knapp den WM-Sieg. Schuld war Deutschland.) Die Formulierung "par la faute de l'Allemagne" klingt doch relativ anklagend. Der Autor zögert auch nicht, den Deutschen unlauteres Verhalten vorzuwerfen und schreibt an anderer Stelle:
"En 1974, à la veille de la finale de la Coupe du monde entre l'Allemagne et les Pays-Bas, des journaux allemands relataient les supposés exploits sexuels des joueurs néerlandais avec des prostituées locales, histoire de faire perdre leurs nerfs aux Bataves. Ca marcha. L'Allemagne gagna."
(1974, am Abend vor dem WM-Finale zwischen Deutschland und Holland, berichten deutsche Zeitungen über sexuelle Kontakte der niederländischen Spieler mit deutschen Prostituierten. Die Niederländer sollen die Nerven verlieren. Die Rechnung geht auf. Deutschland gewinnt.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Marianne - das Nesthäkchen unter den französischen Politmagazinen: Einführung in das Selbstverständnis und das historische Umfeld des Politmagazins als kämpferisches und kritisches Medium.
2. Technische Daten: Detaillierte Darstellung der Gründung, Redaktionsstruktur, Leserschaft und des grafischen Erscheinungsbildes des Magazins.
3. Inhaltsanalyse: Methodische Erläuterung der quantitativen Untersuchung von 43 Ausgaben hinsichtlich Deutschland-Berichterstattung.
3.1. Statistik: Präsentation der statistischen Daten zu Themenbereichen, Artikellängen und journalistischen Darstellungsformen.
3.2. Thematische Betrachtung: Analyse der inhaltlichen Schwerpunkte wie Fußball-WM, Politik, Währungsunion und bilateraler Beziehungen.
3.2.1. Fußball/WM/Hooligans: Untersuchung der französischen Wahrnehmung des deutschen Fußballs und der Berichterstattung zu Hooliganismus.
3.2.2. Bundestagswahl und deutsche Politiker: Analyse der kritischen und ironischen Berichterstattung über Helmut Kohl und Gerhard Schröder.
3.2.3. Die europäische Währungsunion: Beleuchtung der Debatte um die Euro-Einführung und die Rolle Frankreichs.
3.2.4. Deutsch-französische Beziehungen: Bewertung des gegenseitigen Nationenbildes durch den Vergleich mit Beiträgen internationaler Korrespondenten.
4. Marianne in den Augen von Galtung und Ruge: Theoretische Einordnung der redaktionellen Nachrichtenauswahl anhand der Nachrichtenwerttheorie.
Schlüsselwörter
Marianne, Deutschlandbild, Frankreich, Politmagazin, Inhaltsanalyse, Journalismus, Fußball-WM, Bundestagswahl, Helmut Kohl, Gerhard Schröder, europäische Währungsunion, Nachrichtenwerttheorie, Medienbilder, Deutsch-französische Beziehungen, Stereotype.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Bild Deutschlands, wie es in der französischen Zeitschrift Marianne im Jahr 1998 in Form von Artikeln und Berichten vermittelt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Analyse konzentriert sich auf Sportberichterstattung (insb. Fußball-WM), die deutsche Bundestagswahl 1998, die europäische Währungsunion und die allgemeinen deutsch-französischen Beziehungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den redaktionellen Tenor und die journalistische Herangehensweise des Magazins zu verstehen, insbesondere in Bezug auf die Verwendung von Klischees und kritischem Sarkasmus gegenüber deutschen Akteuren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Inhaltsanalyse, die durch statistische Auswertungen (Häufigkeit, Umfang, Darstellungsform) und den theoretischen Rahmen der Nachrichtenwerttheorie von Galtung und Ruge gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine statistische Aufarbeitung der Daten und eine thematische Analyse, in der die Berichterstattung über Politiker wie Kohl und Schröder detailliert hinterfragt wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Medienanalyse, Deutschlandbild, Politmagazin, Nachrichtenwert und die deutsch-französische Kommunikation.
Wie bewertet Marianne die politische Laufbahn von Helmut Kohl?
Das Magazin zeichnet ein skeptisches Bild von Kohl, wobei es seine Verdienste um die Wiedervereinigung anerkennt, sein Äußeres und seine Reformpolitik jedoch häufig sarkastisch kritisiert.
Wie wird das Bild von Gerhard Schröder im Magazin dargestellt?
Marianne begegnet Schröder mit einer skeptischen Distanz; er wird zwar als ernstzunehmender Herausforderer wahrgenommen, aber hinsichtlich der Substanz seines Programms und seiner Rhetorik oft ironisch hinterfragt.
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- Isabel Lamotte (Author), 1999, Das Deutschlandbild im französischen Politmagazin Marianne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2245