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Zeugnisse in der Grundschule. Anspruch und Wirklichkeit

Title: Zeugnisse in der Grundschule. Anspruch und Wirklichkeit

Examination Thesis , 2003 , 155 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Olesja Heinze (Author)

Pedagogy - School Pedagogics
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Angesichts der entscheidenden Bedeutung von Zensuren und
Zeugnissen im Leben von Kindern und Jugendlichen wundert es kaum, dass schulische Leistungsmessung und -beurteilung seit langem ein zentrales Thema der Schulpädagogik darstellt. Wer sich damit beschäftigt, wird schnell feststellen, dass es kaum ein anderes Thema gibt, bei dem die Meinungen so weit auseinander gehen.

Seit die Kritik an der Ziffernbenotung in den zwanziger Jahren laut wurde, sind alternative Formen pädagogischer Bewertung erprobt und vielfach diskutiert worden. Das Ergebnis dieser Diskussion war die Empfehlung der Kultusminister, in den ersten beiden Grundschuljahren Noten durch Verbalbeurteilung zu ersetzen. Damit verband sich u.a. die Hoffnung, Kindern eine fördernde und individuelle Leistungsbestätigung geben zu können. In meiner Arbeit werde ich zunächst einmal versuchen, einen Überblick über das komplexe Problem der Leistung in der Schule zu geben. Ferner soll der Frage nachgegangen werden, ob die verschiedenen Funktionen der schulischen Leistungsbewertung durch Ziffernzensuren erfüllt werden können.

Anschließend soll untersucht werden, welche Vorteile man sich von der
Zeugnisreform in der Grundschule versprach und inwieweit Zeugnisse in Form von Wortgutachten (auch Lernentwicklungsberichte oder Berichtszeugnisse genannt) den angestrebten Intentionen gerecht werden konnten.
Um einen Einblick in die Meinungen und Einstellungen von Eltern zu Noten und Berichtszeugnissen zu bekommen, werden die wichtigsten Ergebnisse von Elternbefragungen vorgestellt und anschließend mit den Resultaten des eigenen Elterninterviews verglichen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Zum Begriff der Leistung

1.2 Begründung der Leistung in der Schule

1.3 Gesellschaftlicher Leistungsbegriff

1.4 Pädagogischer Leistungsbegriff

1.4.1 Merkmale des pädagogischen Leistungsverständnisses

1.5 Fazit

2. Einführung in die Thematik schulischer Leistungsbewertung

2.1 Zur Entstehungsgeschichte von Zensuren und Zeugnissen

2.2 Leistungsbewertung in der Grundschule: Rechtsgrundlagen und amtliche Bestimmungen

2.3 Zeugnisregelungen in der Primarstufe

2.4 Fazit

3. Bezugsnormen der Leistungsbewertung

3.1 Subjektorientierte (individuelle) Bezugsnorm

3.2 Lernzielorientierte (sachliche) Bezugsnorm

3.3 Vergleichsorientierte (soziale) Bezugsnorm

3.4 Fazit

4. Zur Messqualität von Leistungsbeurteilungen

4.1 Objektivität

4.2 Reliabilität

4.3 Validität

4.4 Störfaktoren und Urteilsfehler bei der Leistungsbewertung

4.5 Fazit

5. Funktionen der Leistungsbewertung

5.1 Gesellschaftliche Funktionen

5.2 Pädagogische Funktionen

5.3 Relevanz der Funktionen in den verschiedenen Schulstufen

5.4 Notenzeugnisse: Ansprüche und Realität

6. Lernentwicklungsberichte als Alternative zum Notenzeugnis

6.1 Begründung für Zeugnisse ohne Zensuren

6.2 Zur Entstehungsgeschichte von Lernentwicklungsberichten

7. Berichtszeugnisse: Ansprüche und Realität

7.1 Motive, die mit verbaler Beurteilungsform verbunden werden

7.2 Bedenken und Einwände gegen Berichtszeugnisse

7.3 Aktueller Forschungsstand zur Praxis der Berichtszeugnisse

7.3.1 Ergebnisse von Zeugnisanalysen und Lehrerbefragungen

7.3.2 Fazit

7.4 Ergebnisse von Elternbefragungen

7.5 Eigene Elternbefragung

7.5.1 Informationen zum Ablauf der Befragung

7.5.2 Auswertung der Ergebnisse und Vergleich mit anderen Elternbefragungen

7.5.4 Fazit

8. Schlussgedanke

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das komplexe Spannungsfeld zwischen der schulischen Leistungsbewertung durch Zensuren und dem Anspruch auf eine kindgerechte, individuelle Förderung in der Grundschule, mit dem Ziel, die Eignung verschiedener Beurteilungsformen (Noten vs. Berichtszeugnisse) kritisch zu hinterfragen.

  • Historische Entwicklung und Begründung der schulischen Leistung.
  • Differenzierung zwischen gesellschaftlichem (Selektion) und pädagogischem (Entwicklung) Leistungsbegriff.
  • Analyse der Gütekriterien von Leistungsbeurteilungen (Objektivität, Reliabilität, Validität).
  • Untersuchung von Berichtszeugnissen als alternative Beurteilungsform.
  • Empirischer Vergleich von Elternmeinungen zu Noten- und Berichtszeugnissen.

Auszug aus dem Buch

1.2 Begründung der Leistung in der Schule

„Solange es Schulen bei uns gibt, solange wurden in diesen Schulen […] Leistungen von den Schülern erwartet und gefordert“ (Schröder 1990, S. 21). Nun stellt sich aber die Frage, inwieweit die Leistungsforderung in der Schule berechtigt ist. Darüber, dass das Leistungsstreben zu den seelischen Grundbedürfnissen eines Menschen gehört, ist man sich einig, denn „etwas leisten zu wollen und leisten zu können […] ist dem Menschsein immanent“ (Jürgens 1996, S. 8). Diese Tatsache allein liefert jedoch noch keine hinreichende Begründung dafür, dass überhaupt in der Schule Leistungen gefordert werden.

Nach Neill, dem Vertreter der antiautoritären Erziehung, lässt sich Leistungsforderung in der Schule auch gar nicht legitimieren, denn sie mache „unfrei“ und führe zu „verstärkten Aggressionen“ (Neill, zit. nach Schröder 1990, S. 26). Dies sei aber nur der Fall, so Schröder (vgl. ebd.), wenn Leistung als Mittel der Unterdrückung eingesetzt und Leistungsanforderungen mit Zwangsmaßnahmen durchgesetzt werden.

Bei dieser einseitig negativen Argumentationsweise wird jedoch die erzieherische Funktion der Leistung außer Acht gelassen. Die Leistungsforderungen in der Schule sind nämlich durchaus legitim, wenn sie einen Beitrag zur Förderung der kindlichen Persönlichkeit leisten. Nach Klafki (1974) kann „der Sinn der Leistung nie vollständig in ihr selbst liegen“ (Klafki, zit. nach Schröder 1990, S. 27). Die Schule darf Leistungen fordern, aber nur, solange sie die Bewältigung der Aufgaben ermöglicht, die zur Mündigkeit, Selbst- und Mitbestimmungsfähigkeit der jungen Menschen führen können (vgl. ebd.).

Solange Leistung also zur Bildung und Entfaltung der Persönlichkeit beiträgt, sind Anstöße von außen durchaus zulässig und nach Kant sogar notwendig, da ein Mensch ohne diesen Antrieb sein Potential nicht ganz ausschöpfen würde. Der Mensch muss sich nämlich großen Anstrengungen unterziehen, um seine Faulheit zu überwinden und sich somit aus der Unmündigkeit zu befreien. Da die Ziele der Bildung und der Selbstverwirklichung ohne Leistungsbereitschaft nicht erreicht werden können, hat Leistung auch in der Schule ihre Legitimation. (Vgl. Schilmöller 1990, S. 11)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zum Begriff der Leistung: Erläutert die sprachlichen und pädagogischen Grundlagen des Leistungsbegriffs und grenzt ihn von rein ökonomischen Sichtweisen ab.

2. Einführung in die Thematik schulischer Leistungsbewertung: Zeichnet die Geschichte von Zeugnissen nach und beleuchtet die rechtlichen Grundlagen für die Leistungsbewertung in der Grundschule.

3. Bezugsnormen der Leistungsbewertung: Analysiert die drei grundlegenden Bezugsnormen (individuell, sachlich, sozial) und ihre Auswirkungen auf die Schülerschaft.

4. Zur Messqualität von Leistungsbeurteilungen: Untersucht die wissenschaftlichen Gütekriterien und identifiziert typische Störfaktoren sowie Urteilsfehler bei der Zensurengebung.

5. Funktionen der Leistungsbewertung: Differenziert zwischen gesellschaftlichen Selektionsfunktionen und pädagogischen Rückmeldefunktionen für alle Beteiligten.

6. Lernentwicklungsberichte als Alternative zum Notenzeugnis: Diskutiert die theoretische Begründung und historische Herleitung von Zeugnissen ohne Zensuren.

7. Berichtszeugnisse: Ansprüche und Realität: Wertet empirische Studien sowie eigene Interviews aus, um die praktische Umsetzung und Akzeptanz von Berichtszeugnissen zu bewerten.

Schlüsselwörter

Leistungsbeurteilung, Grundschule, Notenzeugnis, Berichtszeugnis, Lernentwicklungsbericht, pädagogischer Leistungsbegriff, Bezugsnorm, Objektivität, Reliabilität, Validität, Selektion, Sozialisation, Elternbefragung, Schulpädagogik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem gesetzlichen Auftrag zur Leistungsbewertung und dem pädagogischen Ziel der individuellen Förderung von Grundschulkindern.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Begriffe der Leistung, die verschiedenen Bezugsnormen der Bewertung, die Gütekriterien wissenschaftlicher Messung sowie die Funktionen von Zensuren und alternativen Berichtszeugnissen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, inwieweit Berichtszeugnisse den pädagogischen Ansprüchen gerecht werden und ob sie die in sie gesetzten Hoffnungen auf eine differenziertere Rückmeldung erfüllen können.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Neben einer umfassenden Literaturanalyse und theoretischen Einordnung wird eine empirische Untersuchung in Form von Elterninterviews durchgeführt, um die Praxis der Berichtszeugnisse zu evaluieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Abschnitte zur Messqualität und den Funktionen der Leistungsbewertung sowie in einen praktischen Teil, der durch Zeugnisanalysen und Elterninterviews die Alltagstauglichkeit von Lernberichten hinterfragt.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die wichtigsten Schlagworte sind Leistungsbeurteilung, Noten, Berichtszeugnisse, Grundschule, Bezugsnormen und pädagogische Funktionen.

Warum schneiden Noten im Hinblick auf Objektivität und Reliabilität oft schlecht ab?

Da Noten von zahlreichen subjektiven Einflüssen – wie Sympathie, Strenge der Lehrkraft oder sozialer Herkunft der Schüler – abhängen, erfüllen sie die wissenschaftlichen Anforderungen an Messqualität kaum.

Wie bewerten Eltern die Berichtszeugnisse in der Untersuchung?

Eltern schätzen den Informationsgehalt der Berichtszeugnisse, wünschen sich jedoch häufig mehr Klarheit und konkretere Tipps für die häusliche Förderung, wobei sie im Laufe der Grundschulzeit oft wieder zur Notenform tendieren.

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Details

Title
Zeugnisse in der Grundschule. Anspruch und Wirklichkeit
College
University of Osnabrück  (Lehramt an Grund- Haupt- und Realschulen)
Grade
1,0
Author
Olesja Heinze (Author)
Publication Year
2003
Pages
155
Catalog Number
V22475
ISBN (eBook)
9783638257886
Language
German
Tags
Zeugnisse Grundschule Anspruch Wirklichkeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Olesja Heinze (Author), 2003, Zeugnisse in der Grundschule. Anspruch und Wirklichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22475
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