Einleitung
Wie bereits nach dem 1. Weltkrieg war die Reichsmark, welche nach den Worten Hitlers stärkste Währung der Welt werden sollte, erneut durch exzessive Defizitfinanzierung ruiniert (Vgl. Abb. 1 im Anhang). Die Reichsbank als Gesamtinstitut war mit der Einnahme Berlins durch sowjetische Truppen faktisch handlungsunfähig geworden.(1) Ohne eine tiefgehende Reform der Geldordnung war ein Wiederaufbau fast undenkbar, da sich wirtschaftliches Handeln
durch festgesetzte Preise und den Wertverlust der Reichsmark nicht mehr lohnte. Der Begriff Geldordnung wird in dieser Arbeit als der Teil der Wirtschaftsordnung definiert, der alle Regeln und Institutionen des Geldwesens umfasst. Hauptaufgabe der Geldordnung,
die rechtlich durch die Währungsverfassung kodiert wird, ist die Sicherstellung der Geldfunktionen, um auf Wettbewerb beruhende Wirtschaftsaktivitäten ausführen zu können.(2)
In dieser Arbeit soll zunächst die wirtschaftliche und politische Lage im Nachkriegsdeutschland dargestellt werden. Darauf aufbauend erfolgt eine Beurteilung der Geschehnisse und Konzepte, die zur Entstehung des deutschen Bankwesens und daraus resultierend zur Währungsreform führten, welche den Wiederaufbau erst ermöglichte. Auf die Entwicklung in der sowjetischen Besatzungszone wird im Verlauf dieser Arbeit, soweit nicht für die Entstehung der westdeutschen Geldordnung nötig, nicht weiter eingegangen.
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Lage im Nachkriegsdeutschland und die Politik der Alliierten
2.1 Die politische Lage in der frühen Nachkriegszeit
2.2 Der Wandel in der amerikanischen Deutschlandpolitik
3 Die Entstehung des deutschen Bankwesens
3.1 Ziele der Alliierten
3.2 Entflechtung der Großbanken
3.3 Gründung der Landeszentralbanken
3.4 Errichtung der Bank deutscher Länder
3.5 Die Umwandlung in die Bundesbank
4 Die Währungsreform von 1948
4.1 Definition & Typologien
4.2 Pläne zur Reform
4.3 Gesetze und Verordnungen
4.4 Folgen
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den historischen Prozess und die institutionellen Rahmenbedingungen, die zur Entstehung der deutschen Geldordnung nach dem Zweiten Weltkrieg führten, mit einem besonderen Fokus auf die ordnungspolitische Gestaltung durch die Alliierten und die anschließende Währungsreform von 1948.
- Historische Rahmenbedingungen in der frühen Nachkriegszeit
- Dezentralisierung und Umgestaltung des deutschen Bankwesens
- Entwicklung und Funktionen der Bank deutscher Länder
- Ordnungspolitische Auswirkungen der Währungsreform von 1948
- Entstehung und Etablierung der Deutschen Mark
Auszug aus dem Buch
Die Entstehung des deutschen Bankwesens
Mit dem Wandel in der alliierten Politik wurde die Durchführung einer Währungsreform zu einem der wichtigsten Punkte. Allerdings benötigte man dazu ein funktionsfähiges Bankensystem, dessen Entstehung in dem folgenden Kapitel dargelegt werden soll.
3.1 Ziele der Alliierten
Auch wenn alle Alliierten an der Konzeption der Geldordnung beteiligt waren, lag der maßgebliche Anteil, wie sich im Verlauf des dritten Kapitels zeigen wird, bei den USA. Ziel aller Beteiligten war es, sicherzustellen, dass die deutsche Finanzwelt nie mehr in der Lage sein würde, kriegsfördernde Maßnahmen zu ergreifen. Dazu strebten die USA einen klaren Bruch mit der Vergangenheit an. Die Reichsbank und die Privatbanken, die bisher stark zentralistisch geprägt und von der Regierungspolitik abhängig waren sollten durch dezentralisierte Strukturen ersetzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert den Begriff der Geldordnung und erläutert die desolate wirtschaftliche Lage nach dem Zweiten Weltkrieg als Ausgangspunkt für die notwendige Reform.
2 Die Lage im Nachkriegsdeutschland und die Politik der Alliierten: Beleuchtet die wirtschaftlichen Probleme und den Wandel in der Besatzungspolitik, der eine grundlegende Neuordnung erforderlich machte.
3 Die Entstehung des deutschen Bankwesens: Beschreibt die Versuche der Alliierten, das Bankensystem zu dezentralisieren, und die Gründung zentraler Institutionen wie der Bank deutscher Länder.
4 Die Währungsreform von 1948: Analysiert die theoretischen Konzepte, die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die durchgreifenden Folgen der Währungsumstellung.
5 Fazit und Ausblick: Bewertet den Erfolg der ordnungspolitischen Maßnahmen und den langfristigen Aufstieg der Deutschen Mark zur stabilen Leitwährung.
Schlüsselwörter
Geldordnung, Währungsreform, Bank deutscher Länder, Alliierte Besatzungspolitik, D-Mark, Zentralbanksystem, Dezentralisierung, Wirtschaftsordnung, Nachkriegszeit, Ludwig Erhard, Marshall Plan, Inflationsbekämpfung, Finanzpolitik, Währungsverfassung, ordnungspolitische Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Aufbau der deutschen Geldordnung nach dem Zweiten Weltkrieg unter besonderer Berücksichtigung der alliierten Einflussnahme und der wirtschaftlichen Notwendigkeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die Besatzungspolitik, die Umstrukturierung des Bankenapparats sowie die Implementierung der Währungsreform von 1948.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, die Konzepte und ordnenden Kräfte aufzuzeigen, die zur Entstehung eines funktionsfähigen westdeutschen Bankwesens führten und die Währungsreform ermöglichten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine historische Analyse der damaligen politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen sowie eine Auswertung der relevanten Fachliteratur und Gesetzestexte.
Welche Aspekte stehen im Mittelpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Entflechtung des Bankwesens, der Rolle der USA bei der Zentralbankgründung und der praktischen Umsetzung der Währungsumstellung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Geldordnung, Zentralbanksystem, Dezentralisierung, Währungsreform und die institutionelle Neuordnung unter der Bank deutscher Länder.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der Alliierten auf das Bankensystem?
Der Autor stellt fest, dass der Versuch der USA, ein rein dezentrales System nach amerikanischem Vorbild zu etablieren, nur teilweise erfolgreich war, da die endgültige Struktur einen Kompromiss darstellte.
Welche Rolle spielt das Erhardsche Leitsätzegesetz in dieser Ausarbeitung?
Es wird als entscheidender Schritt hervorgehoben, mit dem sich Ludwig Erhard von der alliierten Interventionspolitik distanzierte und den Weg zur freien Marktwirtschaft ebnete.
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- Benjamin Krischer (Author), 2001, Die Entstehung der deutschen Geldordnung nach dem 2. Weltkrieg - Ordnende Kräfte, Konzepte und Ergebnisse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2250