In den letzten Jahren ist eine Form der Gewalt in der Schule in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses gerückt. Diese Gewalt nennt man Bullying. Die Erforschung des Phänomens Bullying setzte Ende der siebziger Jahre ein, nachdem der Experte Dan Olweus seine Ergebnisse zu diesem Thema veröffentlichte. Diese Arbeit setzt sich mit verschiedenen Entstehungstheorien von Bullying auseinander, betrachtet die Situation der Schüler sowohl aus der Perspektive der Täter als auch der Opfer und stellt verschiedene Interventions- und Präventionsprogramme vor.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bullying
2.1 Was ist Bullying – Eine Definition
2.2 Die Subgruppen von Bullying
2.3 Prävalenzrate
3. Wie entsteht Bullying?
3.1 Lerntheorie
3.1.1 Operantes Konditionieren
3.1.2 Beobachtungslernen nach Bandura
3.2 Psychoanalyse
3.3 Instinkttheorie
3.4 Frustrations-Aggressions-Theorie
3.5 Neuerer Forschungsstand
4. Schüler als Opfer
4.1 Charakteristik der Opfer
4.2 Folgen für die Opfer
5. Schüler als Täter
5.1 Charakteristik der Täter
5.2 Folgen für die Täter
6. Intervention und Prävention in verschiedenen Ländern
6.1 Interventionsprogramm nach Dan Olweus
6.2 ChildLine und Kidscape – Hilfe in Großbritannien
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Problematik des Bullyings in Schulen auseinander, mit dem Ziel, das Phänomen theoretisch zu fundieren und auf den Nachholbedarf in Deutschland bei der praktischen Intervention hinzuweisen.
- Definition und Erscheinungsformen von Bullying
- Psychologische Entstehungstheorien für aggressives Verhalten
- Differenzierung der Rollen von Opfern und Tätern
- Analyse internationaler Interventions- und Präventionsstrategien
Auszug aus dem Buch
2.1 Was ist Bullying? – Eine Definition
Das Wort „Bullying“ ist abgeleitet von dem englischen Begriff „Bully“, was übersetzt soviel bedeutet wie „brutaler Mensch“ oder „Tyrann“.
Der Begriff Bullying wurde seit Beginn der spezifischen Bullying-Forschung Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre von zahlreichen Forschern definiert. Dabei hat sich jedoch weitgehend die ursprüngliche Definition von Dan Olweus durchgesetzt, auf die sich auch der Großteil aller Studien zum Thema bezieht.
Olweus definiert Bullying wie folgt: „Ein Schüler oder eine Schülerin ist Gewalt ausgesetzt oder wird gemobbt, wenn er oder sie wiederholt und über einen längeren Zeitraum den negativen Handlungen eines oder mehrere anderer Schüler oder Schülerinnen ausgesetzt ist.“
Zu betonen ist bei dieser Definition die Forderung nach einem wiederholten Auftreten von Bullying über einen längeren Zeitraum an ein und derselben Person. Dadurch werden einmalige Attacken oder Attacken an variierenden Opfern nicht als Bullying definiert. Durch diese Langfristigkeit des Bullying werden stabile Täter-Opfer-Beziehungen hergestellt.
Zusätzlich besteht in Olweus Definition der Anspruch, dass ein Ungleichgewicht zwischen Täter und Opfer vorherrschen muss. Dieses kann entweder physisch oder aber psychologisch manifest sein.
Erwähnenswert ist auch noch, dass die Opfer die Attacken in keinster Weise provozieren, sondern meist nur zur falschen Zeit am falschen Ort sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz des Themas durch ein Fallbeispiel und beschreibt den aktuellen Forschungsstand, wobei ein deutlicher Mangel an Präventionsprogrammen in Deutschland aufgezeigt wird.
2. Bullying: Dieses Kapitel liefert eine präzise Begriffsdefinition nach Dan Olweus, kategorisiert verschiedene Ausprägungsformen und erläutert die Problematik der Prävalenzraten.
3. Wie entsteht Bullying?: Hier werden verschiedene psychologische Erklärungsansätze für aggressives Verhalten, wie die Lerntheorie, Psychoanalyse und Instinkttheorie, kritisch diskutiert.
4. Schüler als Opfer: Das Kapitel charakterisiert typische Opferrollen sowie die kurz- und langfristigen physischen und psychischen Folgen des Bullyings.
5. Schüler als Täter: Es erfolgt eine Analyse der Täterpersönlichkeiten sowie der sozialen Konsequenzen, die aus gewalttätigem Verhalten im späteren Erwachsenenleben resultieren.
6. Intervention und Prävention in verschiedenen Ländern: Dieses Kapitel stellt etablierte Interventionsmodelle vor, insbesondere das Programm von Dan Olweus sowie die Arbeit von Organisationen in Großbritannien.
7. Fazit: Das Fazit resümiert den hohen Handlungsbedarf an deutschen Schulen und fordert eine breitere gesellschaftliche Debatte sowie die Etablierung konkreter Anti-Bullying-Strategien.
Schlüsselwörter
Bullying, Mobbing, Aggression, Gewalt in der Schule, Interventionsprogramm, Dan Olweus, Täter-Opfer-Beziehung, Prävention, psychologische Entstehungstheorien, soziale Kompetenzen, Schulklima, psychosomatische Beschwerden, Anti-Bullying-Campaign.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen Bullying im schulischen Kontext, untersucht dessen Ursachen sowie die psychischen Auswirkungen auf die beteiligten Schülerinnen und Schüler.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Bullying, den psychologischen Hintergründen von Aggression, der Analyse der Täter- und Opferrollen sowie der Darstellung internationaler Präventionsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel besteht darin, aufzuzeigen, dass Bullying in Deutschland ein unterschätztes Problem darstellt, und die Notwendigkeit für systematische Interventionsstrategien zu unterstreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, um den Forschungsstand zum Thema Bullying zusammenzufassen und diesen auf die spezifische Situation an deutschen Schulen zu beziehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung von Aggressionsformen, die Beschreibung von Opfer- und Tätertypen sowie die Vorstellung praktischer Lösungsansätze aus Skandinavien und Großbritannien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Bullying, Aggression, Prävention, Interventionsprogramm, Täter-Opfer-Beziehung und soziale Kompetenzen.
Warum liegt der Fokus im Interventionskapitel besonders auf Großbritannien und Skandinavien?
Diese Länder haben bereits seit den 80er Jahren systematische Anti-Bullying-Konzepte entwickelt, die als internationale Referenzmodelle dienen, während entsprechende Angebote in Deutschland lange Zeit fehlten.
Welche Rolle spielen die "Bobo doll studies" von Bandura für das Verständnis von Bullying?
Die Studien belegen die zentrale Bedeutung des Beobachtungslernens, wodurch erklärt wird, wie Kinder durch reale oder mediale Vorbilder aggressives Verhalten erlernen und verfestigen können.
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- Kristina Niemann (Author), 2003, Angst in der Schule: Bullying, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22523