Gründe für die Entwicklung vom GATT zur WTO


Seminararbeit, 2001

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Eine kurze Einführung in die Geschichte des Welthandels

Das Theorem der komparativen Kosten von David Ricardo
Kritische Betrachtung

Theorem der komparativen Kosten von Heckscher-Ohlin
Kritische Betrachtung

Die Schritte und deren Gründe auf dem Weg vom GATT zur WTO
Probleme im GATT´47
Agrar und Textil
Globalisierung und ihre Folgen
Entwicklungsländer und Umweltpolitik
Größere Rechtssicherheit durch die WTO

Entwicklung der WTO - Warum Seattle

Quellen

Eine kurze Einführung in die Geschichte des Welthandels

Im historischen Rückblick zeigt sich, dass der freie Handel zwischen den Völkern eine relativ junge Idee ist. Noch im Merkantilismus des 16. bis 18. Jahrhunderts herrschte die Idee des Protektionismus. Man nahm an, dass im zwischenstaatlichen Güteraustausch das eigene Land auf Kosten der Handelspartner gewinnen könne und verhängte so Einfuhrverbote und -zölle, versuchte aber die eigenen Exporte von gewerblichen Gütern durch Exportförderungsmaßnahmen zu unterstützen. Die heutigen Spuren dieser Politik sind Schutzzölle und systematische Unterbewertungen von Währungen.

Dem Merkantilismus folgte die Idee des Liberalismus und damit die Ideen des freien Handels. Als Begründer der Freihandelstheorie gilt Adam Smith (1723-1790). In seinem Werk "Ursachen des Nationalreichtums" trennt Smith erstmals in der Geschichte der Wirtschaftswissenschaft die politische Ökonomie von der Politikwissenschaft, Ethik und Rechtswissenschaft ab. Die Ursache des Nationalreichtums liegt für ihn in einer liberalen Wirtschaftslehre, die staatliche Nichteinmischung (Laisser-faire), freien Wettbewerb und Freihandel vorsieht. Seine Theorien wurden unter anderem von David Ricardo aufgegriffen und weiterentwickelt.

Das Theorem der komparativen Kosten von David Ricardo

David Ricardo (1772-1823), in früheren Jahren erfolgreich an der Börse tätig, war Autor des Buches "On the principles of political economy and taxation", das 1817 in Großbritannien erschien. Ein zentraler Punkt seiner Lehre war das von ihm entwickelte Theorem der komparativen Kosten, das er auf Produktivitätsunterschiede zurückführte. Die zentrale Aussage war, dass jedes Land im Welthandel das Gut produzieren solle, das es am relativ günstigsten herstellen kann, und dass sich so der gesamte Wohlstand der beteiligten Nationen erhöhen würde, auch wenn eine der Nationen alles billiger produzieren könne als die anderen. Ziel war eine internationale Arbeitsteilung. Er setzte in seiner Theorie voraus, dass es sich um zwei Länder handelt, die zwei Güter herstellen, es vollkommene Konkurrenz und Vollbeschäftigung gibt und die Preise für Produkte sich über die Arbeitsmengen bestimmen (Arbeitswertlehre). In einem Beispiel betrachtete er den Handel zwischen England und Portugal, als Waren wurden Textilien und Wein herangeführt. Seine Aussage war, dass selbst dann, wenn eines der beiden Länder beide Waren billiger herstellen könne als das andere (in diesem Falle Portugal), sich beide Länder jeweils auf die eine für sie am billigsten herzustellende Ware konzentrieren sollten. Hierdurch müsse für das nun zu importierende Gut weniger Arbeit eingesetzt werden, als dies bei eigener Herstellung der Fall wäre, da diese Importware nun im Tausch gegen die im Importland mit größerer Produktivität hergestellten Ware erfolge.

Als Zahlenbeispiel lässt sich folgendes heranführen:

Handel zwischen den USA und Großbritannien, die Waren sind Weizen und Leinen. Pro Periode stehen je 100 Arbeitseinheiten (AE) zur Verfügung, mit denen alternativ die folgenden Gütereinheiten (GE) von den einzelnen Ländern erzeugt werden können:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

USA kann mit den 100 AE entweder 24 GE Weizen oder 18 GE Leinen produzieren, UK 10 GE Weizen oder 16 GE Leinen, d.h. die USA haben einen absoluten Kostenvorteil bei beiden Gütern, und einen größeren, komparativen Vorteil in der Weizenproduktion.

Autarker Zustand: Bei der gegebenen Nachfragestruktur werden die verfügbaren Arbeitsmengen wie folgt verwendet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die USA haben 16 GE Weizen und 6 GE Leinen zur Verfügung. UK 5 GE Weizen und 8 GE Leinen.

Mit Außenhandel: Die beiden Länder treten in Austausch und spezialisieren sich. Die USA produziert nur noch Weizen, UK nur noch Leinen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die USA haben nun 18 GE Weizen und 7 GE Leinen zur Verfügung; UK 6 GE Weizen und 9 GE Leinen. Im Ergebnis haben also beide Länder nach Aufnahme des Außenhandels mehr Güter zum Verbrauch als vorher.

Kritische Betrachtung

Die Theorie von Ricardo muss trotz diesen Beispielen kritisch betrachtet werden. Denn schon die Annahmen zeigen, dass es sich hier nicht um eine reale Wirtschaft handelt.

Eine bekannte Widerlegung der Allgemeingültigkeit des Theorems von Ricardo ist das Graham Paradoxon. Es zeigt bei einer realistischeren Annahme ein dem Theorem der komparativen Kosten widersprechendes Phänomen. Ein Land gewinnt doppelt, während sein Handelspartner unter bestimmten Umständen doppelt verlieren kann. Graham tauschte das Industrieprodukt Tuch gegen Uhren und das landwirtschaftliche Produkt Wein gegen Weizen und veränderte die Annahme konstanter Skalenerträge um das Phänomen der Grenzkosten. Demnach sinken die Produktionsstückkosten für Uhren bei steigender Menge, bei Intensivierung der Weizenproduktion verhalten sich die Kosten zur Menge jedoch direkt proportional. Dies führt zu ungleichen Verteilungen der Wohlstandsgewinne, das Land, welches das Industrieprodukt Uhr herstellt, gewinnt überproportional. Hierbei ist eine Problematik der Wohlstandsgewinne in der aktuellen weltwirtschaftlichen Lage zu sehen, da die Produktion der Entwicklungsländer auf Güter beschränkt ist, bei deren Herstellung die Produktivität nicht in diesem Maße zu erhöhen ist wie die bei der Herstellung der in den Industrienationen produzierten Güter.

Theorem der komparativen Kosten von Heckscher-Ohlin

Eli Heckscher und Bertil Ohlin begründen die komparativen Kostenunterschiede durch die verschiedenen Ausstattungen mit Produktionsfaktoren, zu denen sie Boden, Arbeit, Kapital, natürliche Produktivkräfte und Fertigkeiten zählen.

Ein Land hat in dem Gut einen komparativen Vorteil, das für seine Produktion den im Land relativ reichlicher vorhandenen Faktor relativ intensiv verwendet.

B. Ohlin sagt hierzu:

„ Generell kann man sagen, dass in jeder Region reichliche Faktoren relativ billig und seltene Faktoren relativ teuer sind. G ü ter, die zu ihrer Produktion viel der ersteren ben ö tigen und wenig von letzteren, werden im Austausch f ü r G ü ter exportiert, die diese Faktoren in entgegengesetzter Proportion erfordern. Also werden reichlich angebotene Faktoren indirekt exportiert und knappe Faktoren importiert."

Für die heutige Weltwirtschaft folgt daraus, dass die Industrienationen vor allem kapitalintensive Produkte herstellen, während die Entwicklungsländer sich auf arbeitsintensive Waren spezialisieren werden. Somit müssen die Industrieländer arbeitsintensive Produkte importieren, die Herstellung dieser Produkte in den Entwicklungsländern steigt und es gibt eine Zunahme der Nachfrage nach Arbeit, was dort zu einer Erhöhung der Löhne und damit zu einer Zunahme des Arbeitsangebotes (z.B. durch Zuwanderung oder Auflösung einer „stillen Reserve“ an Arbeitskräften) führt. Nach Rybcynski führt bei konstanten Güterpreisen am Weltmarkt die Vermehrung eines Produktionsfaktors dazu, dass die Produktion des Gutes steigen wird, das diesen Faktor stark nutzt und die Produktion von Waren, die diesen Faktor nicht nutzen, zurückgehen wird. So nimmt also die Produktion des arbeitsintensiven Gutes in den Entwicklungsländern zu und der Wohlstand wächst.

Kritische Betrachtung

Auch diese Theorie muss kritisch betrachtet werden. Wirklich einfache Arbeiten, die von ungebildeten Arbeitskräften zu niedrigen Löhnen ausgeführt werden können, werden immer weniger. Somit ist eine wichtige Voraussetzung für den Wohlstandszuwachs die (Aus-) Bildung der Arbeitskräfte in den Entwicklungsländern, die den Menschen dort aber oftmals verweigert wird, da die dortigen Eliten um den Status Quo fürchten. Zudem hat Nobelpreisträgers Wassily Leontief 1953 mit der Anwendung seiner Input-Output-Analyse auf die Verhältnisse in den USA festgestellt, dass die USA als kapitalreiches Land eben nicht kapitalintensive Güter exportierten und arbeitsintensive Güter importierten, was Heckscher-Ohlin zu Folge der Fall hätte sein müssen. Es ergab sich ein umgekehrtes Ergebnis. Allerdings wird an der Untersuchung von Leontief unter anderem kritisiert, dass er andere Voraussetzungen einführte, als Heckscher und Ohlin dies taten, wobei seine Ergebnisse aber auch von anderen Untersuchungen gestützt wurden.

Nachdem zwei Theorien zur Erhöhung des Wohlstandes vorgestellt wurden, geht es hier um ein Abkommen, dessen Ziel die Erreichung einer wichtigen Grundlage dieser Wohlstandssteigerung war und ist: der internationale Freihandel.

Das ursprüngliche Ziel der Verhandlungen von 1947 war die Gründung einer internationalen Handelsorganisation, ITO (International Trade Organization), die eine Sonderorganisation der UN hätte werden sollen. Diese Pläne mussten jedoch aufgegeben werden, da sich abzeichnete, dass nicht alle Nationen deren Satzung ratifizieren würden. So wurde lediglich ein multilateraler Vertrag mit dem Namen GATT (General Agreement on Tariffs and Trade; Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) von den 23 teilnehmenden Ländern beschlossen (Havanna Charta), der am 1.1.1948 in Kraft trat. Ziele des GATT waren „die Erhöhung des Lebensstandards sowie Förderung der Beschäftigung und des wirtschaftlichen Wachstums in den Mitgliedsstaaten durch Intensivierung des internationalen Güteraustausches. Die Vertragspartner tragen zur Verwirklichung dieser Zielsetzungen durch kollektiven Zollabbau bei, gesichert durch Zollbindungen auf der Grundlage der Meistbegünstigung bzw. Vermeidung von Diskriminierungen.“

Das GATT hatte neben dem Abbau von Zöllen weitere fundamentale Prinzipien:

Die Meistbegünstigung / Nichtdiskriminierung: jedes Land muss die Vorteile, die es einem einzelnen Land einräumt, auch allen anderen GATT-Mitgliedsstaaten einräumen. Nach dem Inländerprinzipgebot dürfen alle einmal eingeführten Waren nicht anders behandelt werden als die im Inland hergestellten Produkte.

Transparenz und Vorhersehbarkeit:

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Gründe für die Entwicklung vom GATT zur WTO
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Volkswirtschaftslehre)
Veranstaltung
Seminar "Eine Agenda für die WTO Millenniums Runde"
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
18
Katalognummer
V22539
ISBN (eBook)
9783638258395
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gründe, Entwicklung, GATT, Seminar, Eine, Agenda, Millenniums, Runde
Arbeit zitieren
Christian Obitz (Autor), 2001, Gründe für die Entwicklung vom GATT zur WTO, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22539

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