Oftmals fällt es recht schwer visuelle Wahrnehmungsstörungen in das Feld der
visuellen Defizite einzuordnen. In dieser Arbeit möchte ich ausgehend von einer
kurzen allgemeinen Definition der Wahrnehmung auf die verschiedenen
Bereiche der visuellen Wahrnehmung eingehen. Darauf aufbauend möchte ich
verschiedene Möglichkeiten der visuellen Wahrnehmungsstörung aufzeigen,
deren Ursachen nur kurz nennen und deren Folgen in den unterschiedlichsten
Bereichen versuchen herzuleiten und zu erläutern. „Erwachsene leben in vielen Welten - der Welt der Wahrnehmung, der
Vergangenheit und Zukunft, der Welt der Medien, ... “ Im Laufe der
Menschheitsgeschichte haben so manche Wissenschaftler, die den verschiedensten
Forschungsgebieten entstammen, versucht, den Wahrnehmungsbegriff
zu erörtern, so dass die Fülle der Literatur über die Wahrnehmung mittlerweile
unüberschaubar geworden ist. Die Entwicklung führt dazu, dass der Begriff der
Wahrnehmung heutzutage immer öfter als ein Modewort gebraucht wird und
daher nicht hundertprozentig bestimmbar ist. Im allgemeinen Sprachgebrauch
versteht man unter „Wahrnehmung ein ganzheitliches, unmittelbar sinnliches
Abbild eines Gegenstandes der objektiven Realität bzw. die Aufnahme und
Verarbeitung von Sinneseindrücken aus Umwelt- und Körperreizen unter dem
Einfluss von Gedächtnisinhalten, Stimmungen, Gefühlen, Erwartungen und
Denkprozessen.“1
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Wahrnehmung - vom
Althochdeutschen wara neman abgeleitet, was bedeutet, einer Sache
Aufmerksamkeit schenken - ein komplexer, multisensorischer Prozess ist, in
dem Sinnesempfindungen, Gedächtnisinhalte, Interessen und Gefühle sowie
Erwartungen zu entscheidungs- und handlungsverwertbaren Informationen
organisiert werden, und der als Zusammenspiel von physikalischen Reizen,
psychologischen und physiologischen Bedingungen verstanden werden muss.
Sie ermöglicht die wirkungsvolle Auseinandersetzung des Menschen mit seiner
Umwelt, erfolgt stets über Eigenaktivität und ist eingebettet in die Gesamtheit
des Menschen: Kognition, Emotion und Sprache.
Die Wahrnehmungspsychologie untersucht insbesondere die Zusammenhänge
zwischen den physikalischen Eigenschaften eines Objekts, das wahrzunehmen
ist, den physiologischen Bedingungen des Wahrnehmens und den
Sinneserlebnissen, die beim Wahrnehmen auftreten. Die Wahrnehmungsförderung
ist Aufgabe jeder Erziehung.2 [...]
1 Aus /23./ (Seite 5/ 6)
2 Aus /23./ (Seite 8)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff Wahrnehmung
2.1. Leistungen der einzelnen Analysatoren/ Rezeptoren
2.1.1. Der visuelle Analysator/ Rezeptor
2.1.2. Der auditive Analysator/ Rezeptor
2.1.3. Der taktil-kinästhetische oder haptische Analysator/ Rezeptor
2.2. Geheimnisse der Wahrnehmung – Stand der Forschung
3. Visuelle Wahrnehmung
3.1. Die Entwicklung der visuellen Wahrnehmung
3.2. Figur-Grund-Wahrnehmung
3.3. Wahrnehmungskonstanz
3.4. Wahrnehmung der Raumlage
3.4.1. Entwicklung
3.4.2. Körperbewusstsein
3.5. Die Wahrnehmung räumlicher Beziehungen
3.6. Visuomotorische Koordination
4. Visuelle Wahrnehmungsstörungen
4.1. sensorische Beeinträchtigung und Störung der visuellen Wahrnehmung
4.2. Zentrale Wahrnehmungsstörungen
4.3. Sozial- bzw. erfahrungsbedingte Wahrnehmungseinschränkung
5. Mögliche Ursachen für visuelle Wahrnehmungsstörungen
6. Mögliche Folgen von Störungen der visuellen Wahrnehmung
6.1. Folgen im Bereich der Figur-Grund-Wahrnehmung
6.2. Folgen im Bereich der Wahrnehmungskonstanz
6.3. Folgen im Bereich der Wahrnehmung der Raumlage
6.4. Folgen im Bereich der Wahrnehmung räumlicher Beziehungen
6.5. Folgen im Bereich der Visuomotorische Koordination
6.6. Folgen der Entwicklungsverzögerung
6.7. Folgen im Bereich der Sprachentwicklung
6.8. Folgen im Bereich des mathematisch-logischen Denkens
6.9. Probleme bei der Wahrnehmung von Bildern
7. Grenzen der Förderung
8. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit zielt darauf ab, das komplexe Feld der visuellen Wahrnehmungsstörungen systematisch zu strukturieren, indem sie von einer allgemeinen Wahrnehmungsdefinition ausgehend verschiedene Störungsformen, deren Ursachen sowie deren weitreichende Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung und schulische Leistungsfähigkeit beleuchtet.
- Grundlagen der Wahrnehmung und neurologische Forschungsperspektiven
- Differenzierte Analyse von Teilleistungen der visuellen Wahrnehmung
- Klassifizierung visueller Wahrnehmungsstörungen (sensorisch vs. zentral)
- Folgen von Wahrnehmungsstörungen für Lernen und Verhalten
- Pädagogische Notwendigkeit der frühzeitigen Erkennung und Förderung
Auszug aus dem Buch
3.2. Figur-Grund-Wahrnehmung
Um die Bedeutung der Figur-Grund-Wahrnehmung zu verstehen, ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass wir Gegenstände am klarsten erkennen, auf die unsere Aufmerksamkeit gerichtet ist. Das menschliche Gehirn ist so organisiert, dass es aus der Gesamtzahl von einströmenden Reizen eine sehr begrenzte Anzahl auswählt und sie zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit macht. Diese ausgewählten Reize - auditive, taktile oder visuelle - bilden die Figur im Wahrnehmungsfeld, während der größte Teil der Reize einen nur vage wahrgenommenen Grund bildet.
Ein anderer wichtiger Gesichtspunkt ist es in diesem Zusammenhang, dass ein Gegenstand nicht genau wahrgenommen werden kann, wenn er nicht im Bezug zu seinem Grund wahrgenommen wird. Die Entfernung eines Gegenstandes, seine Größe und sogar seine Form kann ein Beobachter nur dann genau beurteilen, wenn er ihn im richtigen Verhältnis zu seinem Grund wahrnimmt. Hier ist z.B. ein enger Zusammenhang zur Wahrnehmungskonstanz, zur Wahrnehmung der Lage im Raum und den räumlichen Beziehungen von Gegenständen sehr deutlich sichtbar.
Es ist seit längerem bekannt, dass gerade die Figur-Grund-Wahrnehmung bei Kindern häufig gestört ist. Diese spezielle Wahrnehmungsstörung wurde bei Kindern als das grundlegende Symptom für Hirnschäden angesehen, bis Forschungsergebnisse bewiesen haben, dass die visuelle Wahrnehmung aus verschiedenen Fähigkeiten besteht. Dabei kann aber jede einzelne dieser Fähigkeiten relativ unabhängig von den anderen gestört sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der visuellen Wahrnehmungsdefizite und Zielsetzung der Hausarbeit.
2. Der Begriff Wahrnehmung: Definition der Wahrnehmung als komplexer, multisensorischer Prozess unter Einbeziehung neurologischer Erkenntnisse.
3. Visuelle Wahrnehmung: Erläuterung der für das schulische Lernen essenziellen visuellen Teilleistungen wie Figur-Grund-Wahrnehmung und visuomotorische Koordination.
4. Visuelle Wahrnehmungsstörungen: Abgrenzung zwischen sensorischen Beeinträchtigungen, zentralen Wahrnehmungsstörungen und erfahrungsbedingten Einschränkungen.
5. Mögliche Ursachen für visuelle Wahrnehmungsstörungen: Diskussion von pathologischen und entwicklungsspezifischen Ursachen sowie der Bedeutung einer frühzeitigen Intervention.
6. Mögliche Folgen von Störungen der visuellen Wahrnehmung: Detaillierte Darstellung der Auswirkungen von Wahrnehmungsdefiziten auf verschiedene Lernbereiche und die psychosoziale Entwicklung des Kindes.
7. Grenzen der Förderung: Einordnung der Wahrnehmungsförderung in den Gesamtkontext der kindlichen Entwicklung und Lernprogramme.
8. Zusammenfassung: Resümee über die theoretische Untrennbarkeit der Wahrnehmungsbereiche und die zentrale Rolle der Lehrkräfte bei der Früherkennung.
Schlüsselwörter
Visuelle Wahrnehmung, Wahrnehmungsstörungen, Teilleistungsstörungen, Figur-Grund-Wahrnehmung, Wahrnehmungskonstanz, Raumlage, Visuomotorische Koordination, Zentrale Wahrnehmungsstörung, Frühförderung, Lernschwierigkeiten, Wahrnehmungspsychologie, Entwicklungsverzögerung, Schulische Anforderungen, Wahrnehmungsförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der visuellen Wahrnehmungsstörungen bei Kindern, ihre theoretischen Hintergründe, Ursachen und die daraus resultierenden Konsequenzen für die schulische und persönliche Entwicklung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Definition der Wahrnehmung, verschiedene Teilleistungen wie Raumlage und Figur-Grund-Wahrnehmung, die Klassifizierung von Störungen sowie deren Auswirkungen auf Lernprozesse ab.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für visuelle Wahrnehmungsstörungen zu schaffen, um Lehrkräften und Pädagogen eine Grundlage zur frühzeitigen Erkennung und gezielten Unterstützung betroffener Kinder zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Hausarbeit, die auf einer fundierten Analyse der einschlägigen fachwissenschaftlichen Literatur und wahrnehmungspsychologischen Theorien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Teilleistungen (z.B. Wahrnehmungskonstanz), die Einordnung der verschiedenen Störungsarten und die detaillierte Analyse der Folgen für verschiedene Lernbereiche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind visuelle Wahrnehmung, Teilleistungsstörungen, Wahrnehmungsförderung und deren Bedeutung für das Lernen in der Grundschule.
Warum ist das Körperbewusstsein für die Wahrnehmung so entscheidend?
Das Körperbewusstsein bildet die Basis für die Wahrnehmung der Raumlage und räumlicher Beziehungen, da das Kind erst durch das Wissen um den eigenen Körper lernt, Gegenstände in Relation zu sich selbst zu verorten.
Was sind die Folgen von Figur-Grund-Wahrnehmungsstörungen in der Schule?
Kinder mit solchen Störungen wirken häufig unaufmerksam, haben Probleme, den Fokus auf relevante Details zu richten, finden Abschnitte in Texten nicht und lassen sich leicht von unwichtigen visuellen Reizen ablenken.
- Citar trabajo
- Thomas Schrowe (Autor), 2001, Störungen im Bereich der visuellen Wahrnehmung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22570