Aus Sicht der Wissenschaft ist die Forderung nach einer Wertorientierung (synonym
Value Based Management) nicht neu. Aufbauend auf den Arbeiten von Alfred
Rappaport gewann die Maximierung der Rendite für Eigenkapitalgeber (und damit
der Wert des Unternehmens für die Eigentümer) als neuer Erfolgsmaßstab
unternehmerischer Handlungen bereits seit Ende der siebziger Jahre zunehmend an
Bedeutung. Zunächst setzten börsennotierte Unternehmen in den USA Rappaports
Theorie des „Shareholder Value“ um. Erst Mitte der neunziger Jahre gewann die
Wertorientierung auch in Europa zunehmende Akzeptanz. 1
Mittlerweile hat sich die Wertorientierung als Leitbegriff der modernen
Unternehmensführung weitestgehend durchgesetzt. Rückläufige Aktienkurse, die
Furcht vor feindlichen Übernahmen, der verstärkte Wettbewerb um Anlegerkapital
und der steigende Druck institutioneller Anleger in Zeiten knappen Kapitals sorgen
dafür, dass die Wertorientierung als oberstes Unternehmensziel immer mehr an
Bedeutung gewinnt (bereits 34% bedeutender Transaktionen weltweit der Jahre
2000 und 2001 führten zu einer Steigerung des Shareholder Value ; 1999 waren es
lediglich 17%.2).3
Doch wie kann ein Unternehmen seinen Shareholder Value steigern? Einen
Ansatzpunkt zur Beantwortung dieser Frage, der zunehmend in der Literatur und
Praxis an Bedeutung gewinnt, ist das wertorientierte Kostenmanagement. Offen
bleibt die Frage, wie das Kostenmanagement in das Ziel der
Unternehmenswertsteigerung integriert werden kann und durch welche Maßnahmen
des Kostenmanagements der Shareholder Value gesteigert werden kann. Um den Einfluss des wertorientierten Kostenmanagements auf die Höhe des
Shareholder Value zu erörtern und Ansatzpunkte zu dessen Steigerung zu finden,
müssen der Shareholder Value-Ansatz in seine Bestandteile zerlegt und die
wichtigsten Stellhebel zu seiner Steigerung aufgezeigt werden. Diese Stellhebel gilt
es anschließend mit Hilfe des Kostenmanagements wertsteigernd zu beeinflussen.
1 Vgl. H.J. Vollmuth u.a. (2003), S. 182.
2 Vgl. zu den Zahlen: o.V. (2003), S. 1.
3 Vgl. J.-E. von Düsterlho (2003), S. 1 f.
Inhaltsverzeichnis
1 Geschichte der Wertorientierung und Problemstellung
2 Zum Begriff des Kostenmanagements
3 Der Shareholder Value-Ansatz
3.1 Der Shareholder Value-Ansatz als Grundlage der wertorientierten Unternehmensführung
3.2 Bestandteile des Unternehmenswertes
3.3 Ansatzpunkt zur Steigerung des Shareholder Value
4 Kostenmanagement als Einflussfaktor für die Unternehmenswertsteigerung
4.1 Werttreiber als neue Zielgrößen des Kostenmanagements und ihre Beeinflussung
4.1.1 Erhöhung und Beschleunigung der zukünftigen Free Cash Flows
4.1.2 Reduktion des Kapitalkostensatzes beziehungsweise des Risikos
4.1.3 Steigerung des Residualwertes
4.2 Langfristige Ausrichtung statt kurzfristigem Erfolg
4.3 Operationalisierung der langfristigen Werttreiber für das Kostenmanagement
5 Wertorientiertes Kostenmanagement als Erfolgsfaktor für die Zukunft
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, wie Kostenmanagement in das Ziel der Unternehmenswertsteigerung integriert werden kann und durch welche spezifischen Maßnahmen des Kostenmanagements eine Steigerung des Shareholder Value realisiert werden kann.
- Integration des Kostenmanagements in das wertorientierte Unternehmensführungskonzept.
- Analyse der zentralen Werttreiber (Free Cash Flow, Kapitalkostensatz, Residualwert).
- Untersuchung der langfristigen Ausrichtung von Kostenmanagementmaßnahmen.
- Operationalisierung von Kostentreibern zur Steuerung der Werttreiber.
- Bewertung von Kostenmanagement als strategischer Erfolgsfaktor.
Auszug aus dem Buch
4.1 Werttreiber als neue Zielgrößen des Kostenmanagements und ihre Beeinflussung
Eine Unternehmenswertsteigerung kann nur durch die Beeinflussung der Werttreiber realisiert werden. Um eine Wertsteigerung mit Hilfe des Kostenmanagements erreichen zu können, müssen demnach Kostenstruktur-, Kostenverlauf- und Kostenniveau-Management an den Werttreibern ausgerichtet werden. Es findet eine Wertorientierung des Kostenmanagements statt, bei der die Werttreiber zu den neuen Zielgrößen werden, an denen sämtliche kostenbeeinflussenden Entscheidungen auszurichten sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Geschichte der Wertorientierung und Problemstellung: Dieses Kapitel führt in das Konzept des Shareholder Value ein und erläutert die Notwendigkeit, das Kostenmanagement auf dieses Ziel auszurichten.
2 Zum Begriff des Kostenmanagements: Hier werden die Grundlagen des Kostenmanagements sowie die Aufgaben von Kostenrechnung und Kostencontrolling als Informationsbasis definiert.
3 Der Shareholder Value-Ansatz: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Shareholder Value-Ansatzes sowie die zentralen Bestandteile des Unternehmenswertes.
4 Kostenmanagement als Einflussfaktor für die Unternehmenswertsteigerung: Hier werden die Werttreiber detailliert analysiert und deren Beeinflussungsmöglichkeiten durch das Kostenmanagement aufgezeigt.
5 Wertorientiertes Kostenmanagement als Erfolgsfaktor für die Zukunft: Das Fazit stellt die langfristige Bedeutung des wertorientierten Kostenmanagements als Erfolgsfaktor gegenüber einer rein kurzfristigen Wachstumsorientierung dar.
Schlüsselwörter
Wertorientierung, Shareholder Value, Kostenmanagement, Unternehmenswertsteigerung, Werttreiber, Free Cash Flow, Kapitalkostensatz, Residualwert, Kostenstruktur, Kostenreagibilität, Kostenniveau, Strategische Kosten, Langfristiger Erfolg, Profitabilität, Wettbewerbsvorteil
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretische und praktische Integration des Kostenmanagements in das wertorientierte Unternehmensführungsmodell (Value Based Management).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Shareholder Value-Ansatz, die Bestimmungsgrößen des Unternehmenswerts und die Ausrichtung verschiedener Kostenmanagement-Disziplinen auf diese Werte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie durch wertorientiertes Kostenmanagement der Shareholder Value eines Unternehmens nachhaltig gesteigert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse des Shareholder Value-Konzepts, der Ableitung von Werttreibern und der methodischen Herleitung von Kostenmanagement-Zielen zur Beeinflussung dieser Treiber.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Zerlegung des Shareholder Value in seine drei wesentlichen Werttreiber sowie deren operative Steuerung durch Kostenstruktur-, Kostenverlauf- und Kostenniveau-Management.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Wertorientierung, Shareholder Value, Kostenmanagement, Unternehmenswertsteigerung und Werttreiber.
Wie unterscheiden sich kurzfristige Kostensenkungen von strategischem Kostenmanagement?
Während kurzfristige Kostensenkungen das Ziel der sofortigen Ergebnisverbesserung verfolgen, berücksichtigt das wertorientierte Kostenmanagement die langfristige Auswirkung auf den Unternehmenswert und vermeidet die Gefährdung zukünftiger Erfolgspotenziale.
Warum spielt der Residualwert eine so wichtige Rolle für das Kostenmanagement?
Da der Residualwert einen signifikanten Anteil (oft über 50%) am Unternehmenswert ausmacht, erfordert er eine langfristige Ausrichtung der Managemententscheidungen, da er direkt von den in der Planungsperiode beeinflussten Werttreibern abhängt.
- Citation du texte
- Frank Pauer (Auteur), 2003, Wertorientiertes Kostenmanagement, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22579