Im Jahr 2002 waren dreißig Jahre vergangen seit der „Club of Rome“ die Studie „Limits to Growth“ („Die Grenzen des Wachstums“) veröffentlichte, die als „Urstudie“ zur nachhaltigen Entwicklung gilt. Durch sie wurde erstmals das Bewusstsein in der breiten Öffentlichkeit über die Endlichkeit der natürlichen Ressourcen geweckt. Die Studie besagt, dass bis spätestens zum Jahr 2100 alle nichterneuerbaren Ressourcen der Erde aufgebraucht sein werden und das Wachstum an seine Grenzen stoßen wird, wenn nicht ein Umdenken im Umgang mit der Natur erfolgt.
Die Erkenntnis, dass Ökonomie und Ökologie untrennbar miteinander verbunden sind, ist unbestreitbar. Jede ökonomische Tätigkeit von der Produktion von Waren über Dienstleistungen bis hin zum Konsum impliziert eine Nutzung der Umwelt. Beispielsweise werden Rohstoffe für die Produktion aus der Natur entnommen, Flächen dienen als Standort wirtschaftlicher Aktivitäten und aus ökonomischer Tätigkeit entstehende Rest- und Schadstoffe werden an die Natur abgegeben. Entsprechend dieser Erkenntnis erklärten die Industrieländer beim Umweltgipfel von Rio de Janeiro im Jahr 1992 eine nachhaltige Entwicklung zu ihrem Leitbild und verpflichteten sich eine besondere Verantwortung für den Umweltschutz zu übernehmen.
Da ein Unternehmen kein isoliertes Objekt darstellt, sondern integrierter Bestandteil der Gesellschaft ist und unter Beobachtung der Öffentlichkeit steht, kann es sich gesellschaftspolitischen Entwicklungen nicht entziehen und muss sich den Herausforderungen einer veränderten unternehmerischen Umwelt stellen.
Eine solche Herausforderung stellt der globale Klimaschutz dar, welcher als eines der wichtigsten und drängendsten Probleme des 21 Jahrhunderts gilt. Der Weltgipfel von Johannisburg im Sommer 2002 sowie der einstimmige Beschluss der EU-Umweltminister über die Einführung eines EU-weiten Handels mit Treibhausgasemissionen vom 09. Dezember 2002 rücken den Klimaschutz aktuell wieder in das Interesse der Öffentlichkeit. Der EU-weite Emissionshandel ist eine Maßnahme im Rahmen des Europäischen Klimaschutzprogramms zur Erreichung der durch das Kyoto-Protokoll eingegangenen Klimaschutzverpflichtungen. Auch das KP selbst sieht einen internationalen Handel mit Emissionsrechten neben zwei weiteren Mechanismen zur kosteneffizienten Erreichung des Klimaschutzziels vor. Diese Mechanismen eröffnen unternehmerische Potentiale, bergen Chancen und Risiken.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 DREIßIG JAHRE „SUSTAINABLE DEVELOPMENT“
1.2 KLIMASCHUTZ – HANDLUNGSFELD EINER NACHHALTIGEN ENTWICKLUNG
2 DAS PROTOKOLL VON KYOTO ALS AUSGANGSPUNKT UND RAHMENBEDINGUNG DER UNTERSUCHUNG
2.1 DER KLIMAWANDEL ALS ENTSTEHUNGSGRUND DES KYOTO-PROTOKOLLS
2.2 DIE FLEXIBLEN MECHANISMEN DES KYOTO-PROTOKOLLS
2.2.1 INTERNATIONAL EMISSION TRADING
2.2.2 JOINT IMPLEMENTATION UND CLEAN DEVELOPMENT MECHANISM
2.2.2.1 Joint Implementation
2.2.2.2 Clean Development Mechanism
2.2.2.3 Zusammenfassung
2.3 KLIMAPOLITIK, AUSGELÖST DURCH DAS KYOTO-PROTOKOLL
3 BANKEN UND UMWELT
3.1 VERFLECHTUNGEN VON ÖKONOMIE UND ÖKOLOGIE ALS GRUNDLAGE FÜR DIE IMPLIKATIONEN VON BANKEN UND UMWELT
3.2 DER EINFLUSS DER BANKEN AUF DIE UMWELT
3.3 „EARLY-MOVER“ ODER „WAIT-UND-SEE” ALS MÖGLICHE STRATEGIEN DER BANKEN IM KLIMASCHUTZ
4 DIE FLEXIBLEN KYOTO-MECHANISMEN ALS GRUNDLAGE NEUER GESCHÄFTSFELDER FÜR BANKEN
4.1 DER HANDEL MIT EMISSIONSRECHTEN
4.1.1 DEFINITION UND ARTEN VON UMWELTZERTIFIKATEN
4.1.2 ERTRAGSPOTENTIALE UND AUFGABEN DER BANKEN
4.2 PROJEKTFINANZIERUNG IM RAHMEN VON JI UND CDM
4.2.1 BESONDERHEITEN DES INSTRUMENTS PROJEKTFINANZIERUNG
4.2.2 AUFGABEN DER BANKEN IM RAHMEN EINER JI/CDM- PROJEKTFINANZIERUNG
4.2.2.1 Prüfung der Rahmenbedingungen
4.2.2.2 Prüfung der Wirtschaftlichkeit des Projekts
4.2.2.2.1 Differenz der CO2-Vermeidungskosten zwischen Industrie- und Entwicklungsländern als Grundlage für die Wirtschaftlichkeit des Projekts
4.2.2.2.2 Bestimmung der Emissionsvermeidungskosten
4.2.2.3 Identifikation der speziellen Risiken im Rahmen von JI/CDM- Projektfinanzierungen
4.2.2.4 Maßnahmen zum Management der Risiken
4.2.3 ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT
4.3 ASSET MANAGEMENT (CARBON FONDS)
5 SCHLUSSBETRACHTUNG UND WEITERFÜHRENDE ÜBERLEGUNGEN
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Auswirkungen des Kyoto-Protokolls auf das Bankgeschäft. Das primäre Ziel ist es, die Rolle der Banken bei der Umsetzung der flexiblen Mechanismen zu identifizieren und Ansatzpunkte zur Quantifizierung potenzieller Ertragschancen sowie klimabedingter Risiken im Finanzsektor zu entwickeln.
- Analyse des Kyoto-Protokolls und seiner flexiblen Mechanismen
- Bedeutung des Klimaschutzes für die Finanzwirtschaft
- Identifikation neuer Geschäftsfelder durch Emissionshandel, Projektfinanzierung (JI/CDM) und Asset Management
- Untersuchung der betriebsökonomischen und produktökonomischen Auswirkungen auf Banken
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Besonderheiten des Instruments Projektfinanzierung
Um die Bedeutung der Projektfinanzierung gerade für die Kyoto-Machanismen darzustellen, ist es wichtig zu unterscheiden, dass Projektfinanzierung nicht synonym mit dem Konzept der Finanzierung von Projekten ist. Projekte können durch vielfältige Techniken finanziert werden, wobei die Projektfinanzierung eine spezielle Technik darstellt. Diese Technik zeichnet sich durch vier Aspekte aus:
• Zur Durchführung des Projekts wird eine Projektgesellschaft (SPV) gegründet,
• Haftungsbeschränkung auf die Vermögensgegenstände des SPV,
• Tilgung der Fremdfinanzierung erfolgt aus dem Cash-Flow des SPV und
• Risiken werden auf die Projektbeteiligten verteilt.
Das wichtigste Charakteristikum der Projektfinanzierung lässt sich durch eine Gegenüberstellung mit konventionellen Kreditfinanzierungen verdeutlichen. Dort steht die Bonität des Kreditnehmers im Vordergrund. Dahingegen steht die Beleihungsfähigkeit des Projekts als solches bei der Projektfinanzierung im Mittelpunkt und die Bonität des Kunden ist weniger von Bedeutung. Dadurch hat die Bank einen direkten Einfluss auf die Verwendung der von ihr bereitgestellten Mittel.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext der nachhaltigen Entwicklung und die steigende Bedeutung des Klimaschutzes für die Gesellschaft und Unternehmen.
2 DAS PROTOKOLL VON KYOTO ALS AUSGANGSPUNKT UND RAHMENBEDINGUNG DER UNTERSUCHUNG: Dieses Kapitel erläutert die Entstehungsgründe des Klimawandels sowie die Mechanismen des Kyoto-Protokolls (IET, JI, CDM) zur Emissionsreduktion.
3 BANKEN UND UMWELT: Hier werden die ökonomischen und ökologischen Verflechtungen analysiert sowie die strategischen Positionierungsmöglichkeiten (Early-Mover vs. Wait-und-See) für Banken im Klimaschutz aufgezeigt.
4 DIE FLEXIBLEN KYOTO-MECHANISMEN ALS GRUNDLAGE NEUER GESCHÄFTSFELDER FÜR BANKEN: Der Hauptteil untersucht detailliert die Potenziale und Aufgaben für Banken in den Bereichen Emissionsrechtehandel, Projektfinanzierung von JI/CDM-Projekten sowie Carbon Fonds.
5 SCHLUSSBETRACHTUNG UND WEITERFÜHRENDE ÜBERLEGUNGEN: Das Fazit fasst die Relevanz der Klimaschutzthematik für das Bankgeschäft zusammen und betont die Notwendigkeit einer strategischen Integration von Nachhaltigkeitsaspekten.
Schlüsselwörter
Kyoto-Protokoll, Sustainable Banking, Emissionshandel, Projektfinanzierung, JI, CDM, Klimaschutz, Umweltzertifikate, Green Investments, Risikoanalyse, Carbon Fonds, Nachhaltige Entwicklung, Emissionsreduktion, Finanzdienstleistungsindustrie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Implikationen des Kyoto-Protokolls auf das Bankgeschäft und identifiziert neue geschäftliche Handlungsfelder, die sich aus klimapolitischen Maßnahmen ergeben.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Handel mit Emissionsrechten, der Projektfinanzierung im Rahmen von JI und CDM sowie der Auflage von Carbon Fonds durch Finanzinstitute.
Was ist das übergeordnete Ziel dieser Diplomarbeit?
Ziel ist es, die Rolle der Banken als Intermediäre bei der Umsetzung der flexiblen Kyoto-Mechanismen zu definieren und Ansatzpunkte für eine Quantifizierung künftiger Ertragschancen zu liefern.
Welche methodischen Ansätze werden zur Analyse genutzt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung der Funktionsweisen und regulatorischen Rahmenbedingungen des Kyoto-Protokolls und seiner Übertragbarkeit auf bankbetriebliche Prozesse.
Was sind die wesentlichen Inhalte des Hauptteils?
Im Hauptteil werden neue Geschäftsfelder analysiert: der Zertifikatehandel, die spezifischen Anforderungen an die Projektfinanzierung inklusive Risikoanalyse sowie die strategische Bedeutung von Carbon Fonds.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind das Kyoto-Protokoll, die flexiblen Mechanismen (JI/CDM), nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development) und die operative sowie strategische Rolle der Banken in diesem Prozess.
Wie beeinflussen die sogenannten „flexiblen Mechanismen“ das Kreditrisikomanagement von Banken?
Sie erfordern eine stärkere Berücksichtigung ökologischer Risiken, da die Notwendigkeit, sich künftig Emissionsrechte am Markt zu beschaffen, zu einer potenziellen Liquiditätsminderung bei Kreditnehmern führen kann.
Warum ist die „Additionalität“ bei JI/CDM-Projekten für Banken so kritisch?
Die Additionalität stellt sicher, dass Emissionsminderungen nur dann als Zertifikate anerkannt werden, wenn sie ohne das Projekt nicht zustande gekommen wären; dies ist eine notwendige Voraussetzung für die wirtschaftliche Verwertbarkeit der generierten Zertifikate als Cash-Flow-Quelle.
- Quote paper
- Johannes Krick (Author), 2003, Sustainable Banking - Die Implikationen des Kyoto-Protokolls auf das Bankgeschäft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22616