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Ciceros Staatsverständnis. Res publica und populus im Dienste der Gerechtigkeit

Title: Ciceros Staatsverständnis. Res publica und populus im Dienste der Gerechtigkeit

Seminar Paper , 2003 , 17 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Magistra Artium Eva Christensen (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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[...]
Dabei wird die Darstellung einer Biografie bewusst ausgeklammert: Sie müsste
sinnvollerweise einen Bezug zwischen Leben und Werk herstellen, was in diesem Rahmen
nicht leistbar ist.2 Es sei hier nur erwähnt, dass der Theoretiker, Redner und Politiker
Cicero sein Leben in den Dienst des römischen Staates stellte. Ebenso erfährt die
Anthropologie Ciceros keine eigenständige Beachtung, sie mag jedoch im erörterten
Thema anklingen. Auch die äußerst komplizierte Frage nach Quellen und Vorbildern soll
nicht näher diskutiert werden, zumal um sie eine große Forschungskontroverse besteht3
und erschwerend hinzu kommt, dass die Werke, die Cicero vermutlich geprägt haben,
verloren und daher nicht bekannt sind.
Es sei noch auf weitere Schwierigkeiten bei der Interpretation von De re publica, dem
zentralen Werk für Ciceros Staatsverständnis, hingewiesen: Es ist nur unvollständig
überliefert und weist auch an zentralen Stellen Lücken auf. Seine späte Entdeckung im Jahr
1822 verhinderte eine jahrhundertelange Diskussion durch andere große Denker.4
Um Ciceros Vorstellung von Staat verständlich zu machen, werde ich nun zuerst seine
Definition des Gemeinwesens, der res publica, und einige Unterschiede zum modernen
Staatsbegriff darstellen. Untrennbar damit verbunden ist die Erläuterung seines
Volksbegriffes. Im Anschluss erfolgt eine Darstellung der Verfassungsanalyse Ciceros:
von seiner Kritik an den drei Einzelverfassungen über den Verfassungskreislauf bis zur Bevorzugung der Mischverfassung. Abschließend werden die Aufgaben des Staatsmannes
und die zu ihrer Erfüllung notwendigen Fähigkeiten und Eigenschaften aufgezeigt.

2 Als exemplarisch für diesen Versuch seien genannt: Matthias Gelzer: Cicero. Ein biographis cher Versuch,
Wiesbaden 1969; Marion Giebel: Marcus Tullius Cicero. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten,
Reinbek bei Hamburg 11 1997; Friedrich Klinger: Cicero, in: ders.: Römische Geisteswelt, München 5 1965,
S. 110-159.
3 Beispielsweise: Viktor Pöschl: Römischer Staat und griechisches Staatsdenken bei Cicero. Untersuchungen
zu Ciceros Schrift De re publica, Darmstadt 1976. Kritisch dazu: Pierre Boyancé: Études sur l'humanisme
Cicéronien, Brüssel 1970, S. 222-247.
4 Andere Probleme der Interpretation vgl.: Karl Büchner: De re publica. Kommentar, Heidelberg 1984, S. 15-
20.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition des Staates

2.1 Ciceros Definition der res publica

2.2 Moderner Staat und römische res publica

2.3 Definition und Ursprung des Volkes

3 Analyse der Verfassungen

3.1 Die drei Einzelverfassungen und Ciceros Kritik

3.2 Die beste der drei Einzelverfassungen

3.3 Mischverfassung als beste Verfassung

3.4 Die römische Mischverfassung

3.5 Gefährdung der Stabilität der Mischverfassung

4 Der Staatsmann

4.1 Wesen des Staatsmannes

4.2 Aufgabe des Staatsmannes

5 Fazit und Ausblick

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Ciceros Staatsverständnis in seinem Werk De re publica mit dem Ziel aufzuzeigen, dass seine Konzeption weniger formal-rechtlich als vielmehr inhaltlich durch den Gedanken der Gerechtigkeit geprägt ist. Sie analysiert, wie Cicero den Staat, das Volk und die Rolle des Staatsmannes definiert, um die moralischen Voraussetzungen für ein stabiles und gerechtes Gemeinwesen zu verdeutlichen.

  • Definition und etymologische Herleitung der res publica als Sache des Volkes.
  • Untersuchung des Verhältnisses von res publica und moderner Staatstheorie.
  • Kritische Analyse der klassischen Verfassungsformen und Begründung der Mischverfassung.
  • Bestimmung des Wesens und der Pflichten des idealen Staatsmannes als Lenker des Gemeinwesens.
  • Die zentrale Bedeutung der sittlichen Gesundheit des Volkes und der Führung für den Erhalt des Staates.

Auszug aus dem Buch

3.3 Mischverfassung als beste Verfassung

Diese Spannung findet ihre Auflösung in einer vierten und absolut besten Verfassung: Sie verbindet die positiven Elemente der drei Einzelverfassungen und vermeidet ihre Mängel. „Es scheint nämlich richtig, daß es im Gemeinwesen etwas an der Spitze Stehendes und Königliches gibt, daß anderes dem Einfluß der fürstlichen Männer zugeteilt und zugewiesen ist und daß bestimmte Dinge dem Urteil und dem Willen der Menge vorbehalten sind.“ Damit werden in der Mischverfassung, wollen wir sie einmal so nennen, „nicht Formen [...] gemischt, sondern vom Staate her gesehene Funktionen“: Die einheitliche Ausübung des imperium ist durch das quasi-monarchische Element gesichert.

Die kluge Lenkung, das consilium, gewährleistet der Einfluss, die auctoritas, der Optimaten. Und dem Freiheitsdurst des Volkes wird durch gewisse Rechte genüge getan. Die verschiedenen Grade an dignitas finden Berücksichtigung, was aequibilitas, Ausgewogenheit im Sinne der Gerechtigkeit, garantiert. Es genügt nicht, dass die Verfassung gemischt ist, sie muss vor allem ausgeglichen sein. Nur der maßvolle Ausgleich zwischen verschiedenen Aspekten sorgt für firmitudo, für Dauerhaftigkeit und Stabilität. Die Mischverfassung ist also sowohl gerecht als auch überlebensfähig, sie hat ihre Berechtigung vom Sinn und vom Leben des Staates her.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Arbeit ab, klammert biografische Details aus und verweist auf die Schwierigkeiten der Interpretation von De re publica aufgrund der fragmentarischen Überlieferung.

2 Definition des Staates: In diesem Kapitel wird Ciceros Verständnis der res publica als Rechts- und Interessengemeinschaft des Volkes dargelegt und von modernen Staatsbegriffen abgegrenzt.

3 Analyse der Verfassungen: Das Kapitel kritisiert die drei klassischen Verfassungsformen aufgrund ihrer Instabilität und Entartungsgefahr und leitet daraus die Notwendigkeit der Mischverfassung sowie deren Umsetzung im römischen Modell ab.

4 Der Staatsmann: Hier werden das Profil, die notwendigen Tugenden sowie die moralische Verantwortung des idealen Staatsmannes als Lenker und Vorbild des Gemeinwesens definiert.

5 Fazit und Ausblick: Das Fazit unterstreicht, dass nicht die Verfassungsform, sondern die sittliche Haltung der Menschen den Erhalt der res publica sichert und mahnt zur Rückbesinnung auf ethische Werte.

Schlüsselwörter

Cicero, Res publica, Staat, Volk, Gerechtigkeit, Mischverfassung, Staatsmann, Recht, Tugend, Gemeinwesen, Naturrecht, Stabilität, consilium, Imperium, Politik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Staatsverständnis des römischen Denkers Cicero, wie es insbesondere in seinem Hauptwerk De re publica zum Ausdruck kommt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Definition des Gemeinwesens, die Analyse verschiedener Verfassungsformen und die ethischen Anforderungen an die politisch Handelnden.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es zu belegen, dass für Cicero die Gerechtigkeit als inhaltlicher Maßstab für das Gemeinwesen wichtiger ist als eine bloß formale Staatsordnung.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine philologische und ideengeschichtliche Untersuchung auf Basis der vorhandenen Quellenschriften Ciceros und der wissenschaftlichen Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Staat und Volk, der Kritik an Monarchie, Aristokratie und Demokratie, der Theorie der Mischverfassung sowie der Rolle des idealen Staatsmannes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Res publica, Gerechtigkeit, Staatsmann, Mischverfassung, Tugend und Rechtsgemeinschaft.

Warum lehnt Cicero die Demokratie als schlechteste Einzelverfassung ab?

Er argumentiert, dass das von Freiheit verwöhnte Volk dazu neigt, zu einer entfesselten Menge zu entarten, was schließlich in Anarchie und Ochlokratie mündet und die Stabilität des Staates gefährdet.

Welche Rolle spielt der Staatsmann bei der Stabilisierung der Mischverfassung?

Der Staatsmann fungiert als wachsamer Lenker, der aufkommende Fehlentwicklungen frühzeitig erkennt und durch sein tugendhaftes Vorbild und kluges Handeln das gerechte Gleichgewicht im Staat wiederherstellt.

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Details

Title
Ciceros Staatsverständnis. Res publica und populus im Dienste der Gerechtigkeit
College
University of Freiburg  (Institut für wissenschaftliche Politik)
Course
Proseminar: Klassiker der Staatsphilosophie. Politik - Gesellschaft - Staatsmodelle
Grade
1,0
Author
Magistra Artium Eva Christensen (Author)
Publication Year
2003
Pages
17
Catalog Number
V22642
ISBN (eBook)
9783638259248
Language
German
Tags
Ciceros Staatsverständnis Dienste Gerechtigkeit Proseminar Klassiker Staatsphilosophie Politik Gesellschaft Staatsmodelle
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magistra Artium Eva Christensen (Author), 2003, Ciceros Staatsverständnis. Res publica und populus im Dienste der Gerechtigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22642
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