Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - Political Systems - Germany

Der Einfluss von Interessenverbänden auf den politischen Willensbildungsprozess auf Bundesebene - Herrschaft der Verbände?

Title: Der Einfluss von Interessenverbänden auf den politischen Willensbildungsprozess auf Bundesebene - Herrschaft der Verbände?

Term Paper , 2002 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Magistra Artium Eva Christensen (Author)

Politics - Political Systems - Germany
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

[...] Doch das von der Verfassung umfangreich gewährte
Grundrecht auf Vereinigung ist immer wieder kritisch hinterfragt worden: So stellte Theodor
Eschenburg in den Anfangsjahren der Bundesrepublik die bange Frage nach der „Herrschaft
der Verbände?“2. Er beschrieb damit die Angst der Nachkriegsgesellschaft vor einer
Übermacht der Verbände gegenüber der Politik, vor der Bedrohung des vom Staat
verkörperten Gemeinwohls durch Partikularinteressen. Wenn auch nicht mehr so dominant
wie in den 50er und 60er Jahren, so existiert doch auch heute noch das „Negativbild
übermächtiger, undemokratischer und gemeinwohlgefährdender Verbände“3.
Welche bundespolitischen Akteure sind Adressaten des Verbandseinflusses? Existieren
Methoden der Einflussnahme, die eine „Herrschaft der Verbände“ ermöglichen? Gibt es
institutionelle Barrieren, die eine unerwünschte Übermacht verhindern? Haben alle Interessen
die gleiche Chance in den politischen Willensbildungsprozess einzufließen? Um den
Antworten auf diese Fragen näher zu kommen, werde ich im folgenden zuerst Adressaten und
Methoden der Einflussnahme von Interessenverbänden erläutern, um dann die so
vorgenommene Bestandsaufnahme unter Gesichtspunkten des gerechten Ausgleichs und der
Transparenz kritisch zu betrachten. Dabei sollen die Theorie des Neopluralismus, die
Korporatismusforschung und die Frage nach der „Herrschaft der Verbände?“ nur als
`Sprungbretter´ dienen und nicht etwa näher diskutiert oder erläutert werden.
Unter Interessenverbänden seien im folgenden Organisationen verstanden, die eine innere
Arbeitsteilung und Verfassung sowie gemeinsame, verbindliche, überörtliche und
längerfristige Ziele haben. Sie vertreten die Interessen ihrer Mitglieder nach außen gegenüber
der Öffentlichkeit, dem Staat und anderen Verbänden und wollen auf politische
Entscheidungen Einfluss nehmen. Interessenverbände, Interessengruppen und Verbände
werden als Synonyme verwendet, ebenso wie die Begriffe Interessenvertreter,
Verbandsvertreter und Lobbyisten.

2 Vgl.: Theodor Eschenburg: Herrschaft der Verbände, Stuttgart 1955.
3 Werner Reutter: Organisierte Interessen in Deutschland. Entwicklungstendenzen, Strukturveränderungen und
Zukunftsperspektiven, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 26-27 (2000), S. 7.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Adressaten des Verbandseinflusses und ihre Bedeutung

2.1 Parteien

2.2 Bundestag

2.3 Exekutive

2.4 Rechtsprechung

2.5 Öffentliche Meinung

2.6 Vergleich der Bedeutung verschiedener Adressaten

3 Methoden der Einflussnahme und ihre Bedeutung

3.1 Massenpetitionen

3.2 Beeinflussung der Gesetzesauslegung

3.3 Stimmpakete

3.4 Finanzielle Unterstützung

3.5 Öffentliche Anhörungen

3.6 Personelle Durchdringung

3.7 „Informelle“ Kontakte

4 Problematisierung des Verbandseinflusses

4.1 Ungleiche Möglichkeiten verschiedener Interessen

4.2 Problembereiche des Korporatismus

4.3 Transparenz und Kontrolle

5 Fazit und Ausblick

6 Literatur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Interessenverbänden auf den politischen Willensbildungsprozess auf Bundesebene und geht dabei der zentralen Frage nach, ob eine „Herrschaft der Verbände“ existiert. Ziel ist es, eine Bestandsaufnahme der Adressaten und Methoden der Einflussnahme vorzunehmen sowie diese kritisch unter den Gesichtspunkten des gerechten Ausgleichs und der Transparenz zu reflektieren.

  • Analyse der zentralen Adressaten von Lobbyismus (Parteien, Bundestag, Exekutive, Gerichte).
  • Untersuchung verschiedener Methoden der Einflussnahme, von Massenpetitionen bis zu informellen Kontakten.
  • Kritische Betrachtung der Chancenungleichheit verschiedener Interessengruppen.
  • Diskussion über Transparenzmaßnahmen, wie die „Lobbyliste“ und Verhaltensregeln für Abgeordnete.
  • Auseinandersetzung mit dem Korporatismus-Konzept und dem Gemeinwohlbegriff.

Auszug aus dem Buch

3.6 Personelle Durchdringung

Vor allem große Verbände sind an der personellen Durchsetzung von Parteien als „die eigentlichen Scharniere der politischen Willensbildung“ interessiert. Da aber Personen nicht einfach von außen eingeschleust und dem Parteivolk als Kandidaten vorgesetzt werden können, erreichen nur solche Verbandsvertreter wichtige Posten, die mit der jeweiligen Partei gut harmonieren und in ihr verankert sind. Die traditionelle Theorie des einseitigen Drucks der Verbände trifft hier außerdem deshalb nicht zu, weil sich auch die Parteien selbst um Verbandsvertreter in ihren Reihen bemühen: So können sie auf die Unterstützung der Verbände bei Wahlen hoffen und Experten für wichtige Sachgebiete gewinnen.

Wichtig sind die Verbandsmitgliedschaften der Bundestagsabgeordneten, die eingebaute Lobby. „Allerdings bedeutet Verbandsmitgliedschaft nicht auch blinde Verbandsgefolgschaft“. Es erscheint also sinnvoll, nicht die gesamte Zahl der Verbandsmitglieder im Parlament zu betrachten, sondern nur die Zahl der Verbandsfunktionäre. Seit Inkrafttreten der „Verhaltensregeln für Mitglieder des Deutschen Bundestages“ im November 1972 sind die Abgeordneten dazu verpflichtet ihre haupt- oder ehrenamtlichen Verbandstätigkeiten anzugeben. In der zwölften Wahlperiode (1990 bis 1994) betrug der Anteil der Abgeordneten mit Verbandsfunktion 39,4%. Die meisten davon (20,7%) waren im Bereich Kultur, Wissenschaft, Religion und Politik engagiert, 13,9% im Sozialbereich und nur 10,4% im Wirtschafts- und Arbeitsbereich. Wenn auch immer noch beträchtlich, so ist die „Verbandsfärbung“ doch deutlich zurückgegangen und hat einen sektoralen Wandel weg von der Dominanz der Vertreter aus dem Wirtschafts- und Arbeitsbereich erfahren. Das breite Spektrum der im Bundestag vertretenen Organisationen verhindert, dass eine Gruppe die Mehrheit der Abgeordneten für sich einnehmen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Verbände als legitime „Systeme politischer Interessenvermittlung“ ein und thematisiert die Sorge vor einer „Herrschaft der Verbände“.

2 Adressaten des Verbandseinflusses und ihre Bedeutung: Hier werden die verschiedenen politischen Akteure, wie Parteien, Bundestag, Exekutive und Gerichte, hinsichtlich ihrer Bedeutung als Zielscheiben für den Einfluss von Verbänden analysiert.

3 Methoden der Einflussnahme und ihre Bedeutung: Dieses Kapitel erläutert diverse Strategien der Lobbyarbeit, von der finanziellen Unterstützung bis hin zu informellen Kontakten, und bewertet deren Wirksamkeit.

4 Problematisierung des Verbandseinflusses: Hier werden die ungleiche Interessenvertretung, die Risiken des Korporatismus sowie bestehende Transparenzregelungen und deren Grenzen kritisch beleuchtet.

5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, lehnt eine „Herrschaft der Verbände“ ab und diskutiert die Möglichkeiten zur Verbesserung der Transparenz ohne Einschränkung der Handlungsfreiheit.

6 Literatur: Dieses Kapitel listet die verwendeten Quellen und Forschungsliteratur auf.

Schlüsselwörter

Interessenverbände, Lobbyismus, politischer Willensbildungsprozess, Herrschaft der Verbände, Bundesebene, politische Einflussnahme, Korporatismus, Transparenz, Interessenvertretung, Verbändegesetz, Bundestagsabgeordnete, politische Kommunikation, Gemeinwohl, Neopluralismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Rolle und den Einfluss von Interessenverbänden auf den politischen Willensbildungsprozess in der Bundesrepublik Deutschland und geht der Frage nach, ob diese Verbände eine unangemessene Machtstellung gegenüber der Politik einnehmen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind die Identifikation von Akteuren, auf die Einfluss ausgeübt wird, die Analyse der Methoden der Einflussnahme sowie die kritische Auseinandersetzung mit Transparenz und der Frage der Chancengleichheit bei der Durchsetzung von Interessen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist eine fundierte Bestandsaufnahme darüber, wie und wo Lobbyarbeit stattfindet, und eine kritische Reflexion, ob die Sorge vor einer „Herrschaft der Verbände“ empirisch haltbar ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Begriffen wie Neopluralismus und Korporatismus sowie auf die Auswertung existierender Studien und Daten zur Lobbytätigkeit in Deutschland.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Adressaten von Lobbyismus, eine detaillierte Analyse der Methoden zur Einflussnahme (z.B. Anhörungen, Spenden, informelle Kontakte) und eine kritische Problematisierung dieser Prozesse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Interessenverbände, Lobbyismus, politischer Willensbildungsprozess, Korporatismus, Transparenz, politische Einflussnahme, Gemeinwohl.

Warum ist laut der Autorin eine „Herrschaft der Verbände“ eher unwahrscheinlich?

Die Autorin argumentiert, dass es keine Methoden gibt, die eine umfassende Instrumentalisierung des Staates durch einzelne Interessen ermöglichen, da die Verbände selbst vielfältig sind und sich gegenseitig kontrollieren bzw. die Politik auf den Ausgleich dieser Interessen angewiesen ist.

Welchen Stellenwert haben „informelle Kontakte“ in der Lobbyarbeit?

Informelle Kontakte werden laut der zitierten Experten in der Studie von Verbandsvertretern als besonders effektiv und bedeutsam eingestuft, da sie oft jenseits der öffentlichen Wahrnehmung stattfinden und den schnellen Informationsfluss ermöglichen.

Excerpt out of 21 pages  - scroll top

Details

Title
Der Einfluss von Interessenverbänden auf den politischen Willensbildungsprozess auf Bundesebene - Herrschaft der Verbände?
College
University of Freiburg  (Institut für wissenschaftliche Politik)
Course
Einführung in die Politikwissenschaft
Grade
1,0
Author
Magistra Artium Eva Christensen (Author)
Publication Year
2002
Pages
21
Catalog Number
V22644
ISBN (eBook)
9783638259262
Language
German
Tags
Einfluss Interessenverbänden Willensbildungsprozess Bundesebene Herrschaft Verbände Einführung Politikwissenschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magistra Artium Eva Christensen (Author), 2002, Der Einfluss von Interessenverbänden auf den politischen Willensbildungsprozess auf Bundesebene - Herrschaft der Verbände?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22644
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  21  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint