Sprache als Mittel der Satire in George Orwells "1984" und Vladimir Vojnovichs "Moskva 2042"


Seminararbeit, 2003

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorbemerkungen

3. Newspeak und die Sprache von Moskorep

4. Exemplarische Darstellung
4.1. Moskorep
4.2. Oceania

5. Schlussfolgerung

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

"The name of every organization or body of people, or doctrine, or country, or institution, or public building, was invariably cut down into the familiar shape; that is, a single easily pronounced word with the smallest number of syllables that would preserve the original derivation.” (aus: George Orwell “Nineteen eighty-four”)

1. Einleitung

George Orwell (1903-1950) veröffentlichte im Jahre 1949 mit „ Nineteen eighty-four “ eine Anti-Utopie, die eindringlich Methoden von Unterdrückung und Totalitarismus bloßstellte und kritisierte. Im Jahr 1987 beendete Vladimir Vojnovič seinen Roman „ Moskva 2042 “. Es ist bereits beim ersten Durchlesen dieser beiden Bücher ersichtlich, dass beide Autoren bei ihrer Beschreibung die UdSSR im Auge haben.

Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, „ Nineteen eighty-four “ und „ Moskva 2042 “ analysierend gegenüberzustellen. Es soll hierbei vor allem um den Vergleich sprachlicher Mittel gehen. Sprache nimmt in den beiden Werken eine herausragende Stellung ein, da sie als Instrument zur Manipulation und Ideologisierung in der ehemaligen Sowjetunion wie in anderen totalitären Staaten verwendet wurde, was beide Autoren wiederholt aufgreifen.

In den Vorbemerkungen werden die Werke „ Moskva 2042 “ und „ Nineteen eighty-four “ als satirische Anti-Utopien definiert und in ihren jeweiligen Kontext gesetzt. Daran schließt sich eine genauere sprachliche Betrachtung der Werke an. Im Abschnitt „Newspeak und die Sprache von Moskorep“ werden die Sprachen gegenübergestellt, die die fiktiven, von Orwell und Vojnovič beschriebenen Staaten schaffen. Anschließend sollen die beiden Staaten auf sprachliche Phänomene hin untersucht werden, wobei insbesondere Abkürzungen berücksichtigt werden. In der Sowjetunion sowie im heutigen Russland ist es üblich, die Namen von (Regierungs-)institutionen abzukürzen, indem ein neues Wort aus den Anfangssilben der einzelnen Wörter gebildet wird, aus denen sich ihr Name zusammensetzt. Dieses Phänomen greifen sowohl Vojnovič als auch Orwell in ihren Werken auf. Nach einer Auflistung der entsprechenden Textstellen soll erklärt werden, wozu Orwell und Vojnovič dieses Mittel gebrauchen. Abschließend wird die Absicht der beiden Autoren, nämlich die Kritik an der Sprachpolitik totalitärer Staaten, verdeutlicht. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und dem Literaturverzeichnis.

2. Vorbemerkungen

Bei „ Nineteen eighty-four “ und „ Moskva 2042 “ handelt es sich um Anti-Utopien. Während die Utopie (griech. „Ort, den es nicht gibt“) meist den Idealzustand von Staat und Gesellschaft in einem fiktiven Land darstellt, ist die Anti-Utopie (auch: Dystopie) ein Negativszenario, in dem gegenwärtige Missstände überzeichnet werden, um ihre Konsequenzen zu verdeutlichen. Die Kritik an den gegenwärtigen Zuständen ist nicht direkt im Text enthalten, sondern wird erst deutlich, wenn man das Werk in Bezug zur Gegenwart setzt. Bis in die heutige Zeit ist die Beschreibung eines nicht real existierenden Staates ein beliebtes Mittel zur Umgehung der Zensur. Daher spielte die Utopie zum Beispiel in der Zeit der Perestrojka eine besondere Rolle bei der Diskussion über die Zukunft der Sowjetunion.

Als Anhaltspunkt, an denen die beiden Autoren sich orientiert haben dürften, sollte an dieser Stelle die Anti-Utopie „Мы“ von Evgenij Zamjatin (1884-1937) genannt sein, die sich ebenfalls auf die UdSSR bezieht. Auch hier ist der Verlust der eigenen Identität durch die totale Bevormundung durch den Staat das Thema.

Nineteen eighty-four “ und „ Moskva 2042 “ sind Satiren, weil sie in der Realität vorhandene Elemente herausgreifen und grotesk überzeichnen. Indem sie die Missstände der Gegenwart fiktiv ins Groteske steigern, machen sie auf diese aufmerksam und kritisieren sie. Dabei fällt die Satire bei Vojnovič an vielen Stellen wesentlich humorvoller aus. Hierfür gibt es mehrere Gründe. Einerseits war die Persönlichkeit Orwells eher von Pessimismus geprägt, andererseits entstand „ Nineteen eighty-four “ in einer Zeit, als Stalin noch an der Macht war, wogegen „ Moskva 2042 “ als Rückblick auf die Brežnev-Zeit aus einer verhältnismäßig sicheren Perspektive entstand.

3. Newspeak und die Sprache von Moskorep

Die Behandlung des Themas „Sprache“ in einer Utopie erfolgte bereits sehr früh, so zum Beispiel durch Jonathan Swift in seinem Buch „Gullivers Reisen“. Die Beschreibung von Eigentümlichkeiten der Sprache ist ein wichtiges Element zur Verdeutlichung des Lebens der Menschen. In dieser Arbeit soll hauptsächlich die Bezugnahme Orwells und Vojnovičs auf die Sprachpolitik totalitärer Staaten verglichen werden. So lässt Orwell in seinem Staat eine ganz neue Sprache kreieren. Diese ist zwar auf der alten Sprache (Englisch) aufgebaut, ist aber so weit verstümmelt und verkürzt, dass man sie kaum wiedererkennen, geschweige denn verstehen kann. Diese neue Sprache („Newspeak“) hat zwei Wurzeln.

Einerseits gibt es Strukturen, die der modernen russischen Sprache entnommen sind. So werden zum Beispiel Antonyme zu Adjektiven ausgedrückt, indem man ein „un-“ davorsetzt. Im Deutschen und Englischen ist dies mit der Vorsilbe „un-“ (z.B. bei „unentbehrlich“, „ungenügend“, bzw. „unpredictable“, “unhappy“) zwar prinzipiell auch möglich, doch wird diese Art der Verneinung von Adjektiven am konsequentesten in der russischen Sprache (durch das Präfix «не») verwendet. Steigerungen von Adjektiven werden durch „plus-„ oder „doubleplus“ ausgedrückt. Auch im Russischen kann das Verdoppeln eines Adjektivs als Steigerung verwendet werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Sprache als Mittel der Satire in George Orwells "1984" und Vladimir Vojnovichs "Moskva 2042"
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Slawistik)
Veranstaltung
Moskva 2042
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
11
Katalognummer
V22662
ISBN (eBook)
9783638259408
ISBN (Buch)
9783638901598
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprache, Mittel, Satire, George, Orwells, Vladimir, Vojnovichs, Moskva
Arbeit zitieren
Gerrit Langel (Autor), 2003, Sprache als Mittel der Satire in George Orwells "1984" und Vladimir Vojnovichs "Moskva 2042", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22662

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