Marktanalyse: Kraftfahrzeug-Navigationssysteme für den Nachrüstmarkt in Deutschland


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

49 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. DIE „FIVE FORCES“ VON MICHAEL E. PORTER

2. DER MARKT FÜR NAVIGATIONSSYSTEME
2.1. DEFINITION UND GESCHICHTE
2.2. EINGRENZUNG DES MARKTES
2.2.1. GPS geführte Navigationssysteme
2.2.2. „ Onboard “ und „ Offboard “ Navigationssysteme
2.2.3. „ OEM “ und „ Aftermarket “ Navigationssysteme

3. AUSGEWÄHLTER TEILMARKT
3.1. ALLGEMEINE MARKTDATEN
3.2. WETTBEWERBSSITUATION
3.3. NEUE WETTBEWERBER
3.4. BEDROHUNG DURCH ERSATZPRODUKTE
3.4.1. Auf einem PDA basierende Navigationsgeräte
3.4.2. Gallileo statt GPS
3.5. MARKTMACHT DER LIEFERANTEN
3.6. MARKTMACHT DER KUNDEN
3.7. RECHTLICHE EINFLUSSFAKTOREN

4. KUNDENANALYSE
4.1. KUNDENVORTEILE DER AM-NAVIGATIONSGERÄTE
4.2. ALLGEMEINE KUNDENSTRUKUR UND KUNDENVERHALTEN
4.3. WICHTIGE KUNDENGRUPPEN UND DEREN EIGENSCHAFTEN
4.4. DISTRIBUTION VON NAVIGATIONSSYSTEMEN
4.5. KUNDENINFORMATION

5. WETTBEWERBERANALYSE
5.1. BLAUPUNKT
5.1.1. Das Unternehemen
5.1.2. Die Geschichte des Navigationssystems beginnt bei Blaupunkt
5.1.3. Marktdaten
5.1.4. Vertriebsstruktur
5.1.5. Strategische Ausrichtung des Unternehmens
5.2. PIONEER DEUTSCHLAND
5.2.1. Unternehmen
5.2.2. Positionierung und strategische Ausrichtung
5.2.3. Marketing und Distribution

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die "Five-Forces" von Porter

Abbildung 2: Schätzung der Marktanteile Nachrüstung

Abbildung 3: Absatz von Navigationssystemen in Deutschland

Abbildung 4: Beispiel Außendienst

Abbildung 5: Blaupunkt Logo

Abbildung 6: Pioneer Logo und Slogan

Abbildung 7: Bildschirmnavigationssystem

Zusammenfassung

Für Deutschland wird prognostiziert, dass zwischen 2001 und 2005 der Personenverkehr um 30% und der Güterverkehr um 70% zunehmen werden. 2010 werden 30% aller europäischen Verkehrsleistungen auf den Straßen Deutschlands stattfinden. Das wäre fast doppelt so viel wie heute. Navigationssysteme für Automobile können bei Verkehrsstauungen Abhilfe schaffen.1

Die folgende Ausarbeitung ist eine Marktanalyse des deutschen Marktes für Auto-Navigationssysteme, die nachträglich eingebaut werden können. In diesem Zusammenhang wird dieser Markt genau definiert und gegenüber anderen abgegrenzt.

Der ausgewählte Markt wird dann anhand der „Five-Forces“ von Michael

E. Porter untersucht und auf die vorherrschenden Bedingungen eingegangen.

Bei einer Kundenanalyse von Käufern und Kaufplanern werden

verschiedene Kundengruppen identifiziert und deren Eigenschaften und Bedürfnisse dargestellt. Mit Kunden sind in diesem Fall die Endverbraucher und weniger die Zwischenhändler gemeint. Zum Schluss wird noch eine Wettbewerberanalyse ausgewählter Navigationssystem-Hersteller vorgenommen. Zum einen ist das der Marktführer Blaupunkt. Dieser deckt sowohl den Nachrüstmarkt als auch den Markt für die Erstausrüstung ab. Der zweite Anbieter ist die deutsche Tochter des japanischen Unterhaltungselektronik-Konzerns Pioneer. Dieser Wettbewerber ist nur am Nachrüstmarkt präsent und konzentriert sich auf das Premium-Segment.

1. Die „Five Forces“ von Michael E. Porter

Um zu einer übersichtlichen und strukturierten Analyse eines Marktes (im folgenden Marktanalyse genannt) zu kommen, kann man neben der McKinsey-Matrix auch das klassische „Five-Forces“ Modell des Harvard Professors Michael E. Porter verwenden. Es wurde von ihm 1980 in seinem Buch Wettbewerbsstrategie veröffentlicht und hat weltweit die größte Beachtung erlangt2 - vor allem, weil sein Konzept unternehmensexterne Faktoren für eine unternehmensinterne Analyse einbezieht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Michael E. Porter, „Wettbewerbsstrategie“ (1992), S. 20

Abbildung 1: Die "Five-Forces" von Porter

Porter sagt, dass nur die Kombination des externen und internen Umfelds einer Branche die Spielregeln des Wettbewerbs bestimmt und somit auch die Wahl der Strategie. Er identifiziert fünf Wettbewerbskräfte, die zusammen das Gewinnpotential der Branche definieren, also dessen langfristige Erträge aus dem eingesetzten Kapital.

Eine Branche ist eine Gruppe von Unternehmen mit fast identischen Produkten oder Dienstleistungen.

Durch die genaue Analyse der Branche erhält ein Unternehmen einen Einblick in Trends, Chancen und Risiken, sowie die gewinnbringendsten Marktbereiche des Wettbewerbs. Ausserdem können die individuellen Stäken und Schwächen erkannt und somit eine Standortbestimmung innerhalb der Branche durchgeführt werden.

Ziel einer Marktanalyse ist es also, eine geeignete Position zu finden, um sich vor den Wettbewerbskräften zu schützen oder sie zu seinen eigenen Zwecken zu nutzen.3

Die fünf von Porter implementierten Kräfte sind im einzelnen:

- Wettbewerb in der Branche

Die Rivalität unter bereits etablierten Unternehmen äußert sich in Form von Preiswettbewerb, Werbeschlachten, der Einführung neuer Produkte oder der Ausprägung von Service- und Garantieleistungen. Auch innerhalb der Branche führen diese Handlungen häufig zu Vergeltungs- und Gegenmassnahmen, da die Aktivität des Einzelnen sich immer auf die Struktur der gesamten Branche ausweitet.4

- Marktmacht der Lieferanten

Stärke auf der Seite der Lieferanten entsteht, wenn es nur wenige von ihnen gibt oder ihre Gewinne nicht durch Ersatzprodukte bedroht werden. Besonders viel Macht besitzt der Lieferant, wenn das Produkt ein entscheidender Input für den Abnehmer darstellt. Verschärft wird diese Position, wenn zudem noch die Branche des Käufers für den Lieferanten wenig relevant ist. Je höher also die Abhängigkeit von einem Lieferanten ist, desto stärker ist dessen Marktmacht.5

- Gefahr des Markteintritts potentieller Konkurrenten

Neue Marktteilnehmer bringen neue Kapazitäten in die Branche ein. Doch um diese positiv für sich selbst nutzen zu können, müssen sie erhebliche Mittel einsetzen, um sich gegen die Reaktion der bereits etablierten Unternehmer zu wehren und die Eintrittsbarrieren zu überwinden. Denn der Markteintritt bringt für die bestehenden Wettbewerber eine Kostenerhöhung mit sich, die wiederum die Rentabilität senkt.6

- Marktmacht der Abnehmer

Allgemein äußert sich die Macht der Abnehmer durch Preis- senkungen, eine höhere Qualität und ein besseres Leistungs-angebot. Wie groß ihr Einfluss sein kann, hängt von der Stärke der wichtigsten Abnehmergruppe, deren Anteil der eigenen Käufe an den Gesamtverkäufen und der Marktsituation ab. Als besonders stark erweist sich eine konzentrierte Abnehmergruppe, die einen großen Anteil an den Gesamtumsätzen der Verkäufer hat.7

- Bedrohung durch Ersatzprodukte

Konkurrenz entsteht nicht nur durch neue Wettbewerber oder zwischen den etablierten Unternehmen, sondern ebenso durch deren Produkte und ihre Substitutionsfähigkeit. Ersatzprodukte beschränken das Gewinnpotential, da sie die Obergrenze für die Preise festlegen. Besonders sollten Wettbewerber auf Substitutionsprodukte achten, deren Preis/ Leistungsverhältnis sich im Gegensatz zur Konkurrenz verbessert, so dass diese Produzenten damit hohe Gewinne erzielen.8

Der globale Markt spielt heute zudem eine viel größere Rolle als der Wettbewerb innerhalb der Landesgrenzen, deshalb reicht es oftmals nicht aus nur die unmittelbaren Wettbewerber in der Region zu betrachten. Als wichtiger Einflussfaktor auf die „Five-Forces“ ist der Staat zu nennen. Er tritt am Markt als Abnehmer und/oder Lieferant auf, doch sind seine Motive eher politisch als ökonomisch orientiert. Durch Gesetze und Vorschriften beeinflusst er die Attraktivität von Märkten und Ersatzprodukten. Auch kann er mittels Kartellbehörden direkt in das Marktgeschehen eingreifen und die Wettbewerberrivalität entscheidend beeinflussen.9

In der nun folgenden Marktanalyse wird der Markt anhand der beschriebenen „Five Forces“ von Porter analysiert.

2. Der Markt für Navigationssysteme

2.1. Definition und Geschichte

Ortung und Navigation sind die beiden Grundvoraussetzungen für eine gezielte und vor allem erfolgreiche Ortsveränderung. Dabei ist es egal welches Verkehrsmittel man verwendet. In der vertrauten Umgebung wird man sich dessen nicht so bewußt, da die notwendigen Schritte hierfür im Unterbewußtsein ablaufen. Sowie man aber seine gewohnte Umgebung verlässt, muß man seinen Weg planen und Hilfsmittel verwenden, um sein Ziel zu finden: Ortung und Navigation gehören daher zu den Urbedürfnissen des Menschen.10

Die Bedeutung von elektronischen Navigationssystemen nimmt in der heutigen Zeit stetig zu. Dies hängt mit der steigenden Mobilität der Menschen zusammen.

Navigationssysteme spiegeln auf ihre Art immer den jeweiligen Stand der Technik im laufe der Geschichte wieder. Waren es in der Vergangenheit noch Landkarte und Kompass, finden heute Verfahren wie Funkortung und vor allem Satellitennavigation Anwendung.11

2.2. Eingrenzung des Marktes

Der Markt für elektronische Navigationssysteme im Allgemeinen ist sehr breit. So gibt es zum einen die verschiedenen Verkehrsmittel zu Wasser, zu Land und in der Luft. Zum anderen gibt es unterschiedliche Produkttechnologien, die zur Ortung und Navigation verwendet werden.

In dieser Abhandlung wird ausschließlich auf Navigationssysteme zum Festeinbau für Automobile eingegangen. Es wird nur der deutsche Markt betrachtet. Des weiteren wird der Markt anhand folgender Kriterien eingegrenzt:

2.2.1. GPS geführte Navigationssysteme

Alle aktuellen Navigationshilfen sind satellitengestützt und basieren auf der amerikanischen GPS-Technik (GPS steht für „Global Positioning System“). Sie nutzen 24 Navigationssatelliten, die in einer Höhe von über 21.000 Kilometer um die Erde kreisen. Diese Satelliten senden Zeitsignale aus. Der GPS-Empfängern misst die unterschiedliche Laufzeit der Signale und errechnet daraus seinen Standort. Dafür reichen die Funkdaten von drei Satelliten aus.12

Zusätzlich wird die Bewegung des Autos (Geschwindigkeit, Beschleunigung) in die Berechnung mit einbezogen. Der Standort des Kraftfahrzeugs kann so bis auf wenige Meter genau bestimmt werden. Aus den Informationen einer digitalen Straßenkarte und der aktuellen Position errechnet das Navigationssystem den Weg zum Zielort, der bei Fahrtantritt eingegeben wurde. Über ein Display oder eine Stimme führt der elektronische Lotse den Fahrer zum gewünschten Ziel.13

Der zu betrachtende Markt wird auf Systeme eingegrenzt, die nach diesem technischen Grundprinzip funktionieren.

2.2.2. „Onboard“ und „Offboard“ Navigationssysteme

Im folgenden wird nur auf den Markt für sie sog. „Onboard-Systeme“ eingegangen. Diese Geräte zeichnen sich dadurch aus, dass sich das benötigte Kartenmaterial (digitale Straßenkarte) im Fahrzeug befindet. Dieses ist in der Regel auf einer CD- oder DVD-ROM gespeichert. Die gewünschte Route wird ebenfalls „an Bord“ berechnet. Im Gegensatz dazu sind bei Offboard-Lösungen die Straßenkarten nicht im Endgerät untergebracht, sondern in einem Zentralcomputer gespeichert, der seine Berechnungen dann mittels GSM-Netz ins Auto schickt. Es muß sich jedoch trotzdem ein GPS Empfänger im Fahrzeug befinden.14 Diese Dienste sind zudem Gebührenpflichtig.

2.2.3. „OEM“ und „Aftermarket“ Navigationssysteme

„OEM“ steht für Original Equipment Manufactoring. Diese Geräte werden von Zulieferern für die Automobilindustrie gebaut, die sie dann unter Nutzung des eigenen Markennamens in die Fahrzeuge einbaut und so ab Werk verfügbar sind.

Im Gegensatz dazu werden die „Aftermarket“-Navigationssysteme (im folgnenden auch mit AM abgekürzt), wie es der Name schon sagt, erst nachträglich in die Autos eingebaut. Vertrieben werden diese Produkte über den Einzelhandel und KFZ-Werkstätten.

Die großen Hersteller von Navigationssystemen produzieren sowohl OEM als auch AM Produkte. Allerdings werden nur die zugletztgenannten Geräte unter dem eigenen Label verkauft.

In dieser Untersuchung wird im speziellen nur auf den Markt für Aftermarket-Geräte eingegangen. Beide Märkte sind jedoch nicht völlig voneinander unabhängig und beeinflussen sich gegenseitig. Teilweise werden in beiden Märkten die gleichen Geräte angeboten. Deshalb kann der OEM-Markt im folgenden nicht völlig ausgegrenzt werden. Momentan werden ca. 25% der Navigationssysteme nachträglich eingebaut. Die restlichen 75% werden ab Werk ausgeliefert. Dies entspricht etwa jedem zehnten Neufahrzeug.15

Das Statistische Bundesamt klassifiziert die Branche der Navigationssysteme unter der Gruppe 33.20.1 „Herstellung von Mess-, Kontroll-, Probe-, Navigations- und Ähnlichen Instrumenten und Vorrichtungen.16

3. Ausgewählter Teilmarkt

3.1. Allgemeine Marktdaten

Nach Recherchen des ADAC unter den Herstellern der Navigationsgeräte und der elektronischen Straßenkarten konnte sich die positive Marktentwicklung für Navigationssysteme sowohl in Europa wie auch in Deutschland weiter dynamisch fortsetzen.

Die Absatzzahlen der nachgerüsteten Systeme und der in Neuwagen integrierten Geräte waren noch im Jahr 1998 annährend gleich - seitdem werden mehr Navigationssysteme bei Neuwagenkauf (OEM) geordert als später bei Gebrauchtwagen nachgerüstet (AM). Aus Abbildung 2 geht hervor, dass der ADAC von einer Verringerung des Anteils auf 20% im Jahr 2005 ausgeht.17

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: ADAC, „Marktentwicklung für Kfz-Navigation“

http://www.adac.de/verkehr/verkehrsexperten/fachinformationen Bereich Telematik Abbildung 2: Schätzung der Marktanteile Nachrüstung / OEM, e=Prognose

Insgesamt rechnet die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) mit einem Marktvolumen für Deutschland von mehr als 1,5 Mrd. Euro in diesem Jahr.18 Bei einem Anteil von 25 Prozent entspricht das einem Volumen von rund 375 Mio. Euro im Nachrüstungsgeschäft.

Aus Abbildung 3 ist hingegen ersichtlich, dass der Markt für AM Navigationssysteme, trotz des sinkenden Anteils am Gesamtmarkt, nominell auf etwa gleichem Niveau bleibt. Dies ist auf das starke Gesamtwachstum der Branche zurückzuführen.

Da auf dem deutschen Markt eine gewisse Marktsättigung bis zum Jahr 2005 erwartet wird, bleibt das zukünftige Wachstum hierzulande wohl etwas hinter dem Europäischen zurück. Dadurch dürfte der deutsche Anteil am gesamteuropäischen Absatz von 56% im Jahr 2001 auf unter 50% im Jahr 2005 schrumpfen. Das bundesdeutsche Absatzwachstum lag nach Angaben des ADAC im Jahr 1999 noch bei 55 Prozent. Dieses wird sich auf ca. 15 Prozent im Jahr 2005 abschwächen. Momentan beträgt es noch knapp 25 Prozent.19

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

* Quelle: Blaupunkt, Dr. Joachim Siedler e = Prognose

Anm.: vor 2001 waren keine Daten zum AM-Anteil verfügbar

Quelle: Eigene Darstellung, Vgl. ADAC, „Marktentwicklung für Kfz-Navigation“

Abbildung 3: Absatz von Navigationssystemen in Deutschland

3.2. Wettbewerbssituation

Wie oben beschrieben, wächst der Markt für Navigationssysteme insgesammt stark. Da faktisch alle Hersteller sowohl OEM als auch AM Geräte herstellen, ist der Wettbewerb in beiden Kategorien vergleichbar. Die Teilnehmer sind überwiegend identisch.

Der deutsche Markt für Navigationssysteme wird vor allem von Blaupunkt (Bosch), Becker (Harman, USA), Siemens VDO und Alpine beherrscht.20

Allesamt sind Tochterfirmen großer und damit auch finanzstarker Unternehen. Dieser Umstand ist wichtig, da momentan keiner am Markt die gewünschte Rendite erreicht.21 Von daher ist zwar davon auszugehen, dass die Marktteilnehmer über genügend Kapital verfügen um noch am Markt zu bleiben, langfristig wird wohl eine gewisse Konzentration eintreten müssen. Vor allem vor dem Hintergrund sinkenden Marktwachstums ist dieser Aspekt wichtig.

Neben den genannten Herstellern spielen im Aftermarket-Bereich auch die großen Konzerne der Unterhaltungselektronik eine Rolle, die mit Navigationssystemen ihr Sortiment vervollständigen möchten. Auf dem hiesigen Markt sind dies vor allem: JVC, Kenwood, Panasonic, Pioneer und Sony.22 Deren Modellpalette ist in der Regel nicht so breit angelegt, wie die der Konkurrenten. Es wird jedoch gerade in Kombination mit hochwertigen HIFI-Komponenten ein gutes Preis/Leistungs Verhältnis geboten.23 Auch diese Unternehmen verfügen über ausreichende Finanzstärke um am Markt bestehen zu können. Jedoch ist in diesem Markt weniger mit einem starken Preiskampf zu rechnen als mit einem Kampf um die Technologieführerschaft, denn der Wachstumsmarkt für Navigationssysteme ist am ehesten mit dem der PC-Industrie vergleichbar. Die Systeme werden bei gleichem Preislevel immer anspruchsvoller und leistungsfähiger.24 Daraus lässt sich ableiten, dass die Frage welche Unternehmen am Markt bleiben werden entscheident über den Preis entschieden werden. Viel wichtiger wird die Frage sein welches Unternehemen nicht mehr mit der technischen Entwicklung mithalten kann. So ist zu erklären, dass beispielsweise die Blaupunkt GmbH in Hildesheim beinahe jeden dritten Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung einsetzt.25

Im Moment liegen alle Wettbewerber ungefähr auf dem gleichen Niveau was die technischen Entwicklung der Produkte angeht. Dies trägt zu einer Verschärfung des Wettbewerbs bei.

3.3. Neue Wettbewerber

Wie bereits im vorherigen Abschnitt angedetet, fallen die Margen in der Branche relativ niedrig aus. Außerdem haben die etablierten Unternehemen einen hohen Erfahrungs- und Technikvorsprung vor eventuellen neuen Wettbewerbern. Diese müssten sehr hohe Investitionen tätigen um diesen Nachteil aufzuholen. Deshalb geht das Marktforschungsunternehmen SBD Ltd. aus Großbritannien nicht davon aus, dass die Anzahl von Anbietern klassischer Navigationsgeräte zum Festeinbau in der vorhersehbaren Zukunft nicht zunehemen wird.26 In der Vergangenheit waren die Unternehmen der klassischen Unterhaltungselektronik neue Wettbewerber.

3.4. Bedrohung durch Ersatzprodukte

Die Bedrohung durch Navigationsgeräte, die auf einer anderen Technologie basieren, ist höher als die Gefahr, die durch neue Wettbewerber entsteht. Es werden verschiedene Systeme angeboten (oder sind in Entwicklung), die die gleichen Aufgaben übernehmen können wie die herkömmlichen Navigationssysteme.

Die wichtigsten Substitute sind:

3.4.1. Auf einem PDA basierende Navigationsgeräte

Seit Mitte 2002 bieten einige Hersteller Navigationssysteme an, die mittels PDA (Persolal Digital Assistants) und angeschlossenenen GPS Empfänger funktionieren. Diese Geräte sind portabel und können so auch außerhalb des Autos verwendet werden. Zudem ist ihre Funktionalität nicht nur auf die des digitalen „Pfadfinders“ begrenzt. Wie alle PDAs können auch diese Geräte z.B. für Office-Anwendungen benutzt werden.

Über Speicherkarten oder eine Schnittstelle zum PC kann aktuelles Kartenmaterial aufgespielt werden. Diese Systeme sind günstiger als die herkömmlichen CD/DVD-Systeme, erreichen aber nicht deren Genauigkeit bei der Zielführung.27 Beachtung fand in diesem Sektor die Marke Medion, die ein solches Gerät über den Lebensmitteldiscounter Aldi vertreibt. Obwohl Medion die Geräte nur in Deutschland anbietet, schnellte ihr Marktanteil von 0 auf 8 Prozent des europäischen Gesamtmarktes für Handheld PCs.28 Alternativ zu den beschriebenen Systemen gibt es auch für PDAs Offboard-Varianten. Das Kartenmaterial befindet sich dann eben nicht auf dem Gerät sondern die gewünschte Route wird je nach Bedarf über das GSM Netz von einem Zentralserver angefordert.

Eine weitere Abwandlung davon ist das Navigieren über das Handy. Moderne Handys haben eine ähnliche Leistungsfähigkeit wie PDAs, so dass sie deren Funktion übernehmen können. Jedoch ist weiterhin ein GPS-Empfänger notwendig.

Heftig beworben wird derzeit der neue Navigationsdienst NaviGate der Telekomtochter T-Mobile. Auch hierbei handelt es sich um eine Offboard- Navigation. Zusätzlich zu den Anschaffungskosten verlangt T-Mobile für jede Rouenberechnung, unabhängig von der Länge, 1,99€. Marktbeobachter erwarten, dass diese Systeme auf mittlere Sicht die Einstiegskategorie im Bereich Auto-Navigation definieren werden und vor allem für Nutzer interessant sind, die das System nicht regelmäßig nutzen.29

3.4.2. Gallileo statt GPS

Die Europäische Kommission plant den Aufbau eines eigenen Satelliten- Navigationssystems namens GALILEO mit 30 Satelliten, das zudem eine bessere Genauigkeit als GPS erlaubt.

[...]


1 Vgl. Michels, „Besser am Stau vorbei“, Der Handel (2001) Heft 8, Seite 18-22

2 Vgl. Michael E. Porter, „Wettbewerbsstrategie“ (1992), S.2

3 Vgl. Porter (1992), S.27

4 Vgl. Porter (1992), S.42-48

5 Vgl. Porter (1992), S.54-56

6 Vgl. Porter (1992), S.29-41

7 Vgl. Porter (1992), S.50-53

8 Vgl. Porter (1992), S.49-50

9 Vgl. Porter (1992), S.56

10 Vgl. Frank Schrödter (1994), „GPS Satelliten Navigation“, S.13

11 Vgl. Schrödter (1994), S.13

12 Vgl. Hermann Schenk, "Fingerzeig aus dem Weltraum", kfz-betrieb Wochenjournal 3/2001, http://www.kfzbetrieb.de/fachartikel/kb_fachartikel_nh_52490.html [04.09.01]

13 Vgl. Schenk (2001)

14 Vgl. Marie-Anne Winter, dpa, "Der Volksnavigator kommt", http://www.teltarif.de/arch/2003/kw36/s11433.html [01.09.2003]

15 Vgl. ADAC Prognose, "Marktentwicklung für KFZ-Navigation", http://www.adac.de/verkehr/verkehrsexperten/fachinformationen Bereich Telematik

16 Vgl. Statistisches Bundesamt Wiesbaden, Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2003 (WZ 2003), S. 25

17 Vgl. ADAC Prognose, "Marktentwicklung für KFZ-Navigation", http://www.adac.de/verkehr/verkehrsexperten/fachinformationen Bereich Telematik

18 Vgl. „Immer mehr Autos mit Navigationssystem“, http://www.golem.de/0307/26196.html [01.07.03]

19 Vgl. ADAC Prognose, "Marktentwicklung für KFZ-Navigation", http://www.adac.de/verkehr/verkehrsexperten/fachinformationen Bereich Telematik

20 Vgl. P. Strauss, SBD Ltd., „The European market and trends for on-board and offboard navigation systems“, S. 40, February 2003 http://www.spirasolutions.co.uk/Secured_By_Design/assets/180_Navigation_Report_Sample.pdf

21 Vgl. „Blaupunkt hat sich mit Navigation verfahren“, Handelsblatt Nr.136, 18.07.02, S. 13

22 Vgl. P. Strauss, SBD Ltd., „The European market and trends for on-board and off-board navigation systems“, S. 40, February 2003 http://www.spirasolutions.co.uk/Secured_By_Design/assets/180_Navigation_Report_Sample.pdf

23 Vgl. Preis/Leistungs-Vergleich auf http://gps_navigation.org/gpsshop/media

24 Vgl. Interview mit Franz Wiehler (Siemens VDO), „Wachstumsmarkt mit interessanten Margen“, http://www.kfzbetrieb.de/fachartikel/kb_fachartikel_nh_52514.html [03.09.01]

25 Vgl. Wolf-Henning Schneider, Blaupunkt GmbH, Pressekonferenz IFA 2003 in Berlin am 27. August 2003, S. 2 http://www.bosch- presse.de/modules/oragetblob.dll?db=TBWebDB&item=TBWebDB_texpdf&id=1668,1&download=RF30804.pdf

26 Vgl. P. Strauss, SBD Ltd., „The European market and trends for on-board and offboard navigation systems“, S. 5, February 2003 http://www.spirasolutions.co.uk/Secured_By_Design/assets/180_Navigation_Report_Sample.pdf

27 Vgl. P. Strauss, SBD Ltd., „The European market and trends for on-board and offboard navigation systems“, S. 8-9, February 2003 http://www.spirasolutions.co.uk/Secured_By_Design/assets/180_Navigation_Report_Sample.pdf

28 Vgl. Canalys research release 2003/071, Handheld market returns to high growth in Europe, 22.07.03 http://www.canalys.com/pr/r2003071.htm

29 Vgl. Marie-Anne Winter, dpa, "Der Volksnavigator kommt", http://www.teltarif.de/arch/2003/kw36/s11433.html [01.09.2003]

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
Marktanalyse: Kraftfahrzeug-Navigationssysteme für den Nachrüstmarkt in Deutschland
Hochschule
Hochschule Heilbronn, ehem. Fachhochschule Heilbronn  (Wirtschaftsingenieurwesen)
Veranstaltung
Marketing/Controlling
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
49
Katalognummer
V22669
ISBN (eBook)
9783638259453
Dateigröße
943 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Ausarbeitung ist eine Marktanalyse des deutschen Marktes für Auto-Navigationssysteme, die nachträglich eingebaut werden können. In diesem Zusammenhang wird dieser Markt genau definiert und abgegrenzt. Bei einer Kundenanalyse von Käufern und Kaufplanern werden verschiedene Kundengruppen identifiziert und deren Eigenschaften und Bedürfnisse dargestellt. Zum Schluss wird noch eine Wettbewerberanalyse ausgewählter Navigationssystem-Hersteller vorgenommen: Blaupunkt und Pioneer
Schlagworte
Marktanalyse, Kraftfahrzeug-Navigationssysteme, Nachrüstmarkt, Deutschland, Marketing/Controlling
Arbeit zitieren
Sebastian Hepp (Autor), 2003, Marktanalyse: Kraftfahrzeug-Navigationssysteme für den Nachrüstmarkt in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22669

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