Jeder kennt Robin von Loxley, oder besser Robin Hood. Er lebt mit seiner Bande im
Sherwood Forrest. Er beraubt die Reichen und gibt die Beute den Armen.
Dies ist das allen bekannte Bild des Räubers als Sozialbandit. In dieser Hausarbeit
beschäftige ich mich mit dem Phänomen des Sozialrevolutionärs oder Sozialbanditen, ob
es überhaupt wirklich Sozialbanditen gab, und ob es überhaupt angebracht ist, von solchen
zu sprechen. Was ist überhaupt Sozialbanditentum, und von wem wird der Räuber
überhaupt als Sozialrevolutionär angesehen? Wichtig ist weiterhin, ob er sich selbst auch
als Sozialrevolutionär sah. Um diese Fragen zu beantworten muss man natürlich auch
weiter ausholen und sich fragen, woher überhaupt der Bandit stammt, beispielsweise aus
welchem Milieu, und warum er Bandit wird. Deshalb gehe ich auch ausführlich auf die
Rekrutierung der Banditen ein.
In meiner Arbeit beziehe ich mich vorrangig auf Hobsbawns Bild eines
Sozialrevolutionärs. Deshalb möchte ich am Ende der Arbeit auch noch darauf eingehen,
wie spätere deutsche Forscher und Schriftsteller Hobsbawns Bild des Räubers als
Sozialrevolutionär bewerten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Definitionen und Abgrenzung des Sachgebiets
2. Rekrutierungsquellen des Banditentums
2.1 Bäuerliches Brigantentum
2.2 Vaganten
2.3 „Unehrliche“
2.4 Zigeuner und Juden
3. Der Räuber als Sozialrebell?
3.1 Gauner und Räuber
3.2 Solidarität innerhalb der Banden
3.3 Der Bandit als Rebell
3.4 Der Bandit und die Armen
3.5 Der Bandit in den Augen des Volkes
4. Die Sicht späterer deutscher Schriftsteller auf Hobsbawns Darstellung
Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch das Phänomen des "Sozialbanditen" nach dem Konzept von Eric Hobsbawm und hinterfragt, ob Räuber im langen 18. Jahrhundert tatsächlich als bewusste Sozialrevolutionäre agierten oder ob es sich bei dieser Zuschreibung um eine nachträgliche Idealisierung handelte.
- Analyse der Rekrutierungsquellen von Banditentum und vagierenden Schichten.
- Untersuchung der sozialen Struktur und Solidaritätsmechanismen innerhalb von Räuberbanden.
- Kritische Reflexion des Hobsbawmschen Idealtypus anhand historischer Fallbeispiele.
- Gegenüberstellung der Forschungsmeinungen von Küther und Danker zur Rolle des Banditen.
- Beurteilung der Frage, ob Räuber über ein politisches Programm verfügten oder lediglich ökonomisch motiviert waren.
Auszug aus dem Buch
3.2 Solidarität innerhalb der Banden
Wie bereits angedeutet war die Bandengemeinschaft mehr als nur ein Zweckverband. Hierfür sprechen vor allem ein ausgeprägtes „Netzwerk“ innerhalb der Banden (Baldower, Hehler, Unterschlupf,...), eine überregionale Zusammenarbeit und eine eigen Sprache (Rotwelsch). Dies erklärt sich nur partiell aus den Anforderungen eines Lebens in der Illegalität, sondern ist vielmehr Ausdruck einer Gegengesellschaft. Prinzipiell herrscht unter den Angehörigen der vagierenden Gruppen die selbe Solidarität, wie in den sozial integrierten Gruppen. Sie bezeichnen sich selbst als „kochem“, „platt“ etc., im Gegensatz zur „wittischen“ (gesetzestreuen) Gesellschaft. Obwohl durch ihr Leben im Geheimen keine geregelte Gesellschaft organisierbar war, waren sie verbunden durch die selbe Lebensart, gleiche Sitten und Moralvorstellungen und ihre eigene Sprache. Sie verfügten zudem über Werte und Rechtsvorstellungen, die von den allgemeinen Normen stark abwichen. Hinsichtlich unseres Themas stellt sich für mich die Frage, ob sich die Räuber ihrer sozialen Unterprivilegierung bewusst waren, und ob sie deshalb Räuber wurden.
Ihre Grundmaxime war die Gegnerschaft zum Staat und zu den herrschenden sozialen Bedingungen. Somit waren sie sich schon ihrer Unterdrückung bewusst. Sie verstanden ihre Gewalt und ihren Hass als Reaktion auf staatliche Demütigung. Auch die bestehende Gesellschaft war für sie ein natürlicher Gegner, da sie von ihr ausgestoßen wurden. Somit war die Gemeinschaft der Gauner „antisozial“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Forschungsfrage nach der Existenz von Sozialbanditen im 18. Jahrhundert gestellt und die methodische Vorgehensweise skizziert.
1. Definitionen und Abgrenzung des Sachgebiets: Es wird der Idealtypus des Sozialbanditen nach Hobsbawm definiert und von gewöhnlichen kriminellen Banden abgegrenzt.
2. Rekrutierungsquellen des Banditentums: Dieser Abschnitt analysiert die sozioökonomischen Hintergründe von Vaganten, Unehrlichen, Zigeunern und Juden als soziale Randgruppen.
3. Der Räuber als Sozialrebell?: Dieses Hauptkapitel prüft das soziale Selbstverständnis, die Solidarität und die tatsächlichen Motive der Banditen im Vergleich zu Hobsbawms Thesen.
4. Die Sicht späterer deutscher Schriftsteller auf Hobsbawns Darstellung: Es werden die konträren Forschungsansätze von Küther und Danker zur Bewertung des historischen Banditentums diskutiert.
Resümee: Das Fazit kommt zu dem Schluss, dass Räuber in der Regel keine Sozialrevolutionäre waren, sondern ihre Rolle oft eine Fremdzuschreibung darstellte.
Schlüsselwörter
Sozialbandit, Sozialrevolutionär, Hobsbawm, Brigantentum, Vaganten, 18. Jahrhundert, Kriminalitätsgeschichte, soziale Randgruppen, Bauernschaft, Bandenwesen, Schinderhannes, Bayrischer Hiesel, soziale Solidarität, Idealisierung, politische Programmatik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das historische Phänomen des "Sozialbanditen" und hinterfragt, inwieweit diese Räuber im 18. Jahrhundert als politische Akteure oder Sozialrevolutionäre betrachtet werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rekrutierung von Banditen aus marginalisierten Schichten, die soziale Organisation innerhalb der Banden sowie die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der These des "edlen Räubers".
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob der Begriff des Sozialrevolutionärs historisch auf Räuber im 18. Jahrhundert zutrifft oder ob es sich primär um eine Idealisierung durch das Volk und die Forschung handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine literaturgestützte Analyse, indem er Hobsbawms Definitionen mit den Werken zeitgenössischer Historiker wie Küther und Danker vergleicht und kritisch einordnet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die sozialen Hintergründe der Banditen, ihre Solidaritätsstrukturen, die Beziehung zu den Armen sowie die unterschiedliche Bewertung dieser Phänomene durch moderne Historiker detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialbandit, Vagantentum, 18. Jahrhundert, Kriminalitätsgeschichte, soziale Randgruppen, Identität und historische Idealisierung.
Welche Rolle spielt der "Bayrische Hiesel" in der Arbeit?
Er dient als eines der wenigen Beispiele, das dem Idealtypus eines Sozialbanditen nach Hobsbawm am nächsten kommt, da er eine starke Bindung zur lokalen Bevölkerung und einen gewissen Schutzstatus besaß.
Wie bewertet der Autor das Verhältnis zwischen Banditen und jüdischer Bevölkerung?
Der Autor zeigt auf, dass Juden einerseits bevorzugte Opfer von Raubüberfällen waren, andererseits aber auch als Mitglieder in Banden (z. B. "Große Niederländische Bande") aktiv waren, was gängige Klischees widersprach.
- Arbeit zitieren
- Henning Müller (Autor:in), 2003, Der Räuber als Sozialrevolutionär, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22672