Die Landwirtschaft in den ostmitteleuropäischen EU-Beitrittsländern


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

33 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Zielsetzung
1.2. Aktualität und Bedeutung der Landwirtschaft in den Beitrittsländern

2. Situation der Landwirtschaft in den ostmitteleuropäischen EU-Beitrittsländern
2.1. Der Einfluß des historischen Erbes auf die heutige Landwirtschaft
2.1.1. Von der Plan- zur Marktwirtschaft
2.1.2. Das Privatisierungsproblem in der Landwirtschaft
2.2. Entwicklung und Vergleich der Landwirtschaft in den MOEL anhand ausgewählter Agrarsektoren
2.2.1. Landwirtschaftliche Nutzfläche und Agrarproduktion
2.2.2. Betriebsstruktur
2.2.3. Agrarhandel und Preise
2.2.4. Landwirtschaft und Umwelt

3. Integration der ostmitteleuropäischen Landwirtschaft in die EU
3.1. Position der MOEL und der EU
3.2. Heranführungshilfen

4. Blick in die Zukunft
4.1. Problembereiche und Risiken
4.2. Chancen der Landwirtschaft in den 8 MOEL

5. Fazit

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Bedeutung der Landwirtschaft

Abbildung 1: EU-Beitrittskandidaten

Abbildung 2: Agrarkollektivierung

Abbildung 3: Landwirtschaftliche Nutzfläche

Abbildung 4: Bruttoagrarprodukt der MOEL

Abbildung 5: Viehbestände

Abbildung 6: Tier- und Milchproduktion in den MOEL

Abbildung 7: Ackerkulturen

Abbildung 8: Betriebsstrukturen in den MOEL 16

Abbildung 9: Durchschnittliche Gesamtgröße der Betriebe

Abbildung 10: Agrarhandel

Abbildung 11: MOEL-EU-Lebensmittelnettohandel

Abbildung 12: Erzeugerpreise im Vergleich zur EU

Abbildung 13: Jährliche Unterstützung im Rahmen des SAPARD

1. Einleitung

1.1. Zielsetzung

Ziel meiner Arbeit ist es, die Landwirtschaft in den ostmitteleuropäischen EU-Beitrittsländern näher zu betrachten.

Die Landwirtschaft in den ostmitteleuropäischen EU-Beitrittländern und die Annäherung dieser an den EU-Status spielten schon bei der vorigen Erweiterung eine große Rolle und sind bei dieser Verhandlungsrunde von noch umfangreicherer Komplexität. So sollen die Situation der Landwirtschaft in den ostmitteleuropäischen EU-Beitrittsländern, die Integration dieser in die EU, sowie ein Blick in die Zukunft, Themen dieser Seminararbeit sein, um einen konkreteren Einblick in dieses umfassende Thema zu erhalten.

Demnach wird im Teil „Situation der Landwirtschaft in den ostmitteleuropäischen EU-Beitrittsländern“ der Einfluss des historischen Erbes sowie die Entwicklung und ein Vergleich der Landwirtschaft in den ostmitteleuropäischen Beitrittsländer anhand ausgewählter Agrarsektoren vermittelt. Das Kapitel „Integration in die EU“ konzentriert sich hingegen auf die unterschiedlichen Forderungen seitens der EU und der MOEL, sowie auf die Heranführungshilfen. Im vierten Kapitel wird ein Blick in die Zukunft gewagt, der sowohl das Potential der LW in den 8 MOEL, als auch die Probleme nach dem Beitritt aufzeigen soll. Das letzte Kapitel umfasst einen kurzen Gesamtüberblick über die Problemstellung.

1.2. Aktualität und Bedeutung der Landwirtschaft in den Beitrittsländern

Mit der Erweiterung der EU um die Mittel- und Osteuropäischen Beitrittskanditaten[1] rückt das Ziel einer wirtschaftlichen und politischen Vereinigung Europas wieder ein Stück näher. Konkret gehören zu den ostmitteleuropäischen EU-Beitrittsländern, wie aus der Abbildung 1 ersichtlich, die Staaten Lettland, Estland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien (Kleine Zeitung, 16.April 2003, S.2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Hinblick auf die bevorstehende EU-Osterweiterung stellt speziell der Bereich Landwirtschaft eine große Herausforderung dar (Europäische Kommission, Februar 2003).

Durch die Osterweiterung wird sich nun die Bedeutung des Agrarsektors für die EU wesentlich ändern, da hinsichtlich der landwirtschaftlichen Nutzfläche, der Agrarproduktion und vor allem der landwirtschaftlichen Beschäftigten, die Landwirtschaft in den MOEL, wie aus der Abbildung 1 ersichtlich, einen erheblich höheren Stellenwert einnimmt als in der EU.

Abbildung 1: EU-Beitrittskandidaten

(Quelle: Europäische Union in Deutschland zur EU-Erweiterung, April 2003)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Bedeutung der Landwirtschaft (Quelle: Europäische Kommission, Februar 2003; Graphik: Eigene Bearbeitung)

Nur in Tschechien, in der Slowakei und in Slowenien ist die Bedeutung der Landwirtschaft unter diesen Gesichtspunkten mit dem EU-Durchschnitt vergleichbar. Hinsichtlich der Beschäftigten in der Landwirtschaft zeigt die Tabelle 1, dass in den 8 MOEL der Anteil der landwirtschaftlich Beschäftigten mit 12,4%, weitaus höher ist, als der in den EU-15 Staaten (5,1%). Die Erweiterung würde folglich die Anzahl der Landwirte mehr als verdoppeln, was aber nicht gleichzeitig eine Produktivitätssteigerung beinhaltet. Diese weist nämlich im Gegensatz zur EU einen beträchtlich niedrigeren Wert auf. Auch bei der landwirtschaftlich genutzten Fläche wird die größere Bedeutsamkeit des Agrarbereichs in den MOEL verdeutlicht. (Europäische Kommission, Februar 2003; Amt der Salzburger Landesregierung, Jänner 2003).

2. Situation der Landwirtschaft in den ostmitteleuropäischen EU-Beitrittsländern

2.1. Der Einfluß des historischen Erbes auf die heutige Landwirtschaft

2.1.1. Von der Plan- zur Marktwirtschaft

In den ost- und mitteleuropäischen EU-Beitrittsländern unterliegt der Agrarsektor einem Wandel von der ehemals sozialistischen Planwirtschaft hin zu einer wettbewerbsfähigen Marktwirtschaft. Diese Transformation war und ist noch immer ein sehr schwieriger Prozess, da die in den Ländern zuvor herrschenden ökonomischen Strukturen, grundlegend anders waren als die in den Ländern der Marktwirtschaft (BUCHHOFER, QUAISSER 1998, S.1-2).

Vor der Transformation war ein Agrarmarkt als solcher praktisch nicht vorhanden. Die Erzeugung, Verteilung, Verwendung, als auch die Preise von Agrarprodukten wurden nicht durch Angebot und Nachfrage, sondern durch staatliche Einrichtungen im Rahmen der zentral gelenkten Planwirtschaft getroffen. Die Nachfragekurve nach Agrarprodukten oder anderen Lebensmitteln wurde somit durch die Entwicklung der Einkommen gesteuert. Besonders charakteristisch für die Landwirtschaft der MOEL vor der Transformation war die führende Stellung der Verarbeitungsbetriebe von Getreide, Milch, Fleisch und Ölsaaten, die bis heute noch teilweise vorherrschend ist. Auch die Vielfältigkeit der Warenströme zwischen Erzeuger, Großhandel und Verarbeiter war und ist auch heute teilweise noch nicht vorhanden.

Durch den Umbruch 1989/90 wurde jedoch die gesamte Wirtschaft einer starken Weltkonkurrenz ausgesetzt, wodurch eine Modernisierung des gesamten Agrarsektors nötig war. So wurden nach und nach das Rechts-, Organisations- und Wirtschaftssystem an die Prinzipien des Westens angepasst. Betrachtet man die letzten Jahre so wurden durch Freihandelsabkommen eine schrittweise Marktöffnung erzielt und durch viele bilateralen Vereinbarungen der Außenschutz reduziert. Außerdem mussten Importabgaben für Agrarprodukte im Rahmen des WTO-Abkommens reduziert werden (Bundesanstalt für Agrarwirtschaft, März 2003).

So wurden nun drei wesentliche Änderungen zur vorher dominierenden Planwirtschaft vollzogen: Zu aller erst sind anstelle des kommunistischen Regimes mit seiner Monopolstellung demokratische Systeme entstanden. Folglich hat sich ein privater Landwirtschaftssektor durch Privatisierung, Neugründung von Firmen und ausländischen Investitionen gebildet. Ferner etablierte sich der Marktmechanismus als entscheidender Koordinationsmechanismus (Brezinski, nach BRUNNER 2000, S.153-163).

2.1.2 Das Privatisierungsproblem in der Landwirtschaft

Wie bereits im Kapitel 2.1.1 erwähnt, stellen tiefgreifende institutionelle und betriebliche Anpassungsprozesse in der Landwirtschaft einen wichtigen Pfeiler in Bezug auf Weiterentwicklung und Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der EU dar. Im Zentrum steht hierbei die Privatisierung und Dekollektivierung der großflächigen Staats- und Kollektivbetriebe, die in den meisten MOEL dominieren.

Grund dafür war, dass verbunden mit der Entstehung von Nationalstaaten nach 1920, wie aus der Abbildung 2 ersichtlich, auch weitreichende Agrarreformen durchgeführt wurden, die die Landwirtschaft maßgeblich veränderten. So traten an Stelle des klassischen Spektrums von klein bis mittelgroßer Betriebe zentral gesteuerte Großeinheiten. Diese Agrarkollektivierung setzte sich auch nach 1945 unter kommunistischer Staatsführung fort und spiegelte die Wertigkeit des Agrarsektors im Gegensatz zur Industrie wieder. Dabei wurde leicht übersehen, dass in den Staaten etwa 80-90% der Landesfläche von land- und forstwirtschaftlicher Nutzung waren, denen der größere Teil der Volksernährung zu verdanken war.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Agrarkollektivierung (Quelle: PENZ 1992)

Neben den großen Agrarkollektivierungen, herrschten dagegen in Polen und Slowenien private Kleinlandwirtschaften, jedoch ohne eigene Vermarktungserfahrungen, vor (BUCHHOFER, QUASSIER 1998, S.1-2). Grund für die überwiegend private Eigentumsstruktur in Polen war der energische Widerstand der Kleinbauern gegen Strukturreformen in der Landwirtschaft (Bundesanstalt für Agrarwirtschaft, März 2003).

Hier waren also die Produktionsmittel in den Händen des Volkes, wodurch man sich ein erhöhtes Verantwortungsbewusstsein und Engagement versprach. Denn für einen erfolgreichen Wandel hin zur Marktwirtschaft war die Trennung von Staat und Wirtschaft nötig. Hierbei sind zwei Aufgaben zu bewältigen. Zum einen, die Änderung der Eigentumsrechte (Privatisierung) und zum anderen die Reform der Betriebsstruktur, also der Übergang vom überdimensionierten Großbetrieb zu kleineren Produktionseinheiten (BUCHHOFER, QUASSIER 1998, S.14; DAUSES (Hrsg.) 1998, S.207).

Nicht in Frage gestellt wurde die Änderung der Betriebstruktur. Die oftmals Tausend Hektar großen Betriebe hatten nämlich immer mehr mit hohen Verwaltungs- und Organisationskosten und geringer Flexibilität zu kämpfen, wodurch die Nutzung von „economie of scale“, also die Kosteneinsparung durch zunehmende Größe nicht mehr gegeben war (BUCHHOFER, QUAISSER 1998, S.14-18; DAUSES (Hrsg.) 1998, S.207).

Betrachtet man nun die Änderung der Eigentumsrechte, so lassen sich trotz des komplexen Privatisierungsprozesses dennoch einige gemeinsame Merkmale festhalten. Grundvoraussetzung für das Funktionieren der Privatisierung sind stabile Bodenmärkte, ohne die eine Anpassung der Betriebsstruktur nicht erfüllt werden kann. Allgemein gesehen wurden kleine Betriebe durch direkten Verkauf bzw. ihm Rahmen von Auktionen privatisiert. Große Betriebe wurden in Kapitalgesellschaften umgewandelt und anschließend durch Anteilsübertragungen privatisiert. In den baltischen Staaten, Slowenien und Ungarn erhielten die Produzenten und Mitarbeiter landwirtschaftlicher Betriebe ein Vorrecht beim Erwerb von Anteilen. Dies erfolgte vor allem bei fleisch-, getreide- und milchverarbeitenden Gewerben. In Tschechien, Slowakei und zum Teil auch Slowenien erfolgte die Änderung der Eigentumsrechte durch sogenannte Voucherprivatisierungen. Dies bedeutete, dass der Bevölkerung kostenlos Schecks (Vouchers) über einen bestimmten Betrag ausgestellt wurden mit denen sie Aktien von zu privatisierenden Betrieben erwerben konnten. Vor allem in Tschechien kam es in Bezug auf die Eigentumsrechte zu erheblichen Problemen, da den unmittelbar nach dem 2 Weltkrieg enteigneten sudetendeutscher Großgrundbesitzern und der Kirche keine Wiedergutmachung in Aussicht gestellt wurde. Gleichermaßen war dies in Polen der Fall, wo die Enteignung der dort vertriebenen Deutschen weder rückgängig gemacht wurde noch eine geringfügige Entschädigung erfolgte.

[...]


[1] Im folgenden werden die mittel- und osteuropäischen Beitrittskandidaten mit MOEL abgekürzt.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Die Landwirtschaft in den ostmitteleuropäischen EU-Beitrittsländern
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Institut für Geographie und Raumforschung Graz)
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
33
Katalognummer
V22738
ISBN (eBook)
9783638260091
ISBN (Buch)
9783640150656
Dateigröße
726 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Landwirtschaft, EU-Beitrittsländern, ostmitteleuropaeisch
Arbeit zitieren
Silvia Schein (Autor), 2003, Die Landwirtschaft in den ostmitteleuropäischen EU-Beitrittsländern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22738

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Landwirtschaft in den ostmitteleuropäischen EU-Beitrittsländern



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden