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Von Simonides zum Graphic User Interface - Wie die Mnemotechnik moderne Computer und ihre graphischen Interfaces beeinflusst hat

Title: Von Simonides zum Graphic User Interface - Wie die Mnemotechnik moderne Computer und ihre graphischen Interfaces beeinflusst hat

Seminar Paper , 2003 , 22 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Bernhard Unterholzner (Author)

Communications - Multimedia, Internet, New Technologies
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Summary Excerpt Details

Gibt man „Mnemotechnik“ als Suchbegriff in eine Suchmaschine ein, so erweisen sich die
ca. 100.000 Ergebnisse zum Grossteil entweder als esoterische Offenbarungen oder als
Anleitungen zu einem besseren Lerngedächtnis, meistens von Pädagogen für Schüler
verfasst, wohl eine der wenigen Gruppen in der heutigen westlichen Gesellschaft, für die
Auswendiglernen noch relevant ist. Da erschließt sich nicht auf den ersten Blick, dass die
Mnemotechnik einen grundlegenden Einfluss auf die wohl wichtigste Technologie der
Gegenwart und die damit einhergehenden sozialen und kulturellen Umwälzungen gehabt
haben soll.1
Dennoch soll der Computer und vor allem das Graphic User Interface (GUI) aus der
Geistesgeschichte der Mnemotechnik betrachtet werden, einer Kulturtechnik, die bereits im
antiken Griechenland existierte. Dazu wird zunächst in einem kurzen Abriss die Geschichte
der Mnemonik2 dargestellt, mit Schwerpunkten auf der klassischen Mnemotechnik der
Antike, dem Lullismus und Giordano Bruno. Die unzähligen Ausformungen der
Gedächtniskunst, von der banalen Eselsbrücke bis hin zum komplexen Ramismus, können
hier nicht alle behandelt werden.
Daraufhin werden die Wege aufgezeigt, über die die Mnemotechnik die
Computertechnologie der Gegenwart beeinflusst hat.
Man könnte die Mnemotechnik mit McLuhan als Medium betrachten, erweitert sie doch unser
Gedächtnis, jedoch ohne es zu externalisieren. Mit der teilweisen Auslagerung unseres
Gedächtnis in den Computerspeicher, der für Menschen genau so wenig direkt zugänglich ist
wie weite Teile ihres Gedächtnisses, muss die Mnemonik als dazugehöriges
Ordnungssystem gleich mit ausgelagert werden. Sie manifestiert sich im graphischen
Interface, das durchaus als eine Mnemotechnik bezeichnet werden kann.
1 Vgl. Johnson, Steven: Interface Culture- How new technology transforms the way we create and communicate.
New York: Basic Books, 1997. S. 16ff.
2 Ich verwende Mnemonik, Mnemotechnik und Gedächtniskunst gleichwertig. Die Definition der Informatik für
Mnemonik lasse ich außer Acht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung:

1. Die Geschichte der Mnemotechnik:

1.1 Simonides’ Gedächtnispalast:

1.2 Mnemotechnik im Mittelalter:

1.3 Der Lullismus:

1.4 Mnemonik in der Renaissance:

1.4.1 Das Gedächtnistheater des Giulio Camillo:

1.4.2 Giordano Bruno auf der Suche nach dem Einen:

2. Mnemonik goes Cyberspace:

2.1 Der Traum von der Universalsprache:

2.1.1 Characteristica universalis:

2.1.2 Null-Eins:

2.2 Giordano Bruno trifft John von Neumann:

2.3 Mnemotechnik und Interface:

2.3.1 Memory palace und Cyber City:

2.3.2 Alice in front of cyberland:

Schluss:

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Kontinuität und den maßgeblichen Einfluss der antiken und neuzeitlichen Mnemotechnik auf moderne Computertechnologien und graphische Benutzeroberflächen (GUI). Die zentrale Forschungsfrage widmet sich der Überlegung, inwiefern die Mnemotechnik als grundlegendes Ordnungssystem für den digitalen Informationsraum fungiert.

  • Historische Entwicklung der Gedächtniskunst von Simonides bis zur Renaissance.
  • Philosophische Konzepte des Lullismus und der hermetischen Tradition.
  • Entwicklung des binären Zahlensystems und dessen Bedeutung als Universalsprache.
  • Parallelen zwischen architektonischen Mnemotechniken und moderner Rechnerarchitektur.
  • Die Funktion des Graphic User Interface als zeitgenössische Mnemotechnik.

Auszug aus dem Buch

Giordano Bruno auf der Suche nach dem Einen:

Auch und vor allem Giordano Bruno, der uns hier als Schnittstelle zwischen lullistischer und klassischer Gedächtniskunst fungiert, war von Hermetik, Mystik und Magie stark beeinflusst. Brunos Werk hier ansatzweise wiederzugeben, geschweige denn die unzähligen Verknüpfungen zur Mystik zu durchleuchten, ist im Rahmen dieser Arbeit völlig unmöglich. Trotz des Versuchs die Errungenschaften Brunos verständlich darzustellen muss hier, wie schon bei der klassischen Gedächtniskunst und bei Raimundus Lullus, stark gekürzt und vereinfacht werden.

Bruno hat alle erdenklichen Methoden der Gedächtniskunst ausprobiert, und war zu seiner Zeit die Koryphäe auf diesem Gebiet. Als Dominikanermönch beherrschte er schon vor seinem Bruch mit der Kirche die klassische Gedächtniskunst umfassend, wurde sie doch im Orden Thomas von Aquins gehegt wie nirgends sonst. Auch kannte er Camillos Gedächtnistheater oder die Schriften von Metrodorus von Skepsis. Zu seiner Zeit war es unter mehr oder weniger Gelehrten en vogue die klassische Gedächtniskunst mit dem Lullismus zu verbinden, in der Hoffnung so eine umfassende Welterklärungstechnik zu kreieren. Auch Giordano Bruno widmete sich diesem Unterfangen, mit durchschlagendem Erfolg.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung skizziert die Fragestellung, wie die antike Gedächtniskunst die moderne Computertechnologie und deren graphische Oberflächen in ihrer Struktur beeinflusst hat.

1. Die Geschichte der Mnemotechnik: Dieses Kapitel bietet einen Abriss über die Ursprünge der Mnemotechnik, angefangen bei der antiken Gedächtniskunst, über das Mittelalter bis hin zu den komplexen Systemen der Renaissance.

2. Mnemonik goes Cyberspace: Hier wird der Bogen zur Moderne geschlagen, indem die Verbindungslinien zwischen historischen Ordnungsansätzen wie der Characteristica universalis und modernen Rechnerstrukturen sowie Interfaces untersucht werden.

Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Mnemotechnik weit über eine bloße Lernhilfe hinaus als wesentliche theoretische Grundlage für das Design digitaler Informationsräume und deren intuitive Nutzbarkeit dient.

Schlüsselwörter

Mnemotechnik, Gedächtniskunst, Interface, Grafik-Benutzeroberfläche, GUI, Computertechnologie, Lullismus, Giordano Bruno, Universalsprache, binäres System, Informationsraum, Gedächtnispalast, Wissensorganisation, digitale Medien, Kulturtechnik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beleuchtet die historischen Wurzeln der Mnemotechnik und zeigt auf, dass moderne Computerinterfaces nicht nur technologische Innovationen sind, sondern auf tief verwurzelten Traditionen der Wissensorganisation basieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Felder sind die Geschichte der Mnemotechnik, die mathematische Philosophie von Leibniz, die Rechnerarchitektur von John von Neumann sowie das Design moderner Benutzeroberflächen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?

Ziel ist es nachzuweisen, dass moderne Graphic User Interfaces (GUI) als zeitgenössische Manifestationen klassischer mnemotechnischer Prinzipien verstanden werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine geisteswissenschaftliche Analyse, die primär kulturhistorische und medientheoretische Ansätze (insbesondere von Frances A. Yates und Marshall McLuhan) verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse klassischer und hermetischer Gedächtnissysteme sowie eine Untersuchung des Übergangs dieser Strukturen in die Informatik und in moderne digitale Anwendungsumgebungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Mnemotechnik, Gedächtnispalast, GUI, Universalsprache, binäre Logik und Interface-Design.

Inwiefern beeinflusste Giordano Bruno die Informatik?

Bruno fungiert laut Autor als Schnittstelle, deren geometrische Anordnungen und der Versuch einer allumfassenden Systematisierung Vorläuferkonzepte für die logische Konnexionstopologie moderner Prozessoren liefern.

Warum scheiterten die "Cyber-City"-Projekte der 1990er Jahre?

Laut Arbeit scheiterten sie an der Unübersichtlichkeit, da eine zu realistische 3D-Simulation physischer Räume oft weniger effizient für die Informationssuche ist als abstrakte, assoziative visuelle Metaphern.

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Details

Title
Von Simonides zum Graphic User Interface - Wie die Mnemotechnik moderne Computer und ihre graphischen Interfaces beeinflusst hat
College
University of Potsdam  (Medien und Künste)
Course
Pozzo und die Perspektive
Grade
1,3
Author
Bernhard Unterholzner (Author)
Publication Year
2003
Pages
22
Catalog Number
V22766
ISBN (eBook)
9783638260336
Language
German
Tags
Simonides Graphic User Interface Mnemotechnik Computer Interfaces Pozzo Perspektive
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bernhard Unterholzner (Author), 2003, Von Simonides zum Graphic User Interface - Wie die Mnemotechnik moderne Computer und ihre graphischen Interfaces beeinflusst hat, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22766
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