Die Kunstphilosophie beim frühen und mittleren Schelling


Zwischenprüfungsarbeit, 2004
41 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Schellings Weg zum
2.1 Die progressive Philosophie Schellings in ihren Grundzugen
2.1.1 Schellings Fruhphilosophie ¨ (1794–1797)
2.1.2 Die Naturphilosophie (1797–1800)
2.2 Die Systemkonzeption Schellings im ”System des transzendentalen Idealismus“

3 Die Kunst (in) der Philosophie Schellings
3.1 Die Kunst im ”System des transzendentalen Idealismus“
3.1.1 Die transzendentalphilosophische Bedeutung der Kunst
3.1.2 Das Kunstwerk
3.2 Die ”Philosophie der Kunst
3.2.1 Die Identit¨ atsphilosophie
3.2.2 Die Dimension der Kunst
3.2.3 Die Repr¨ asentationen des Absoluten
3.2.4 Die Sprache als das h¨ ochste Kunstwerk
3.3 Die ”Genieästhetik“

Literatur

1 Einleitung

Die Philosophie im geistesgeschichtlichen Rahmen des deutschen Idealismus steht in der Tradition einer metaphysischen Ästhetik- Theorie, die es versteht, die Kunst in den Rang der Philosophie zu erheben und ihr in der ihr zugesprochenen Funktion des Ab- bildens bzw. Enthüllens von höchster Wahrheit eine besondere Würdigung zukommen zu lassen. Dabei ist es vornehmlich die Philosophie Schellings, die sie als unverzicht- bares ”Gegenbild“(V348)derPhilosophieetabliertundihrnichtnureineHinführung an transzendente Erkenntnisse zuschreibt, wie dies in der platonischen und besonders der neuplatonischen Philosophie seinen Platz findet, sondern sie als gleichwertig, eigenständig und losgelöst von der Philosophie betrachtet.

Die wechselnde Priorität von Kunst bzw. Philosophie, die Schelling vor der jeweils anderen postuliert, beschreibt durchaus auch die verschiedenen Stadien der Schel- ling´schen Philosophie in ihrer Progression. So wendet er sich erstmals im Ältesten Systemprogramm des deutschen Idealismus (1796/97) diesem Thema zu, das jedoch vor allem im System des transzendentalen Idealismus (1800) seine Konkretion und Ex- tension erfährt. Die hier bereits in ihren Grundzügen ausgeführte Theorie der Kunst als die Einheit der Gegensätze von idealer und realer Welt, von Subjekt und Objekt in der Reflexion des Kunstwerks, bildet gleichsam die Basis für seine Philosophie der Kunst, die Schelling1802/03in Jena und schließlich1804/05in Würzburg in Vorlesungen vorstellt und vollendet.

Gegenstand meiner Arbeit soll nun zunächst eine kurze einführende Betrachtung der Grundzüge der Schelling´schen Philosophie in ihrer Entstehung und Entwicklung sein, wobei ich mich anschließend vornehmlich auf das System des transzendentalen Idealismus beziehe, da dieses als geschlossen zu betrachtendes systematisches Werk besonders in der Hinführung zurÄsthetik- Theorie Schellings unabdingbar ist. Den zweiten Teil der Arbeit bildet schließlich die intensive Auseinandersetzung mit der Schelling´schen Kunstphilosophie, ihrer Definition, ihrer Dimension und ihrer Ein- bindung in das Gesamtsystem seiner Philosophie. Letztlich soll hierbei der Begriff des Genies betrachtet und in seinen Einzelheiten vor dem Hintergrund der Tranzendental- und Kunstphilosophie betrachtet werden.

Zur Zitierung der verwendeten Quellen:

Alle im Textverlauf enthaltenen Zitate, die nicht eine explizite Nennung eines Einzelwerkes bzw. eines Autoren erfahren, werden in der üblichen Form zitiert, also durch Band- (römische Ziffern) und Seitenangabe (arabische Ziffern) und beziehen sich auf folgende Ausgabe:

Schelling, F.W.J. - Sämtliche Werke, K.A. Schelling (Hg.), Stuttgart/Augsburg 1856- 1861

2 Schellings Weg zum ”ObjektivenIdealismus“

2.1 Die progressive Philosophie Schellings in ihren Grundzügen

2.1.1 Schellings Frühphilosophie (1794- 1797)

Das Frühwerk Schellings, das mit seiner im Alter von 19 Jahren verfassten Schrift Über die Möglichkeit einer Form der Philosophie (1794) seinen Anfang nimmt, verweist zwar zum einen auf den deutlichen Einfluss der Philosophie Fichtes, den Schelling auch in einem Begleitschreiben einer an Fichte ge- sendeten Ausgabe seiner Schrift in Form von ”innigste[m]Dank,und[der...] unbedingtesten Hochachtung“1 bekundet, zum anderen schon zu dieser Zeit ei- ne durchaus kritische Auseinandersetzung mit dessen Philosophie erkennen lässt. Denn bereits in dieser frühen Phase verrät sich der Denkansatz Schellings, der ihn von Fichte und Kant unterscheidet und ihn im Gegensatz zu diesen Grundvätern des deutschen Idealismus nicht vom Ich als dem eigentlichen und unhintergehbaren Prinzip aller Philosophie ausgehen lässt, sondern auf den Ein- fluss Spinozas verweist, in dem Schelling den geistigen Vater seiner in den darauffolgenden Jahren entwickelten Philosophie erkennt: das Individuum dürfe nur in der Eingebundenheit in die Ganzheit der Welt verstanden werden. Das Unbedingte, von dem Schelling auszugehen trachtet, unterscheidet sich jedoch von der Ansicht Spinozas, da er nicht wie dieser von einem Objekt ausgeht, son- dern von einem absoluten Ich als unbedingt Bedingendes2, was ihn somit wieder in die Nähe Fichtes rückt und hierin auch gründen lässt, ihn jedoch nicht in eine bloße Adaption zurückwirft, sondern vereinigend sowohl über Spinoza, als auch Fichte hinausgehen lässt. So schließt Schelling1795mit seiner Schrift Vom Ich als Prinzip der Philo- sophie oder über das Unbedingte im menschlichen Wissen thematisch an diese Grundüberlegung an und konkretisiert diese dahingehend, dass das absolute Ich nicht mehr wie bei Fichte reflexiv durch das Bewusstsein erschließbar sei, son- dern dass im Ich Denken und Sein als Grundprinzip in eins zusammenfallen:

”Ichbin!MeinIchenthälteinSein,dasallemDenkenundVorstellenvorhergeht. Es ist, indem es gedacht wird, und es wird gedacht, weil es ist; deswegen, weil es nur insofern ist und nur insofern gedacht wird, als es sich selbst denkt. Es ist also, weil es nur selbst sich denkt, und es denkt sich nur selbst, weil es ist. Es bringt sich durch sein Denken selbst - aus absoluter Causalität - hervor. [...] Das Ich ist also nur durch sich selbst gegeben.“ (I167f.)

Das absolute Ich, das Schelling bereits in seinem Brief an Hegel vom 4. Febru- ar 1974 mit Gott gleichsetzt, und das folglich in reiner Identität und absoluter Freiheit vorliegt3, läuft jedoch nicht Gefahr, sich durch Selbstbewusstsein seiner Gegensatzlosigkeit zu berauben, da eine Anschauung, wie sie das Absolute voll- zieht, nur unmittelbar, also ”intellektual“4 sich entwickelnde Natur undalsInhaltslosesjenseitsderGe- gensätze vorliege. Die nun aufkommende Frage nach der Explikation der absoluten Identität in die Gegensätzlichkeit sei, wie Schelling es in den Philosophischen Briefen über Dogmatismus und Kriticismus (1795) ausführt, in einer Rückwen- dung, einer Reflexion des Einzelnen und einer damit verbundenen Rückkehr zu sich selbst zwar erfahrbar, biete jedoch keine Einsicht in den Grund der Subjekt- Objekt- Gegensätzlichkeit und des endlichen Ich an sich - die ”Philosophiekann zwar vom Unendlichen nicht zum Endlichen, aber umgekehrt vom Endlichen zum Unendlichen übergehen“ (I314f.).

Doch bereits in den darauffolgenden Abhandlungen zur Erläuterung des Idea- lismus der Wissenschaftslehre (1796/97) erfährt diese Einsgerichtetheit der phi- losophischen Reflexion, die erst aus dem ”dualistisch- antithetischenDilemma“ möglich wird, eine für den weiteren Verlauf der Schelling´schen Philosophie wichtige Nuancierung. Zwar negiert Schelling weiterhin die Umkehrrichtung der philosophischen Betrachtung und hält an dem Ausgangspunkt der Endlich- keit fest, von dem aus die Unendlicheit erfahren werden könne, doch würde sich dieser erst aus einem metaphysischen Grundprinzip heraus ergeben: die Konstitu- tion des Geistes als coincidentia oppositorum von Unendlichkeit und Endlichkeit. Denn wenn das Wesen des absoluten Ich als selbstbewusster Geist eine Anschau- ung seiner selbst vollziehen könne, so sei dies nur in ”EinemFallemöglich,wenn es etwa ein Wesen gäbe, das sich selbst anschaute, also zugleich das Vorstellende und das Vorgestellte“ (I365f.) wäre:

”Geistheißemir,wasfürsichselbst,nichtfüreinfremdesWesen,alsoursprünglich überhaupt kein Objekt, geschweige denn ein Objekt an sich ist.“(I367Anm.)

”AbereristnurinsofernGeist,alserfürsichselbstObjekt,d.h.insofernerendlich wird. Also ist er weder unendlich ohne endlich zu werden, noch kann er endlich werden (für sich selbst), ohne unendlich zu sein. [...] In ihm ist die ursprünglichste Vereinigung von Unendlichkeit und Endlichkeit (I367) Nach wie vor postuliert Schelling den Ursprung des Geistes im Absoluten selbst, doch habe er durch den ihm innewohnenden Grundzug des Willens zur Selbstbestimmung sich selbst objektiviert, sich selbst begrenzt und somit erfahr- bar gemacht. Dabei sei dieser ”AktdesWollens[zurSelbstbestimmung]über- haupt [...] die höchste Bedingung des Selsbtbewußtseins“ (I 395), denn dieses 9 ”Wollenmuß[...]sounendlichseinalserselbst.[...]ÜberdieseHandlungkönnen wir nicht hinaus, und darum ist sie mit recht das Prinzip unseres Philosophie- rens“ (I395).

Erinnert man sich jedoch von diesem Stadium der Schelling´schen Philsophie und diesem Wesenszug des Geistes ausgehend an die Definition des Absoluten, die Schelling noch drei Jahre zuvor entwarf, so zeichnet sich schon hier eine deut- liche Progression der inhaltlichen Bestimmungen ab, die von der Proklamation einer unterschiedslosen Einheitfolglich in reiner Identit¨ at und in der Schrift Vom Ich als Prinzip der Philosophie oder über das Unbedingte im menschlichen Wissen ausgehend, über die Philoso- phische[n] Briefe über Dogmatismus und Kriticismus hinweg zu einer Konzeption eines sich selbst objektivierenden Geistes und dessen Selbstbewusstsein gelangt. Doch soll dies nicht den letzten Stand der Entwicklung statuieren, sondern im System des transzendentalen Idealismus sowie der Identitätsphilosophie in der Vereinbarkeit von Einheit und Selbstanschauung schließlich ihren Höhepunkt und Abschluss finden.

2.1.2 Die Naturphilosophie (1797- 1800)

Befinden wir uns thematisch bereits in scheinbar unmittelbarer Nähe zu Schel- lings System des transzendentalen Idealismus, so muss doch zuvor auf eine wich- tige Zwischenstufe aufmerksam gemacht werden, die den transzendentalphiloso- phischen Ansatz seiner Philosophie erst erkennbar macht. Es sei hingewiesen auf die Naturphilosophie, die Schelling in den Jahren von1797bis1800und sukzes- siv auf die Transzendentalphilosophie hin entwickelt. Diese Hinwendung zu einer in ihrer Zweckmäßigkeit zu betrachtenden Natur, die jedoch nicht mehr, wie bei Fichte, nur von ihrer ideal- subjektiven Seite zu verstehen sei, was eine Präfe- rierung der Transzendentalphilosophie vor jeglicher Naturphilosophie implizieren würde, hat vielmehr die Durchdringung von Form und Materie, von Idealität und Realität im Auge. So wohne der Natur ein Trieb zur Organisation inne, der der ”produktivenKraft“desGeistesselbstgleichzusetzenseiundsichineiner 10 aufsteigenden Stufenfolge immer weiter ”vergeistige“:

”VomMoosgeflechtean,andemkaumnochdieSpurderOrganisationsichtbar ist, bis zur veredelten Gestalt, die die Fesseln der Materie abgestreift zu haben scheint, herrscht ein und derselbe Trieb, der nach einem und demselben Ideal von Zweckmäßigkeit zu arbeiten, ins Unendliche fort ein und dasselbe Urbild, die reine Form unseres Geistes, auszudrücken bestrebt ist.“ (I387)

Doch auch in umgekehrter Blickrichtung sei es ”notwendig,daßer[derGeist]sich selbst äußerlich, und zwar als organisierte, belebte Materie erscheine. Denn nur das Leben ist das sichtbare Analogon des geistigen Seins“ (I388). Die Natur ist also zu verstehen als der objektivierte Geist und dessen symbolhaftes Abbild, dem jedoch nicht eine Zufälligkeit, sondern vielmehr eine Notwendigkeit seiner Exis- tenz zukomme. Denn wie sich im folgenden vor allem in der Transzendentalphi- losophie zeigen wird, könne sich der Geist nur in und als Objektiviertes in Form der Natur erfassen, indem sie ihm als Gegenständliches, als Entgegenstehendes, erfahrbar wird. Doch sei die Natur als objektivierte, in Materie manifestierte und zur Realität gelangte Idealität nicht von dieser zu trennen, denn ”wasdieSeele anschaut, ist immer ihre eigene, sich entwickelnde Natur“ (I383)5. Die Natur symbolisiert für Schelling nicht nur die objektive, also unbewusste Seite des Geistes, sondern ist in ihrem inneren Organisationsprinzip Spiegelbild der suk- zessiven Entwicklung zu seinem eigenen Selbstbewusstsein, stellt also in ihren verschiedenen Stufen eine ordo formarum 6 dar und bilde damit die verschiedenen Stadien der Geistesentwicklung ab. Dadurch ist der letzte Schritt der Loslösung von der Philosophie Fichtes und der Etablierung einer eigenständigen Theorie innerhalb des deutschen Idealismus vollzogen. Denn Schelling durchbricht mit dem sich in der Natur entäußerten Geist die Immanenz eines in bloßer Subjekti- vität verharrenden Ich, das auch nur wiederum in sich zu sich selbst zurückehren kann. Die Natur ist nicht mehr ein rein Entgegengestelltes Nicht- Ich, sondern vielmehr eine sich selbst formende und strukturierende Kraft und eine Zustands- bestimmung der zu sich selbst zurückkehrenden Genese des Geistes.

So ergibt sich schließlich die Frage nach dem Ausgangspunkt der Betrachtung, der in einem der beiden Seiten der Polarität von Geist und Natur, von Bewuss- tem und Unbewusstem, Subjektiv- Idealen und Objektiv- Realem festzumachen ist. Denn entweder ”wirddasObjektive“wieinderNaturphilosophieoder ”das Subjektive zum Ersten gemacht“ (III340). Letzteres bildet die Grundüberlegung der Transzendentalphilosophie, die im folgenden in ihren Grundzügen entwickelt werden soll.

2.2 Die Systemkonzeption Schellings im

transzendentalen Idealismus“ ”Systemdes Schellings Bestreben in der Transzendentalphilosophie ist nichts Geringeres, als die Philosophie als ”fortgehendeGeschichtedesSelbstbewußtseins“(III331) darzustellen und gemäß der Umkehrung des naturphilosophischen Ansatzes vom Ich auszugehen. Dabei sei es ihm anfangs durchaus daran gelegen gewesen, auf Fichte zu rekurrieren, doch letztlich über dessen Philosophie hinauszugehen und

ein eigenes System zu entwickeln7. So nimmt er auch zu Beginn der Transzen- dentalphilosophie dessen aus der ”GrundlagedergesamtenWissenschaftslehre“ als ersten Grundsatz formulierten Satz der Identität des ”Ich=Ich“zustimmend auf und postuliert gemäß Fichte das Selbstbewusstsein als das ”ersteWissen“ (III355), bei dem die durch Setzung des Ich vollzogene antithetische Trennung gleichsam eine Synthetisierung impliziert8. Dieser Akt der notwendigen Setzung des Ich, das weiterhin nicht vom Denken zu unterscheiden und vielmehr das Denken selbst sei9, führt Schelling zur Konkretion des Ich- Begriffs hinsichtlich seiner Konstitution als Wechselbestimmung10, die Schelling gemäß Fichte als zwei sich nur scheinbar auschließende Tätigkeiten beschreibt:

”DasIchalso,umfürsichselbstzuentstehen(umnichtnurProduzierendes,son- dern zugleich Produziertes zu sein, wie im Selbstbewußtsein), muß seinem Produ- zieren Grenzen setzen. Aber das Ich kann sein Produzieren nicht begrenzen, ohne sich etwas entgegenzusetzen.“ (III380f.)

Das Ich ist folglich gehalten in diesen beiden widerstrebenden Kräften, die sich ge- genseitig vorraussetzen, ist ”unbegrenzt,nurindemesbegrenztwird“(III383), woraus sich für Schelling letztlich die Genese des Ich eruieren lässt, da sich diese ”IdentitätdesideellenundreellenGesetztseynsimAktdesSelbstbewusst- seins [...] in der Philosophie nur succesiv“ (III388f.) vorstellen lasse. Ziel der Philosophie und Aufgabe besonders des Transzendentalphilosophen sei es nun, die Selbstbeschränkung des Ich durch sich selbst in ihrem Ursprung zu erkennen und die ”Täuschung“dernur ”empfundenen“11 TrennungzwischenendlichemIch und der Natur als scheinbar Entgegengesetztes zu überwinden. Das ”naiveIch“ verstehe das ihm fremd Gegenüberstehende als absolut Getrenntes und übersehe, dass gerade das Ich es selbst war, das diesen Gegenstand sich selbst eingrenzend gesetzt habe. An dieser Stelle verweise ich resumierend auf die von Görland notwendige Spezifizierung des Ich- Begriffs, der innerhalb des Transzendentalen Idealismus von Schelling vorgenommen wird12.

Es stellt sich nun die Frage, wie das endliche Ich aus seiner antithetischen raum- zeitlichen Eingebundenheit ”jewiederherauskomme,dadieBedingungallesPro- duzierens und der Mechanismus desselben beständig wiederhergestellt wird“, ja, ”wiedasIch,welchesbisjetztbloßfürunsanschauendundIntelligenzist,das- selbe auch für sich selbst werde, oder als solches sich anschaue“ (III354f.).

[...]


1 Schelling, Brief vom 26. Sept. 1794

2 vgl.Schelling, Brief vom 4. Febr. 1794: ”[...]Spinoza´nwardieWelt(dasObjektschlecht- hin, im Gegensatz gegen das Subjekt) - alles; mir ist es das Ich.“

3 vgl. Schelling (I 177): ”DasabsoluteIchistkeineErscheinung;denndemwiderspricht schon der Begriff des Absoluten; es ist aber weder Erscheinung noch Ding an sich, weil es überhaupt kein Ding, sondern schlechthin Ich, und bloßes Ich ist, das alles Nicht- Ich ausschließt. Der letzte Punkt, an dem unser ganzes Wissen und die ganze Reihe des Bedingten hängt, muß schlechterdings durch nichts weiter bedingt sein. Das Ganze unseres Wissens hat keine Haltung, wenn es nicht durch irgend etwas gehalten wird, das sich durch eigene Kraft trägt, und dies ist nichts, als das durch Freiheit Wirkliche. Der Anfang und das Ende aller Philosophie ist - Freiheit !“

4 vgl. Schelling (I 181): ”DasIchalsoistfürsichselbstalsbloßesIchinintellektualer Anschauung bestimmt.“

5 Anm. Hier lässt sich eine Analogie zur neuplatonischen Seelenlehre erkennen, in der Plo- tin besonders in Enneade I 6, 8 (Πϵρι τ oυ καλoυ) auf die untrennbare Verbundenheit von Geistigkeit und Sinnlichkeit verweist und dies am Narziß- Mythos verdeutlicht, da für ihn die Welt seele die unbelebte Materie erst zum Sein bringt und die Einzel seele nun dieser analogen Konstitution und Mächtigkeit bewusst werden muss, um den Ursprung der Wirklichkeit in der Idealität des Geistes zu erkennen. Die bedeutsame Differenz zu Schelling besteht jedoch in der Frage nach dem Geist. Ist es bei Schelling derjenige, der sich nur in der Natur erfahren kann, so verharrt der Nous bei Plotin als unbedürftige Totalität des Seins in sich, jenseits einer objektivierten Natur, und realisiert dadurch erst die Fähigkeit des Selbstbewusstseins, da in diesem Bei- Sich- Selbst- Bleiben Denkender, Gedachtes und Denken in eins fallen. Erst die Seele, als Mittleres zwischen geistiger und sinnlicher Dimension, bedarf bei Plotin der Natur, da sie notwendig auf ein Äußeres gerichtet ist, um in einem sich der sinnlichen Wahrnehmung anschließenden diskursiven Denkakt unter Beiziehung des Nous die Wirklichkeit zu erkennen.

6 vgl. Lovejoy, Die große Kette der Wesen

7 vgl. Schelling, X 96: ”Sowerdederjenige,dersichdestranzendentalenIdealismusanneh- me ,unter der Hülle des Fichteschen Gedankens’ schon das neue System erkennen, das früher oder später diese Hülle durchbrechen mußte, er wird in diesem Werk schon jene Methode in voller Anwendung finden, [...] welche nacher die Seele des von Fichte unabhängigen Systems geworden ist.“

8 vgl. Fichte, Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre (I 98): ”Ferner,dassichsetzende Ich, und das seyende Ich sind völlig gleich, Ein und ebendasselbe. Das Ich ist dasjenige, als was es sich setzt; und es setzt sich als dasjenige, was es ist. Also: Ich bin schlechthin, was ich bin.“ - Schelling, Darstellung meines Systems, (IV120): ”DerGrundirrthumallerPhilosophieist die Vorraussetzung, die absolute Identität sey wirklich aus sich herausgetreten [...].“

9 vgl. Schelling (III 366): ”DasIchistgarnichtvorjenemAkt,wodurchdasDenkensich selbst zum Objekt wird, es ist also selbst nichts anderes als das sich Objekt werdende Denken, und sonach absolut nichts außer dem Denken.“

10 vgl. Fichte (I 130 f.): ”DurchdieBestimmungderRealitätoderNegationdesIchwird zugleich die Negation oder Realität des Nicht - Ich bestimmt; und umgekehrt. Ich kann ausgehen, von welchem der Entgegengesetzten ich nur will und habe jedesmal durch eine Handlung des Bestimmens zugleich das andere bestimmt. Diese bestimmtere Bestimmung könnte man füglich Wechselbestimmung (nach der Analogie von Wechselwirkung) nennen.“

11 vgl. Schelling (III 412): ”DieserMomentdesSelbstbewußtseinssollkünftigderderur- sprünglichen Empfindung heißen. Es ist derjenige, in welchem das Ich sich in der ursprünglichen Begrenztheit anschaut, ohne daß es dieser Anschauung sich bewußt, oder ohne daß ihm diese Anschauung selbst wieder zum Objekt würde. In diesem Moment ist das Ich im Empfundenen ganz fixiert und gleichsam verloren. Die Aufgabe ist also genauer bestimmt diese: wie das Ich, das bis jetzt bloß Empfundenes war, Empfindendes und Empfundenes zugleich werde.“

12 Görland, Die Entwicklung der Frühphilosophie Schellings in der Auseinandersetzung mit Fichte, S. 180: ”1)dasIchalsintellektuelleAnschauung,ZugleichvonHandelnundAnschauung des Handelns, 2) Ich als Selbstanschauung, Subjekt- Objekt, 3) die anschauende ideelle Tätigkeit, die, indem sie sich erfassen will, objektiviert, ohne sich dieser Tätigkeit des Objektivierens selbst zugleich bewußt zu sein [...]. 4) das Objektivierte ist ebenfalls Ich, d.h. das reelle Ich, das Ergebnis des Sich- Anschauens.“

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Die Kunstphilosophie beim frühen und mittleren Schelling
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Philosophisches Seminar)
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
41
Katalognummer
V22809
ISBN (eBook)
9783638260695
ISBN (Buch)
9783638647649
Dateigröße
633 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunstphilosophie, Schelling
Arbeit zitieren
Martin Endres (Autor), 2004, Die Kunstphilosophie beim frühen und mittleren Schelling, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22809

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