Die „Azteken“-Ausstellung fiel mir durch frappante Plakatwerbung und einen Leitartikel der
Zeitschrift „Der Spiegel“ im Mai 2003 auf, der zwar sehr populär aufgemacht war und mehr
über die Azteken an sich informierte, aber auch neugierig auf diese Ausstellung machte.
Nach meinem Besuch in der Ausstellung war ich einerseits fasziniert von den
Exponaten, andererseits etwas enttäuscht von den wenig verwendeten modernen Medien als
Gestaltungsmittel. Ich hätte mir mehr davon gewünscht, allerdings ging ich auch mit der
Ansicht in die Ausstellung, dies sei eine historisch-ethnologische.
Ich wollte mich folglich mit der Frage befassen, was man hätte mehr oder anders
machen können bzw. welche anscheinend doch vielen, zurückhaltenden Gestaltungsmittel
benutzt wurden. Ich erfuhr während meiner Recherchen, dass die Konzeption dieser
Ausstellung eher auf einer künstlerischen beruht. Allerdings wird ebenso der ethnologische
Teil berücksichtigt, in Berlin auch speziell die „heimische“ Verbindung zu diesem
Themengebiet wie Berliner Forschungen oder bekannte Persönlichkeiten aus diesem
Fachbereich.
Dies veranlasste mich, einmal genauer zu schauen, was bei einer Kunstausstellung -
unter inszenatorischen Aspekt betrachtet - möglich bzw. sinnvoll ist, da das vorrangige Ziel
doch eher darin besteht, dem Besucher die Objekte an sich näher zu bringen. Der finanzielle
Rahmen und konservatorische Aspekte spielen natürlich auch eine nicht unbedeutende Rolle.
Im Folgenden werde ich dementsprechend auf die Ausstellung an sich etwas eingehen
– nur ein wenig den Inhalt betreffend - und anschließend die verwendeten inszenatorischen
Mittel genauer beleuchten, das Verhältnis zwischen Kunst und Ethnologie beachtend.
Besonders interessierten mich auch die Erwartungen und Ansichten der Besucher,
weshalb ich einige kurze, exemplarische Interviews durchführte. Aus diesem Grund möchte
ich auch all jenen danken, die mir bereitwillig Auskunft gaben, insbesondere Herrn Günter
Krüger, dem Gestalter dieser Ausstellung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methodik
3. Architektur und Räumlichkeiten: Der Martin-Gropius-Bau
4. „Azteken“ - Die Ausstellung
4.1 Teil I
4.2 Teil II
4.3 Teil III
5. Der moderne, museale Inszenierungsbegriff
6. Analyse der angewandten Stilmittel in „Azteken“
7. Moderne versus Klassik oder: „weniger ist mehr“?
8. Schlußwort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die gestalterische Inszenierung der Ausstellung „Azteken“ im Berliner Martin-Gropius-Bau. Ziel ist es, die Wirkung der eingesetzten Mittel wie Licht, Farbe und Raumplanung im Hinblick auf den Bildungsauftrag des Museums und die Erwartungen der Besucher kritisch zu analysieren.
- Analyse musealer Gestaltungsmittel und deren atmosphärische Wirkung.
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Kunstausstellung und ethnologischem Kontext.
- Evaluation der Besucherwahrnehmung durch exemplarische Kurzinterviews.
- Reflektion über die Rolle von modernen Medien und konservatorischen Anforderungen.
Auszug aus dem Buch
Raum 8: Dieser Raum wiederum ist größer und handelt von den Priestern und der grausamen Seite der Azteken: Menschenopfer.
Farbe: Der Raum ist viel dunkler und auch wieder rot gehalten und wirkt dadurch besonders atmosphärisch. Auffällig dominierend wirkt eine rote Wand am dem Eingang gegenüberliegenden Ende des Raumes: Vor der Mitte der Wand befindet sich ein Opferstein und links und rechts davon große Wandbilder, die Opferungen darstellen.
Eine weitere, große Figur, die auf einem roten Podest vor einer roten Wand aufgestellt ist, zeigt eine Frauenfigur, eine im Kindbett gestorbene Frau: ein Schreckgespenst. Solche Dualismen haben große Bedeutung für die Lebenswelt der Azteken: Geister, die Unterwelt, das Totenreich, der Gegensatz von Nacht und Tag, Leben und Tod.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Motivation des Autors zur Auseinandersetzung mit der Ausstellung sowie Darlegung der Forschungsfragen und methodischen Vorgehensweise.
2. Methodik: Beschreibung der Datenerhebung, insbesondere der Experteninterviews mit dem Ausstellungsgestalter Günter Krüger und der Besucherbefragungen.
3. Architektur und Räumlichkeiten: Der Martin-Gropius-Bau: Analyse der historischen und baulichen Gegebenheiten des Ausstellungsortes sowie deren Eignung für eine großangelegte Präsentation.
4. „Azteken“ - Die Ausstellung: Detaillierte Begehung der Ausstellungsräume unter Berücksichtigung der inhaltlichen Schwerpunkte und der gewählten Inszenierungsstrategien in den drei Teilen der Ausstellung.
5. Der moderne, museale Inszenierungsbegriff: Theoretische Einordnung, was unter einer musealen Inszenierung zu verstehen ist und welche Ziele dabei verfolgt werden.
6. Analyse der angewandten Stilmittel in „Azteken“: Systematische Gegenüberstellung der verwendeten Gestaltungsmittel (Licht, Farbe, Raumkonstruktion) und deren jeweilige Anwendung in der Praxis.
7. Moderne versus Klassik oder: „weniger ist mehr“?: Kritische Reflektion über das Verhältnis zwischen technischem Medieneinsatz und der klassischen, exponatorientierten Präsentation.
8. Schlußwort: Abschließende Bewertung der Ausstellung als klassische, atmosphärische Kunstausstellung mit ethnologischem Kontext sowie Fazit zur Erfüllung des Bildungsauftrags.
Schlüsselwörter
Azteken, Museum, Ausstellungsgestaltung, Inszenierung, Martin-Gropius-Bau, Ethnologie, Kunst, Templo Mayor, Kulturvermittlung, Besucherforschung, Lichtkonzept, Farbgestaltung, Menschenopfer, musealer Bildungsauftrag, museale Präsentation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die gestalterischen Aspekte und die Inszenierung der „Azteken“-Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau im Jahr 2003.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Wirkung von Farben, Beleuchtung, räumlicher Anordnung sowie der Einsatz technischer Medien im Kontext einer kulturhistorischen Ausstellung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Autorin untersucht, ob die gewählte, eher künstlerisch geprägte Inszenierung dem ethnologischen Bildungsauftrag gerecht wird und wie Besucher auf diese Gestaltung reagieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden eine qualitative Analyse der Ausstellungsgestaltung sowie Experteninterviews mit dem Gestalter und Kurzinterviews mit Besuchern kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Raumanalyse, eine theoretische Definition von Inszenierung und die Analyse konkreter Stilmittel der Ausstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Ausstellungsgestaltung, Inszenierung, Museologie, Ethnologie, Azteken und Besucherwahrnehmung.
Warum spielt die Farbwahl eine so zentrale Rolle für den Ausstellungsgestalter?
Die Farbe dient laut dem Gestalter als intuitiver und thematischer Wegweiser für den Besucher, wobei sie auch dazu beiträgt, Ermüdungserscheinungen bei einer langen Ausstellung entgegenzuwirken.
Wie bewerten die Besucher die Entscheidung, auf Tageslicht zu verzichten?
Die Reaktionen sind gemischt: Während einige die dadurch geschaffene, ehrfurchtgebietende Atmosphäre loben, bemängeln andere eine schlechte Lesbarkeit der Texte, insbesondere bei älteren Besuchern.
- Citar trabajo
- Birgit George (Autor), 2003, 'weniger ist manchmal mehr' - Gestaltungsmittel in der Ausstellung 'Azteken' in Berlin, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22823