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Irrationalismus in der nationalsozialistischen Erziehungsphilosophie

Title: Irrationalismus in der nationalsozialistischen Erziehungsphilosophie

Diploma Thesis , 2002 , 76 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anonym (Author)

Pedagogy - History of Pedagogy
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Irrationalismus und Esoterik boomen seit Anfang des 20ten Jahrhunderts, als Helena P. Blavatsky die Geheimwissenschaften für ein breites Publikum zugänglich machte, nahezu unverändert in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen. Selbst die nicht im esoterischen Sumpf feststecken, verhalten sich zumeist unkritisch zu Grenzwissenschaften und Übersinnlichem; Wissenschaftlichkeit bleibt dabei selbstverständlich auf der Strecke. Unterschiedliche Formen der Wissenschaftskritik haben zwar zweifellos etwas notwendig Fortschrittliches an sich (namentlich die der Antipositivisten), nicht aber die aus dem spirituellen Lager, denn wenn die Wissenschaft generell abgelehnt oder als zweitrangig angesehen wird - und mit ihr folgerichtig die Vernunft - ist der Rückfall hinter die allemal kritisch zu betrachtenden, aber tendenziell doch humanen Errungenschaften der Aufklärung vorprogrammiert.

Viele niveauvolle und wissenschaftlich ernst zu nehmende Denker und Schulen befassten sich mit einer Kritik der Vernunft. Die gesamte deutsche Romantik beispielsweise war antibonarpartistisch geprägt und damit vernunftfeindlich und reaktionär. Der populärste Irrationalismus kommt von auf höherem Niveau schreibenden Philosophen wie Arthur Schopenhauer oder Friedrich Nietzsche, deren Antiintellektualismus und Willenspriorität mehrere Generationen prägte. Später dann focht Oswald Spengler, noch etwas später Martin Heidegger gegen den Antagonisten irrationalistischen Idealismus: die materialistische Philosophie, die von einem progressiven Standpunkt aus als Vorläufer der bisher nur als Utopie denkbaren Emanzipation des Individuums von sozioökonomischen Zwängen angesehen werden kann, bzw. mit ihr gleichzusetzen ist. Die philosophischen und soziologischen Entwürfe der radikalidealistischen Denker sind in akademischen Kreisen bekannt, ihr akademischer Anspruch verhinderte zumeist allerdings eine breite Massenwirkung, für deren Etablierung zweitklassige Irrationalisten zuständig waren: Geisterseher und Mystiker, Spiritisten und Wunderheiler, Theosophen und Satanisten sorgten für einen Abbau kritischen Denkens in der Bevölkerung, die sich dann um so leichter in den jeweils vorherrschenden ökonomischen Apparat (heute in den Markt, früher in tradierte Standes- Hierarchien) integrieren lässt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Begriff des Irrationalen

2. Irrationalismus und der deutsche Sonderweg – eine Entwicklungslinie

Exkurs: Notizen zur Medizin im Nationalsozialismus

3. Radikaler Irrationalismus: Geheimwissenschaften und ihre pädagogischen Auswirkungen

4. Hitlers Erziehungsvorstellungen und ihre praktischen Folgen

4.1 Das pädagogische Denken Hitlers

4.2 Umsetzung in der NS- Erziehung

5. Propagandist der Erziehung zum Rassewahn: Alfred Rosenberg

6. Die Exponenten der nationalsozialistischen Erziehungsphilosophie: Alfred Baeumler und Ernst Krieck

6.1 Bedingungen des Aufstiegs zweitklassiger Pädagogen

6.2 Das Denken Alfred Baeumlers

6.3 Ernst Krieck

7. Baldur von Schirach und die HJ

8. Pars pro toto: Hans Schemm

9. Mythos, Irrationalismus und Heldentum im Nationalsozialismus und seiner Pädagogik: eine Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die ideologischen und strukturellen Affinitäten zwischen dem Irrationalismus und der nationalsozialistischen Erziehungsphilosophie. Dabei wird analysiert, wie irrationalistische Denkmuster, Wissenschaftsfeindlichkeit und Mythenbildung als Mittel der politischen Manipulation eingesetzt wurden, um die Jugend im Sinne des NS-Regimes zu indoktrinieren und den Menschen für das totalitäre System gefügig zu machen.

  • Historische Entwicklung des deutschen Irrationalismus und dessen Einbettung in den Nationalsozialismus.
  • Analyse der erziehungspolitischen Vorstellungen Adolf Hitlers und deren praktische Umsetzung.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Rolle esoterischer Geheimwissenschaften (exemplarisch Anthroposophie/Waldorfpädagogik) und deren Berührungspunkte mit der NS-Ideologie.
  • Darstellung der Rollen prominenter NS-Pädagogen und Ideologen wie Alfred Rosenberg, Alfred Baeumler, Ernst Krieck, Baldur von Schirach und Hans Schemm.

Auszug aus dem Buch

Die Exponenten der nationalsozialistischen Erziehungsphilosophie: Alfred Baeumler und Ernst Krieck

Bedeutende Pädagogen der Weimarer Republik wie die der geisteswissenschaftlichen Schule – Hermann Nohl, Theodor Litt, Wilhelm Flitner und Eduard Spranger – konnten unter Hitler nicht mehr störungsfrei publizieren und lehren. Die von ihnen entwickelte Pädagogik, die auf den Hermeneutiker Wilhelm Dilthey zurückgeht, wurde von den Nationalsozialisten repressiv behandelt, und das, obwohl Dilthey selber als Vorbereiter einer faschistischen Lebensphilosophie gesehen werden kann, da er eine aristokratische Erkenntnistheorie entwickelte, die praktisch in der Unfehlbarkeit Hitlers mündete, wenngleich er nicht bewusst darauf zielte.

Wolfgang Keim zeigt, dass auch diese bedeutenden und in einem Grossteil der pädagogischen Literatur als humanistisch dargestellten Pädagogen teilweise versucht haben, durch Anbiederungsversuche ihren Status zu verbessern, beziehungsweise sich sogar selber nicht weit entfernt von der nationalsozialistischen Ideologie verorteten. Besonders Erich Weniger diente sich den Nazis an und leistete Wesentliches für die NS- Militärpädagogik. Weniger schloss sich der Wissenschaftsfeindlichkeit der Nazis voll an. Nach ihm sollen Soldaten nicht zu viel denken, da das Denken nur als Instrument für die Kriegsfähigkeit des Mannes brauchbar ist. Wichtig hingegen sei der Glauben an die Wehrmacht und – allem voran – an Deutschland.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit führt in den Irrationalismus des 20. Jahrhunderts ein und erläutert dessen Bedeutung für die Kritik an der Vernunft sowie die historische Entwicklung des Nationalsozialismus.

1. Der Begriff des Irrationalen: Es wird definiert, wie Irrationalismus aus unterschiedlichen politischen Perspektiven verstanden wird und welche erkenntnistheoretischen Merkmale (Intuition, Willen, Mythen) ihn auszeichnen.

2. Irrationalismus und der deutsche Sonderweg – eine Entwicklungslinie: Dieses Kapitel verortet Deutschland als Hochburg des Irrationalismus und analysiert die historische Genese, die in die nationalsozialistische Katastrophe führte.

3. Radikaler Irrationalismus: Geheimwissenschaften und ihre pädagogischen Auswirkungen: Es wird die Verbindung zwischen esoterischen Kreisen, insbesondere der Anthroposophie/Waldorfpädagogik, und der NS-Ideologie untersucht.

4. Hitlers Erziehungsvorstellungen und ihre praktischen Folgen: Der Fokus liegt auf der anti-intellektuellen und körperbetonten Pädagogik Adolf Hitlers und deren Durchsetzung im totalitären Staat.

5. Propagandist der Erziehung zum Rassewahn: Alfred Rosenberg: Analyse der Rolle Rosenbergs als führender NS-Ideologe und dessen Einfluss auf die Erziehung durch die rassistische Weltanschauung.

6. Die Exponenten der nationalsozialistischen Erziehungsphilosophie: Alfred Baeumler und Ernst Krieck: Untersuchung der Karrieren und des philosophischen Denkens dieser einflussreichen NS-Pädagogen, die das "Führerprinzip" in die Erziehung trugen.

7. Baldur von Schirach und die HJ: Beschreibung der Manipulation der Jugend durch die Hitlerjugend, die auf romantischen und irrationalen Idealen basierte.

8. Pars pro toto: Hans Schemm: Am Beispiel von Hans Schemm wird die Verknüpfung von okkultistischem Denken mit der Erziehung im Nationalsozialistischen Lehrerbund aufgezeigt.

9. Mythos, Irrationalismus und Heldentum im Nationalsozialismus und seiner Pädagogik: eine Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Betrachtung der zentralen Merkmale der NS-Pädagogik als Instrument totalitärer Machtausübung.

Schlüsselwörter

Irrationalismus, Nationalsozialismus, Pädagogik, Antisemitismus, Rassenwahn, Esoterik, Anthroposophie, Waldorfpädagogik, Antiintellektualismus, Hitlerjugend, Volksgemeinschaft, Faschismustheorie, Lebensphilosophie, Indoktrination.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen und pädagogischen Aufarbeitung des Irrationalismus und dessen systematischer Instrumentalisierung durch den Nationalsozialismus zur Erziehung der Jugend.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Im Zentrum stehen die Kritik der Vernunft, die Verbindung von esoterischen Weltanschauungen und NS-Ideologie, der "deutsche Sonderweg" sowie die Rolle führender NS-Ideologen in der Erziehung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch die Abwertung von Vernunft und Bildung sowie die Aufwertung von Mystik und Irrationalität eine Generation zur gefügigen und wehrbereiten Anhängerschaft des Nationalsozialismus erzogen wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primär auf der Auswertung philosophischer Schriften, zeitgenössischer Dokumente und fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur (u.a. von Georg Lukács und der Frankfurter Schule) basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische Grundlegung des Irrationalismus, eine historische Kontextualisierung und eine detaillierte Analyse der Thesen und Schriften bedeutender NS-Erzieher.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Irrationalismus, Nationalsozialismus, Rassenwahn, Antiintellektualismus, völkische Ideologie und totalitäre Erziehung.

Inwiefern spielt die Anthroposophie eine Rolle in dieser Untersuchung?

Die Autorin stellt die Anthroposophie und Waldorfpädagogik als Beispiele für okkulte Strömungen dar, die in ihrem Kern rassistische und antidemokratische Elemente enthalten, welche strukturelle Parallelen zum nationalsozialistischen Denken aufweisen.

Wie bewertet die Arbeit das Verhältnis von NS-Pädagogen zur Wissenschaft?

Die Arbeit konstatiert einen radikalen Bruch mit wissenschaftlichen Standards zugunsten einer Erziehung, die auf "Einfühlung" und mythischer Legitimierung anstelle von objektiver Erkenntnis und kritischem Denken beruht.

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Details

Title
Irrationalismus in der nationalsozialistischen Erziehungsphilosophie
College
University of Applied Sciences North Rhine-Westphalia Köln
Grade
1,3
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2002
Pages
76
Catalog Number
V22851
ISBN (eBook)
9783638260961
Language
German
Tags
Irrationalismus Erziehungsphilosophie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2002, Irrationalismus in der nationalsozialistischen Erziehungsphilosophie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22851
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