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Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes - Oder: Über die Konstruktion der Hysterie zur Unterdrückung der Frau

Title: Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes - Oder: Über die Konstruktion der Hysterie zur Unterdrückung der Frau

Term Paper , 2002 , 21 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Nicole Diekmann (Author)

History - Basics
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit hinterfragt das „Krankheitsbild“ der weiblichen Hysterie im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert.
Die Anführungszeichen sind bewusst gesetzt, denn die These dieser Arbeit lautet, dass es sich bei dieser Diagnose größtenteils um eine Konstruktion zu mehreren Zwecken handelte: Aufrechterhaltung der patriarchischen Gesellschaftsordnung angesichts der erstarkenden Frauenbewegung, Selbstaffimierung des männlichen Bürgertums und Etablierung der (männlich besetzten) Schulmedizin allgemein und der Gynäkologie und der Neurologie im Besonderen sind die Motive, die hier nachgewiesen werden sollen.
Die Rolle der Medizin, die stellvertretend für die allgemeingesellschaftlicheAngst vor dem teilweisen Verlust der männlichen Domänen an Frauen stehen soll, die den Hysteriebegriff und den Umgang mit vermeintlich hysterischen Frauen gesellschaftlich konstituierte, soll deutlich gemacht werden anhand eines Textes des Mediziners Paul Julius Möbius. Im Jahr 1901 erschien sein Aufsatz „Ueber den psychologischen Schwachsinn des Weibes“ in zweiter Auflage, in dem er mit angeblich medizinischen Argumenten die erstarkende Emanzipation als widernatürlich und (auch) für Frauen schädlich zu erklären versuchte. Belegt werden soll diese These anhand weniger Beispiele aus der Hysterieforschung zur Zeit von Möbius: Ich werde im Folgenden versuchen, einige Widersprüchlichkeiten im Hinblick auf die Erklärungsansätze und die Heilverfahren von Hysterie dazustellen und so nachzuweisen, dass kein reelles medizinisches Interesse an der Heilung einer Krankheit vorlag.
All diese Ausführungen unterlege ich mit Beispielen aus dem Text von Möbius.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Quelle

1.1 Historische Einordnung

1.2 Argumentation

2. Performanz bei Judith Butler

2.1 Austins Theorie der Sprechakte

2.2 Butlers Performanztheorie

3. Hysterie – vom Unterleib in den Kopf

Fazit

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das historische „Krankheitsbild“ der weiblichen Hysterie um die Jahrhundertwende und analysiert dieses als soziale Konstruktion, die dazu diente, patriarchale Machtstrukturen zu stabilisieren und die aufkommende Frauenbewegung zu schwächen. Dabei wird insbesondere der Text von Paul Julius Möbius kritisch hinterfragt.

  • Historische Analyse der medizinischen Diskursmacht um 1900
  • Anwendung der Performanz-Theorie von Judith Butler auf medizinische Texte
  • Kritik an der wissenschaftlichen Validität zeitgenössischer Frauenbilder
  • Zusammenhang von Geschlechterordnung, Nationalismus und Medizingeschichte
  • Dekonstruktion von Hysterie als Mittel zur Unterdrückung von Emanzipation

Auszug aus dem Buch

1.1 Historische Einordnung

Möbius´ Schrift entstand in einer Zeit, da sich die traditionelle patricharchale Ständegesellschaft im Umbruch befand. Frauen in anderen Ländern lebten die Emanzipation bereits vor (Möbius spricht als abschreckende Beispiele „von der französischen Methode einerseits, von der englisch-amerikanischen andererseits“8) und auch in Deutschland herrschte Reformwillen: „Neuerdings möchte man sogar Mädchengymnasien haben“9, berichtet der Neurologe.

Auch jenseits des Geschlechterschemas herrschte Umbruchstimmung. Zum einen wuchs die Bedeutung des Nationalstaates und damit der Nationalismus, zum anderen wurde im Zuge der Industrialisierung und des wachsenden Kapitalismus „die Bevölkerung […] als Wirtschaftsfaktor entdeckt“10: Man maß sich mit anderen Ländern11. Die Jugend avancierte zum Hoffnungsträger, und somit nahmen Frauen eine gesellschaftliche Doppelfunktion ein: Erstens gebaren sie den hoffnungsvollen Nachwuchs, zweitens gaben sie das geltende gesellschaftliche Ethos mit der Erziehung an diesen weiter und lebten es gleichzeitig vor.12

Erfüllten sie diese Aufgaben nicht, so „wird von vornherein die Qualität der Kinder zu wünschen übrig lassen […]. Kurz, die Bevölkerung nimmt nach Zahl und Beschaffenheit rasch ab, das Volk tritt in das Greisenalter ein. Da auf keinen Fall die ganze Menschheit an der Umbildung des Weibes theilnehmen wird, so muss ein Feministen-Volk seinen Nachbarn unterliegen und seine Reste werden in anderen gesunden Völkern aufgehen.“13 Eine Abkehr von Ehe und Mutterschaft war „Landes- oder Standes-Verrath“14: „Es handelt sich hier um die Gesundheit des Volkes, die durch die Verkehrtheit der ,modernen Frauen' gefährdet wird.“15

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit stellt die These auf, dass die Diagnose Hysterie um 1900 eine bewusste Konstruktion zur Aufrechterhaltung patriarchaler Ordnung war.

1. Die Quelle: Dieses Kapitel verortet den Text von Paul Julius Möbius historisch im Kontext einer Zeit des sozialen Umbruchs und analysiert seine Argumentationsmuster gegen die Emanzipation.

2. Performanz bei Judith Butler: Hier werden die theoretischen Grundlagen von John L. Austin und Judith Butler erläutert, um das Konzept der Performativität für die Textanalyse nutzbar zu machen.

3. Hysterie – vom Unterleib in den Kopf: Dieses Kapitel beleuchtet den medizinischen Diskurs, der die Hysterie als vermeintlich "wahres Wesen" der Frau definierte und dabei zwischen Gynäkologie und Neurologie um Deutungsmacht konkurrierte.

Fazit: Die Arbeit bestätigt die Eingangsthese, dass die medizinische Argumentation performativ war, und identifiziert weiteren Forschungsbedarf hinsichtlich der männlichen Hysterie.

Schlüsselwörter

Hysterie, Medizin, Judith Butler, Performativität, Geschlechterordnung, Paul Julius Möbius, Emanzipation, Konstruktivismus, Patriarchat, Neurologie, Gynäkologie, Diskursanalyse, Jahrhundertwende, Geschlechterforschung, Frauengesundheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit hinterfragt das medizinische Krankheitsbild der weiblichen Hysterie im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert und demaskiert es als Instrument zur gesellschaftlichen Disziplinierung von Frauen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Verschränkung von Medizin, Macht und Geschlechterrollen sowie der Einfluss zeitgenössischer gesellschaftlicher Ängste auf wissenschaftliche Publikationen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist der Nachweis, dass Diagnosen wie die Hysterie als "Konstruktion" dienten, um die erstarkende Emanzipationsbewegung als widernatürlich darzustellen und patriarchale Strukturen zu festigen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin nutzt die Performanz-Theorie von Judith Butler und stützt sich dabei auf die Sprechakttheorie von John L. Austin, um die Wirkungsmacht der medizinischen Sprache zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Kontextualisierung der Quelle von Paul Julius Möbius, eine theoretische Einführung in die Performativität und eine Analyse der medizinischen Diskurse rund um die Hysterie.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Schlüsselwörter sind Hysterie, Konstruktivismus, Performativität, Geschlechterordnung und die medizinische Diskursmacht der damaligen Zeit.

Welche Rolle spielte die Medizin bei der Unterdrückung der Frau laut der Arbeit?

Die Medizin lieferte den "wissenschaftlichen" Schein, um soziale Vorurteile als unumstößliche Naturgesetze zu legitimieren und somit die Emanzipation der Frau als schädlich abzuwerten.

Wie erklärt die Autorin den Umgang mit der männlichen Hysterie?

Die Autorin zeigt auf, dass das Konzept der "männlichen Hysterie" ebenfalls genutzt wurde, um bürgerliche Männlichkeitsideale zu stabilisieren und eine klare Abgrenzung zum "Weiblichen" zu erzwingen.

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Details

Title
Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes - Oder: Über die Konstruktion der Hysterie zur Unterdrückung der Frau
College
University of Hamburg  (Geschichtswissenschaften)
Course
Von Sprache, Handeln und Bedeutung: Eine Übung zur Geschichtstheorie
Grade
1,7
Author
Nicole Diekmann (Author)
Publication Year
2002
Pages
21
Catalog Number
V22862
ISBN (eBook)
9783638261029
Language
German
Tags
Schwachsinn Weibes Oder Konstruktion Hysterie Unterdrückung Frau Sprache Handeln Bedeutung Eine Geschichtstheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nicole Diekmann (Author), 2002, Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes - Oder: Über die Konstruktion der Hysterie zur Unterdrückung der Frau, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22862
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