Österreich ist, wie viele andere europäische Länder auch, eine parlamentarische Demokratie.
Die Grundsätze von Montesquieu, nämlich die der Gewaltenteilung, sind weitestgehend in der
Verfassung verankert, wobei man sich durchaus mit der Frage beschäftigen könnte, inwieweit
sich die österreichische Exekutive tatsächlich von der Legislative unterscheidet bzw. trennt?
Wir wollen uns jedoch mehr der Zusammensetzung bzw. das Zustandekommen des
Nationalrats und seiner Mitglieder, und damit dem wichtigsten gesetzgeberischen Akteur im
österreichischen Staatsapparat widmen.
Die Zweite Republik Österreich und seine politische Landschaft ist seit jeher geprägt vom
Listenwahlrecht, dementsprechend hatte die Vorzugsstimmenwahl keine große Bedeut ung
und „überblickt man“ sogar „die Wahlrechtsgeschichte der letzten sieben Jahrzehnte, dann
gab es eigentlich“ auch im Listenwahlrecht „relativ wenig Dynamik auf diesem Gebiet.“
Selbst die Wahlrechtsreform von 1971 konnte der Vorzugsstimmenwahl nicht wirklich Flügel
verleihen. Erst im Jahre 1992 wurde eine Wahlrechtsreform verabschiedet, die unter anderem
dem/r WählerIn die Möglichkeit bieten sollte stärker auf die Zusammensetzung des
Nationalrats Einfluss zu nehmen (vgl. Heinz Fischer, Das Parlament, S102). Auf eine
detaillierte Skizzierung der Nationalratswahlordnung wird in den anschließenden Kapitel
noch eingegangen.
Die vorliegende Arbeit soll zwei Schwerpunkte beinhalten: zum Einen soll sie die
abgegebenen Vorzugstimmen sowohl grafisch darstellen, als auch eine schriftliche Analyse
zum Ausgang und den Ergebnissen der Wahl mit umfassen. Zu diesem Zwecke wurden
Gesamtübersichten in den zwei Wahlebenen – Regional- und Landeswahlkreisen – erstellt
und eben auch erklärt. Im Bundeswahlkreis, der dritten Wahlebene, gibt es keine Möglichkeit
durch Vorzugstimme die Listung der Kandidaten zu beeinflussen.
Laufend wird in den Kapiteln versucht Parallelitäten und Differenzen zwischen dem Ausgang
der Vorzugsstimmenwahl und der Listenwahl festzustellen! Es kann aber davon ausgegangen
werden, dass sich mehr Parallelitäten als Unterschieden zeigen werden. Ein zweiter großer Teil dieser Arbeit wird darin bestehen, die Wahl von 1999, die als der
große politische Wandel in der Österreich eingehen wird und eingegangen ist, mit jener von
2002 zu vergleichen und wiederum Ähnlichkeiten und Differenzen zwischen diesen
Urnengängen festzustellen. Eine These bezogen auf dieses Thematik kann an dieser Stelle
noch nicht abgegeben werden. [...]
Inhaltsverzeichnis
Eine Analyse der Vorzugstimmenwahl 2002
1. Einleitung
2. Skizze der Nationalratswahlordnung von 1992
3. ausgewählte Ergebnisse
3.1. ausgewählte Ergebnisse der Regionalwahlkreise –
Ein Überblick 1999 – 2002
3.2. ausgewählte Ergebnisse des Landeswahlkreise –
Ein Überblick 1999 – 2002
4. Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen der Analyse
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und den Einfluss der Vorzugsstimmenwahl in Österreich im Rahmen der Nationalratswahlen 1999 und 2002. Ziel ist es, die Entwicklung der Stimmvergabe auf Regional- und Landeswahlkreisebene grafisch und analytisch aufzuarbeiten, um Parallelitäten und Differenzen zum reinen Listenwahlrecht festzustellen sowie den Erfolg der Wahlrechtsreform von 1992 kritisch zu hinterfragen.
- Analyse des Vorzugsstimmensystems im österreichischen Nationalratswahlrecht
- Vergleich der Vorzugsstimmenergebnisse der Jahre 1999 und 2002
- Untersuchung der Wahlverhaltensebene in Regional- und Landeswahlkreisen
- Evaluierung von Kandidatenreihungen durch Vorzugsstimmen
- Diskussion über das Ausmaß der gelebten Persönlichkeitswahl in Österreich
Auszug aus dem Buch
2. Skizze der Nationalratswahlordnung von 1992
Da das Vorzugsstimmensystem schon ein Spezifikum des Wahlrechts zum Nationalrats ist, werden an dieser Stelle zuerst noch die Grundzüge des Wahlrechts in Österreich skizziert.
Die Mandatsvergabe erfolgt auf drei Wahlebenen, in 43 regionalen Wahlkreisen, neun Landeswahlkreisen die identisch mit den neun Bundesländern der Republik Österreich sind und schließlich in einem großen Bundeswahlkreis, der gleichzeitig das österreichische Staatsgebiet darstellt.
Die 183 zu vergebenen Nationalratsmandate werden entsprechend der letzten Volkszählung auf die Landes- bzw. Regionalwahlkreise verteilt, d. h. je nach Anzahl der Gesamtbevölkerung und nicht nur der Wahlberechtigten.
Als nächsten Schritt benötigt man eine Wahlzahl. Diese wird auf der Ebene des Landeswahlkreises ermittelt und wird auch zur Berechnung der Mandate in den Regionalwahlkreisen herangezogen. Sie wird berechnet durch das Hare´sche System, dass die Anzahl der gültigen Stimmen durch die Anzahl der zu vergebenen Mandate teilt. Die Wahlzahl lag 1999 bei einem Mittelwert von 25243 Stimmen und 2002 bei 26755 Stimmen in ganz Österreich, woraus man schließen kann, dass 2002 mehr gültige Stimmen abgegeben wurden als 1999.
Zusammenfassung der Kapitel
Eine Analyse der Vorzugstimmenwahl 2002: Einleitende Betrachtung über die Rolle der Vorzugsstimmenwahl im parlamentarischen System Österreichs und die Relevanz der Wahlrechtsreform von 1992.
1. Einleitung: Grundlegende Hinführung zum Thema mit Fokus auf die Zielsetzung der Analyse der Vorzugsstimmenentwicklung zwischen 1999 und 2002.
2. Skizze der Nationalratswahlordnung von 1992: Detaillierte Erläuterung der Wahlmechanismen, der Mandatsverteilung und der Hürden für die Vorzugsstimmenvergabe auf den verschiedenen Ebenen.
3. ausgewählte Ergebnisse: Empirische Auswertung der Wahldaten durch Tabellen und Diagramme zum Vorzugsstimmenverhalten.
3.1. ausgewählte Ergebnisse der Regionalwahlkreise – Ein Überblick 1999 – 2002: Analyse der Veränderungen und parteispezifischen Trends bei den Vorzugsstimmen auf regionaler Ebene.
3.2. ausgewählte Ergebnisse des Landeswahlkreise – Ein Überblick 1999 – 2002: Untersuchung der Entwicklungen auf Landesebene und Vergleich der Stimmanteile verschiedener Parteien.
4. Schlussbemerkung: Resümee über die geringe Auswirkung des Vorzugsstimmensystems in der Praxis und Reflexion über die politische Relevanz der Persönlichkeitswahl.
Schlüsselwörter
Vorzugsstimmen, Nationalratswahl, Wahlrecht, Österreich, Listenwahlrecht, Regionalwahlkreis, Landeswahlkreis, Hare'sches System, Mandatsvergabe, Persönlichkeitswahl, Wahlrechtsreform 1992, Parteipräferenz, Demokratie, Wahlanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert das Vorzugsstimmensystem bei den österreichischen Nationalratswahlen und untersucht, inwieweit Wähler die Möglichkeit nutzen, Kandidaten durch Vorzugsstimmen gezielt zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Wahlrechtsreform von 1992, die Mandatsvergabe auf Regional- und Landesebene sowie den Vergleich der Wahlergebnisse von 1999 und 2002.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist festzustellen, ob das Vorzugsstimmensystem tatsächlich zu einer stärkeren Persönlichkeitswahl führt oder ob das Listenwahlrecht weiterhin dominiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine quantitative Datenanalyse, bei der Wahlergebnisse in Tabellen und Diagrammen dargestellt und auf Parallelitäten sowie Differenzen hin untersucht werden.
Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die empirische Gegenüberstellung der Vorzugsstimmenergebnisse in Regional- und Landeswahlkreisen für verschiedene politische Parteien.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wesentlichen Begriffe sind Vorzugsstimmen, Nationalratswahl, Wahlrecht, Persönlichkeitswahl und die vergleichende Analyse zwischen den Jahren 1999 und 2002.
Warum spielt die Wahlrechtsreform von 1992 eine so zentrale Rolle?
Sie bildet den rechtlichen Rahmen, da mit dieser Reform der Versuch unternommen wurde, Wählern mehr Einfluss auf die Listenzusammensetzung der Parteien zu geben.
Wie bewertet der Autor die Wirkung des Vorzugsstimmensystems?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das System in der Praxis noch nicht das intendierte Ausmaß erreicht hat, da Stimmen primär an bereits bekannte Spitzenkandidaten vergeben werden.
- Quote paper
- Christian Briggl (Author), 2003, Eine Analyse der Vorzugsstimmenwahl 2002, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22875