Die technologische Errungenschaft des letzen Jahrtausends – der Computer – ist in der heutigen Zeit nicht nur auf unser Alltagsleben begrenzt, sondern bestimmt auch die Form von Wissensvermittlung und Wissensaneignung – sprich Lehren und Lernen. Der Medieneinsatz gewinnt in der Bildungslandschaft zunehmend an Bedeutung, nicht zuletzt aufgrund massiver Anstrengungen politischer und wirtschaftlicher Kräfte, welche sich gerne der Schlagwörter wie „e-fit“ und „e-learning“ bedienen.
Mit der Einführung und Nutzung der neuen Medien wird die Bildung auch unter den Aspekten der Ökonomie und Effizienz betrachtet und man erwartet daher Innovationen im Bildungsbereich.
Fraglich ist es, ob neue Medien, wie zum Beispiel das Internet, eine Änderung der Bildung herbeiführen oder ob die Erwartungen nicht erfüllt werden können.
Weiters stellt sich die Frage, wie die neuen Medien für Bildungszwecke effizient und pädagogisch sinnvoll Einsatz finden?
Für Lehrerinnen und Lehrer stellen die neuen Medien eine große Herausforderung dar. Insbesondere beim Versuch, einen qualitativen Unterricht vorzubereiten, treten bei der Planung des Medieneinsatzes meist folgende Fragen auf:
- Sind traditionelle Medien, wie Tafel und Overhead-Projektor noch zeitgemäß?
- Wird man durch den Trend, überall Computer einzusetzen, dazu verleitet, den PC im Unterricht mehr Bedeutung zu schenken als er eigentlich verdienen würde?
Es stellt sich die Frage, in welcher Form der Computer im fachtheoretischen Unterricht an oberösterreichischen gewerblichen Berufsschulen Verwendung findet?
Darüber hinaus war ist es interessant, im Rahmen dieser Diplomarbeit, im Studienfach „Aktuelle Humanwissenschaften mit berufsfeldbezogener Forschung“ zu erkennen, dass der Einsatz des Computers im Unterricht nicht nur PC-bezogene Fertigkeiten erfordert, sondern auch wesentlicher didaktischer Kenntnisse bedarf.
Inhaltsverzeichnis
1 Computer und Unterrichtsmethoden
1.1 Terminologie
1.1.1 Medium
1.1.2 Abkürzungen für Lehr- und Lernsysteme
1.2 Lernpsychologische Grundlagen
1.2.1 Didaktik und Methodik
1.2.1.1 Behavioristische Grundpositionen
1.2.1.2 Kognitionstheoretische Grundpositionen
1.2.1.3 Konstruktivistische Grundpositionen
1.2.2 Zusammenfassung
1.3 Kategorien von Programmen
1.3.1 Übungs- und Lernprogramme - tutorielle Systeme
1.3.2 Adaptive und intelligente tutorielle Systeme
1.3.3 Simulation, Modell und Modellbildung
1.3.3.1 Simulation
1.3.3.2 Modell
1.3.3.3 Modellbildung
1.3.4 Lernspiele
1.3.5 Planspiele
1.3.6 Mikrowelten
1.3.7 Offene Lernsysteme
1.3.8 Anwendungsprogramme „Werkzeuge“
1.3.9 Hypermedia und Internet
1.3.10 Kombinierte Ansätze
1.4 Geschichtliches zur Entwicklung von Lernsoftware
2 Ausgangslage in Österreich
3 Unterrichtsvorbereitung
3.1 Unterrichtsvorbereitung mit neuen Medien
4 Personelle und infrastrukturelle Voraussetzungen
4.1 Medienpädagogische Kompetenz der Lehrer/innen
4.2 Ausgangssituation der Schüler/innen
4.3 Infrastrukturelle Erfordernisse
4.3.1 Ausstattungskonzepte
4.3.2 Lernortebezogene Ausstattungen
4.3.3 Vernetzung
4.3.4 Administration
4.3.5 Infrastrukturvergleich Schule - Unternehmen
5 Projektplanung und Evaluation von Computerunterricht
5.1 Projektplanung
5.2 Evaluation
5.2.1 Evaluationsplanung
5.2.2 Formative Evaluation
5.2.3 Summative Evaluation
5.3 Beurteilung von Unterrichtssoftware durch Lehrkräfte
5.3.1 Programmtechnische Bewertung
5.3.2 Fachdidaktische Bewertung
5.3.3 Mediendidaktische Bewertung
6 Kritik am Computerunterricht
6.1 Soziale Isolation
6.2 Abhängigkeit von der Infrastruktur
6.3 Ergonomische Grenzen
6.4 Informationsüberfluss und Informationsqualität
6.5 Widerstände der Lehrer/innen
7 Hypothesenmodell und Forschungsfragen
7.1 Forschungsfrage 1
7.2 Forschungsfrage 2
7.3 Forschungsfrage 3
7.4 Forschungsfrage 4
7.5 Forschungsfrage 5
8 Empirische Erhebung
8.1 Erhebungszeitraum
8.2 Adressatenkreis
8.3 Erhebungsform
8.4 Hinweis zur Auswertung der Daten
9 Interpretation der Ergebnisse zu den Forschungsfragen
9.1 Auswertung und Ergebnisse
9.1.1 Forschungsfrage 1
9.1.1.1 Hypothese 1.1
9.1.1.2 Hypothese 1.2
9.1.1.3 Hypothese 1.3
9.1.1.4 Hypothese 1.4
9.1.2 Forschungsfrage 2
9.1.2.1 Hypothese 2.1
9.1.2.2 Hypothese 2.2
9.1.2.3 Hypothese 2.3
9.1.3 Forschungsfrage 3
9.1.3.1 Hypothese 3.1
9.1.3.2 Hypothese 3.2
9.1.3.3 Hypothese 3.3
9.1.4 Forschungsfrage 4
9.1.4.1 Hypothese 4.1
9.1.4.2 Hypothese 4.2
9.1.4.3 Hypothese 4.3
9.1.5 Forschungsfrage 5
9.1.5.1 Hypothese 5.1
9.1.5.2 Hypothese 5.2
9.1.5.3 Hypothese 5.3
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den aktuellen Einsatz von Computern im fachtheoretischen Unterricht an oberösterreichischen gewerblichen Berufsschulen. Ziel ist es, zu analysieren, ob der Computer lediglich traditionelle Medien ergänzt oder ersetzt, oder ob er neue, didaktisch innovative Lernformen ermöglicht, wobei methodische Rahmenbedingungen und die Qualifikation der Lehrkräfte im Fokus stehen.
- Integration neuer Medien in den fachtheoretischen Unterricht.
- Lehr- und lerntheoretische Grundlagen des computergestützten Lernens.
- Infrastrukturelle und personelle Voraussetzungen an Berufsschulen.
- Projektplanung und Evaluation von IT-Implementierungen.
- Kritische Analyse des aktuellen Standes der computergestützten Lehre in Oberösterreich.
Auszug aus dem Buch
1.3.2 Adaptive und intelligente tutorielle Systeme
Unter Adaptierbarkeit versteht man, inwieweit ein System auf der Grundlage einer vorgenommenen externen Diagnose durch externe Eingriffe so verändert werden kann, dass es dem Unterstützungsbedarf der Lernenden möglichst gut entspricht. Man spricht bei solch einer Form von Anpassung auch von Makro-Adaptation. Demgegenüber beschreibt der Begriff der Adaptivität, inwieweit das System selbst in der Lage ist, den Unterstützungsbedarf der Lernenden zu diagnostizieren und das Ergebnis der Diagnose in geeignete angepasste Lehrtätigkeiten umzusetzen (vgl. BLUMSTENGEL).
Beispiele für potentielle adaptive Größen in Lernsystemen sind:
Instruktionsumfang und Lerndauer (die Informationspräsentation und das Training erfolgt bis zur Zielerreichung)
Instruktionssequenz (Lernweg)
Aufgaben-Präsentationszeit und Antwortzeitbegrenzung
Schwierigkeitsgrad der Aufgaben
Hilfe beim entdeckenden Lernen (Hinweis auf Informationen, die im gegebenen Kontext wichtig sind und vom Lernenden noch nicht wahrgenommen wurden)
Hilfestellung zum Umgang mit dem System (kontextsensitive Hilfen)
flexible Form der Definitionen (diese bauen nur auf bereits vorher gelernten Begriffen auf)
Angebot an Links in einem Hypermedia-System (in Abhängigkeit vom augenblicklich festgestellten Interessenprofil des Lernenden)
Intelligente Tutorielle Systeme (ITS) sind hochgradige adaptive Systeme, die Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) verwenden. Damit wird eine Ergänzung und Flexibilisierung des traditionellen tutoriellen Ansatzes angestrebt. Das Programm soll in der Lage sein, unterschiedliche Anforderungen der Lernenden an den Grad der Schwierigkeit und Unterstützung zu erfüllen. Weiters ändern sich auch die Bedürfnisse eines einzelnen Lernenden im Laufe der Zeit oder mit den jeweiligen Themengebieten. Eine selbständige Anpassung des Lernsystems an den Lernenden ist im Idealfall mit dem Einsatz individualisierter Strategien durch einen Lehrer vergleichbar.
Zusammenfassung der Kapitel
Computer und Unterrichtsmethoden: Dieses Kapitel erläutert die terminologischen Grundlagen computergestützten Lernens und ordnet Lernsoftware lerntheoretischen Paradigmen (Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus) zu.
Ausgangslage in Österreich: Das Kapitel skizziert den technischen Ausstattungsgrad österreichischer Schulen und thematisiert kritische Perspektiven zur tatsächlichen Nutzung der IT-Infrastruktur.
Unterrichtsvorbereitung: Es werden Anforderungen an die Planung von Unterricht mit neuen Medien sowie Analyse- und Beurteilungsfragen für Lehrkräfte behandelt.
Personelle und infrastrukturelle Voraussetzungen: Hier werden die medienpädagogischen Kompetenzen der Lehrkräfte sowie Anforderungen an die schulische IT-Infrastruktur und Verwaltung diskutiert.
Projektplanung und Evaluation von Computerunterricht: Dieses Kapitel beschreibt Phasen der IT-Integration und legt dar, wie Software und Unterrichtsmethoden systematisch evaluiert werden können.
Kritik am Computerunterricht: Der Text setzt sich kritisch mit den Gefahren wie sozialer Isolation, Abhängigkeit von Technik und Informationsüberflutung auseinander.
Hypothesenmodell und Forschungsfragen: Vorstellung der wissenschaftlichen Fragestellung und der daraus abgeleiteten Hypothesen für die empirische Untersuchung.
Empirische Erhebung: Beschreibung der methodischen Vorgehensweise, des Erhebungszeitraums und des adressierten Kreises an Berufsschulen.
Interpretation der Ergebnisse zu den Forschungsfragen: Detaillierte statistische Auswertung und Diskussion der gewonnenen Daten in Bezug auf die aufgestellten Hypothesen.
Schlüsselwörter
Computerunterricht, Berufsschule, Medienkompetenz, Lernsoftware, Frontalunterricht, Bildungsmonitoring, E-Learning, Evaluation, Konstruktivismus, Didaktik, IT-Infrastruktur, Lehrerausbildung, Unterrichtsvorbereitung, Lernpsychologie, Wissensvermittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht, wie Computer im fachtheoretischen Unterricht an gewerblichen Berufsschulen in Oberösterreich eingesetzt werden und welche didaktischen Herausforderungen damit verbunden sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die lerntheoretischen Grundlagen von Lernsoftware, die personelle und infrastrukturelle Ausstattung der Schulen, die Planung von IT-gestützten Projekten sowie eine empirische Bestandsaufnahme der Praxis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel ist herauszufinden, ob Computer lediglich als Ergänzung existierender Lehrmethoden dienen oder zu einer pädagogisch sinnvollen Innovation führen und ob dabei didaktische Prinzipien ausreichend beachtet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus theoretischer Literaturanalyse und einer empirischen quantitativen Befragung (Fragebögen) von Lehrkräften an oberösterreichischen Berufsschulen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung verschiedener Lernsysteme und Softwarekategorien sowie in eine empirische Studie, in der fünf Forschungsfragen mittels 16 Hypothesen überprüft werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Medienkompetenz, Computerunterricht, Berufsschule, didaktische Evaluation und IT-Infrastruktur.
Warum wird der Frontalunterricht trotz IT-Einsatz weiterhin favorisiert?
Die Studie zeigt, dass ein erheblicher Teil der befragten Lehrkräfte die Fülle des Lehrstoffs und Zeitmangel als Hauptgründe für den Frontalunterricht angibt.
Welche Rolle spielt die Lehrerausbildung bei der IT-Integration?
Viele Lehrkräfte empfinden die bestehende Aus- und Fortbildung im Bereich Mediendidaktik als unzureichend, weshalb sich ein Großteil ihre Computerkenntnisse autodidaktisch aneignet.
Wie steht es um die Evaluation von Computereinsätzen in der Schule?
Die empirischen Ergebnisse verdeutlichen, dass eine systematische Evaluation nach der Neueinführung von Computertechnologie in den untersuchten Berufsschulen nur in einem sehr geringen Prozentsatz stattfindet.
Welche geschlechterspezifischen Unterschiede wurden in der Untersuchung gefunden?
Während bei der Nutzungshäufigkeit keine gravierenden Unterschiede festgestellt wurden, zeigt sich bei der IT-Zertifizierung (ECDL) und der Aneignung von didaktischem Wissen ein Nachholbedarf bei den befragten Lehrerinnen gegenüber ihren männlichen Kollegen.
- Arbeit zitieren
- BEd Robert Murauer (Autor:in), 2004, Computer im fachtheoretischen Unterricht an gewerblichen Berufsschulen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229451