Nationen und Nationalismus bei Johann Gottfried Herder


Essay, 2013

8 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Einleitung

In diesem Essay sollen die Begriffe ‚Nation‘ und ‚Nationalismus‘ dargestellt werden. Außerdem soll Herders Verständnis der ‚Nation‘ und seine – umstrittene – Position gegenüber dem ‚Nationalismus‘ diskutiert werden.

Der Begriff der ‚Nation‘

Der Nationenbegriff hat seinen Ursprung im lateinischen natio und meint ursprünglich etwas wie Herkunft oder Volk.

Adelung definiert die Nation als

„die eingebornen Einwohner eines Landes, sofern sie einen gemeinschaftlichen Ursprung haben, eine gemeinschaftliche Sprache reden, und in etwas engerem Sinne auch durch eine ausgezeichnete Denk= und Handlungsweise oder den Nationalgeist sich von andern Völkerschaften unterscheiden, sie mögen übrigens einen einigen Staat ausmachen, oder in mehrere vertheilet seyn.“

(Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hoch-deutschen Mundart. Band 3. S. 439f. im Online-Angebot: http://lexika.digitale- sammlungen.de/adelung/online/angebot; aufgerufen am 19.02.13, 12.45 Uhr)

Dieser Vorschlag einer Definition wird auch von Anne Löchte1 aufgegriffen und umfasst offensichtlich mehrere Facetten.

Zum ersten ist von „eingebornen“ die Rede – es wird also der Ort der Geburt als ein Faktor benannt. Streitbar ist in diesem Fall sicherlich, inwiefern Migranten in dieser Definition einen Platz finden. Ist es möglich, als geborener Franzose zur Nation der Deutschen zu gehören? Und wenn ja, wie lange dauert dieser Prozess und von welchen Kriterien ist er abhängig?

Ein weiteres Kriterium ist ein „gemeinsamer Ursprung“, den – evolutionstheoretisch – eigentlich alle Menschen aufweisen können.

Die „gemeinsame Sprache“ wird angeführt, aber wie verhält es sich mit Nationen, in denen mehrere gängige Sprachen vorkommen? Handelt es sich im Falle Kanada (Englisch, Französisch) um eine Nation, wo doch zwei Sprachen als Amtssprache akzeptiert werden, aber nur ca. 17 % der Kanadier beider Sprachen mächtig sind?2

Inwiefern wirkt sich diese Definition auf regionale Dialekte aus? Sind Oberbayern und Kurpfälzer überhaupt Mitglieder der gleichen Nation, wo sich ihre Sprache doch eklatant unterscheidet?

Im engeren Sinne werden auch bestimmte „Denk- und Handlungsweisen“ als Kriterium einer Nation genannt, in denen sich die eine Nation von einer anderen unterscheiden solle. Inwiefern in einem so großen Kollektiv tatsächlich ein gemeinsamer Habitus vorherrscht, ist jedoch strittig.

Zu guter Letzt wird allerdings auch die Möglichkeit erörtert, dass Nationen einen

„Staat […] ausmachen“ können, oder aber auch auf mehrere Staaten verteilt sein können.

Ganz offensichtlich ist, dass eine universelle Definition des Begriffs ‚Nation‘ nur schwer möglich ist – vor allem im Hinblick auf die fortschreitende Globalisierung, einem ‚grenzenlosen‘ Europa sind die Aspekte des „Nationalgeistes“, oder auch der

„gemeinsame Ursprung“ immer weniger aussagekräftig.

Herders Nationenverständnis

Vorab ist anzumerken, dass J.G. Herder die Begrifflichkeiten ‚Nation‘ und ‚Volk‘ synonym gebraucht.

Besonders in den Humanitätsbriefen wird deutlich, wie die herdersche Idee einer Nation aussieht. Die gesamte Beschreibung von Nationen steht hier im Kontext eines göttlichen Schöpfungsplans.

Gott, als Schöpfer, stattet die Welt mit verschiedenen geographischen Zügen aus, mit unterschiedlicher Flora und verschiedenen Klima. Die durch Meere und Gebirge erzeugte ‚Isolierung‘ der Völker ist kein Zufall, sondern hat eine bestimmte Aufgabe.

Die Menschheit wird mit teilweise sehr unterschiedlichen Attributen versehen, angepasst in die regionalen Gegebenheiten.

Verschiedene Völker ‚starten‘ also unter ganz unterschiedlichen Bedingungen und entwickeln, in Einfluss der Umweltbedingungen, bestimmte kulturelle Ausprägungen, die sie von anderen Völkern unterscheiden.

Ganz in diesem Sinne bedient sich Herder einer Naturmetaphorik, wenn er die Nation als einen „ungejäteten Garten voll Kraut und Unkraut“3 beschreibt.

Hier kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Nationen sind etwas natürliches, durch die Metapher des Gartens ausgedrückt, in dem etwas wächst und gedeiht, mit positiven und auch negativen Facetten.

[...]


1 Löchte, Anne: Johann Gottfried Herder. Kulturtheorie und Humanitätsidee der Ideen, Humanitätsbriefe und Adrastea. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2005. S. 78.

2 Vgl. http://web.archive.org/web/20080106164505/http://www40.statcan.ca/l01/cst01/demo15a.htm;aufgerufen am 22.02.13, 10.00 Uhr

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Nationen und Nationalismus bei Johann Gottfried Herder
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Poltitikwissenschaft und Sozialforschung)
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
8
Katalognummer
V229503
ISBN (eBook)
9783656449423
Dateigröße
767 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nationen, nationalismus, johann, gottfried, herder
Arbeit zitieren
Moritz Sehn (Autor), 2013, Nationen und Nationalismus bei Johann Gottfried Herder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229503

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