Empirische Psychologie. Eine Untersuchung des 4. Kapitels aus Alan Musgraves „Alltagswissen, Wissenschaft und Skeptizismus“


Hausarbeit, 2005

14 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zusammenfassung Kapitel 4 - Empirische Psychologie
2.1 Abschnitt 1 - Die Kübel-Theorie des Geistes
2.2 Abschnitt 2 - Die Tradition und die Bedeutung der Sprache
2.3 Abschnitt 3 - Sprachlernen
2.4 Abschnitt 4 - Die Rolle der Wiederholungen
2.5 Abschnitt 5 - Angeborene Ideen oder angeborenes Wissen?

3. Weitere Erläuterungen zum Kapitel
3.1 Die Kübeltheorie
3.2 Tradition
3.3 Sprache
3.4 Angeborenes Wissen und angeborene Ideen

4. Kommentar

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit entstand im Rahmen des Magisterstudiengangs Sportwissenschaft in der Lehrveranstaltung ‚Wissenschaftliche Arbeiten’ bei Prof. Dr. Klaus Rehkämper.

Ich fasse hier das vierte Kapitel „Empirische Psychologie“ aus Alan Musgraves Buch „Alltagswissen, Wissenschaft und Skeptizismus“ zusammen. Der erst Teil dient allein diesem Zweck der inhaltlichen Kurzfassung des Textes. Im zweiten Teil werde ich einzelne wichtige Aspekte aus dem Text noch einmal aufgreifen und mit Hilfe weiterführender Literatur versuchen, diese ein wenig weiter auszuführen und zu erklären. Am Schluss werde ich noch einmal kurz meine eigene Ansicht zu der folgenden Problematik darlegen.

2. Zusammenfassung Kapitel 4 - Empirische Psychologie

Der Autor stellt die Frage, woher das Vorwissen und die Überzeugungen stammen, welche wir nutzen, um Sinneserfahrungen einzustufen und zu interpretieren. Sie können nicht der vorherigen Erfahrung entspringen, da man sich dann in einem unendlichen Regress befinde. Musgrave kommt daher zu folgendem Schluss: „Entweder sind einige Überzeugungen vor aller Erfahrung oder irgendeine Erfahrung ist vor jeder Überzeugung da.“

Die letztere Behauptung werde von den Empiristen, darunter Locke und Bacon, vertreten. Sie vertreten die Auffassung, dass nichts im Verstand sei, das vorher in den Sinnen war, also jedes Wissen aus der Erfahrung entsteht. Sie stehen in dem Punkt den Rationalisten gegenüber, die dem Menschen angeborene oder apriorische Ideen zuschreiben.

Der Autor vergleicht die Frage, was nun zuerst da sei, die Hypothese oder die Beobachtung, mit dem bekannten Henne-Ei-Problem. Er nennt als Ergebnis, dass am Anfang eine primitive Art der Hypothese stehe, was im Laufe des Kapitels untermauert werden soll.

2.1 Abschnitt 1 - Die Kübel-Theorie des Geistes

Die empiristische Theorie der Bildung von Überzeugungen kann man sich als einen leeren Kübel mit Löchern vorstellen. Die Sinneseindrücke fließen durch die Löcher von der Außenwelt in den Geist und werden dort nach anfänglichem Chaos geordnet und teilweise dauerhaft verbunden. Als Beispiel wird ein Feuer genannt, welches wir sehen und dessen Wärme wir spüren. Diese Sinneseindrücke werden nach mehrmaliger Wiederholung dauerhaft verbunden, weshalb wir immer glauben, dass ein Feuer uns wärmt und eine Vorhersage treffen können. Solche Art von Vorhersagen befähigen den Menschen dazu, sich in der Welt zurechtzufinden.

Falsche Eindrücke können nach empiristischer Ansicht entstehen, wenn man voreilige Schlüsse zieht (ich sehe einen roten Apfel => alle Äpfel sind rot). Nur ständig wiederholte Erfahrungen geben Gewissheit über die Überzeugung.

Aus diesem Bild von Erwerb eines Glaubens folgen zwei unmittelbare Konsequenzen. Je länger der Kübel, also der Geist, Sinneseindrücken ausgesetzt ist, desto mehr Erfahrungen und Überzeugen kann es geben. Die zweite ist, dass Menschen, denen bestimmte Sinneseindrücke versagt sind (Blindheit, Taubheit), zu anderen Überzeugungen gelangen müssen, da sie anderer Erfahrungen machen.

2.2 Abschnitt 2 - Die Tradition und die Bedeutung der Sprache

Dadurch, dass man die meisten Erfahrungen nicht selbst macht, sondern von anderen lernt oder über Medien informiert wird, ist die wichtigste Quelle des Wissens/des Glaubens die Tradition. Aus zwei Gründen kann Locke diese Quelle des Wissens nicht vollständig akzeptieren. Erstens sei dies keine unabhängige Quelle des Wissens, sondern ein Spezialfall des Lernens. Zweitens könne man nie wissen, ob diese Informationen wahr seien, da man sie nicht selbst erfahren hat. Aus diesem Grund seien diese Erfahrungen kein Wissen, sondern bloß Meinungen, die man übernehmen könne. Demnach könne die schulische Erziehung auch kein Wissen vermitteln, sondern nur Überzeugungen, da die meisten Lehren nicht durch den Schüler nachprüfbar sind. Aus diesem Grund sieht Locke die Sinneserfahrungen als wirkliche Quellen des Wissens an. Der Autor ist nicht dieser Überzeugung, da man nur mit den eigenen Erfahrungen nicht zu viel Wissen gelangen könne. Er führt an, dass man Wissen bzw. Glauben aus der Tradition erlangen könne, wenn man die erforderte Rechtfertigung nicht zu streng nähme. Außerdem berichtigt die Tradition oft Sinneseindrücke, die andere Ergebnisse zeigen als üblich, z.B. wenn bei einem Experiment andere Resultate herauskommen und kann demnach als Quelle des Wissens akzeptiert werden.

Die wichtigste Voraussetzung um von der Tradition, also von anderen Menschen lernen zu können, ist die Kenntnis der Sprache. Wenn man die Sprache nicht beherrscht, kann man nur Geräusche des Sprechers oder Zeichen des Geschriebenen wahrnehmen. Wenn man allerdings die Sprache spricht, sieht man durch sie hindurch direkt auf die Bedeutung. Auch als Zuhörer oder Leser übernimmt man dann einen aktiven Part an der Konversation.

Als Beispiel für die Wichtigkeit der Sprache führt der Autor den Fall Helen Keller an, die kurz nach der Geburt taub und blind wurde. Ihre wichtigsten „Löcher ihres Kübels“ waren also verstopft. In ihrer späteren Autobiographie beschreibt sie dann, dass sie sich selbst als Mensch erst bewusst wurde, als ihr eine Sprache, die auf Berührungen basiert, beigebracht wurde. Dies wirft die Frage auf, ob die Sprache alles vermitteln kann. Kann ein Blinder, der sich alles vorhandene Wissen über Farben angeeignet hat, das Wort „rot“ verstehen? Die Philosophen die behaupten, dass das Wort „rot“ mit der Empfindung beim Anblick der Farbe übereinstimmt, würden dies bezweifeln. Andererseits kann man Texte über Magnetfelder verstehen, obwohl der Mensch nicht in der Lage ist, diese Felder zu empfinden.

Der Autor sieht die sprachliche Sinneserfahrung als ein ganz wichtiges Element des Lernens an, welches sich gar nicht so sehr von den gewöhnlichen Sinneserfahrungen unterscheidet. Er vertritt außerdem die These, dass die Sprache nicht durch die Assoziation von Ideen durch Wiederholungen gelernt wird, sondern vielmehr durch das aktive Ziehen voreiliger Schlüsse.

2.3 Abschnitt 3 - Sprachlernen

Nach empiristischer Auffassung funktioniert das Lernen der Sprache ebenso wie das Beispiel mit dem Feuer - durch wiederholte Wahrnehmung. Dies ist schwierig vorzustellen, da es viele Worte gibt, die man nicht wahrnehmen kann, weil sie keinen Gegenstand bezeichnen, die aber für die Bildung von Sätzen unerlässlich sind. Dagegen spricht auch, mit welcher Geschwindigkeit Kinder die natürliche Sprache lernen und auch eigenständig Sätze formulieren und sie nicht nur wiederholen. Neben der Bedeutung von Wörtern ist nämlich vor allem das Erlernen von grammatikalischen Regeln notwendig. Dass diese Regeln durch assoziierte Reize erlernt werden, ist schwer vorzustellen.

Noam Chomsky warf die Theorie auf, dass Kinder eine Art von angeborenem Sprachwissen besäßen, welches eine Struktur für das weitere Sprachlernen bieten sollte. Auf Probleme stößt man dabei, wenn man darüber nachdenkt, welche Art von Vorwissen vorhanden ist. Kenntnisse einer bestimmten natürlichen Sprache können es nicht sein, da Kinder unabhängig von der Sprache ihrer Eltern auch bei anderssprachigen Pflegeeltern keine Probleme mit dem Erlernen dieser Sprache haben. Ein allgemeines Grundwissen dagegen, das für alle Sprachen geeignet ist, setzt Gemeinsamkeiten aller Sprachen auf der Welt voraus, was heftig umstritten ist. Genauso umstritten ist die Behauptung, dass das Erlernen einer Sprache nur dem Menschen vorbehalten ist.

Wie lernen Kinder eigentlich ihre Sprache? Wichtig dabei ist die Fähigkeit des Kindes zu verallgemeinern und voreilige Schlüsse zu ziehen. Da es am Anfang nur wenige Worte kennt, benutzt es diese Worte universal für all das, was dem Ursprünglichen Gegenstand auch nur im Entferntesten ähnlich sieht (z.B. Papi für alle Menschen). Gleiches passiert beim Erlernen grammatischer Regeln. Zum Beispiel werden Plural- oder Vergangenheitsformen die bei einem Wort erlernt wurden, auf alle anderen Wörter angewendet, auch wenn diese unregelmäßig sind.

Kinder ziehen also beim Lernen der Sprache voreilige Schlüsse, schaffen eine eigenen Ordnung und bedürfen keiner häufige Wiederholung der sprachlichen Sinneserfahrungen. Überträgt man diese Beobachtungen auf das allgemeine Lernen, dann scheint es plausibel, dass auch dies nicht auf häufigen Wiederholungen basiert, wie es die empiristische Theorie behauptet.

[...]

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Details

Titel
Empirische Psychologie. Eine Untersuchung des 4. Kapitels aus Alan Musgraves „Alltagswissen, Wissenschaft und Skeptizismus“
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Sportwissenschaft)
Veranstaltung
Wissenschaftliches Arbeiten
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V229507
ISBN (eBook)
9783656453277
ISBN (Buch)
9783656453994
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Empirische Psychologie, Psychologie, Musgrave, Kübeltheorie
Arbeit zitieren
Patrick Buck (Autor), 2005, Empirische Psychologie. Eine Untersuchung des 4. Kapitels aus Alan Musgraves „Alltagswissen, Wissenschaft und Skeptizismus“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229507

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